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Insektensterben: Warum das Verschwinden der Insekten uns alle betrifft

Das Insektensterben bedroht die biologische Vielfalt weltweit. Denn ohne Insekten liefern die meisten Obstbäume und Gemüsepflanzen keine Früchte und viele Vogelarten haben nichts mehr zu fressen. Die vielfältigen Leistungen der Insekten in der Natur zeigt der Kinofilm “Insekten - Helden im Verborgenen”. Der begeistert uns für Insekten und zeigt, wie Landwirtinnen und Landwirte insektenfreundlich arbeiten können. Aber auch wir können etwas gegen Insektensterben in Deutschland unternehmen.
Das Wichtigste in Kürze zum Insektensterben
- Insekten übernehmen unverzichtbare Aufgaben in Ökosystemen und sichern unsere Ernährung.
- Dreiviertel unserer Kulturpflanzen sind auf Bestäubung durch Insekten angewiesen.
- Studien belegen das Insektensterben in Deutschland und weltweit.
- Die Roten Listen des Bundesamtes für Naturschutz weisen bei 45 Prozent der Insektenarten einen rückläufigen Bestand aus.
- Hauptursachen für den Insektenrückgang sind der Verlust von Lebensräumen sowie eine intensive landwirtschaftliche Nutzung, insbesondere durch den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln.
- Der Ökolandbau wirtschaftet insektenfreundlicher als der konventionelle, kann aber noch mehr tun.
Nein. Insekten steuern zahlreiche ökologische Prozesse und sichern unsere Ernährung. Dabei übernehmen sie vielfältige Rollen:
- Bestäuber: Drei Viertel der wichtigsten Kulturpflanzen weltweit sind auf die Bestäubung von Insekten angewiesen. Ohne sie würden wir viel weniger Obst und Gemüse ernten. Kaffee, Kakao, Mandeln, Heilpflanzen sowie Baumwolle oder Leinen hängen ebenfalls von der Bestäubung ab. Ohne Insekten gebe es einen dramatischen Ernterückgang sowie eine Hungerkrise mit allen sozialen Verwerfungen.
- Wichtigstes Glied in der Nahrungskette: Insekten bilden die zentrale Nahrungsquelle für viele Vogelarten, Amphibien, Fische, Fledermäuse und andere Säugetiere. Mit dem Rückgang der Insekten verschwinden auch viele dieser Tierarten. Das ökologische Gleichgewicht bricht zusammen.
- Schädlingsbekämpfer: Insekten wie Marienkäfer, Schwebfliegen und Laufkäfer halten Schädlinge im Zaun. So kann ein Marienkäfer pro Tag 50 Blattläuse vertilgen. Der Ökolandbau arbeitet viel mit solchen Nützlingen.
- Müllabfuhr und Humusproduzent: Insekten zerkleinern und zersetzen abgestorbene organische Substanz (Laub, Mist, tote Tiere) und bauen sie zu wertvollem Humus um. Echtes Upcycling! Ohne Mistkäfer und Co. bleibt die Streu liegen und der Boden verarmt.
- Wirtschaftsförderer: Laut dem Globalen Bestäuberbericht des Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft sind etwa 5 bis 8 Prozent der jährlichen Produktion für den Weltmarkt direkt mit Bestäubungsleistungen verbunden – das entspricht einem Wert von circa 210 bis 517 Milliarden Euro.
Ja. Eine Überblicksstudie der Universität Sydney schätzt, dass die Population von 41 Prozent der Insektenarten weltweit abnimmt und ein Drittel der Arten vom Aussterben bedroht ist. Allerdings fehlen in Afrika, Asien und Südamerika dazu konkrete Daten. Fakt ist aber, dass dort Rodungen von Tropenwäldern und deren Umwandlung zu Sojaäckern oder Palmölplantagen sowie eine intensivere Landwirtschaft mit höherem Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinsatz das Insektensterben verschärft.

Schlecht. Das heimische Insektensterben belegt die bekannte Krefelder Studie. Ehrenamtliche Insektenkundige haben über einen Zeitraum von 27 Jahren einen starken Rückgang der Biomasse fliegender Insekten in Naturschutzgebieten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg festgestellt. Dort sind mehr als 75 Prozent der Gesamtmasse an Fluginsekten verschwunden. Den langfristigen Niedergang bestätigen die Roten Listen des Bundesamtes für Naturschutz. Bei 45 Prozent (3.086 Arten und Unterarten) der ausgewerteten Insekten war der langfristige Bestandstrend rückläufig. Die höchsten Verluste verzeichnen die Köcherfliegen mit 96 Prozent. Deren Larven brauchen saubere Gewässer. Aber auch 64 Prozent der Tagfalterarten sind abgestürzt.
Der Rückgang von Insekten ist in Deutschland wie auch weltweit schon seit längerem zu beobachten. Es handelt sich um einen kontinuierlichen und bereits seit mehreren Jahrzehnten andauernden Prozess, bei dem sowohl die Häufigkeit von Insektenindividuen als auch die Artenvielfalt abgenommen haben,
so das Bundesamt für Naturschutz.
Es gibt nicht eine Ursache, sondern viele Gründe für das Insektensterben:
- Verlust von Lebensräumen: Immer mehr Wiesen, Wälder und andere Freiflächen fallen Siedlungen und Verkehrsflächen zum Opfer. Pro Tag werden etwa 50 Hektar für neue Siedlungs- und Verkehrsflächen beansprucht (etwa 50 Prozent davon versiegelt). Die verbleibenden Lebensräume verkleinern sich und liegen als kleine Inseln in einer feindlichen Umwelt. Das macht es Insekten und anderen Tierarten schwer, neue Biotope zu erreichen.
- Klimawandel: Steigende Temperaturen, Dürre oder Starkregen verändern die Lebensräume. Kälteliebende Insekten müssen in höhere Lagen oder nach Norden abwandern oder verschwinden. Die frühere Blütezeit vieler Pflanzen zwingt die Insekten dazu, ihren Entwicklungszyklus anzupassen. Schlüpft die Hummel nach der Blüte, findet sie keinen Nektar mehr und kann keinen Nachwuchs zeugen. Mit der Wärme wandern aber auch Krankheitserreger und invasive Arten wie der asiatische Marienkäfer ein, der sich viel schneller vermehrt als unser heimischer Siebenpunkt-Marienkäfer.
- Lichtverschmutzung: Künstliches Licht in der Dämmerung und Nacht macht nachtaktive Insekten orientierungslos. Sie finden keinen Partner und können sich nicht fortpflanzen.

Bis zur Industrialisierung hat die traditionelle Bewirtschaftung von Feldern, Wäldern und Wiesen die Artenvielfalt erhöht. Artenreiche Lebensräume wie Wacholderheiden, Mähwiesen, Hecken oder Streuobstwiesen sind entstanden.
Die heute übliche intensive Landwirtschaft nutzt die Flächen optimal aus, führt jedoch zu monotonen, artenarmen Landschaften. Hecken, Feldraine und Brachen gehen zurück. Mit der Pflanzenvielfalt verschwindet der Insektenreichtum. Beispielsweise finden spezialisierte Wildbienen keine passenden Blütenpflanzen mehr. Schmetterlingen fehlen Altgrasbestände, in denen ihre Eier oder Raupen überwintern können. Ein hoher Einsatz von Stickstoffdünger steigert die Erträge der Nutzpflanzen, aber lässt schwachwüchsigen Gräsern und Kräutern keine Chance. Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel töten nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge und Ackerwildkräuter.

Der Ökolandbau wirtschaftet insektenfreundlicher als die konventionelle Landwirtschaft. Der Schlüssel heißt mehr Vielfalt an Pflanzen auf Wiesen, Weiden und Feldern. Das gelingt durch:
- vielfältige Fruchtfolgen.
- mehr Blühstreifen und strukturreiche Landschaften,
- Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel,
- Förderung von Nützlingen,
- organische Düngung statt Mineraldünger.
Filmtipp zum Thema Insektensterben
Der Kinofilm INSEKTEN – HELDEN IM VERBORGENEN nimmt uns mit in den Mikrokosmos unserer bedeutendsten Tierklasse. Mit atemberaubenden Bilderwelten zeigt er, welche Hauptrolle Insekten seit Entstehung der Welt bis heute spielen. Eindrücklich erzählt von Katharina Thalbach. Es geht um den Rückgang der Sechsbeiner, aber auch um Visionen für eine insektenfreundliche Zukunft. Muss es wirklich ein “Mensch ODER Natur” sein? Zum Kinostart hat oekolandbau.de mit dem Regisseur Nepomuk Pfaff gesprochen.
Oekolandbau.de: Warum haben Sie diesen Film gemacht?
Nepomuk Pfaff: Der Anstoß kam von Adrian Lorbeth. Der ist Projektmanager beim World Wildlife Fund (WWF). Er war auf CZAR Film GmbH aufmerksam geworden durch eine Werbung von kopulierenden Insekten und suchte einen geeigneten Partner für einen Film über das Insektenschutzprojekt BROMMI. Jan Fincke, mein damaliger Chef kam auf mich zu, weil er wusste, dass ich ein Naturfreak bin und mich sehr für Langfilme interessiere. Das war perfekt. Ich halte die Leistungen der Insekten für völlig unterschätzt. Insekten haben es verdient, eine große Bühne bzw. Leinwand zu bekommen.
Oekolandbau.de: Wie haben Sie es geschafft, die kleinen Tiere so perfekt in Szene zu setzen?
Pfaff: Ich liebe Herausforderungen und das war eine! Wir waren nur ein kleines Team von drei Leuten, hatten ein großes Vorhaben mit einem kleinen Budget und waren nicht auf Makrotechnik spezialisiert. So haben wir mit Konsumer- und Prosumertechnik, die auch Laien benutzen können, gearbeitet.
Der Vorteil von Insekten ist, dass sie so klein sind. Beim Dreh mit Menschen brauche ich eine ganze Filmcrew, allein schon, um alles optimal zu beleuchten. Bei Insekten reicht dafür eine Schreibtischlampe. Und um Schatten für schöne Bilder zu erzeugen, genügt ein Knäckebrot.
Wir haben in der Natur und im Studio gedreht. Im Freien verwackeln die Nahaufnahmen schnell, ein Windhauch genügt. Daher mussten wir häufig drinnen drehen, um Makros wie die einzelnen Schuppen eines Falters zu zeigen. Aber auch im Studio müssen bei der Aufnahme alle still stehen. Selbst kleinste Bewegungen stören. Um die Metamorphose eines Schmetterlings zu drehen, haben der Kameramann und ich uns mehrere Tage im Studio eingeschlossen.
Oekolandbau.de: Haben Sie immer mit echten Tieren gedreht?
Pfaff: Ja, immer. Es gibt keine KI-generierten Aufnahmen. Das war uns wichtig. Wir haben aber nicht nur mit lebenden Tieren, sondern auch mit Insektensammlungen gearbeitet. Viele Aufnahmen entstanden im Naturkundemuseum in Berlin. Da konnten wir ihre riesige Sammlung von 15 Millionen Individuen nutzen. Insgesamt haben wir fünf Jahre für den Film gebraucht. Durch unser kleines Budget mussten einige Teammitglieder gleichzeitig an anderen Projekten arbeiten.
Oekolandbau.de: Hat sich Ihr Blick auf Insekten durch die jahrelangen Dreharbeiten verändert?
Pfaff: Ich wusste vorher nicht viel über Insekten. Je mehr ich gelernt habe, desto mehr habe ich das Gefühl, wie viel es noch zu lernen gibt. Auf jeden Fall weiß ich jetzt, was Insekten alles leisten und wie wichtig sie für uns sind. Sie leben zu unseren Füßen, sind aber verantwortlich für die ganze Welt um uns herum.
Manche Menschen sind genervt von Insekten. Als Kind waren Mücken bei mir Hasstiere, da ich so viel gestochen wurde. Bei den Aufnahmen zu Glühwürmchen mussten wir in der Dämmerung raus und wurden trotz langer Klamotten und Insektenspray total zerstochen. Diesmal habe ich mir gesagt, es ist egal und ich nehme das an. Seitdem gehe ich viel gelassener mit Mücken um.
Von den Dreharbeiten geblieben ist die Faszination für diese Tiere. Ich bewundere die komplexe Bauweise einer Libelle und staune, dass eine so kleine Fruchtfliege überhaupt fliegen kann und ein Gehirn besitzt.
Oekolandbau.de: Warum sollten wir das Insektensterben ernst nehmen?
Pfaff: Ich bin kein Experte, aber es ist ein sehr großer Rückgang der Insekten mit verschiedenen Studien belegt. Dieser Fakt reicht aus, um sich mit dem Thema zu beschäftigen und zu handeln.
Das Gleichgewicht der Welt kann durcheinandergebracht werden und deshalb sollten wir so wenig wie möglich in die Natur und in diese komplexen Prozesse eingreifen.
Oekolandbau.de: Im zweiten Teil des Filmes geht es viel um Landwirtschaft - warum?
Pfaff: Land- und Forstwirtschaft bewirtschaften zusammen drei viertel der Flächen und haben daher den größten Hebel, etwas für Insekten zu tun. Wir wollten nicht nur die Faszination zeigen, sondern auch Hoffnung vermitteln und eine positive Perspektive zum Umgang mit Insekten zeigen. Dafür haben wir mit tollen Landwirtinnen und Landwirten in fünf ausgewählten Biosphärengebieten gesprochen. Die wissen alle wahnsinnig viel über die Natur und halten ihre Eingriffe in die Natur bewusst so gering wie möglich. Statt Horrorszenarien zeigen wir lieber positive Visionen von wirklich versierten Menschen, die ständig mit der Natur arbeiten.
Oekolandbau.de: Die meisten der im Film gezeigten Betriebe arbeiten ökologisch – kann der Ökolandbau die Insekten retten?
Pfaff: Bio macht einen großen Unterschied, da keine Pestizide und viel weniger Dünger verwendet werden dürfen. Aber nicht alle insektenfreundlichen Betriebe sind bio-zertifiziert. Es macht einen Unterschied, wenn man nicht alles totspritzt und Raum für Artenvielfalt lässt.
Oekolandbau.de: Was kann der Einzelne für Insekten tun?
Pfaff: Ich persönlich kaufe schon Bio oder Produkte vom regionalen Markt, aber nicht immer. Bio ist ja teuer. Ich habe auch ein paar Blumen für Bienen auf dem Balkon, aber strukturell hat die Landwirtschaft den größten Hebel. Mein größter Beitrag für den Insektenschutz war, diesen Film zu drehen. Der soll ein Bewusstsein für Insekten schaffen.
Ich will für Insekten interessieren und begeistern, aber nicht vorschreiben, was die Einzelnen denken oder tun sollen. Jede und jeder kann sich selbst Gedanken machen, was sie tun möchten. Wir wollen das Tor zur Welt der Insekten für ein breites Publikum öffnen, und was jede und jeder Einzelne daraus macht, ist ihnen selbst überlassen.
Oekolandbau.de: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten für die Zukunft zu – was wäre das?
Pfaff: Ich wünsche ihnen ein langes Leben sowie mehr Achtung und mehr Wertschätzung von uns Menschen. Generell wünsche ich mir ein besseres Miteinander zwischen Mensch und Natur. Ich wünsche mir eine harmonische Zukunft mit unserer Umwelt.
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Letzte Aktualisierung 24.06.2026







