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Von der Beratung zur Bio-Umsetzung in der Schulverpflegung: DIVERSA im Interview

Mit Unterstützung der RIBE-AHV und der fachlichen Beratung durch a’verdis hat das Inklusionsunternehmen DIVERSA seinen Bio-Anteil von 20 bis 30 Prozent auf mindestens 60 Prozent erhöht und die Bio-Zertifizierung erreicht. Im Interview berichten Geschäftsführer Tim Marx, Betriebsleiter Tassilo Springer und Ernährungs-wissenschaftlerin Alina Koch von DIVERSA über die Veränderungen in Strategie, Einkauf, Küchenpraxis und Zusammenarbeit mit den Schulen. Evamarie Stengel von a’verdis ergänzt die Perspektive der Beratung.
Das gemeinnützige Inklusionsunternehmen DIVERSA übernimmt aktuell an zwölf Schulen die warme Mittagsverpflegung und produziert täglich bis zu 1.500 Essen. Bereits vor der Beratung setzte der Caterer Bio-Lebensmittel ein. Mit Unterstützung der RIBE-AHV und fachlicher Begleitung durch a’verdis entwickelte sich daraus ein systematischer Veränderungsprozess: Der durchschnittliche Bio-Anteil stieg von 20 bis 30 Prozent auf mindestens 60 Prozent. Seit dem 31. Januar 2025 ist DIVERSA zudem bio-zertifiziert.
BioBitte sprach mit DIVERSA-Geschäftsführer Tim Marx über die strategischen und wirtschaftlichen Überlegungen hinter der Bio-Umstellung, mit Betriebsleiter Tassilo Springer über die Veränderungen in Einkauf und Küchenpraxis sowie mit Ernährungswissenschaftlerin Alina Koch über die Zusammenarbeit mit den Schulen, die Akzeptanz der Mahlzeiten und die Essenssituation vor Ort. Evamarie Stengel von der Beratungsgesellschaft a’verdis ergänzt die Perspektive der fachlichen Begleitung und erläutert, welche Faktoren und Meilensteine für die erfolgreiche Bio-Umsetzung entscheidend waren.
Wo stand DIVERSA beim Einsatz von Bio-Lebensmitteln vor der Beratung, und was war der Anlass, den Bio-Anteil auszubauen beziehungsweise die Bio-Zertifizierung anzugehen?
Wir haben auch vor der Beratung schon Bio-Lebensmittel eingesetzt und sind deshalb nicht bei null gestartet. Unser Bio-Anteil lag damals zwischen 20 und 30 Prozent, allerdings ohne diesen auszuloben. Wir wollten aber den nächsten Schritt gehen: weg von einzelnen Bio-Produkten und hin zu einem Konzept, das sich dauerhaft durch unseren Einkauf, unsere Speiseplanung und unsere täglichen Abläufe zieht. Die Bio-Zertifizierung war für uns dabei ein wichtiger und konsequenter Schritt, auch in der Kommunikation zu den verwendeten Bio-Zutaten.
Wie ist DIVERSA auf die RIBE-AHV-Beratungsförderung aufmerksam gewor-den, und wie lief der Weg vom Antrag über die Bewilligung bis zum Start der Beratung ab?
Im Zuge unseres Vorhabens wurde schnell deutlich, dass eine fachliche Begleitung für uns sehr wertvoll sein würde. In der vorbereitenden Recherche sind wir dank eines Hinweises aus unserem Kooperationsnetzwerk auf die RIBE-AHV-Förderung aufmerksam geworden. Die Förderung hat uns finanziell ermöglicht erfahrene und professionelle Unterstützung zu erhalten. Sowohl die Antragstellung selbst als auch das Bewilligungsverfahren haben wir als unkompliziert und pragmatisch erlebt. Nach Bewilligung unseres Antrags sind wir zunächst mit einer gründlichen Bestandsaufnahme gestartet. So ging es nicht sofort um fertige Lösungen, sondern erst einmal darum, gemeinsam genau hinzuschauen: Wo stehen wir und was passt wirklich zu DIVERSA?
Wer hat DIVERSA beraten, über welchen Zeitraum lief die Beratung und welche Bereiche beziehungsweise Mitarbeitenden waren beteiligt?
Begleitet wurden wir von a’verdis, konkret von Rainer Roehl und Evamarie Stengel. Die Beratung lief von der ersten Bestandsaufnahme im April 2024 bis zum Abschluss im Mai 2025 und umfasste sieben Termine. Dabei saßen nicht nur die Verantwortlichen am Tisch. Auch das Küchen- und Ausgabeteam wurde einbezogen, denn am Ende müssen die Veränderungen im täglichen Betrieb funktionieren und von den Mitarbeitenden mitgetragen werden.
Welche Ausgangslage wurde zu Beginn erfasst, welche Ziele wurden verein-bart und welche Schritte oder Meilensteine wurden festgelegt?
Zu Beginn wurde nicht nur über unsere Abläufe gesprochen – die Beratung beglei-tete einen vollständigen Produktionstag. Dadurch konnten wir sehr konkret erkennen, was bereits gut funktioniert und wo noch Entwicklungsmöglichkeiten liegen. Unser zentrales Ziel war, den Bio-Anteil deutlich zu erhöhen und die Bio-Zertifizierung zu erreichen. Daraus entstand Schritt für Schritt ein gemeinsamer Fahrplan für Beschaffung, Speiseplanung, Kommunikation, Ausgabe und Küchenpraxis.
Welche Themen standen im Mittelpunkt der Beratung - zum Beispiel Einkauf, Kalkulation, Speiseplanung, Warenwirtschaft, Zertifizierung oder Kommunikation – und welche Mitarbeiterschulungen wurden durchgeführt?
Die Beratung war sehr praxisnah. Es ging um die Frage, welche Lebensmittel wir zuverlässig in Bio-Qualität beschaffen können, welche Lieferanten dafür infrage kommen und wie wir unseren Speiseplan sinnvoll weiterentwickeln. Gleichzeitig haben wir uns damit beschäftigt, wie wir Bio gegenüber Kindern, Eltern und Schulen verständlich kommunizieren und die Essensausgabe verbessern können. Besonders wertvoll waren die Schulungen mit dem Küchen- und Ausgabeteam sowie eine gemeinsame Kocheinheit zu pflanzenbasierten Gerichten.
Welche konkreten Veränderungen und Ergebnisse sind aus der Beratung entstanden? Was wäre ohne die Beratung beziehungsweise die Förderung deutlich schwieriger oder später umgesetzt worden?
Das sichtbarste Ergebnis ist unser Bio-Anteil: Er ist von 20 bis 30 Prozent auf mindestens 60 Prozent gestiegen und hat sich damit mindestens verdoppelt. Außerdem ist DIVERSA inzwischen biozertifiziert. Für uns geht das Ergebnis aber über diese Zahlen hinaus. Wir haben unseren Speiseplan, unsere Lieferstrukturen und unsere Kommunikation weiterentwickelt und die Zusammenarbeit mit den Schulen gestärkt. Ohne die Förderung hätten wir diesen Prozess sicher auch angestoßen – aber nicht in dieser Tiefe, Geschwindigkeit und mit dieser fachlichen Begleitung.
Tim Marx zu Strategie, Wirtschaftlichkeit und Ganztag
Welche strategischen und wirtschaftlichen Überlegungen standen hinter der Bio-Umsetzung?
Die Bio-Umsetzung ist Teil unserer strategischen Ausrichtung. Als gemeinnütziges Inklusionsunternehmen wollen wir soziale, ökologische und wirtschaftliche Verantwortung miteinander verbinden. Dazu gehört für uns eine vollwertige, zunehmend pflanzenbasierte Verpflegung, möglichst aus ökologischer und regionaler Erzeugung.
Zugleich müssen wir wirtschaftlich erfolgreich sein, um unseren sozialen Auftrag dauerhaft zu erfüllen und inklusive Arbeitsplätze zu sichern. Deshalb haben wir Bio nicht als isolierten Kostenfaktor betrachtet, sondern mit der Weiterentwicklung unserer Speiseplanung und Betriebsabläufe verbunden. Als Bio- und DGE-zertifizierter Caterer schärfen wir damit außerdem unser Profil und stärken unsere Wettbewerbsposition in einem sehr preissensiblen Markt.
Welche Rolle spielten Wareneinsatz, Lebensmittelabfälle und Mengenplanung dabei, finanzielle Spielräume für Bio-Lebensmittel zu schaffen?
Im Schulessen ist der finanzielle Spielraum sehr eng. Deshalb betrachten wir nicht nur den Preis einzelner Bio-Produkte, sondern den Wareneinsatz des gesamten Speiseplans. Präzise kalkulierte Rezepturen und vollwertige pflanzliche Komponenten wie Hülsenfrüchte, Getreide, Kartoffeln und saisonales Gemüse ermöglichen einen hohen Bio-Anteil bei vertretbaren Portionskosten.
Ein weiterer wesentlicher Hebel ist die Vermeidung von Überproduktion. Je genauer Bestellzahlen, Erfahrungswerte und tatsächlich benötigte Mengen zusammenpassen, desto weniger Lebensmittel werden ungenutzt produziert. Die dadurch freiwerdenden Mittel können wir in höherwertige Bio-Zutaten investieren. Wareneinsatz, Abfallvermeidung und Mengenplanung bilden für uns daher einen gemeinsamen wirtschaftlichen Steuerungskreislauf.
Was benötigen Caterer von Kommunen und Schulträgern, damit eine hochwertige Bio-Verpflegung im Ganztag dauerhaft wirtschaftlich und organisatorisch funktioniert?
Caterer brauchen vor allem verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Wenn Bio-Verpflegung gewünscht ist, muss sie in Ausschreibungen mit klaren Qualitätszielen verankert und bei der Vergabe angemessen gewichtet werden. Der niedrigste Preis allein darf nicht ausschlaggebend sein. Realistische Verpflegungspreise, geeignete Preisgleitklauseln, ausreichend lange Vertragslaufzeiten und frühzeitig gemeldete Bestellmengen schaffen Planungssicherheit.
Organisatorisch benötigen wir klare Zuständigkeiten und verlässliche Schnittstellen zwischen Kommune, Schule, Betreuung und Caterer. Kommunen können darüber hinaus Nachfrage bündeln und den Aufbau regionaler Bio-Liefer- und Vorverarbeitungsstrukturen untertützen. Dauerhaft funktioniert hochwertige Ganztagsverpflegung nur, wenn sie nicht als reine Beschaffungsleistung, sondern als gemeinsame Qualitätsaufgabe verstanden wird.
Tassilo Springer zu Umsetzung in Einkauf und Küche
Was hat sich infolge der Beratung konkret bei Einkauf, Lieferanten, Bestellrhythmen, Lagerung, Dokumentation und Speiseplanung verändert?
Durch die Beratung ist unser Einkauf systematischer geworden. Wir prüfen Bio-Produkte nach Verfügbarkeit, Gebindegröße, Preis und möglichen Alternativen bei Lieferausfällen. Zusätzlich haben wir Kontakte zu regionalen Erzeugern und Produzenten aufgebaut. Weil Bio-Ware teilweise längere Vorlaufzeiten hat, planen wir Bedarfe früher und stimmen Bestellungen enger mit dem Speiseplan ab.
Im Lager werden Bio- und konventionelle Ware eindeutig gekennzeichnet und bei Bedarf getrennt. Auch die erforderlichen Nachweise und Warenbewegungen werden nachvollziehbar dokumentiert. Bei der Speiseplanung berücksichtigen wir Verfügbarkeit, Saison, Kalkulation und Verarbeitung deshalb von Anfang an. So ist aus dem Einkauf einzelner Bio-Produkte ein verlässlicher Ablauf geworden.
Können Sie an einem Produkt, Gericht oder Arbeitsprozess zeigen, wie aus der Beratung eine konkrete Veränderung im Küchenalltag entstanden ist?
Ein anschauliches Beispiel ist unsere Linsenbolognese. Sie verbindet ein bei Kindern vertrautes Gericht mit einer vollwertigen pflanzlichen Proteinquelle. Bei der Planung prüfen wir, ob Linsen, Nudeln, Tomatenprodukte und Gemüse zuverlässig in geeigneter Bio-Qualität und Gebindegröße verfügbar sind. Anschließend werden Rezeptur, Portionskosten und Produktionsmenge festgelegt.
Im Wareneingang und Lager ordnen wir die Bio-Zutaten eindeutig zu. Rückmeldungen aus der Ausgabe fließen später in Würzung, Konsistenz, Portionsgröße und Einsatzhäufigkeit ein. Das Beispiel zeigt gut, wie Einkauf, Rezeptur, Produktion, Dokumentation und Akzeptanz heute zusammen betrachtet werden.
Wie werden Rückmeldungen aus den Schulen, Produktionsmengen und Speisereste in Bestellungen, Rezepturen und Speisepläne übersetzt?
Wir gleichen die Bestellzahlen mit den produzierten und tatsächlich benötigten Mengen sowie den Rückmeldungen aus den Schulen ab. Entscheidend ist dabei nicht nur, ob etwas übrig bleibt, sondern möglichst auch warum. Einzelne Rückmeldungen führen noch nicht sofort zu einer Änderung; wir achten auf wiederkehrende Muster und Unterschiede zwischen Standorten und Altersgruppen.
Daraus ergeben sich konkrete Anpassungen: Wir reduzieren oder erhöhen Produk-tionsmengen, verändern Portionsgrößen, überarbeiten Würzung oder Konsistenz und passen die Zusammenstellung oder Position eines Gerichts im Speiseplan an. Die Ergebnisse fließen anschließend in die nächsten Bestellungen und Produktionsplanungen ein.
Alina Koch zu Schule, Akzeptanz und Essenssituation
An welchen Schulen und in welchen Situationen sind Sie beziehungsweise DIVERSA-Mitarbeitende direkt vor Ort, und welche Aufgaben übernehmen Sie dort?
Als ernährungswissenschaftliche Fachkraft bin ich die Schnittstelle zwischen DIVERSA als Caterer und den von uns betreuten Schulen. Deshalb bin ich regelmäßig während des Mittagessens direkt in den Mensen vor Ort. Dort komme ich mit den Küchenausgabekräften, den Schülerinnen und Schüler und den pädagogischen Fachkräften ins Gespräch und erlebe unmittelbar, wie das Essen und die Abläufe angenommen werden. Dabei schaue ich mir auch die Rahmenbedingungen genau an: Wie funktioniert die Ausgabe? Wie ist die Atmosphäre und wie wohl fühlen sich die Kinder? So kann ich Feedback direkt aus der Situation mitnehmen und konkrete Verbesserungen anstoßen.
Über diese unmittelbare Begleitung hinaus bin ich auf übergeordneter Ebene mit den OGS-Leitungen innerhalb unseres gemeinnützigen Organisationsverbundes im laufenden Austausch. Unsere Muttergesellschaft (sci:moers gGmbH) ist selbst Träger der offenen Ganztagsbetreuung, an denen wir die Mittagsverpflegung über-nehmen. In gemeinsamen Leitungsrunden besprechen wir aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und mögliche Maßnahmen. Dazu gehört beispielsweise auch die Planung von Schulungen für die Küchenausgabekräfte. Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dieser langjährigen pädagogisch-kulinarischen Zusammenarbeit fließen immer auch in die Angebote für unsere externen Kundinnen und Kunden ein.
Im Mensarat arbeite ich außerdem direkt mit den Schülerinnen und Schülern zusammen. Dort werden Wunschgerichte abgestimmt, Rückmeldungen eingeholt, Mensaregeln besprochen oder Ideen für die Gestaltung der Mensa entwickelt.
Bei Kochaktionen in Ferienzeiten oder Projektwochen sind außerdem unsere Köchinnen und Köche vor Ort. Gemeinsam mit den Kindern schaffen wir so einen praktischen Zugang zu Lebensmitteln und Ernährung.
Wie erhält DIVERSA Rückmeldungen von Kindern, Betreuungskräften und Schulen, und wie fließen diese in die Weiterentwicklung des Angebots ein?
Die Rückmeldungen erreichen uns auf unterschiedlichen Wegen: im direkten Ge-spräch vor Ort, über die Betreuungsteams und Schulen, im Mensarat und natürlich ganz unmittelbar von den Kindern. Darüber hinaus liegt in den Küchen ein Feedbackbogen aus. Über diesen erhalten wir von den Küchenausgabekräften tagesaktuelle Rückmeldungen zur Qualität der Speisen und dazu, ob die gelieferten Mengen passend waren. Diese Informationen werten wir bei DIVERSA aus und können auf dieser Grundlage gezielt nachsteuern.
Besonders wichtig ist uns, die Perspektive der Kinder ernst zu nehmen. Sie äußern sich häufig sehr unmittelbar – und das ist ausgesprochen wertvoll. Gleichzeitig betrachten wir die einzelnen Rückmeldungen nicht isoliert. Wir prüfen, ob sich bestimmte Beobachtungen wiederholen, und vergleichen die Erfahrungen aus verschiedenen Schulen miteinander. Dabei berücksichtigen wir aber auch, dass die Vorlieben und Geschmäcker von Schule zu Schule durchaus unterschiedlich sein können.
Aus der gemeinsamen Auswertung entstehen konkrete Anpassungen, beispielsweise bei Rezepturen, Portionsgrößen, Menüfolgen oder der Zusammenstellung einzelner Komponenten. Gleichzeitig bedeutet Beteiligung nicht, ausschließlich bekannte Lieblingsgerichte anzubieten. Unser Anspruch ist, Vertrautes mit Neuem zu verbinden und Kinder schrittweise an eine abwechslungsreiche und nachhaltige Ernährung heranzuführen.
Gab es seitens der Eltern Rückmeldungen oder Resonanzen zum verstärk-ten Einsatz von Bio-Lebensmitteln und falls ja, welche?
Grundsätzlich wird der verstärkte Einsatz von Bio-Lebensmitteln von vielen Eltern positiv bewertet. Sie verbinden damit Qualität, Nachhaltigkeit und einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln. Gleichzeitig zeigt sich, dass “Bio” allein nicht darüber entscheidet, ob ein Angebot überzeugt. Für die Eltern steht vor allem im Mittelpunkt, dass das Essen den Kindern schmeckt, sie es tatsächlich annehmen und davon satt werden.
Deshalb ist für uns entscheidend, den Einsatz von Bio-Lebensmitteln nachvollziehbar zu kommunizieren und ihn in ein stimmiges Gesamtkonzept einzubetten. Unser Anspruch muss deshalb immer beides zusammenbringen: eine hohe Qualität und ein Essen, das den Kindern schmeckt.
Welchen Einfluss haben Essenszeit, Ausgabe, Raumgestaltung, Selbstbe-dienung und pädagogische Begleitung darauf, wie gut die Mahlzeiten angenommen werden?
Diese Rahmenbedingungen haben einen sehr großen Einfluss. Akzeptanz entsteht nicht allein in der Küche. Wenn Kinder zu wenig Zeit zum Essen haben, lange anstehen müssen oder der Speiseraum sehr laut und unruhig ist, kann die Freude am Essen schnell verloren gehen.
Eine freundliche Ausgabe, eine angenehme Atmosphäre und ausreichend Zeit tragen wesentlich dazu bei, dass Kinder das Mittagessen positiv erleben. Auch Selbst-bedienung kann sehr hilfreich sein: Kinder können Mengen besser einschätzen, einzelne Komponenten selbst auswählen und Verantwortung übernehmen. Das reduziert häufig auch Lebensmittelreste. Wichtig ist dabei eine pädagogische Begleitung, die neugierig macht und Orientierung gibt, ohne Druck auszuüben. Kinder sollten zum Probieren ermutigt, aber nicht zum Aufessen gezwungen werden. Eine gute Schulverpflegung ist deshalb immer eine Gemeinschaftsaufgabe von Küche, Ausgabe, Betreuung und Schule.
Was können Schulen und Träger selbst dazu beitragen, dass eine hochwertige, nachhaltige und von den Kindern akzeptierte Mittagsverpflegung gelingt?
Schulen und Träger können sehr viel dazu beitragen. Zunächst braucht es verlässliche Strukturen: ausreichend Zeit für die Mahlzeit, möglichst kurze Wartezeiten, geeignete Räume und gut geschulte Mitarbeitende in Ausgabe und Betreuung. Ebenso wichtig ist eine offene und kontinuierliche Kommunikation mit dem Caterer. Rückmeldungen sollten konkret, zeitnah und gebündelt weitergegeben werden, damit wir sinnvoll reagieren können.
Darüber hinaus sollten Kinder beteiligt werden – beispielsweise durch kleine Befragungen, Mensagremien oder Aktionstage. Wenn sie verstehen, wo Lebensmittel herkommen, weshalb saisonal gekocht wird oder warum bestimmte Gerichte angeboten werden, wächst häufig auch ihre Bereitschaft, Neues auszuprobieren.
Entscheidend ist aus meiner Sicht, die Mittagsverpflegung nicht nur als organisatorische Notwendigkeit zu betrachten. Sie ist ein wichtiger Bestandteil des Schulalltags, ein sozialer Ort und zugleich eine Chance für Ernährungsbildung. Wenn alle Beteiligten diese Verantwortung gemeinsam übernehmen, können Qualität, Nachhaltigkeit und Akzeptanz sehr gut zusammenfinden.
Gemeinsamer Abschluss
Was war die größte Hürde im Beratungs- und Umsetzungsprozess, und welche wichtigste Erkenntnis nehmen Sie daraus mit?
Die größte Hürde war, den höheren Bio-Anteil unter den engen wirtschaftlichen Bedingungen der Schulverpflegung in verlässliche Alltagsprozesse zu übersetzen. Die Produkte müssen in der benötigten Menge und Verarbeitungsform verfügbar sein, korrekt dokumentiert werden und zugleich in Gerichten funktionieren, die von den Kindern angenommen werden. Schwankende Lieferfähigkeit und längere Vorlaufzeiten erfordern daher Alternativen und ein belastbares Netzwerk.
Unsere wichtigste Erkenntnis ist: Bio-Umsetzung gelingt nur als gemeinsamer Veränderungsprozess. Praktische Erprobung, frühe Teambeteiligung und die strukturierende Begleitung durch die Beratung waren dafür entscheidend.
Welchen Rat geben Sie anderen AHV-Betrieben und Kommunen, die mit Unterstützung einer Beratung mehr Bio in die Schul- und Ganztagsverpflegung bringen möchten?
Wir empfehlen, mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme und einem realistischen, messbaren Ziel zu beginnen. Welche Bio-Produkte werden bereits eingesetzt, welche Produktgruppen sind zuverlässig verfügbar und wo bestehen wirtschaftliche oder organisatorische Spielräume? Eine mehrmonatige Testphase hilft, Preise, Gebindegrößen, Lagerbedarf, Verarbeitung und Akzeptanz praktisch zu prüfen.
Die Beratung sollte früh genutzt und nicht auf die Zertifizierung beschränkt werden. Besonders wertvoll ist sie, wenn Leitung, Einkauf, Küche, Ausgabe und Mitarbeitende gemeinsam beteiligt sind. Ebenso wichtig sind ein Netzwerk aus Großhandel, regionalen Erzeugern und Bio-Initiativen sowie die frühzeitige Abstimmung mit Kommunen und Auftraggebern. Unser Rat lautet daher: mit geeigneten Produktgruppen beginnen, Erfahrungen auswerten und den Bio-Anteil Schritt für Schritt ausbauen.
Interviewfragen an Evamarie Stengel / a’verdis – Beratende Agentur
Was waren besondere Faktoren, die zum erfolgreichen Beratungsprozess und zum Bio-Einsatz beigetragen haben?
Der erfolgreiche Beratungsprozess bei der DIVERSA beruhte auf mehreren Faktoren. Eine wichtige Grundlage war die sehr enge und gute Zusammenarbeit zwischen der Geschäftsführung, der Küchenbetriebsleitung und der ernährungswis-senschaftlichen Fachkraft sowie das jeweilige Engagement in den individuellen Aufgabenbereichen und Wirkungskreisen. Zudem war die Beratung eng mit den bereits laufenden Aktivitäten zur grundlegenden Weiterentwicklung des Verpflegungsangebots verknüpft. Bereits vor Beginn der Förderung im Rahmen der RIBE AHV wurden Bio-Lebensmittel eingesetzt, jedoch nicht ausgelobt. In Folge der Beratung konnte ihr Anteil mehr als verdoppelt und die strategische Ausrichtung weiter geschärft werden. Ergänzend wurden flankierende Maßnahmen umgesetzt, um das gesamte Team in den Prozess mit einzubinden.
Wann ist der richtige Zeitpunkt, um eine RIBE-AHV-Beratung in Anspruch zu nehmen?
Grundsätzlich sollte genügend Zeit für die Vorbereitungsphase berücksichtigt werden, bevor es in die Beratung geht. Ein RIBE-AHV Antrag muss vor dem Antrag der Beratung gestellt werden. Das beinhaltet unter anderem Abstimmungsschleifen bei der Antragstellung, die interne Abstimmungen und Absprachen mit dem Beraterteam betreffen können.
Den einen universell und betriebsübergreifend “richtigen Zeitpunkt” gibt es jedoch nicht. Im Rahmen unserer Beratung beginnen wir nach der Bestandsaufnahme in der Regel mit einem Strategieworkshop, um die Bio-Aktivitäten von Beginn an in ein übergeordnetes Set an Maßnahmen zur nachhaltigeren Verpflegung einzugliedern. Eine Begleitung zu einem möglichst frühen Zeitpunkt ist sinnvoll, da ein Transformationsprozess seine Komplexität vor allem dann entfaltet, sobald dieser angelaufen ist. So können wir möglichst früh mit den Betrieben abstimmen, ob wir Maßnahmen nur anders priorisieren oder grundsätzlich verändern. Weiterhin ist der Begleitungszeitraum von einem Jahr sehr hilfreich, da wir so zum einen die Möglichkeit haben, die Veränderungsprozesse anzuschieben und zu beobachten und zum anderen auch mögliche Feinjustierungen begleiten können.
Was waren wichtige Meilensteine im Beratungsprozess im Fall der DIVERSA?
Ein wichtiger Meilenstein war die frühzeitige Konkretisierung der strategischen Ausrichtung, die gemeinsam mit allen Verantwortlichen festgelegt wurde. Da sich die DIVERSA zu diesem Zeitpunkt bereits mit der grundlegenden Neuausrichtung ihres gesamten Verpflegungsangebots befasste, konnte dieses im Zuge der Begleitung im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes weiterentwickelt werden. Ein wesentlicher Bestandteil waren die teambildenden Aktivitäten. Dazu zählten die Schulung des Ausgabepersonals an allen belieferten Schulen (dieses wird ebenfalls von der DIVERSA gestellt) sowie ein gemeinsamer Kochworkshop mit dem gesamten Küchenpersonal, der sowohl Theorie- als auch Praxisteile umfasste. Aus der Schulung der Ausgabekräfte hat sich zudem ein kontinuierliches Austausch- und Schulungsformat ergeben.
Schlussendlich konnte die Begleitung zu einem optimalen Zeitpunkt an anlaufende Veränderungsprozesse anknüpfen, diese weiterentwickeln und letztlich auch zukünftige Aktivitäten anstoßen.
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Letzte Aktualisierung 04.09.2026


