Rolle Mühle – Kraft aus Wasser und Tradition

Die Rolle Mühle ist ein Pionier der nachhaltigen Produktion: Wasserkraft liefert Strom, Bio-Mehle stehen im Vordergrund, und alte Getreidesorten kehren auf die Teller zurück. Ein Handwerksbetrieb, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbindet.

Standort: 09579 Grünhainichen

Betriebsbereiche: Vermahlung von Getreide (Weizen, Roggen, Dinkel), Kleinabpackungen für Endverbraucherinnen und -verbraucher unter der Marke “Landgemacht”, Vertrieb an Bäckereien, Backindustrie, LEH, Naturkostfachhandel

Wo die Zschopau rauscht, schlägt das Herz der Rolle Mühle

Seit Jahrhunderten treibt das Wasser hier die Mühlräder an – heute sind es moderne Turbinen, die die Mühle mit sauberem Strom versorgen. Zwei Kraftpakete liefern bis zu 235 kW Leistung und machen die Rolle Mühle energieautark. “Wir sind stolz darauf, unseren CO₂-Fußabdruck so gering wie möglich zu halten”, erzählt Anne Rolle-Baldauf. “ Und wenn die Mühle am Wochenende ruht, speisen wir sogar Strom ins Netz.”

Die Geschichte der Mühle reicht weit zurück: 1563 taucht sie erstmals in einer Steuerliste auf. Seit 1856 ist sie in Familienbesitz – inzwischen führt die sechste Generation das Unternehmen. Die DDR-Zeit brachte eine Zäsur: 1972 enteignet, blieb die Familie dennoch eng verbunden. 1990 kam die Rückübertragung, und schon 1993 setzte die Rolle Mühle auf Bio – zu einer Zeit, als in der Region kaum jemand wusste, was das bedeutet. “Mein Vater war ein echter Bionier”, sagt Anne Rolle-Baldauf. Heute liegt der Bio-Anteil bei 60 Prozent – Tendenz steigend.

Mehr als eine Mühle

Sie ist die letzte produzierende Mühle im Erzgebirge – kein Museum, sondern ein lebendiger Handwerksbetrieb. Mit einer Vermahlungskapazität von 50 Tonnen pro Tag und 24 Mitarbeitenden arbeitet die Mühle im Zweischichtsystem. Die Rolle Mühle produziert klassische Mehle engagiert sich aber auch für Vielfalt auf dem Teller: Alte Sorten wie Gelbweizen oder Lichtkornroggen finden ihren Weg zurück in die Backstuben. “Gelbweizen ist unser Schatz – ein Korn mit Charakter und Farbe”, schwärmt Anne Rolle-Baldauf.

Unter der Marke “Landgemacht” bringt die Rolle Mühle ihre Produkte direkt zu den Endverbraucherinnen und -verbrauchern – und das nicht nur online, sondern auch im eigenen Hofladen. Hier finden Kundinnen und Kunden eine breite Auswahl:

  • Mehle in verschiedenen Typen und aus alten Sorten
  • Backmischungen für Brot und Kuchen
  • Müslis und Grieß für die kreative Küche
  • Nudelmehl aus Gelbweizen – ideal für vegane Pasta mit goldener Farbe

Das Sortiment wird durch regionale Spezialitäten ergänzt, zum Beispiel durch Honig aus dem Nachbarort. 

“Uns war wichtig, dass unser Mehl nicht anonym bleibt, sondern ein Gesicht bekommt. Im Hofladen können die Menschen sehen, wo ihr Mehl herkommt", erklärt Anne Rolle-Baldauf

Handwerk mit Zukunft

Die Rolle Mühle ist mehr als ein Produktionsbetrieb. Sie bildet aus – den selten gewordenen Beruf des Müllers, offiziell “Verfahrenstechnologin oder -technologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft”. Ein Beruf mit Tradition und Technik, der heute nur noch an zwei Berufsschulen in Deutschland gelehrt wird. “Wir wollen jungen Menschen zeigen, wie spannend dieser Beruf ist”, sagt Anne Rolle-Baldauf. Praktika, Schnuppertage und Kooperationen mit Schulen gehören deshalb zum Alltag. Wer sich für die Ausbildung entscheidet, geht meist einen langen Weg mit der Rolle Mühle – ein Zeichen für die familiäre Bindung im Betrieb.

Tradition trifft Technik

Wer die Mühle betritt, spürt Geschichte: Holzböden, alte Treppen – und zugleich moderne Walzenstühle, Farbsortierer und Hygienestandards. Die Wasserkraftanlage mit Fischtreppe zeigt, wie Ökologie und Technik Hand in Hand gehen. 

“Wir sind nicht verstaubt. Unser Beruf ist hochmodern – und trotzdem bodenständig!" betont Anne Rolle-Baldauf.

Betriebsinfos


Letzte Aktualisierung 13.05.2026

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