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Pflanzliche Proteine in der Lebensmittelverarbeitung

Pflanzliche Proteine gewinnen zunehmend an Bedeutung. Sie können aus Hülsenfrüchten, Getreide, Nüssen und Ölsaaten gewonnen und zum Beispiel zu Milch-, Fleisch- und Käsealternativen verarbeitet werden. Trotz großer Marktchancen für Proteinpflanzen sind weitere technologische Fortschritte und starke Wertschöpfungsketten erforderlich, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Warum werden pflanzliche Proteine immer wichtiger?
Das Ernährungsverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland verlagert sich zunehmend hin zu einer stärker pflanzenbasierten Ernährung. Laut Ernährungsreport 2025 stieg der Anteil der Befragten, die pflanzliche Fleischalternativen kaufen, von 27 Prozent im Jahr 2020 auf 40 Prozent im Jahr 2025. Besonders beliebt sind Milchalternativen, Tofu sowie Fleisch- und Wurstersatzprodukte. Zudem zeigt der Trendreport Ernährung 2025 eine steigende Nachfrage nach proteinreichen Lebensmitteln. Pflanzliche Proteinquellen gewinnen deshalb immer mehr an Bedeutung. Die wachsende Nachfrage fördert die Entwicklung neuer pflanzlicher Lebensmittel und erhöht die Bedeutung pflanzlicher Proteine als Rohstoff.
Pflanzliche Proteinquellen als Rohstoffbasis für innovative Produkte
Als Rohstoff gewinnen insbesondere regional verfügbare und nachhaltig erzeugbare Pflanzen an Bedeutung. Dazu zählen zum Beispiel Hülsenfrüchte, Getreide, Pseudogetreide, Ölsaaten und Nüsse.
Pflanzliche Proteinquellen für innovative Produkte
Hülsenfrüchte wie Ackerbohnen, Erbsen, Kichererbsen und Linsen bieten vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Sie werden unter anderem für Fleisch-, Milch- und Käsealternativen, Backwaren, Snacks und Fertiggerichte genutzt. Auch Nebenströme der Verarbeitung können durch Upcycling und Fermentation weiterverwendet werden. Zahlreiche Forschungsprojekte untersuchen neue Produkte, verbesserte Verarbeitungstechnologien und regionale Wertschöpfungsketten.
Das WKErBo-Projekt des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) und der Hochschule Fulda. Ziel des Projekts ist der Aufbau einer Wertschöpfungskette für ökologisch erzeugte Erbsen und Bohnen – vom Anbau auf dem Feld bis zur Verwendung in Großküchen und der Gastronomie. Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung neuer Produkte für die Gemeinschaftsverpflegung.
Das Fraunhofer-Institut entwickelt in dem Projekt “Kerbse” fermentierte Käsealternativen auf Basis heimischer Erbsen. Das Projekt MycoPea untersucht zudem Fermentationsverfahren zur Nutzung von Nebenströmen der Erbsenverarbeitung. Ziel ist die Entwicklung veganer Lebensmittel auf Basis von Leguminosen und Speisepilzen. Zu den erwarteten Ergebnissen zählen Pilzbiomasse auf Erbsenbasis, Speisepilz-Tempeh sowie Wurst- und Fleischalternativen aus Pilzprotein.
Auch die Kichererbse gewinnt zunehmend an Bedeutung. Aquafaba wird als flüssiger Eiersatz genutzt. Darüber hinaus können Aquafaba-Flocken aufgrund ihrer längeren Haltbarkeit als Eiersatz in Emulsionen eingesetzt werden. Weitere Anwendungsbereiche sind Barista-Proteine, Snackprodukte oder gekeimte Kichererbsen für Salate. Ein Pilotprojekt von Soto und der Öko-Modellregion stadt.land.wü verbindet den regionalen Anbau von Kichererbsen in Franken mit ihrer Verarbeitung zu Falafel. Darüber hinaus zeigt das Unternehmen Hülsenreich, wie die Kichererbse auch im Süßwarenbereich eingesetzt werden kann, indem sie mit Schokolade umhüllt wird. Das Projekt CiceRegio verdeutlicht außerdem das Potenzial regionaler Wertschöpfungsketten am Beispiel der Kichererbsenerzeugung in der Modellregion Berlin/Brandenburg.
Auch die Linsen werden in zahlreichen veganen Fleisch- und Mahlzeitenalternativen sowie in Form von Crackern, Chips, Dips oder vorgegarten Produkten im Kühl- und Konservenregal wieder. Das Projekt Linse verfolgt dabei das Ziel, den Konsum heimischer Leguminosen insbesondere in der Außer-Haus-Verpflegung zu steigern und dadurch regionale Wertschöpfungsketten zu stärken.
Ein weiteres Innovationsfeld stellt die Nutzung von Nebenströmen aus der Verarbeitung von Hülsenfrüchten dar. Diese können für sogenannte Upcycling-Lebensmittel genutzt werden und bieten damit zusätzliche Wertschöpfungspotenziale. Das Projekt LegPlusMyk untersucht die Möglichkeit, Nebenströme mithilfe von Basidiomyceten zu fermentieren und daraus sensorisch attraktive Leguminosen- und Mykoproteine zu gewinnen. Ziel ist die Entwicklung innovativer pflanzlicher Proteinprodukte und Fleischalternativen auf Basis fermentierter Rohstoffe.
Die Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten heimischer Körnerleguminosen wie Ackerbohne, Erbse und Linse steht auch im Mittelpunkt des Projekts LeguDryProt. Dabei wurde untersucht, wie sich Passagenvermahlung und Windsichtung auf die Qualität, Sicherheit und Funktionalität proteinangereicherter Mehlfraktionen auswirken. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen den Einsatz dieser Rohstoffe in Backwaren und Teigprodukten fördern.
Neben technologischen Fragestellungen werden auch ernährungsphysiologische und marktbezogene Aspekte betrachtet. So untersucht das Projekt EatLegu die gesundheitlichen Eigenschaften traditioneller und innovativer Leguminosenprodukte. Gleichzeitig sollen Ansätze entwickelt werden, um die Vermarktung von Hülsenfrüchten zu verbessern und deren Akzeptanz bei Verbraucherinnen und Verbrauchern zu erhöhen.
Insgesamt verdeutlichen die zahlreichen Projekte das große Potenzial heimischer Leguminosen für die Entwicklung innovativer, nachhaltiger und regionaler Lebensmittel.
Getreide und Pseudogetreide wie Weizen, Hafer, Quinoa und Amaranth bieten ebenfalls großes Potenzial. Weizenprotein wird beispielsweise für Seitan, Backwaren sowie als Emulgator oder Schaumbildner eingesetzt. Haferprotein findet Verwendung in Drinks, Riegeln, Backwaren, Nudeln und Speiseeis. Quinoa und Amaranth werden unter anderem für Cerealien, Riegel, Snacks und Fertigprodukte genutzt.
Hafer hat sich in den vergangenen Jahren als vielseitiger Rohstoff etabliert. Während Haferdrinks mittlerweile zu den bekanntesten pflanzlichen Milchalternativen zählen, eröffnen Haferproteine zahlreiche weitere Einsatzmöglichkeiten. Mit der Entwicklung nachhaltiger Verarbeitungsansätze beschäftigt sich unter anderem das Forschungsprojekt funHapro, das innovative Technologiekonzepte für die Nutzung von Nebenströmen der Haferverarbeitung entwickelt und so zur effizienteren Rohstoffnutzung beiträgt.
Ölsaaten und Nüsse wie Soja, Hanf, Erdnuss und Mandeln werden ebenfalls vielseitig eingesetzt. Soja ist ein etablierter Rohstoff für Fleisch- und Milchalternativen. Nebenprodukte wie Okara können für Upcycling-Lebensmittel genutzt werden. Hanfprotein wird vor allem in Proteinpulvern und Backwaren eingesetzt, während Erdnuss- und Mandelprotein für Shakes, Backwaren und weitere pflanzliche Produkte geeignet sind.
Hanfprotein erfährt zunehmend Aufmerksamkeit als pflanzliche Proteinquelle. Derzeit wird es vor allem in Form von veganen Proteinpulvern eingesetzt, beispielsweise für Sportlerinnen und Sportler oder als Ergänzung einer proteinreichen Ernährung. Darüber hinaus eignet sich Hanfprotein zur Anreicherung von Backwaren und anderen Lebensmitteln. Innovative Verwertungsansätze verfolgt das Projekt Hemp4Food, das die Nutzung des bei der Ölgewinnung anfallenden Hanfpresskuchens untersucht. Ziel ist die Entwicklung von pflanzlichen Wurst- und Seafood-Alternativen, um bislang wenig genutzte Nebenströme einer hochwertigen Verwendung zuzuführen.
Auch Lupine, Raps und Luzerne werden zunehmend als alternative Proteinquellen erforscht. Lupinen finden bereits Verwendung in Fleischalternativen, Würzsaucen und fermentierten Produkten. Forschungsprojekte untersuchen zudem die Gewinnung hochwertiger Proteine aus Lupinen, Raps und Luzerne sowie die Nutzung bislang wenig verwendeter Nebenströme.
Die Weiterentwicklung der Lupine als Rohstoff für die Humanernährung wird durch verschiedene Forschungsprojekte unterstützt. Das Projekt LuproCess untersucht die ressourceneffiziente Gewinnung hochwertiger Proteine und Ballaststofffraktionen aus schmalblättrigen Bitterlupinen. Neben der Herstellung funktioneller Inhaltsstoffe für Lebensmittel steht hierbei insbesondere die nachhaltige Nutzung anfallender Nebenströme im Fokus.
Auch Rapssamen rücken zunehmend als potenzielle Proteinquelle für die menschliche Ernährung in den Fokus wissenschaftlicher Forschung. Im Projekt CryoHusking wird ein innovatives kryogenes Schälverfahren entwickelt, das als nachhaltige Schlüsseltechnologie die Nutzung von Rapsproteinen für Lebensmittelanwendungen ermöglichen soll. Ziel ist es, die Proteinqualität zu verbessern und neue Einsatzmöglichkeiten für Raps in der Humanernährung zu erschließen.
Darüber hinaus wird auch das Potenzial von Luzerne als alternative Proteinquelle untersucht. Das Projekt Projekt LuzPro4Human befasst sich mit der Gewinnung und Nutzung von Luzerneproteinen für die menschliche Ernährung. Dabei soll die traditionell als Futtermittel bekannte Pflanze als nachhaltige und regionale Proteinquelle für innovative Lebensmittel nutzbar gemacht werden.
Neben der Erschließung neuer Proteinquellen stehen auch innovative Verarbeitungstechnologien im Mittelpunkt aktueller Forschungsarbeiten. So verfolgt das Projekt EcoProMill das Ziel, ein neuartiges Vermahlungsmodul für Leguminosen zu entwickeln, um im Rahmen einer Trocken-Nass-Extraktion eine ressourceneffiziente Proteinanreicherung zu ermöglichen. Durch die Optimierung der Verarbeitungsschritte sollen hochwertige Proteinfraktionen gewonnen und gleichzeitig Energie- und Rohstoffverluste reduziert werden.
Verarbeitung pflanzlicher Proteine
Extraktion und Aufbereitung von Proteinen aus Pflanzen
Vor der eigentlichen Proteinextraktion müssen die pflanzlichen Rohstoffe zunächst aufbereitet werden. Die Auswahl der Rohstoffe umfasst dabei vor allem Hülsenfrüchte, Getreide und Ölsaaten. In einem ersten Schritt werden Verunreinigungen entfernt und die Rohstoffe gereinigt. Anschließend erfolgt eine Zerkleinerung, um die Oberfläche zu vergrößern und die nachfolgenden Prozessschritte zu erleichtern. Bei besonders fettreichen Ausgangsmaterialien wird häufig eine Entfettung durchgeführt. Das vorbereitete Material liegt danach meist in Form von Flocken oder Mehl vor.
Für die Proteinextraktion wird das Ausgangsmaterial mit Wasser versetzt, sodass eine Suspension entsteht. Ziel ist es, die Proteine aus der pflanzlichen Matrix zu lösen und für weitere Verarbeitungsschritte verfügbar zu machen. Hierfür stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Am weitesten verbreitet ist die wässrige Extraktion, bei der das Pflanzenmehl in Wasser suspendiert und der pH-Wert angepasst wird. Dadurch gehen die Proteine in Lösung. Dieses Verfahren zeichnet sich durch seine schonende Behandlung der Rohstoffe aus, erreicht jedoch teilweise nur begrenzte Ausbeuten.
Eine Alternative stellt die Salzextraktion ('Salting-in') dar, bei der Salzlösungen eingesetzt werden, um insbesondere bestimmte Speicherproteine gezielt zu lösen. Darüber hinaus können enzymatische Methoden verwendet werden. Hierbei werden Enzyme wie Cellulasen oder Proteasen eingesetzt, um Zellwände abzubauen und die gebundenen Proteine freizusetzen. Dadurch lassen sich häufig höhere Ausbeuten erzielen, allerdings sind die Verfahren mit höheren Kosten verbunden. Ergänzend kommen mechanische Verfahren wie Hochdruckhomogenisierung oder Ultraschallbehandlung zum Einsatz, die durch den gezielten Zellaufschluss die Proteinfreisetzung verbessern.
Nach der Extraktion erfolgt die Abtrennung der gelösten Proteine von den übrigen Bestandteilen der Suspension. Hierfür werden häufig Zentrifugations- oder Filtrationsverfahren genutzt. Eine weitere Möglichkeit ist die isoelektrische Fällung, bei der Proteine durch gezielte pH-Wert-Einstellung aus der Lösung ausgefällt werden. Darüber hinaus können Membranverfahren eingesetzt werden, um Proteine von niedermolekularen Begleitstoffen zu trennen und anzureichern.
Im Anschluss folgen Reinigung und Konzentration der gewonnenen Proteinfraktionen. Mögliche Verfahren sind Dialyse- und Waschschritte, mit denen unerwünschte Inhaltsstoffe entfernt werden. Die Konzentration der Proteine kann anschließend durch Verdampfung oder mithilfe von Membranprozessen erhöht werden. Ziel dieses Prozessschrittes ist die Herstellung möglichst reiner und hochkonzentrierter Proteinfraktionen.
Zur Erhöhung der Lagerstabilität werden die Proteine anschließendgetrocknet. Dafür kommen vor allem die Sprühtrocknung und die Gefriertrocknung zum Einsatz. Beide Verfahren reduzieren den Wassergehalt erheblich und ermöglichen die Herstellung lagerfähiger Proteinpulver.
Je nach gewünschtem Anwendungsgebiet kann nach der Trocknung eine funktionelle Aufbereitung erfolgen. Dabei werden die Eigenschaften der Proteine gezielt angepasst, um beispielsweise ihre Löslichkeit, Gelbildung, Emulgierfähigkeit oder Schaumbildung zu verbessern. Dies kann durch physikalische, chemische oder enzymatische Verfahren erfolgen.
Das Ergebnis dieser Prozesskette sind unterschiedliche Proteinprodukte, die je nach Reinheitsgrad und Funktionalität als Proteinmehle, Proteinkonzentrate oder Proteinisolate in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden können. Sie finden Verwendung in einer Vielzahl innovativer Lebensmittelprodukte, darunter pflanzliche Milch- und Fleischalternativen, Backwaren, Snacks sowie proteinangereicherte Lebensmittel.
Marktpotenzial pflanzlicher Proteine
Heimische Proteinpflanzen wie Kichererbse und Lupine bieten Chancen für regionale und nachhaltige Wertschöpfungsketten. Marktpotenziale ergeben sich insbesondere durch die wachsende Nachfrage nach pflanzlichen Fleischalternativen, die zunehmende Flexitarier-Ernährung und das Interesse an proteinreichen Lebensmitteln. Auch Regionalität und transparente Lieferketten gewinnen an Bedeutung.
Herausforderungen bestehen vor allem durch preisgünstige Importware, schwankende Erträge und Qualitäten, hohe Produktionskosten sowie einen teilweise geringen Bekanntheitsgrad. Hinzu kommen bürokratische Anforderungen und hohe Investitionskosten für Verarbeitung und Technik.
Durch bessere Verarbeitungstechnologien, einheitliche Qualitätsstandards, innovative Produkte und gezielte Vermarktung können die Wettbewerbsfähigkeit und Akzeptanz heimischer Hülsenfrüchte jedoch gesteigert werden.
Nachhaltigkeit und Innovation
Aktuelle Forschungsprojekte beschäftigen sich unter anderem mit der Fermentation und verbesserten Nutzung pflanzlicher Proteinquellen. Die Studie KiEFer untersucht den Einfluss fermentierter Kichererbsen auf die Versorgung mit Vitamin B12, Eisen und Zink. Das Projekt LEG4Future erforscht Mungobohnen und Linsen als Rohstoffe für hochwertige Proteinkonzentrate. Durch Fermentation sollen antinutritive Inhaltsstoffe reduziert und die Verdaulichkeit verbessert werden.
Gleichzeitig wird untersucht, wie Mungobohnen und Linsen zur Erweiterung von Fruchtfolgen und damit zu einer biodiversitätsfördernden Landwirtschaft beitragen können.
Insgesamt bieten pflanzliche Proteine großes Potenzial für die Entwicklung proteinreicher, nachhaltiger und regionaler Lebensmittel. Entscheidend sind dabei innovative Verarbeitungstechnologien, die effiziente Nutzung von Rohstoffen und Nebenströmen sowie der Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten.
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Letzte Aktualisierung 06.10.2026






