Oekolandbau.de: Wie anders ist die Verarbeitung von Süßlupinen im Vergleich zu Getreide? Brauchen Betriebe oder auch Bio-Verarbeitungsunternehmen andere Mühlen, um aus der Lupine Mehl zu machen?
Iris Klein: Lupinen sind sehr fett und eiweißreich. Daraus ergibt sich zum einen die Verarbeitung, zum anderen die Verwendung. Eine Hammermühle oder aber ein Stahlmahlwerk mit nachgelagerter Schnecke ist unbedingt erforderlich. Lupinenmehl wird nicht im üblichen Sinne als Mehl, sondern als Ei-Alternative verwendet – ein Esslöffel Lupinenmehl ersetzt ein Ei.
Oekolandbau.de: Wie verhält sich das Lupinenmehl in Produkten – sei es zum Beispiel in Falafel oder auch in Gebäck?
Iris Klein: In unseren Falafeln ist nur Platterbsenmehl, im Original nur Kichererbsenmehl. Aber auch hier werden dadurch gegenüber Getreidebratlingen (z. B. Grünkernküchle) keine Eier gebraucht. Aber auch zur Eiweißanreicherung im Brot kann es verwendet werden, zudem bleibt das Brot länger frisch, Hefebackwaren lassen sich als Teiglinge einfrieren, ohne das die Hefe ihre Triebkraft verliert.
Oekolandbau.de: Wie ist die Rückmeldung Ihrer Kundschaft zu den Lupinenprodukten? Sehen Sie die Süßlupine als festen Bestandteil einer pflanzenbetonten Ernährung hierzulande?
Iris Klein: Noch ist die Lupine ein Nischenprodukt, aber Ihre Beliebtheit wächst, zum Beispiel sind Tempehprodukte bei den Kunden sehr beliebt. Die Süßlupine könnte ohne weiteres ein Bestandteil einer pflanzenbetonten Ernährung werden, bringt sie doch viele Vorteile: hochwertiges Eiweiß und viele ungesättigte Fettsäuren. Die Ansprüche an Boden und Klima passen für Deutschland. Allerdings müssen Züchtungsziele für heimische Saatgutvermehrer niedrige Alkaloidgehalte sein. Zurzeit werden die einheimischen Sorten leider nur für die Tierfütterung gezüchtet, ihr Einsatz in Nahrungsmitteln ist aber wegen des sehr hohen Alkaloidgehaltes nicht möglich. Übrigens auch bei Kühen ist der Einsatz dieser Sorten nicht zu empfehlen – die Alkaloide finden sich in der Milch wieder. Außerdem wäre es hilfreich vermehrt Rezepte für Lupinen zu verbreiten, da die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht wirklich wissen, wie sie Lupinenmehl und andere Produkte einsetzen können. Der Wille zu einer pflanzenbetonten Ernährung ist da, nur fehlen die Ideen und das Know-how.