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Öl-Herstellung: Vom Anbau bis zum fertigen Bio-Speiseöl

Bio-Speiseöle stehen für Nachhaltigkeit in der Erzeugung und eine möglichst schonende Verarbeitung. Doch wie werden sie eigentlich hergestellt? Welche Anforderungen müssen nach EU-Öko-Verordnung im Anbau und in der Verarbeitung erfüllt werden? Dieser Beitrag beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Öl-Herstellung und inwieweit regionale Wertschöpfungsketten den Anbau heimischer Öl-Pflanzen stärken.
Das Wichtigste in Kürze
- Raps ist die wichtigste heimische Ölpflanze – sowohl im Anbau als auch für Verbraucherinnen und Verbraucher
- Die Öl-Herstellung erfolgt durch Kaltpressung, Warmpressung bzw. Extraktion und bei Bedarf Raffination. Das gewählte Verfahren beeinflusst Geschmack, Haltbarkeit und Einsatzbereich des Öls
- Bio-Speiseöle unterliegen den Vorgaben der EU-Öko-Verordnung. Diese regelt sowohl den Anbau der Ölpflanzen als auch die zulässigen Verarbeitungsschritte
- Regionale Bio-Wertschöpfungsketten stärken nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch Ölmühlen und damit das Lebensmittelhandwerk
- Nebenprodukte der Öl-Herstellung können weiterverwertet werden – beispielsweise als Tierfuttermittel, Lebensmittelzutat oder als Rohstoff für weitere Prozesse wie die Energiegewinnung
Öl-Herstellung in Deutschland: Heimische Ölpflanzen als Grundlage
Das mit Abstand beliebteste Speiseöl in Deutschland ist Rapsöl. Mengenmäßig wurden 2025 rund 86,5 Millionen Liter in deutschen Küchen eingesetzt. Auch Bio-Rapsöl ist eine feste Größe: Rund 4,5 Millionen Liter Bio-Rapsöl wurden 2025 konsumiert. Insgesamt lag der Absatz von Bio-Speiseölen bei 28,3 Millionen Litern. Weitere beliebte Speiseöle in deutschen Haushalten sind Sonnenblumenöl und Olivenöl. Auch wenn Olivenöl hierzulande beliebt ist, so muss beachtet werden, dass es nicht zu den heimischen Speiseölen zählt, da es nahezu ausschließlich importiert wird. Öle wie Lein-, Walnuss-, Hanf-, Kürbiskern- oder Mohnöl nehmen mengenmäßig einen sehr geringen Anteil ein, erfreuen sich jedoch insbesondere im Bio-Bereich und in der Direktvermarktung zunehmender Beliebtheit.
Welche Ölpflanzen werden in Deutschland angebaut?
Laut Statistischem Bundesamt wurden 2025 in Deutschland auf rund 29.700 Hektar Ölfrüchte zur Körnergewinnung ökologisch bewirtschaftet, was einem Anteil von circa 2,6 Prozent der gesamten Ölfrüchte-Fläche entspricht. Die wichtigste Ölfrucht ist dabei der Winterraps. Mit knapp über 90 Prozent stellt er den wichtigsten Rohstoff für die Ölproduktion in Deutschland dar und prägt mit seinen gelb blühenden Feldern im Frühjahr maßgeblich unsere Landschaft. Deutlich kleinere Anbauflächen entfallen auf Sonnenblumen und Lein, sowie Hanf, Mohn, Senf oder Ölkürbis.
Auch wenn der Raps im Anbau bedeutend ist, so zeigen die Zahlen, dass das nicht für den Bio-Anbau gilt. Im Gegensatz zur konventionellen Bewirtschaftung ist das Anbau- und Ertragsrisiko um einiges höher. Gründe dafür sind unter anderem Schädlinge oder Krankheiten, die lange Kulturdauer sowie seine hohen Ansprüche an die Stickstoffversorgung.
Steckbriefe der wichtigsten Ölfrüchte im Öko-Anbau:
“Bei der Aufbereitung von Schälsonnenblumen entstehen Nebenprodukte, die sich sehr gut für Verarbeitung in einer Ölpresse eignen. Sowohl der Bruch aus der Schälung als auch der Abgang aus der Farbsortierung eignen sich für unterschiedliche Qualitäten. Daher haben wir uns 2021 entschieden von dem Preisgeld des “Bundespreis Ökologischer Landbau” eine kleine Ölmühle anzuschaffen. Da wir eine gut gehende Direktvermarktung betreiben, können wir dieses hochwertige kaltgepresste Öl in unserer Region sehr gut absetzen.” Bernhard Schreyer, Schloss Gut Obbach
Wie funktioniert die Öl-Herstellung?
Die Öl-Herstellung erfolgt in mehreren Schritten. Nach einer mechanischen wie thermischen Vorbehandlung der Rohware (Samen, Kerne oder Früchte) folgt die Extraktion des Öls. Diese findet mechanisch über eine Kalt- oder Warmpressung und/oder durch das Herauslösen des Öls mithilfe von Lösungsmitteln statt. Nachdem das Öl gewonnen wurde erfolgt eine Nachbehandlung, wie beispielweise die Filtration, das Dekantieren, das Entwachsen oder das Zentrifugieren. Diese Methoden werden angewendet, um Trüb- oder Reststoffe sowie Schwebeteilchen zu entfernen. Es besteht außerdem die Möglichkeit der Raffination. Sie dient dazu, das extrahierte Öl zu reinigen.
Unterschied Kalt- und Warmpressung
Kaltpressung: Bei der Kaltpressung wird das Öl ausschließlich mechanisch und ohne Wärmezufuhr gewonnen. Durch die niedrigen Temperaturen bleiben Aroma-, Farb- und Begleitstoffe weitgehend erhalten. Nach der Pressung wird das Öl filtriert oder dekantiert. Kaltgepresste Öle besitzen einen charakteristischen und oft sehr intensiven Geschmack.
Auf einigen Ölen ist oft das Wörtchen “nativ” zu lesen. Bei der Herstellung nativer Öle dürfen ausschließlich mechanische Verfahren angewendet werden. Dazu gehören die Kaltpressung und die Kaltextraktion. Lösungsmittel oder auch thermische Verfahren sind nicht erlaubt. Das sorgt dafür, dass wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamine, aber auch Aromastoffe erhalten bleiben. Native Öle sollten allerdings nicht stark erhitzt werden.
- Warmpressung: Hierbei wird den Ölfrüchten oder -samen durch einen hohen Pressdruck und Wärmezufuhr das Fett beziehungsweise Öl entzogen. Die Ausbeute ist dabei deutlich höher als bei der schonenderen Kaltpressung. Ebenso entstehen bei der Pressung mittels hoher Temperaturen oft ungewünschte Stoffe, die anschließend bei der Raffination wieder entfernt werden müssen.
Raffination
In der industriellen Herstellung werden die Saaten häufig heiß gepresst. Anschließend wird das verbleibende Öl mit Lösungsmitteln aus dem Presskuchen extrahiert. Das Rohöl wird danach in mehreren Prozessschritten raffiniert. Dabei werden unerwünschte Stoffe entfernt. Gleichzeitig gehen jedoch auch Farb-, Aroma- und einige Begleitstoffe verloren. Das Ergebnis ist ein geschmacksneutrales, lange haltbares und hoch erhitzbares Speiseöl mit einer höheren Ölausbeute.
Besonderheiten der ökologischen Herstellung von Speiseöl
Für die ökologische Öl-Herstellung muss der Anbau der Ölpflanzen nach den Vorgaben der EU-Öko-Verordnung erfolgen. Das bedeutet zum Beispiel, dass der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln und mineralischen Stickstoffdüngern verboten ist. Stattdessen sind vielfältige Fruchtfolgen, organische Düngung sowie verschiedene Maßnahmen zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität im Fokus.
Auch für den Verarbeitungsrozess des Öls macht die EU-Öko-Verordnung Vorgaben. Viele Bio-Ölmühlen setzen darüber hinaus auf eine handwerkliche Verarbeitung.
Die handwerkliche Öl-Herstellung umfasst:
- Verwendung ausschließlich ökologisch erzeugter Rohstoffe
- möglichst geringer Verarbeitungsgrad; überwiegend mechanische Pressverfahren
- Kaltpressung statt Raffination
- Der Einsatz von Zusatzstoffen und Verarbeitungshilfsstoffen ist eingeschränkt. Chemische Extraktionsmittel wie Hexan und Trichlorethylen sind nicht erlaubt, für Bio-Öle darf nur Ethanol und CO2 verwendet werden
- schonende Filtration und kurze Transportwege
Höhere Standards für die Öl-Herstellung bei Bio-Verbänden
Möchte eine Ölmühle ihre Produkte mit einem Bio-Verbandssiegel kennzeichnen, ist sie in der Anwendung der Verarbeitungshilfsstoffe und Verarbeitungsschritte an die Vorgaben der jeweiligen Verbandsrichtlinien gebunden. Hier finden Sie eine Übersicht:
Verbandsrichtlinien für die Öl-Herstellung
Zugelassene Verarbeitungshilfs- und Lebensmittelzusatzstoffe:
- Asbestfreie Filtermaterialien: Papier- und Stofffilter
- Filterhilfsmittel:
- Kieselgur
- Stickstoff
- Aktivkohle,
- Ausschließlich zur Entschleimung für Öle zur Weiterverarbeitung:
- Zitronensäure
- Bentonit
Maximale Auslauftemperatur
- Allgemein: 60°C
- Besonderheit:
- Distel- und Kürbiskernöl: 50°C
- Kaltgepresstes Olivenöl: 27°C
- Besonderheit:
- Konditionieren / Vorwärmen: nur bis zur maximalen Auslauftemperatur
Besonderheiten zugelassener Verfahren
- Desodorieren: Wasserdampfbehandlung bis 230°
- Rösten: Vor der Pressung bei Kürbiskern-, Sesam- und Nussölen zulässig
- Nötige Deklaration: “kaltgepresstes Öl aus gerösteter Saat”
Ausgeschlossene Verfahren
- Chemische Modifikation
- Chemische Entsäuerung (physikalisch zulässig)
- Extraktion mit organischen Lösungsmitteln
- Entfärbung / Bleichung
- Entschleimung mit mineralischen und anderen organischen Säuren (Zitronensäure zulässig)
- Trocknungsverfahren mit Mikrowellen
Zulässiges Verpackungsmaterial
Keine Angaben in den Verbandsrichtlinien
Zugelassene Verarbeitungshilfs- und Lebensmittelzusatzstoffe:
- Asbestfreie Filtermaterialien: Papier- und Stofffilter
- Filterhilfsmittel: Kieselgur, Perlit, Mittel auf Zellulosebasis
- Ethanol (gilt nur für die Entölung von Rohstoffen mit geringen Ölgehalten (5–10 %));
das so gewonnene Öl darf nicht als “nativ” bezeichnet werden - Kohlendioxid
- Stickstoff
- Ausschließlich für Öle zur Weiterverarbeitung:
- Aktivkohle
- Bentonit
Maximale Auslauftemperatur
- Allgemein: 60°C
- Besonderheit:
- Distel- und Kürbiskernöl: 50°C
- Oliven- und Leinöl: 40°C
- Konditionieren / Vorwärmen: nur bis zur maximalen Auslauftemperatur
- Ausnahme: Soja bis maximal 115°C
Besonderheiten zugelassener Verfahren
- Desodorieren: Wasserdampfbehandlung bis 180°C für Bratöl und Soja-Speiseöl, für Endverbrauchende bis 240°C für Speiseöle zur Weiterverarbeitung
Ausgeschlossene Verfahren
- Chemische Modifikation
- Entsäuerung (Ausnahme: Natronlauge für Sojaöle und Speiseöle, für die Weiterverarbeitung)
- Extraktion mit organisch-chemischen Lösungsmitteln
- Entfärbung/Bleichung (Ausnahme: Aktivkohle und Bentonit für Soja-Speiseöl; Speiseöle für die Weiterverarbeitung)
- Entschleimung mit mineralischen und anderen organischen Säuren (Ausnahme: Zitronensäure für Soja-Speiseöl Soja; Speiseöl zur Weiterverarbeitung)
Zulässiges Verpackungsmaterial
- Edelstahl, Aluminium
- Kunststoffbehältnisse aus reinen Kohlenwasserstoffen
- Glasflaschen, Gläser
- Papier, Karton (auch ein- oder beidseitig beschichtet)
- Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyamid (PA), Polyethylenterephthalat (PET)
- Blech, Weißblech
Zugelassene Verarbeitungshilfs- und Lebensmittelzusatzstoffe
- Asbestfreie Filtermaterialien: Papier- und Stofffilter
- Filterhilfsmittel: Kieselgur, Perlit
- Ethanol (nur für die Entölung von Rohstoffen mit geringen Ölgehalten (5-10 %))
- Stickstoff, Argon
- Ausschließlich für Öle zur Weiterverarbeitung:
- Aktivkohle, Bentonit, Zitronensäure
- Öko-Aromaextrakte für die Herstellung von Würzölen nach Genehmigung von Naturland zulässig
- Rieselhilfe in Salz: Calciumcarbonat
Maximale Auslauftemperatur
- Allgemein: 60°C
- Besonderheit:
- Distel- und Kürbiskernöl: 50°C
- Olivenöl: 40°C
- Konditionieren / Vorwärmen: nur bis zur maximalen Auslauftemperatur
Besonderheiten zugelassener Verfahren
- Desodorieren:
Wasserdampfbehandlung bis 160°C zur Herstellung von Bratöl, für Endverbrauchende bis 260°C für Speiseöle für die Weiterverarbeitung
Ausgeschlossene Verfahren
- Chemische Modifikation
- Entsäuerung
- Extraktion mit organisch-chemischen Lösungsmitteln
- Entfärbung / Bleichung (Ausnahme: Speiseöle für die Weiterverarbeitung)
- Entschleimung (Ausnahme: Speiseöle für die Weiterverarbeitung)
Zulässiges Verpackungsmaterial
Keine Angaben in den Verbandsrichtlinien
Zugelassene Verarbeitungshilfs- und Lebensmittelzusatzstoffe
- Asbestfreie Filtermaterialien: Papier- und Stofffilter
- Filterhilfsmittel: Kieselgur
- Ethanol (gilt nur für die Entölung von Rohstoffen mit geringen Ölgehalten (5-10 %))
- Kohlendioxid
- Stickstoff
- Aktivkohle: gilt nur für desodoriertes Palm- und Kokosfett
- Zitronensäure: gilt nur für desodoriertes Palm- und Kokosfett
Maximale Auslauftemperatur
- Allgemein: 60°C
- Besonderheit:
- Distel- und Kürbiskernöl: 50°C
- Oliven- und Leinöl: 40°C
Besonderheiten zugelassener Verfahren
- Desodorieren: Wasserdampfbehandlung bis 160°C, über 160°C: Speiseöle für die Weiterverarbeitung
Ausgeschlossene Verfahren
- Entsäuerung
- Extraktion mit organisch-chemischen Lösungsmitteln
- Entfärbung/Bleichung
- Entschleimung mit mineralischen und anderen organischen Säuren (gilt nicht für Palm- und Kokosfett)
Zulässiges Verpackungsmaterial
- Edelstahl
- Glasflaschen, Gläser möglichst dunkel
- Papier, Karton (auch ein- oder beidseitig mit PE beschichtet)
- Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET)
- Blech, Weißblech
Zugelassene Verarbeitungshilfs- und Lebensmittelzusatzstoffe
- Asbestfreie Filtermaterialien: Papier- und Stofffilter
- Filterhilfsmittel: Kieselgur, Perlit, Mittel auf Zellulosebasis
- Ethanol (gilt nur für die Entölung von Rohstoffen mit geringen Ölgehalten (5–10 %)); das so gewonnene Öl darf nicht als “nativ” bezeichnet werden
- Kohlendioxid
- Stickstoff
- Aktivkohle
- Bentonit
Maximale Auslauftemperatur
- Allgemein: 60°C
- Besonderheit:
- Distel- und Kürbiskernöl: 50°C
- Oliven- und Leinöl: 27°C
- Konditionieren / Vorwärmen: nur bis zur maximalen Auslauftemperatur
- Ausnahme: Soja bis maximal 115°C
Besonderheiten zugelassener Verfahren
- Desodorieren: Wasserdampfbehandlung bis 180°C für Endverbrauchende, bis 240°C für Speiseöle für die Weiterverarbeitung
Ausgeschlossene Verfahren
- Chemische Modifikation
- Entsäuerung (Ausnahme: Natronlauge für Speiseöle, für die Weiterverarbeitung)
- Extraktion mit organisch-chemischen Lösungsmitteln
- Entschleimung mit mineralischen und anderen organischen Säuren (Zitronensäure zulässig)
Zulässiges Verpackungsmaterial
- Edelstahl, Aluminium
- Kunststoffbehältnisse aus reinen Kohlenwasserstoffen
- Glasflaschen, Gläser
- Papier, Karton (auch ein- oder beidseitig beschichtet)
- Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyamid (PA), Polyethylenterephthalat (PET)
- Blech, Weißblech
Zugelassene Verarbeitungshilfs- und Lebensmittelzusatzstoffe
- Filterhilfsmittel: Kieselgur, Perlit
- Ethanol (nur für die Entölung von Rohstoffen mit geringen Ölgehalten (5-10 %)
- Kohlendioxid
- Stickstoff
Maximale Auslauftemperatur
Keine Angaben in den Verbandsrichtlinien
Besonderheiten zugelassener Verfahren
- Desodorieren: Wasserdampfbehandlung bis 150°C, über 150°C: Speiseöle für die Weiterverarbeitung
Ausgeschlossene Verfahren
- Chemische Modifikation
- Entsäuerung
- Extraktion mit organisch-chemischen Lösungsmitteln
- Entfärbung/Bleichung
- Entschleimung mit mineralischen und anderen organischen Säuren
Zulässiges Verpackungsmaterial
Keine Angaben in den Verbandsrichtlinien
Zugelassene Verarbeitungshilfs- und Lebensmittelzusatzstoffe
- Asbestfreie Filtermaterialien: Papier- und Stofffilter
- Filterhilfsmittel: Kieselgur
- Ethanol (nur für die Entölung von Rohstoffen mit geringen Ölgehalten (5-10 %));
Produkte dürfen nicht als nativ bezeichnet werden - Stickstoff
- Aktivkohle: gilt nur für desodoriertes Palm- und Kokosfett
- Zitronensäure: gilt nur für desodoriertes Palm- und Kokosfett
Maximale Auslauftemperatur
- Allgemein: 60°C
- Besonderheit:
- Distel- und Kürbiskernöl: 50°C
- Olivenöl: 40°C
- Konditionieren / Vorwärmen: nur bis zur maximalen Auslauftemperatur
Besonderheiten zugelassener Verfahren
- Desodorieren: Wasserdampfbehandlung bis 160°C, über 160°C nur für Sonnenblumenöl, Palm- und Kokosfett zulässig, für Öle / Fette zur Weiterverarbeitung
Ausgeschlossene Verfahren
- Chemische Modifikation
- Entsäuerung
- Extraktion mit organisch-chemischen Lösungsmitteln
- Entfärbung/Bleichung
- Entschleimung mit mineralischen und anderen organischen Säuren (Zitronensäure für desodoriertes Palm- und Kokosfett zulässig)
Zulässiges Verpackungsmaterial
- Edelstahl, Aluminium
- Glasflaschen, Gläser
- Papier, Karton (auch ein- oder beidseitig mit PE beschichtet)
- Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET)
- Blech, Weißblech
Durch die schonendere Herstellung und den Einsatz nur weniger Verarbeitungshilfsstoffe, bleiben Geschmack, Farbe und natürliche Inhaltsstoffe weitgehend erhalten. Allerdings fällt die Ölausbeute oft geringer aus als bei der industriellen Raffination, was sich auch im Preis widerspiegelt.
Zu beachten ist jedoch auch, dass Bio nicht automatisch immer kaltgepresst bedeutet. Auch im Bio-Bereich werden Öle raffiniert. In den einzelnen Prozessschritten der Raffination von Bio-Speiseölen müssen folgenden Dinge beachtet werden:
- Die Entschleimung dient der Beseitigung unerwünschter Begleitstoffe. In der konventionellen Öl-Herstellung wird diese mit Phosphorsäure durchgeführt. Diese ist in der Bio-Produktion nicht erlaubt, hier kommt Zitronensäure als Alternative zum Einsatz.
- Für die Neutralisation der Öle wird sowohl in der herkömmlichen als auch in der biologischen Öl-Herstellung Natronlauge verwendet.
- Die Winterisierung ist ein physikalisches Verfahren, um nicht-kältelösliche Bestandteile wie zum Beispiel Wachse auskristallisieren zu lassen, die anschließend ausgefiltert werden. Dieses Verfahren ist für Bio-Öle uneingeschränkt zugelassen.
- Die Bleichung dient zur Entfernung unerwünschter Farbstoffe wie zum Beispiel Carotinoide oder Chlorophyll. Für die Herstellung von Bio-Ölen können Aktivkohle oder Kieselgur eingesetzt werden.
- Für die Desodorierung zur Entfernung unerwünschter Geruchs- und Geschmacksstoffe ist eine Dampfbehandlung in der Bio-Öl-Herstellung zugelassen.
Öl-Herstellung und regionale Wertschöpfungsketten: Vorteile für Landwirtschaft und Umwelt
Für den Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten (WSK) für Bio-Speiseöl braucht es eine enge Verzahnung von Landwirtschaft, Ölmühlen, Lebensmittelhandwerk und Vermarktung. Diese Zusammenarbeit bringt viele Vorteile mit sich und sichert wirtschaftliche Potenziale vor Ort.
Eine Schlüsselrolle spielen dabei vor allem kleinere Bio-Ölmühlen, denn sie ermöglichen den landwirtschaftlichen Bio-Betrieben die Verarbeitung eigener Ölfrüchte und Ölsaaten und schaffen damit Vermarktungsmöglichkeiten für hochwertige Spezialöle in der Region. Diese Funktion ist von großer Bedeutung, da die fehlende Infrastruktur in nachgelagerten Bereichen – insbesondere in der Bio-Verarbeitung – häufig einen Engpass für den Ausbau des Bio-Sektors darstellt.
Durch den bio-regionalen Fokus kann zudem eine größere Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher erreicht werden. Kurze Wege und nachvollziehbare Produktionsprozesse schaffen Vertrauen und ermöglichen Verbraucherinnen und Verbrauchern eine bewusste Kaufentscheidung.
Eine typische regionale Wertschöpfungskette umfasst:
- Anbau der Ölpflanzen auf ökologisch wirtschaftenden Betrieben
- Reinigung und Pressung der Saaten in einer regionalen Bio-Ölmühle
- Nutzung des Presskuchens als hochwertiges Eiweißfuttermittel oder Lebensmittelzutat
- Abfüllung und Vermarktung des Öls über Hofläden, Bio-Fachhandel oder regionale Lebensmitteleinzelhändler
WSK-Projekte rund um Bio-Speiseöle:
“Wir haben uns für die Öl-Herstellung entschieden, weil keine reine Bio-Ölmühle in der Region vorhanden war, die Lohnverarbeitung hätte machen können und um die Direktvermarktung zu stärken. Aktuell bauen wir an und verarbeiten: Braunlein, Goldlein, Leindotter, Hanf, Sonnenblume und Mariendistel. Geplant sind außerdem noch Raps, Schwarzkümmel und Färberdistel. 80 Prozent geht bei uns über die Direktvermarktung im Hofladen und drei Marktstände plus noch einmal 20 Prozent Wiederverkäufer in der Region. Im Monat verkaufen wir circa 400 Flaschen Öl." Lennard Zitzmann, Gut Ogrosen
Demobetriebe mit eigener Öl-Herstellung:
Regionale Wertschöpfungsketten stärken aber nicht nur ländliche Räume, sondern sie fördern durch eine nachhaltige Bewirtschaftung auch die Biodiversität und sorgen für einen schonenden Umgang mit Ressourcen. Vor allem die anfallenden Abfall- und Nebenprodukte sind zum Teil sehr hochwertige Stoffe, die in den Wertschöpfungsketten weiterverwendet und -verwertet werden können.
So lässt sich zum Beispiel der Presskuchen, der während der Ölpressung anfällt, für unterschiedliche Produkte und Bereiche verwenden:
- Tierfutter, organischer Dünger oder Verbrennen in der Biogasanlage
- Leinmehl, Hanfmehl, Mandelmehl etc. zum Backen
- Für den Einsatz in der Bio-Lebensmittelverarbeitung
- Sonnenblumenprotein für Sonnenblumenhack als vegane Hackfleischalternative
- Proteinpulver als Nahrungsergänzung
Für Öl, das nicht als Lebensmittel vermarktet werden kann, gibt es ebenfalls weitere Verwertungsmöglichkeiten wie zum Beispiel zur Energiegewinnung in Blockheizkraftwerken, zur Herstellung von Biodiesel oder technischen Ölen und Schmierstoffen.
Mehr zur Verwertung von Nebenprodukten der Öl-Herstellung:
Insgesamt kann der Einstieg in die ökologische Speiseölherstellung insbesondere kleineren und mittleren Bio-Betrieben eine Perspektive bieten – wenn sie Teil einer regionalen Wertschöpfungskette sind. Die größten Erfolgschancen sich von der industriellen Massenproduktion anzuheben bestehen darin, hochwertige Öle zu produzieren, die aus regionalen Rohstoffen bestehen und in der Region verarbeitet sowie vermarktet werden.
Dennoch ist der Markt ein herausfordernder. Vor allem kleinere und mittlere Betriebe konkurrieren mit Großproduktionen – für den Wettbewerb über den Preis eignet sich die ökologische Speiseölproduktion meist nicht. Wir haben uns bei Betrieben der aus dem Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau mit Bio-Speiseölproduktion umgehört und nach Ihrer Einschätzung zum Potenzial von ökologisch erzeugten Speiseölen gefragt.
Renate Bursch, Biohof Bursch
“Wir selbst bauen keine Öl-Pflanzen an, sondern kaufen die Saat zu und pressen sie in unserer eigenen Ölmühle. Wir verarbeiten: Raps, Leinsamen, schwarzer Kümmel, gerösteter Sesam und Senf. Alle unsere Öle werden direkt über unseren Hofladen vermarktet. Für uns gibt es einfach kein besseres Öl als frisch gepresstes Öl. Wir sehen daher gutes Potenzial für qualitativ hochwertige, heimische Speiseöle in Bio-Qualität."
Lennard Zitzmann, Gut Ogrosen:
"Heimische Bio-Speiseöle können eine Substitution von Importen darstellen, es braucht aber viel mehr Öffentlichkeitsarbeit dafür. Im Spreewald beispielsweise gibt es sehr viel "regionales" Leinöl, wo Ölmühlen die Saat aus Kasachstan, Indien, Kanada oder auch Marokko zukaufen. Daher muss der Regionalitätsbegriff enger gefasst werden."
Bernhard Schreyer, Schloss Gut Obbach
“Wir sehen ein gutes Potenzial für die Öle, wenn sie in der Region bleiben und die Käuferinnen und Käufer einen Bezug zu den Erzeugerbetrieben sehen. Preislich können wir nicht mit “Massenware” mithalten – egal ob ökologisch oder konventionell erzeugt.”
Christian Heymann, SpeiseGut:
“Wenn es nicht gefördert wird, haben wir gegen die “Billig-Öle” keine Chance. Wenn, dann gibt es nur Chancen in der Regionalität, so wie bei Kartoffeln, Gemüse etc. Aber auch hier muss bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern die Bereitschaft da sein, mehr Geld auszugeben. Vor allem, wenn immer billigere Produkte aus nicht EU-Ländern kommen. Wir sind leider an den höheren Preisen gescheitert, durch die kleinen Mengen konnten wir am Markt nicht bestehen und haben daher 2024 den Betrieb unserer Ölmühle einstellen müssen. Der hohe Produktionspreis sorgt auch für einen höheren Verkaufspreis. Dadurch waren wir nicht wettbewerbsfähig. Die billigen Öle wurden mehr nachgefragt. Die großen Mühlen, die in Lohn pressen und größere Mengen verarbeiten, können einfach die Preise niedriger halten.”
Interview mit Sara Baensch von der Bio Ölmühle Sölling
Auf welche Lieferbeziehungen die Bio Ölmühle Sölling setzt, wie sie das Marktpotenzial von Bio-Speiseölen einschätzen und welchen Stellenwert Nachhaltigkeit im Unternehmen hat, erzählt Geschäftsführerin Sara Baensch im Interview mit Oekolandbau.de.
Oekolandbau.de: Sie haben ein sehr breites Öl-Sortiment, sowohl aus regionalen und als auch importierten Rohstoffen. Erläutern Sie doch bitte einmal, wie Sie dieses breite Sortiment aufgebaut haben, vor allem mit dem Fokus auf den Aufbau der Wertschöpfungskette und Lieferantenbeziehungen?
Sara Baensch: Die Wurzeln unseres Unternehmens liegen weit vor der Gründung der Ölmühle Solling im Jahr 1996. Unsere Eltern, Gudrun und Werner Baensch, haben mehrere Jahre in der Entwicklungsarbeit in Südamerika und Asien gearbeitet. Diese Zeit hat sie nachhaltig geprägt. Dort lernten sie nicht nur die Herstellung kaltgepresster Speiseöle kennen, sondern auch die Bedeutung fairer Partnerschaften und nachhaltiger Wertschöpfungsketten. Als sie zurück ins Weserbergland kamen, entstand die Idee, eine eigene Bio-Ölmühle aufzubauen. Begonnen haben wir mit drei klassischen Ölen: Leinöl, Rapsöl und Sonnenblumenöl. Heute umfasst unser Sortiment mehr als 200 Produkte. Dieses Wachstum war nie das Ergebnis einer reinen Sortimentsstrategie, sondern immer eng mit dem Aufbau vertrauensvoller Lieferbeziehungen verbunden.
Wir arbeiten sowohl mit regionalen Erzeugerinnen und Erzeugern als auch mit langjährigen Partnerinnen und Partnern in verschiedenen Teilen der Welt zusammen. Regionale Rohstoffe wie Raps, Hanf oder Leinsaat passen hervorragend zu unserem Anspruch, regionale Wertschöpfung zu stärken. Gleichzeitig gibt es Rohstoffe wie Kokos, Sesam oder Argan, die aufgrund klimatischer Bedingungen nur in anderen Regionen der Welt angebaut werden können. Entscheidend ist für uns nicht die geografische Herkunft, sondern die Qualität der Rohstoffe sowie die ökologischen und sozialen Standards ihrer Erzeugung. Deshalb setzen wir seit 30 Jahren konsequent auf Bio und engagieren uns zusätzlich als Naturland-Fair-Partner. Unsere Lieferantinnen und Lieferanten betrachten wir nicht als anonyme Rohstoffquellen, sondern als langfristige Partnerschaften. Diese stabilen Beziehungen sind gerade in wirtschaftlich und geopolitisch herausfordernden Zeiten ein wichtiger Erfolgsfaktor für unser Unternehmen.
Oekolandbau.de: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für Sie im Unternehmen? Was passiert beispielsweise mit Abfallprodukten aus der Pressung?
Sara Baensch: Nachhaltigkeit ist für uns kein Trend, sondern seit der Gründung Teil unserer Unternehmens-DNA. Sie beginnt bei der Auswahl der Rohstoffe und reicht bis zur Verpackung, Logistik und Verwertung der Nebenprodukte. Wir arbeiten dort, wo es möglich ist, ausschließlich mit Bio-Rohstoffen und legen großen Wert auf eine schonende Verarbeitung. Unsere Öle werden in kleinen Chargen und mit traditionellen Spindelpressen kaltgepresst. Dadurch bleiben Geschmack, Inhaltsstoffe und Qualität bestmöglich erhalten. Gleichzeitig vermeiden wir energieintensive industrielle Verfahren.
Ein gutes Beispiel für unseren ressourcenschonenden Ansatz ist der sogenannte Presskuchen, der bei der Ölgewinnung entsteht. Dabei handelt es sich keineswegs um ein Abfallprodukt. Je nach Rohstoff wird er zu hochwertigen Mehlen weiterverarbeitet, als Futtermittel in der Landwirtschaft eingesetzt oder über unsere Marke Solling Tiernahrung als hochwertige Nahrungsergänzung für Tiere vermarktet. Unser Ziel ist es, Rohstoffe möglichst vollständig zu nutzen und Kreisläufe zu schließen. Nachhaltigkeit bedeutet für uns aber auch soziale Verantwortung. Deshalb engagieren wir uns für faire Handelsbeziehungen und langfristige Partnerschaften entlang der gesamten Lieferkette. Gerade heute erwarten Verbraucher nicht nur hochwertige Produkte, sondern auch Transparenz und glaubwürdiges Handeln.
Oekolandbau.de: Wie empfinden Sie den aktuellen Markt für Bio-Speiseöle? Wie schätzen Sie ihn für die nächsten Jahre ein? Ist der Einstieg in die Herstellung für beziehungsweise Umstellung auf Bio-Speiseöl aus aktueller Marktsicht ratsam?
Sara Baensch: Der Markt für Bio-Speiseöle hat sich in den vergangenen Jahren trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten insgesamt positiv entwickelt. Verbraucher achten heute deutlich stärker auf Gesundheit, Natürlichkeit, Herkunft und Nachhaltigkeit. Themen wie Biodiversität, Transparenz und Rückverfolgbarkeit sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Gleichzeitig beobachten wir, dass Konsumenten bewusster einkaufen. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten wird genauer abgewogen, wofür Geld ausgegeben wird. Wer sich für hochwertige Bio-Produkte entscheidet, erwartet daher einen klar erkennbaren Mehrwert in Bezug auf Qualität, Geschmack und Glaubwürdigkeit.
Für die kommenden Jahre sehe ich weiterhin gute Wachstumsperspektiven für den Bio-Bereich. Besonders Produkte mit hoher Qualität, transparenter Herkunft und nachhaltiger Herstellung werden gefragt bleiben. Gleichzeitig wird der Wettbewerb intensiver, und Unternehmen müssen sich klar positionieren. Ob der Einstieg oder die Umstellung auf Bio-Speiseöle sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Bio bedeutet weit mehr als eine Zertifizierung. Es erfordert langfristiges Denken, verlässliche Lieferketten, hohe Qualitätsstandards und die Bereitschaft, Nachhaltigkeit ganzheitlich zu leben. Wer diesen Weg konsequent geht und ihn glaubwürdig umsetzt, hat aus meiner Sicht gute Chancen, sich erfolgreich am Markt zu etablieren.
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Letzte Aktualisierung 12.08.2026


























