Oekolandbau.de: Hof Marienhöhe ist wahrscheinlich der einzige Hof, der auch zu DDR-Zeiten biologisch bewirtschaftet wurde. Wie konnte der Hof die Zeiten überstehen? Wie wurde er dadurch geprägt?
Helmut Kolzer: Eine zertifizierte biologische Landwirtschaft gab es in der DDR nicht. Der Hof Marienhöhe setzte jedoch die ganze Zeit über auf konsequente Kompostarbeit und biologisch-dynamische Präparate. Es wurden weder mineralische Dünger noch chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verwendet. Der Hof konnte privatwirtschaftlich fortgeführt werden, da der Gründer Erhard Bartsch die österreichische Staatsbürgerschaft annahm und nach Österreich übersiedelte. Da es sich somit beim Hof Marienhöhe um einen österreichischen Besitz handelte, konnte dieser nicht enteignet werden.
Oekolandbau.de: Nach der Wende wurde der Hof einem gemeinnützigen Verein geschenkt. Wie hat sich der Hof seitdem verändert?
Helmut Kolzer: Einige Menschen, die während der DDR hier schon auf dem Hof gearbeitet hatten, konnten durch die Schenkung den Betrieb nach der Wende übernehmen. Sie verpflichteten sich, den Betrieb als Hofgemeinschaft fortzuführen, bei der die Verantwortung auf mehreren Schultern liegt. Seitdem wird der Hof so geführt. Alle, die einen festen Arbeitsplatz und Lebensmittelpunkt auf Hof Marienhöhe haben, haben ein Mitspracherecht – bei der Entwicklung des Hofes, bei größeren Anschaffungen oder was das Personal betrifft.