Bio-Legehennenhaltung

Die Bio-Legehennenhaltung ist das wichtigste Segment der ökologischen Geflügelhaltung in Deutschland. Der Beitrag zeigt, wie Bio-Legehennen gehalten werden und welche Rolle Umstellung, Tierwohl und Management in der Praxis spielen.

Bio-Legehennenhaltung im Überblick

Die Bio-Legehennenhaltung hat einen festen Platz in der deutschen Eiererzeugung. 2023 entfielen rund 13,4 Prozent der Haltungsplätze in der Legehennenhaltung auf die ökologische Erzeugung. 

Innerhalb der ökologischen Geflügelhaltung stellt die Bio-Legehennenhaltung mit rund 7,3 Millionen Tieren den wichtigsten Bereich dar. Das entspricht gut zwei Dritteln des deutschen Öko-Geflügelbestands.

Ein Blick auf die Betriebsstruktur zeigt, dass es viele kleine Betriebe gibt. 2023 hielten gut zwei Drittel der Betriebe weniger als 100 Tiere, auf sie entfiel aber nur rund ein Prozent der Öko-Legehennen.

Der Großteil der Öko-Legehennen wird jedoch in großen Beständen mit 10.000 und mehr Tiere gehalten. Knapp drei Viertel aller deutschen Öko-Legehennen leben in diesen Betrieben. 

Die Bio-Eiererzeugung lag nach Daten der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) 2024 bei 2,13 Milliarden Eiern. Im Schnitt legte eine Bio-Henne 290 Eier pro Jahr. Bio-Eier erzielten 2024 Verkaufserlöse von 437 Millionen Euro. Bei den Bio-Erzeugnissen in Deutschland standen Eier damit hinter Milch und Gemüse an dritter Stelle. 

So funktioniert die Bio-Legehennenhaltung

Die Bio-Legehennenhaltung ist meist arbeitsteilig organisiert. Das heißt: Junghennen werden in spezialisierten Aufzuchtbetrieben herangezogen und später in Legehennenbetriebe eingestallt.

Die Öko-Junghennenaufzucht findet überwiegend in stationären Ställen statt. Die Aufzucht im Mobilstall ist grundsätzlich möglich, in der Praxis aber deutlich seltener und anspruchsvoller. Die Aufzuchtdauer der Junghennen liegt meist zwischen 17 und 19 Wochen. Die Tiere müssen Zugang zum Grünauslauf haben und verlassen die Aufzuchtbetriebe, kurz bevor sie mit dem Legen beginnen.

Für die Eiererzeugung gibt es spezialisierte Legehennenbetriebe. Dort werden die Tiere sowohl in stationären als auch in mobilen Ställen mit Grünauslauf gehalten. In größeren Beständen kommen häufig Volierensysteme zum Einsatz, kleinere Herden werden oft in Bodenhaltungssystemen geführt. Die Haltungsdauerliegtüblicherweise bei etwazwölf Monaten. Bei Herden mit durchgängig guter Legeleistung und Tiergesundheit kann die Legeperiode jedoch um rund drei Monate verlängert werden.

Mobile Hühnerhaltung

Mobile Ställe gelten für viele kleinere Betriebe und Direktvermarkter als attraktiver Einstieg in die Bio-Legehennenhaltung. Sie ermöglichen kleinere Einheiten, flexible Standorte und oft ein besseres Auslaufmanagement. Ein Vorteil der mobilen Haltung ist, dass sich Nährstoffeinträge und Trittschäden im stallnahen Bereich durch regelmäßiges Versetzen besser begrenzen lassen. Gleichzeitig müssen Witterung, Herdenschutz, Fütterung, Eiersammlung und Tierkontrolle in einem beweglichen System zuverlässig funktionieren.

Mehr Infos unter: Mobile Hühnerhaltung

Mit dem Verbot des Kükentötens mussten auch in der ökologischen Hühnerhaltung neue Wege für den Umgang mit den männlichen Küken aus Legeherkünften gefunden werden. Grundsätzlich sind nach EU-Öko-Verordnung sowohl die Bruderhahnaufzuchtals auch die Geschlechtsbestimmung im Ei zulässig. Da sich viele Öko-Verbände aber gegen die Geschlechtsbestimmung im Ei ausgesprochen haben, hat im Ökolandbau die Bruderhahnaufzucht stark an Bedeutung gewonnen.

Umstellung auf Bio-Legehennenhaltung

Wer einen Betrieb auf ökologische Legehennenhaltung umstellen will, muss Stall, Auslauf, Fütterung, Flächenbindung und Vermarktung zusammen denken. Entscheidend ist nicht nur die Umstellung der Tierhaltung selbst, sondern auch die Frage, ob ausreichend ökologisches Futter erzeugt oder regional beschafft werden kann und wie Eier später vermarktet werden sollen.

Die Umstellung ist oft mit Investitionen verbunden. Ställe müssen an die Anforderungen der EU-Öko-Verordnung angepasst werden. Dazu gehören unter anderem Sitzstangen, Legenester, geeignete Kotbereiche, eingestreute Ruheflächen und ein funktionierender Grünauslauf.

Hinzu kommt die betriebliche Planung: Soll mit einem stationären Stall gearbeitet werden oder mit mobilen Einheiten? Gibt es passende Flächen in Stallnähe? Solche Fragen sollten früh geklärt werden. Für die zeitliche Planung der Umstellung kann dabei der Umstellungsfahrplan für die Legehennenhaltung eine hilfreiche Orientierung bieten. 

Regelungen für die ökologische Geflügelhaltung

Was muss bei der Haltung von Bio-Legehennen beachtet werden?

Zwischen ökologischer und konventioneller Legehennenhaltung gibt es vor allem bei Haltung, Fütterung und Krankheitsbehandlung deutliche Unterschiede. Die Einhaltung der Vorgaben wird im Rahmen der Öko-Kontrollen regelmäßig überprüft.

Die folgenden Angaben gelten für die Haltung nach EU-Öko-Verordnung. Die Richtlinien der Verbände sind zum Teil strenger. Mehr dazu unter Öko-Anbauverbände und -Standards im Vergleich.

Anforderungen an Stall und Auslauf

Tageslicht, frische Luft, strukturierte Stallbereiche und Zugang zum Grünauslauf gehören zu den Grundprinzipien der Bio-Legehennenhaltung. Die Tiere sollen ihr arttypisches Verhalten möglichst gut ausleben können, also etwa Scharren, Picken, Ruhen, erhöhte Sitzgelegenheiten nutzen, Eier in Nestern ablegen und den Auslauf aufsuchen.

Alle Legehennenställe müssen mit Legenestern, Sitzstangen und Kotbereichen ausgestattet sein. Ein Grünauslauf ist Pflicht. Optional kann zusätzlich eine Veranda oder ein überdachter Außenbereich angeboten werden.

Regeln für die Fütterung von Bio-Legehennen

Das Futter muss grundsätzlich aus ökologischer Erzeugung stammen, mindestens 30 Prozent davon vom eigenen Betrieb. Steht dort nicht genug Futter zur Verfügung, kann es von anderen ökologisch wirtschaftenden Betrieben aus der Region bezogen werden.

Es darf bis zu 100 Prozent Umstellungsfutteraus dem zweiten Jahr der Umstellung verwendet werden, wenn dieses vom eigenen Betrieb stammt. Bei zugekauftem Umstellungsfutter ist der Anteil auf 25 Prozent begrenzt.

Die Versorgung mit ausreichend Eiweiß und den passenden Aminosäuren ist in der ökologischen Geflügelfütterung eine der größten Herausforderungen. Das gilt besonders für Junggeflügel.

Bis Ende 2026 gilt für Geflügel bis 18 Wochen unter bestimmten Bedingungen noch eine befristete Ausnahmeregelung für nicht-ökologische Eiweißfuttermittel – mit maximal fünf Prozent im Jahresdurchschnitt. 

Für alle andere Tiere ist die 100-Prozent Bio-Fütterung maßgeblich. Deshalb rücken heimische Eiweißquellen und alternative Futtermittel wie zum Beispiel Insekten immer stärker in den Fokus. Auch Rispenhirse könnte in diesem Zusammenhang künftig eine besondere Rolle spielen. Sie gilt wegen ihres vergleichsweise hohen Methioningehalts als interessant für die ökologische Geflügelfütterung.

Was ist beim Zukauf von Bio-Tieren zu beachten?

Bislang werden auch in der ökologischen Legehennenhaltung noch überwiegend legebetonte Hybridlinien eingesetzt. Da diese Hochleistungslinien jedoch wenig öko-tauglich sind, gibt es seit einigen Jahren Initiativen in der Öko-Branche, die sich für die Zucht von geeigneteren Hühnern einsetzen. Also solchen, die mit 100-Prozent Öko-Futter und heimischen Leguminosen zurechtkommen, die robust und krankheitsresistent sind und sich besonders für die Auslaufhaltung eignen. Nicht zuletzt muss aber auch die Legeleistung stimmen. 

Bedeutende Arbeit leistet hier derzeit vor allem die Ökologische Tierzucht gGmbH. Langfristiges Ziel der Initiative sind Zweinutzungshühner, die beide Produktionsrichtungen abdecken, Eier und Fleisch, und dabei gleichzeitig eine wirtschaftliche Aufzucht ermöglichen.

Junghennen für die ökologischen Eiererzeugung müssen aus anerkannten Bio-Betrieben stammen. Inzwischen ist deutschlandweit ein ausreichendes Angebot an Öko-Junghennen verfügbar. In Ausnahmefällen dürfen aber auch konventionelle Küken (nicht älter als drei Tage) zugekauft werden. Die Verfügbarkeit kann seit 2022 über die Datenbank OrganicXlivestock.de abgerufen werden.

Krankheitsvorsorge in der Bio-Legehennenhaltung

Im Mittelpunkt steht die Vorbeugung. Gute Haltungsbedingungen, angepasste Herkünfte, sorgfältiges Management, Hygiene, Tierbeobachtung und eine ausgewogene Fütterung sollen helfen, Krankheiten möglichst zu vermeiden.

Wenn Tiere erkranken, müssen sie behandelt werden. In der ökologischen Tierhaltung gelten dafür jedoch strengere Regeln als in der konventionellen Haltung. Der Arzneimitteleinsatz ist genau geregelt.

Ein zentrales Risiko für Geflügelbetriebe bleibt die Geflügelpest. Für Bio-Betriebe ist sie besonders herausfordernd, weil Auslauf und Freilandzugang zu den Grundprinzipien der Haltung gehören. Kommt es zu behördlich angeordneter Stallpflicht, wirft das deshalb spezielle Fragen für Tierwohl, Management und Vermarktung auf.

Tierwohl in der Bio-Legehennenhaltung

Die ökologische Eiererzeugung schafft durch mehr Platz, Auslauf und strukturierte Haltungsumgebungen grundsätzlich bessere Voraussetzungen für Tierwohl.

Gleichzeitig garantieren bessere Haltungsbedingungen allein noch kein gutes Tierwohl. Entscheidend ist auch, wie gut Tierbeobachtung, Stallklima, Fütterung und Management zusammenpassen. Deshalb gewinnt im Ökolandbau die Kontrolle über tierbezogene Indikatorenan Bedeutung, also über Merkmale wie Gesundheit, Verletzungen oder Tierverluste. Ein wichtiger Schritt ist hier das Projekt ÖkoTier, das praxistaugliche Kriterien für die Tierwohlkontrolle weiterentwickelt.

Besondere Herausforderungen in der Bio-Legehennenhaltung

Nährstoffüberhänge im Auslauf

Ein bekanntes Problem der Freilandhaltung ist, dass Legehennen die stallnahen Bereiche des Auslaufs besonders intensiv nutzen. Dort können sich Nährstoffe aus Kot konzentrieren. Das belastet Vegetation und Boden und kann zu Einträgen ins Grundwasser beitragen.

Deshalb braucht es in der Praxis ein gutes Auslaufmanagement. Dazu gehören strukturierte Ausläufe mit Gehölzen oder Unterständen, wechselnde Nutzung, robuste Begrünung und eine durchdachte Platzierung von Stall, Tränken und Schutzeinrichtungen.

Längere Legezeiten

In der Praxis wächst das Interesse daran, Legehennen länger im Bestand zu halten. Längere Legeperioden sind nicht nur aus tierethischer Sicht sinnvoll. Sie können auch helfen, Aufzuchtkosten auf mehr Eier zu verteilen und die Zahl der aufgezogenen Junghennen je erzeugtem Ei zu senken.

Voraussetzung dafür sind jedoch robuste Tiere, eine passende Fütterung, stabile Gesundheit und gutes Management. Längere Legezeiten sind daher kein Selbstläufer, sondern ein Ansatz, der nur unter guten Bedingungen funktioniert.

Mehr Infos unter: Öko-Legehennen: Längere Legezeiten sind möglich

BÖL-Forschungsergebnisse

Forschungsergebnisse aus dem Bundesprogramm Ökologischer Landbau zur ökologischen Geflügelhaltung 

(Filter: Fachbereich “Tier”, Forschungsgegenstand “Geflügel”)

Wertschöpfung und Wirtschaftlichkeit der Bio-Legehennenhaltung

Ob sich Bio-Legehennenhaltung wirtschaftlich rechnet, hängt nicht nur vom Eierpreis ab. Entscheidend sind auch Futterkosten, Junghennenpreise, Stallkosten, Arbeitswirtschaft, Vermarktung und die Frage, wie gut zusätzliche Anforderungen im Betrieb organisiert werden können.

Zusätzliche Wertschöpfung kann entstehen, wenn Betriebe ihre Eier direkt vermarkten, regionale Marken aufbauen oder Konzepte rund um Bruderhähne, Zweinutzungshühner sowie Bruch- und Knickeier in tragfähige Absatzwege einbinden. Auch mobile Ställe können wirtschaftlich interessant sein, wenn Vermarktung und Betriebsgröße gut zusammenpassen. 

Bio-Geflügel live erleben!

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) hat etwa 300 Bio-Betriebe als Demonstrationsbetriebe ausgewählt. Diese Betriebe gewähren allen Interessierten Einblicke in die Öko-Landwirtschaft. Sie zeigen, wie sie arbeiten, erklären die Herausforderungen und stellen ihre Bio-Produkte vor. Lernen Sie hier Demobetriebe kennen, die Bio-Geflügel halten.




Letzte Aktualisierung 22.04.2026

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