Projekt Wandelschwein: Auf- und Ausbau einer regionalen Wertschöpfungskette für Bio-Schweine

Die Öko-Schweinehaltung ist wirtschaftlich und erfüllt Verbraucheranforderungen an Tier- und Umweltschutz. Dennoch werden derzeit nur ein Prozent der Schweine ökologisch erzeugt. Das Projekt "WandelSchwein" entwickelt Wertschöpfungsketten (WSK) für Öko-Schweine in Süddeutschland. WSK-Manager Hendrik Alkemade berichtet über die bisherigen Herausforderungen und Erfolge des Projektes.

Kurzinfo

  • Produkte: Schweine aus biologischer Erzeugung
  • Wertschöpfungskettenbereich: Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten (Landwirtschaftliche Erzeugung, Verarbeitung und Handel)
  • Bundesland: Baden-Württemberg

Projektsteckbrief

Hintergrund des Projektes war die schwierige Situation in der konventionellen Schweinehaltung, die mit vielen Betriebsaufgaben (2021 gaben 8 % der Betriebe auf) einherging, während die Nachfrage nach biologischem Schweinefleisch in der Corona-Krise kaum gedeckt werden konnte. So lag der Fokus des Projektes zunächst auf der  Ausweitung des Angebots durch die Umstellung konventioneller Betriebe.

Denn die Öko-Schweinehaltung bietet eine gute Perspektive.  Sie ist wirtschaftlich und erfüllt steigende Verbraucheranforderungen an Tier- und Umweltschutz. Dennoch werden derzeit nur 1 % der Schweine ökologisch erzeugt. Die langfristige Festlegung beim Stallbau und die offene Frage, ob dieser auch künftig den gesellschaftlichen und neuen gesetzlichen Anforderungen genügt, lassen Betriebe vor Investitionen zurückschrecken.

Zukunftsweisend haben die großen deutschen Bio-Verbände wie Bioland demokratische Richtlinien mit strengen Anforderungen, unter anderem an die Tierhaltung. Dies gibt Sicherheit. Sie unterstützen weiter mit gutem Netzwerk, kompetentem Beratungsangebot und kommunizieren die Mehrwerte an Verbraucher.

Gesamtziel des Projektes "WandelSchwein" ist daher der Auf- und Ausbau einer regionalen Wertschöpfungskette für Schweine aus Verbands-Bio-Erzeugung in Baden Württemberg und Bayern als Alternative für konventionelle Betriebe zur Aufgabe. 

Insbesondere durch den inflationsbedingten Nachfragerückgang ist der Fokus des Projektes auch stärker auf die Sicherung von Vermarktungsoptionen durch Partnerschaften mit Handel und Verarbeitung gerückt. 

Insgesamt soll das Projekt ein ausbau-und replizierfähiges Best-Practice-Beispiel für einen zukunftsfähigen Strukturwandel in der Schweinehaltung schaffen, indem es den Aufbau von Wertschöpfungsketten für Öko-Schweine mit darüber hinausgehenden Mehrleistungen der Verbands-Bio-Ware für Tierwohl, Klima und Umwelt erleichtert. Der Aufbau eines stabilen Netzwerks aus Ferkel- und Mastbetrieben, Verarbeitern und Händlern soll eine langfristig erfolgreiche Erzeugung und Vermarktung sicherstellen. Die landwirtschaftliche Struktur in den Projektregionen wird erhalten, der Selbstversorgungsgrad beim Öko-Schwein erhöht.

Eine gut organisierte Bündelung und Verarbeitung soll auch die Nachfrage von größeren Abnehmern (z.B. Lebensmitteleinzelhandel) langfristig bedienen, gleichzeitig sollen auch neue Abnehmer angesprochen werden. Betriebe, sowohl auf der Erzeuger- als auch auf der Abnehmerseite, erhalten so größtmögliche Sicherheit vor unvorhersehbaren Marktentwicklungen. Der Verzicht auf chemisch-synthetische Betriebsmittel und die Futtererzeugung in regionalen Kreisläufen trägt zudem zur Ernährungssouveranität und Unabhängigkeit von internationalen Märkten bei.

Mehr Infos zum Projekt

Interview mit Wertschöpfungskettenmanager Hendrik Alkemade

Im Interview mit Oekolandbau.de berichtet Wertschöpfungskettenmanager Hendrik Alkemade über die Ziele und Fortschritte des Projekts.

Oekolandbau.de: Um was geht es bei dem Projekt? Welche Ziele sollen erreicht werden?

Hendrik Alkemade: Die (konventionelle) Schweinehaltung befindet sich in einer tiefen strukturellen Krise. In den vergangenen zwei Jahren gaben acht Prozent der Betriebe auf. Perspektive bietet die Öko-Schweinehaltung: Sie ist wirtschaftlich und erfüllt steigende Verbraucheranforderungen an Tier- und Umweltschutz. Dennoch werden derzeit weniger als ein Prozent der Schweine ökologisch erzeugt.

Die langfristige Festlegung beim Stallbau und die offene Frage, ob dieser auch künftig den gesellschaftlichen und somit neuen gesetzlichen Anforderungen genügt, lassen Betriebe oft vor Investitionen zurückschrecken. Zukunftsweisend haben Öko-Anbau-Verbände wie Bioland demokratische Richtlinien mit strengen Anforderungen unter anderem an die Tierhaltung. Dies gibt Sicherheit. Sie unterstützen weiter mit gutem Netzwerk, kompetentem Beratungsangebot und kommunizieren die Mehrwerte an Verbraucher.

Gesamtziel des Projektes "WandelSchwein" ist daher der Auf- und Ausbau einer regionalen Wertschöpfungskette für Schweine aus Bioland-Erzeugung in Baden-Württemberg und Bayern als Alternative für konventionelle Betriebe zur Aufgabe. Das Projekt soll ein ausbau- und replizierfähiges Best-Practice-Beispiel für einen zukunftsfähigen Strukturwandel in der Schweinehaltung schaffen, indem es Wertschöpfungsketten für Öko-Schweine mit darüberhinausgehenden Mehrleistungen für Tierwohl, Klima und Umwelt am Beispiel der Bioland-Erzeugung schafft. Der Aufbau eines stabilen Netzwerks aus Ferkel- und Mastbetrieben, Verarbeitungs- und Handelsunternehmen soll eine langfristig erfolgreiche Erzeugung und Vermarktung sicherstellen.

Die landwirtschaftliche Struktur in den Projektregionen wird erhalten, der Selbstversorgungsgrad beim Öko-Schwein erhöht. Eine gut organisierte Bündelung und Verarbeitung soll auch die Nachfrage von größeren Abnehmern (zum Beispiel dem Lebensmitteleinzelhandel) langfristig bedienen. Betriebe erhalten so größtmögliche Sicherheit vor unvorhersehbaren Marktentwicklungen. Der Verzicht auf chemisch-synthetische Betriebsmittel und die Futtererzeugung in regionalen Kreisläufen trägt zudem wesentlich zur Ernährungssouveränität bei.

Hendrik Alkemade

"Zu der Stelle als Wertschöpfungskettenmanager bin ich als Quereinsteiger in den Bereich der Landwirtschaft gekommen. Nach dem Studium der Humanmedizin habe ich zunächst mehrere Jahre in verschiedenen Kliniken gearbeitet, zuletzt als Oberarzt der Notaufnahme der Universitätsklinik Aachen. Nach dem Entschluss, mein bisheriges Berufsfeld zu verlassen, konnte ich fast ein Jahr in der Landschaftspflege der NABU-Naturschutzstation Aachen mitarbeiten. Hier entdeckte ich das spannende Feld der ökologischen Landwirtschaft. Und so bewarb ich mich um die Stelle des Wertschöpfungskettenmanagers bei der rebio, wo ich seither tatkräftig anpacken kann."

Oekolandbau.de: Was sind die Herausforderung in diesem Projekt?

Hendrik Alkemade: In der Folge des Ukrainekrieges kam es zu einer fulminanten Inflati­on mit einer darauffolgenden Kaufzurückhaltung der Bevölkerung bei Bio-Schweinefleisch, deren Folgen sich bis heute auswirken. Insbesondere kleinere und mittlere Verarbeitungs- und Handelsunternehmen von Bio-Schweinefleisch haben nach wie vor große Schwierigkeiten, die hohen Produk­tionskosten an ihre preissensible Kundschaft weiterzugeben. Aus diesem Grund hat sich die Diversifizierung der Wertschöpfungskette als eine große Herausforderung erwiesen. Des Weiteren sind die Preise, die Landwirtinnen und Landwirte aus der Wertschöpfungskette bei diesen Partnerunternehmen erzielen können noch nicht vollkostendeckend.

Gleichzei­g erholte sich im Lebensmitteleinzelhandel die Nachfrage nach Bio-Schweinefleisch, so dass aktuell wieder ein erhöhter Bedarf besteht. Diese erhöhte Nachfrage macht eine Aufnahme von weiteren Ferkelerzeugungs- und Mastbetrieben oder geschlossenen Systemen in die Wertschöpfungskette notwendig, um den Bedarf zu decken. Insbesondere im Bereich der Ferkelerzeugung besteht aktuell wieder eine erhöhte Nachfrage, die durch die momentane Produkti­on nicht gedeckt werden kann.

Die aktuelle Wirtschaftslage, sich verändernde politi­sche Rahmenbedingungen und hohen Baukosten führen aber zu einer anhaltend geringen Umstellungsbereitschaft der Landwirtinnen und Landwirte.

Welche Erkenntnisse konnten bereits erzielt werden? Was sind die nächsten Schritte?

Die Vermarktung von Bio-Schweinen über langfristige (zehn Jahre) Verträge mit Partnerunternehmen aus dem Handel ermöglichen den Ferkel- und Mastbetrieben eine verlässliche Planung. Diese Planungssicherheit zusammen mit der Festlegung vollkostendeckender Preise in der Schweinefleischvermarktung eröffnen den landwirtschaftlichen Betrieben eine Perspektive, die eine Umstellung auf ökologische Schweinehaltung attraktiv macht.

Durch eine zentrale Mengenplanung und Disposition können die Produktion effizient gesteuert und die Kosten für Logistik und Vertrieb minimiert werden. Das bei der rebio durchgeführte Qualitätsmanagement sichert zudem den Abnehmern in der Wertschöpfungskette eine gleichbleibende Produktqualität und steigert die Kundenzufriedenheit.        

Ziel für die verbleibende Projektzeit ist die Diversifizierung der Wertschöpfungsketten, um resilienter gegenüber zukünftigen Marktschwankungen zu sein. Hier steht die Vermarktung von Bio-Schweinen an kleinere und mittlere Verarbeitungs- und Handelsunternehmen im Vordergrund. Um hier auch den Bedürfnissen der kleinen und mittleren Handwerksbetriebe gerecht zu werden, gleichzei­g aber vollkostendeckende Preise für die Erzeuger zu erreichen, erfolgt aktuell die Entwicklung und die Etablierung eines abgestuften Preisanpassungsmodells. Dieses soll den kleineren Betrieben einen längeren Zeitraum zur Anpassung an höhere Erzeugerpreise gewähren. Des Weiteren sollen die Betriebe bei der Vermarktung und Kommunikation zum Bio-Schweinefleisch unterstützt werden.

Wer ist noch am Projekt beteiligt? Wie funktioniert die Zusammenarbeit vor Ort?

Hendrik Alkemade: Antragstellerin für das Projekt ist die rebio (Regionale BIOLAND Erzeugergemeinschaft GmbH). Weitere Projektpartner sind die Bio-Landgut Fleisch EZG GmbH, der Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V. sowie der Bioland Landesverband Bayern e.V. und die BFG Bio-Fleisch GmbH.

Die Zusammenarbeit funktioniert reibungslos. Insbesondere die enge Abstimmung mit weiteren Projekten der Richtlinie zur Förderung von Bio-Wertschöpfungsketten (RIWERT), die bei den Bioland Landesverbänden angesiedelt sind, sind ein großer Mehrwert für das Wandelschwein Projekt. Außerdem steht mit den Bioland Verbänden auch ein Netzwerk an Beraterinnen und Beratern und Expertinnen und Experten für verschiedene Aspekte der Lebensmittelvermarktung zur Verfügung, auf die im Projekt jederzeit zurückgegriffen werden kann.   

Im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Bio-Wertschöpfungsketten (RIWERT) fördert das Bundesprogramm Ökologischer Landbau den Aufbau und die Weiterentwicklung von tragfähigen Wertschöpfungskettenpartnerschaften für heimische Bio-Produkte.

Mehr Informationen über die Förderrichtlinie


Letzte Aktualisierung 28.04.2025

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