Projekt BioJung: Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten für Bio-Jungpflanzen

Ziel des Projekts "BioJung" ist der Auf- und Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten (WSK) für Bio-Jungpflanzen mit Gärtnereien. Um der wachsenden Nachfrage nach regional verfügbaren Bio-Jungpflanzen gerecht zu werden, soll ein digitales Vertriebssystem entwickelt werden. WSK-Manager Toni Eckhardt berichtet im Interview von den bisherigen Erfolgen.

Kurzinfo

  • Produkte: Gemüse
  • Wertschöpfungskettenbereich: Landwirtschaft, Bildung
  • Bundesland: Hessen, Berlin, NRW, Hamburg, Bayern

Projektsteckbrief

Ziel des 3-jährigen Projekts ist der Auf- und Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten (WSK) für Bio-Jungpflanzen mit Gärtnereien in mindestens zwei Pilotregionen. Um der wachsenden Nachfrage nach regional verfügbaren Bio-Jungpflanzen in den Lernorten der GemüseAckerdemie und den Privatgärtnerinnen und -gärtnern im Bildungsprogramm Black Turtle gerecht zu werden, soll mit dem Projekt das Angebot an Bio-Jungpflanzen deutlich ausgeweitet werden.

Darüber hinaus verfolgt das Projekt das Ziel, den Gärtnereien durch die Digitalisierung ihres Angebots sowie einer Versandoption einen weiteren Kreis an Kundinnen und Kunden zu erschließen und somit den Absatz von Bio-Jungpflanzen von Betrieben aus der Region zu erhöhen. Gemeinsam mit den WSK-Partnerinnen und -Partnern wird ein regionales, digitales und nachhaltiges Vertriebssystem zunächst entwickelt und dann in der Praxis umgesetzt, welches die spezifischen Herausforderungen, insbesondere die logistischen Prozesse betreffend, berücksichtigt.

Im Laufe des Projektes werden die bestehenden WSK um die neue Produktgruppe "Online bestellbare Bio-Jungpflanzenpakete" erweitert, dazu werden auch neue Logistikpartner in die WSK integriert und dann WSK in weiteren Regionen aufgebaut. Hemmnisse für den Aus- und Aufbau der WSK sollen im Projekt ermittelt und mittels gezielter Fortbildungen und Beratungen minimiert werden. Da der Bedarf für diese Beratungen derzeit noch nicht feststeht, werden zunächst auch keine Ausgaben in diesem Bereich gefördert.

Mehr Infos zum Projekt

Im Kern geht es bei dem Projekt darum, die Bildungsprogramme von Acker e. V. – insbesondere die GemüseAckerdemie und die Ackerracker – weiterzuentwickeln und nachhaltiger zu gestalten. Kinder und Jugendliche bauen dabei an Schulen und Kitas eigenes Gemüse an und lernen auf ganz praktische Weise, wie wertvoll Natur und Lebensmittel sind.

Mit dem wachsenden Erfolg des Programms steigt auch der Bedarf an Saatgut, Pflanzgut und Bio-Jungpflanzen erheblich. Die bisherige Logistik kommt hier an ihre Grenzen – sowohl was die Verteilung als auch die Verpackung betrifft. Viele Gärtnereien sind weder digital aufgestellt noch verfügen sie über passende Versandlösungen, vor allem für Jungpflanzen.

Deshalb entwickeln wir ein nachhaltiges, digitales Bestell- und Liefersystem für Jungpflanzen – inklusive neuer Transportverpackungen, die die Pflanzen gut schützen und feucht halten. Ziel ist es, die Jungpflanzenlogistik effizienter und umweltschonender zu gestalten. Gleichzeitig eröffnen wir damit Gärtnereien neue Vertriebswege und stärken die regionale Wertschöpfung. Langfristig profitieren nicht nur die Bildungsprogramme, sondern auch die Umwelt, die teilnehmenden Einrichtungen und die biologische Vielfalt – denn wir machen ökologisch produzierte Jungpflanzen einfacher zugänglich.

Interview mit Wertschöpfungskettenmanager Toni Eckhardt

Toni Eckhardt

Toni Eckhardt hat Wirtschaftsingenierwesen und Industrial Engineering an der Technische Universität Chemnitz studiert. Dort schloss er ebenfalls seinen Master of Science in Value Chain Management ab.

Er ist seit 2024 als Supply Chain Manager beim gemeinnützigen Acker e. V. auch für den Jungpflanzenversand verantwortlich.

Oekolandbau.de: Welche Ziele sollen erreicht werden?

Toni Eckhardt: Das Hauptziel des Projekts BIOJUNG ist der Aufbau und Ausbau regionaler Bio-Wertschöpfungsketten zwischen Gärtnereien und Acker e. V. – zunächst in mindestens zwei Modellregionen. Dafür entwickeln wir gemeinsam mit unseren Projektpartnern ein nachhaltiges, digitales Vertriebssystem für Bio-Jungpflanzen.

Im Mittelpunkt steht die bessere Vernetzung aller beteiligten Akteure entlang der Wertschöpfungskette – von den Gärtnereien über Verpackungs- und Logistikdienstleister bis hin zu Schulen, Kitas und natürlich Acker e. V. selbst. Wir analysieren bestehende Prozesse und Bedarfe, identifizieren Hürden und entwickeln gemeinsam Lösungen, um Produktion, Bestellung, Verpackung und Auslieferung effizienter, digital gestützt und zugleich ressourcenschonend zu gestalten. Dabei prüfen wir auch, welcher Unterstützungsbedarf in Form von Beratung, Fort- oder Weiterbildungen besteht. Außerdem legen wir gemeinsam Kriterien und Prozesse für nachhaltige Versand- und Verpackungslösungen für unsere Bildungsprogramme fest.

Oekolandbau.de: Was ist Ihre Aufgabe in dem Projekt?

Toni Eckhardt: Meine Hauptaufgabe im Projekt liegt in der Vernetzung und Unterstützung der zentralen Akteure – insbesondere der Gärtnereien. Ziel ist es, gemeinsam mit den Expertinnen sowie Experten und Erfahrungswerten von Acker e. V. praxistaugliche Lösungskonzepte zu entwickeln und Best Practices zu identifizieren.

Das reicht von konkreten Empfehlungen für Verpackungslösungen über die Unterstützung bei der Einrichtung von Versandportalen wie beispielsweise bei DHL bis hin zur Organisation digitaler Austauschformate zwischen den Gärtnereien.

Darüber hinaus arbeite ich kontinuierlich daran, Prozesse zu optimieren – zum Beispiel bei der Erstellung und dem Austausch von Bestell- und Packlisten, um Abläufe effizienter und transparenter zu gestalten. Ein wichtiger Fokus liegt auch darauf, die grundlegenden Bedarfe für ein digitales Bestellkonzept, also ein Ordermanagement-Tool, systematisch zu erheben.

Oekolandbau.de: Welche Projektbeteiligten sind mit im Boot? Was tragen diese zum Projekt bei?

Toni Eckhardt: Wir arbeiten mit einer breiten Palette von Gärtnereien zusammen. Zu Beginn des Projekts standen vor allem die Gärtnerei Knofi und die Bio-Gärtnerei Christian Herb als Hauptpartner im Fokus. Darüber hinaus pflegen wir enge Kooperationen mit weiteren Betrieben wie Jungpflanzen Wunderlich, Gärtnerei Hirschgarten, SoLaWi Zabergäu, Maries Pflanzenmanufaktur, dem Kräuter- und Früchtehof Gänseblümchen, herb's Bioland Gärtnerei in Niedersachsen, dem Biolandbetrieb LebensGrün Seelze, Permakultur- und Biohof ernte-mich in Leipzig, der Humuswerkstatt eG und Justland.

Diese Projektbeteiligten bringen ihre Expertise und Erfahrungen aktiv ein – sei es bei Verpackungslösungen, Pflanzzeiträumen und Versandterminen oder beim Feedback zu bestehenden Abläufen. Durch diese Vernetzung arbeiten wir gemeinsam daran, Versandprozesse zu standardisieren und effizienter zu gestalten.

Im Rahmen des Projekts konnten wir beispielsweise die Grundlagen für den Webshop der Gärtnerei Knofi & So entwickeln. Unterstützt wurden wir dabei vom externen Partner MVision-Web Design, der die technische Infrastruktur aufgebaut und eine Datenbasis mit Bildern und Artikelbeschreibungen geschaffen hat.

Oekolandbau.de: Was waren die ersten und sind die nächsten Schritte?

Toni Eckhardt: Im Jahr 2024 konnten wir schon wichtige Fortschritte erzielen: Wir haben zahlreiche Fort- und Weiterbildungen für die Mitarbeitenden von Acker e.V. und den Gärtnereien umgesetzt, um die Anforderungen an ein robustes Vertriebssystem zu identifizieren. Außerdem wurden klare Kriterien und Prozesse für Versand und Verpackung definiert und entsprechende Empfehlungen erarbeitet. Bereits 35 Prozent der Jungpflanzen wurden 2024 an die Lernorte versendet – für 2025 rechnen wir mit rund 80 Prozent. Der nächste wichtige Schritt ist die praxisnahe Evaluation der Verpackungsempfehlungen, um sicherzustellen, dass die Pflanzen optimal geschützt und versendet werden können sowie die Erarbeitung konkreter Anforderungen seitens der Gärtnereien und Lernorte an ein digitales Ordermanagement-Tool zur direkten Bestellung von Jungpflanzen.

Im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Bio-Wertschöpfungsketten (RIWERT) fördert das Bundesprogramm Ökologischer Landbau den Aufbau und die Weiterentwicklung von tragfähigen Wertschöpfungskettenpartnerschaften für heimische Bio-Produkte.

Mehr Informationen über die Förderrichtlinie


Letzte Aktualisierung 11.08.2025

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