Lebensmittelverschwendung verringern in der Verarbeitungsbranche

Lebensmittelverschwendung verringern in der Verarbeitungsbranche

Auf allen Stufen der Wertschöpfungskette werden wertvolle Lebensmittel weggeworfen. 15 Prozent der gesamten Lebensmittelabfälle in Deutschland fallen dabei in der Verarbeitungsbranche an. Durch nachhaltige Kooperationen und kreative Vermarktungsideen können Bio-Unternehmen einen Beitrag zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung leisten. 

Lebensmittelverschwendung ist ein globales Problem. Sie betrifft die gesamte Wertschöpfungskette – von der Landwirtschaft über Verarbeitung, Handel, Gastronomie bis zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Neben Verlusten nach der Ernte und ineffizienter Logistik führen vor allem Überproduktion, strenge Qualitäts- und Sortierkriterien sowie fehlende Absatzmöglichkeiten dazu, dass große Mengen an Lebensmitteln nicht für die menschliche Ernährung genutzt werden. Diese Verschwendung verringert nicht nur die Produktivität der Wertschöpfungskette, sondern belastet auch die Umwelt erheblich und wirft soziale sowie ethische Fragen auf.

Die Gesamtabfallmenge bei Lebensmitteln betrug im Jahr 2022 10,8 Millionen Tonnen. Die Primärproduktion hat an der Gesamtabfallmenge einen Anteil von 2 Prozent (0,2 Mio. Tonnen). Bei der Verarbeitung fallen 15 Prozent (1,6 Mio. Tonnen) an. Im Handel entstehen 7 Prozent (0,8 Mio. Tonnen) der Lebensmittelabfälle. Bei der Außer-Haus-Verpflegung fallen 18 Prozent (2 Mio. Tonnen) der Abfälle an. Der Großteil der Lebensmittelabfälle entsteht mit 58 Prozent (6,3 Mio. Tonnen) in privaten Haushalten. Jeder Verbraucher und jede Verbraucherin wirft demnach etwa 74,5 Kilogramm Lebensmittel im Jahr weg. (Quelle: Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat)

Nach Berechnungen des WWF Deutschland werden 15 Prozent der gesamten Fläche, die wir in Deutschland für unsere Ernährung benötigen, durch vermeidbare Lebensmittelverluste in Anspruch genommen wird.

Verschiedene Länder haben Maßnahmen ergriffen, um die Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Und immer mehr Initiativen und Unternehmen tragen durch kreative Produktideen und nachhaltige Kooperationen dazu bei, dass aus Überschüssen neue Werte entstehen können.

Welche Maßnahmen gibt es in verschiedenen Ländern zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung?

Frankreich ist das einzige Land in der EU, das die Abgabe überschüssiger Lebensmittel für große Einzelhandelsunternehmen verpflichtend vorschreibt. Im Jahr 2016 wurde das Gesetz "Loi Garot" verabschiedet, das Supermärkte verpflichtet, nicht verkaufte und noch genießbare Lebensmittel zu spenden. Ziel war es, die Lebensmittelverschwendung bis zum Jahr 2025 um die Hälfte zu reduzieren. Nach Angaben der Einzelhandelskette Carrefour konnten die Lebensmittelverluste in den eigenen Filialen im Vergleich zu 2016 im Jahr 2022 um 39,9 Prozent und im Jahr 2023 um 35,7 Prozent gesenkt werden.

In Deutschland existieren bislang  keine gesetzlichen Vorgaben, die die Weitergabe überschüssiger Lebensmittel verpflichtend regeln.  Es gibt jedoch entsprechende Initiativen, an der sich Unternehmen freiwillig beteiligen können. Diese werden unter bestimmten Voraussetzungen durch steuerliche Anreize unterstützt. Der Bund verfolgt das Ziel, die Menge der Lebensmittelabfälle bis zum Jahr 2030 zu halbieren. Hierbei unterstützt seit 2012 die Initiative Zu gut für die Tonne! vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). 

Italien und Belgien haben Gesetze beziehungsweise politische Maßnahmen eingeführt, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, indem sie Lebensmittelspenden fördern oder teilweise verpflichtend machen.

Was können Verarbeitungsunternehmen gegen Lebensmittelverschwendung tun?

Zahlreiche Unternehmen in der Lebensmittelbranche leisten einen Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung. Die Verschwendung im Rahmen des Produktionsprozess im Unternehmen möglichst gering zu halten, ist natürlich auch aus ökonomischer Sicht sinnvoll. Dabei spielen zum Beispiel Faktoren wie der bedarfsgerechte Rohwareneinkauf, die Optimierung der Lieferketten, die optimale Lagerung der Rohwaren, die effiziente Produktionsprozesse und die Anpassung der Produktionsmengen an die Nachfrage und damit die Vermeidung von Überproduktion eine wichtige Rolle. 

Kreative Unternehmen setzen darüber hinaus auf die Verwendung von Überschüssen und im Handel nicht vermarktbaren Lebensmitteln durch "Upcycling" oder neue Vermarktungskonzepte.

"Upcycling" von Lebensmitteln zu Reduzierung der Lebensmittelverschwendung

Verschiedene Start-Ups in der Bio-Branche setzen ein klares Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung: sie schaffen aus den überschüssigen Rohwaren oder aus Resten der Lebensmittelherstellung neue Lebensmittel. Hier einige Beispiele für das "Upcycling" von Nahrungsmitteln in der Bio-Branche:

Beispiel 1: followfood - Innovative Produktentwicklung aus Überschüssen

Followfood kauft Obst und Gemüse auf, das aufgrund optischer Mängel, unpassender Größen oder Überproduktionen nicht mehr in den regulären Handel gelangt wäre, und verarbeitet es zu neuen, hochwertigen Lebensmitteln. So entstehen aus sogenannten "krummen" Karotten, Tomaten oder Paprika beispielsweise Brotaufstriche, Suppen oder Soßen  in Bio-Qualität. Der Anteil an geretteten Produkten im Sortiment liegt im Schnitt bei rund 80 Prozent, schwankt jedoch übers Jahr hinweg. Denn bei geretteten Rohstoffen ist die Verfügbarkeit kaum planbar. Gerade bei Gemüsesuppen und -aufstrichen variiert der Anteil an geretteten Zutaten besonders stark – je nach Ernte und aktuellem Angebot an gerettetem Gemüse auf dem Markt sowie Produktrezeptur.

Neben Obst und Gemüse setzt followfood auch auf Produkte im Trockensortiment. Die "Mixschokolade" rettet Produktionsreste aus der Schokoladenherstellung. Denn immer wenn ein Hersteller den Produktionsprozess von Vollmilchschokolade auf Zartbitterschokolade oder umgekehrt umstellt, wird die neue Schokoladensorte so lange durch die Anlage gepumpt, bis sämtliche Reste der vorherigen Schokoladensorte entfernt sind. Dabei entsteht eine Masse aus zwei Schokoladensorten, die auf Grund von Qualitätsvorgaben des Herstellers verworfen werden müssten. Mit der "Mixschokolade" können jährlich viele Tonnen Schokolade gerettet werden. Aber auch bei der Nudelherstellung geht followfood kreative Wege, um Reste aus dem Produktionsprozess zu retten: Beispielsweise fallen beim Zuschneiden von Spaghetti auf eine einheitliche Länge immer wieder unterschiedlich lange Nudeln an. Statt die zu kurzen Nudeln zu verwerfen, werden sie gemahlen und zu Fusilli verarbeitet. Die Nudelsorte Fusilli Mais & Linsen bringt es so auf einen Recyclinganteil von fast 100 Prozent, bei den Fusilli Mais & Kichererbse sind es immerhin 68 Prozent.

Die Produkte sind mit dem Hinweis "Inklusive geretteter Zutaten" gekennzeichnet. Durch diese Form der Produktinnovation zeigt das Unternehmen, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand gehen können. Aus vermeintlichem Ausschuss fertigen sie genussfertige Produkte mit sozial-ökologischem Mehrwert und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. 

Beispiel 2: Zero Waste Bier Knärzje - Bier aus gerettetem Toastbrot

"Toast Ale", gebraut aus gerettetem Toastbrot, entdeckte Daniel Anthes 2017 bei einem Trip in London. Der engagierte Lebensmittelretter hatte sich gewundert, dass es ausgerechnet hierzulande, im Land der Brau- und Brotkunst, kein vergleichbares Produkt gab. Inzwischen hat sein Frankfurter Start-up mit der Marke Knärzje (Randstück vom Brotlaib nach hessischer Mundart) das erste bio-zertifizierte Zero-Waste-Bier Deutschlands auf den Markt gebracht. Auf jede Flasche Bier kommt eine Scheibe Brot. Dadurch lässt sich rund ein Viertel der zum Bierbrauen benötigten Gerstenmalzmenge ersetzen. 2023 hat Knärzje erstmals die Marke von einer halben Million Flaschen geknackt und konnte so rund 10.000 Kilogramm Brot retten. Die überschüssigen oder aussortierten Bio-Brote stammen allesamt von der Bioland-Bäckerei Biokaiser aus Mainz-Kastel. Aber auch beim Bierbrauen selbst fallen Reste an. So entsteht beim Auskochen des Malzes Treber. Der Treber von Knärzje wird bisher an Tiere verfüttert. Daniel Anthes tüftelt jedoch mit Bio-Bäckerinnen und Bäckern von Biokaiser bereits daran, den Treber in der Bäckerei zu verwerten.

Wir wollen das Thema Lebensmittelverschwendung in den gesellschaftlichen Mainstream bringen und mit unserem Bier direkt eine mögliche Lösung in puncto Lebensmittelwertschätzung aufzeigen.
Firmengründer Daniel Anthes

Beispiel 3: Beetgold - Pizzaböden aus Gemüseresten

Gemüsetrester bleibt übrig, wenn Gemüse zur Saftherstellung gepresst wird. Der Pressrückstand steckt voller Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine und ist eigentlich viel zu schade zum Entsorgen, wie Matthias Rother, Ideengeber und Gründer des Bio-Start-ups Beetgold fand, das seit März 2024 zur Irodima GmbH gehört.

Aus dem Trester produziert das Allgäuer Start-up Tortillas und Pizzaböden in Bio-Qualität. Statt Mais- oder Weizenmehl bildet der Trester von Karotten oder Rote-Bete die Hauptzutat für den Teig - und zwar bis zu 98 Prozent. Wie bei Vollkorn werden dabei die ganze Schale und somit alle Ballaststoffe des Gemüses verarbeitet. Seit der Gründung im Jahr 2019 hat die Beetgold GmbH bereits 230.000 Kilogramm Trester zu gesunden Lebensmittelalternativen aus Gemüse weiterverarbeitet. Diese Menge entspricht rund 600.000 Pizzaböden und 4,2 Millionen Tortillas.

Kreative Vermarktung von Produkten, die nicht verkauft werden können

Lebensmittelrettung im Onlinehandel hat sich Veggie Specials auf die Fahnen geschrieben. Die Firma bietet über einen Webshop ein Angebot an bio‑veganen Lebensmitteln, die aus Gründen wie Verpackungsfehlern, Überproduktion oder falscher Etikettierung nicht regulär über den Handel verkauft werden können. Dabei werden Eigenmarken verwendet, um solche Waren weiterhin nutzen zu können, auch wenn die Einzelverpackungen oder Etiketten gewisse Abweichungen aufweisen. Die Preise sind im Vergleich zum regulären Markt oft deutlich reduziert – nicht nur weil Restbestände genutzt werden, sondern auch durch den Einkauf von Großmengen sowie effizienter Logistik. Ziel des Unternehmens ist es, Bio-Qualität dadurch erschwinglicher zu machen, ohne Abstriche bei Herkunft oder Standards machen zu müssen.

Oekolandbau.de hat bei Matthias Beuger nachgefragt wie sie diesen Anspruch für sich als "zweite Wahl"-Vermarktungsunternehmen erfüllen können. 

Wie laufen die Gespräche mit Herstellern ab, wenn es darum geht, eigentlich unverkäufliche Produkte in Ihren Shop aufzunehmen. Mit welchen Argumenten überzeugen Sie am häufigsten?

Die herstellenden Unternehmen sind eigentlich immer sehr drauf bedacht, möglichst ressourcenschonend zu wirtschaften. Sie vermeiden Lebensmittelverschwendung schon aus ökonomischen Gründen. Dennoch gibt es manchmal unvorhersehbare Fälle. Dazu zählen Absagen aus dem Handel und somit unerwartet weniger Absatz. Da die Restlaufzeitanforderungen der Partner sehr hoch sind, gibt es oft keinen Absatzmarkt für die etwas älteren Lagerbestände. Auf der anderen Seite gibt es auch immer wieder mal Produktionsfehler und Testläufe oder schwankende Rohstoffqualitäten, die zu einer kleineren Veränderung am Produkt führen und somit nicht mehr der Verbraucherinnen- und Verbrauchererwartung einer "Besten Qualität" entsprechen. Es braucht also alternative Absatzwege mit zum Beispiel kürzeren Restlaufzeitanforderungen.

Auch wenn die Zahlen der vermeidbaren Abfälle in der Lebensmittelverarbeitung anteilig überschaubar sind, wird die Diskussion in der Öffentlichkeit sehr hitzig geführt. Es ist also kein Wunder, dass es bei dem Austausch in erster Linie um das Vertrauen geht, gemeinsam eine Lösung zu finden. Da wir nur mit Öko-Verarbeitungsunternehmen arbeiten, ist die Motivation sehr hoch, die qualitativ hochwertigen Produkte im Kreislauf zu halten. Dennoch muss der Prozess finanziell und personell abbildbar sein. Wir versuchen einfache und pragmatische Lösungen zu finden, die zu den jeweiligen Unternehmen passen. Ich denke das ist unser bestes Argument.

Wie vermarktet man ein 'zweite Wahl'-Produkt erfolgreich? Welche Rolle spielen dabei Sortimentsentscheidungen und Preispsychologie bei geretteten Produkten?

Ich würde schon sagen, dass unsere Kundinnen und Kunden erwarten, dass Abweichungen von der gewohnten Qualität sich auch preislich niederschlagen sollen. Deshalb bieten wir alle Produkte mit Abweichungen zwischen 30 und 80 Prozent günstiger an und das ist sicherlich auch eins von mehreren Verkaufsargumenten. Gleichzeitig ist es natürlich auch aufwändiger einzukaufen, da unser Sortiment wöchentlich wechselt und wir selber teilweise am Anfang einer jeden Woche nicht wissen, welche Produkte am Ende der Woche im Shop landen.

Unsere engen Kooperationen mit einigen Unternehmen, wie zum Beispiel Taifun Tofu, Topas (Wheaty) und Veganz sorgen dafür, dass wir regelmäßig zumindest bestimmte Marken im Shop haben. Wir arbeiten dafür an langfristigen und verlässlichen Vereinbarungen. Das hilft auch unseren Kundinnen und Kunden ein gewohntes Sortiment erwarten zu können.

Gibt es Produktgruppen oder Marken, die besonders häufig vertreten sind und was sagt das Ihrer Meinung nach über Fehlplanungen oder Überproduktionen in der Lebensmittelindustrie aus?

Ich denke ein klassischer Fall sind Gemüse oder Backwaren. Das liegt aber nicht in erster Linie an der Gruppe, sondern an der Frischeerwartung und Verderblichkeit. Bei verpackten Lebensmitteln ist es schon etwas anders. Hier besteht die größte Herausforderung aus meiner Sicht darin, dass immer gefüllt Regale trotz schwankender Absätze erwartet werden. Die Lebensmittelindustrie muss somit eine Lieferfähigkeit garantieren und wird auch empfindlichen sanktioniert.

Welche konkreten Erfahrungen haben Sie mit rechtlichen Hürden gemacht – etwa bei Kennzeichnungspflichten, dem Verkauf abgelaufener MHD-Produkte oder in der Zusammenarbeit mit Behörden?

Bisher haben wir einen sehr konstruktiven Austausch mit den zuständigen Behörden. Es gibt sicherlich grundlegende rechtliche Rahmenbedingungen, die man diskutieren müsste. So gibt es Produkte, die sehr lange haltbar sind, wie zum Beispiel Salz oder Essig, wo durchaus ein Herstellungsdatum zielführender wäre. Viele unsere Produkte sind Restlaufzeitware und wir verkaufen sie bereits vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD). Die für uns größte Herausforderung, ist die qualitative Überwachung der Produkte nach MHD, da diese sehr arbeitsintensiv ist. Das kommt zum Glück eher selten vor und nur bei Produkten mit niedrigem Risiko.

Ich denke ein Hauptaspekt ist die Erwartung, dass immer alles verfügbar ist und die damit verbundenen Handelsvereinbarungen. Mehr Transparenz und Verständnis entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette wäre sicherlich der größte Hebel. Das schließt auch die Verbraucherinnen und Verbraucher ein, die durch die allgegenwärtige Niedrigpreispolitik sehr wenig Wertschätzung für den Wert von Lebensmittel mitbringen.

Haben Sie Zahlen, wie viel CO₂, Wasser oder Verpackungsmüll durch Ihre geretteten Produkte durchschnittlich eingespart werden und nutzen Sie diese Zahlen für Ihr Marketing?

Wir verkaufen jährlich circa 150.000 Produkte und sorgen dafür, dass damit rund zehn Tonnen Lebensmittel in den Kreislauf geführt werden. Natürlich könnte man damit plakativer werben, ich halte allerdings eine eins-zu-eins Berechnung für falsch. Sicherlich hätten einige der Produkte auch andere Wege gefunden. Deshalb halten wir uns eher zurück mit solchen Marketingaussagen, weil wir die Diskussion nicht weiter künstlich aufheizen wollen. Ich finde es wichtig, dass wir hier ein realistisches Bild zeichnen.

Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Organisationen

Die Tafeln stellen stellt in Deutschland eine zentrale Anlaufstelle für Menschen mit geringem Einkommen in der Region dar, um Lebensmittel niederschwellig zugängig zu machen. Wöchentlich werden mehrere hundert Haushalte mit Lebensmitteln versorgt, die im Handel nicht mehr verkauft, aber weiterhin bedenkenlos verzehrt werden können. Sie schließen somit eine Lücke zwischen sozialer Unterstützung und dem Schutz der Lebensmittel vor der Entsorgung.

Mit 75.000 Helfer:innen sind die Tafeln eine der größten sozial-ökologischen Bewegungen in Deutschland. Pro Jahr retten sie rund 265.000 Tonnen Lebensmittel und geben sie an rund 1,5 Millionen Menschen weiter. Organisiert sind die Tafeln im Dachverband Tafel Deutschland e.V..

Lebensmittelverschwendung vermeiden: Häufig ungenutztes Potenzial

Die Reduktion der Lebensmittelverschwendung kann nicht allein durch gesetzliche Vorgaben oder technologische Lösungen erreicht werden. Vielmehr bedarf es einer stärkeren Verzahnung zwischen öffentlichen Strategien, zivilgesellschaftlichem Engagement und unternehmerischer Verantwortung. Langfristig können nur integrative Ansätze erfolgreich sein, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette ansetzen und wirtschaftliche, ökologische sowie soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigen. Zur weiteren Stärkung solcher Initiativen sind folgende Maßnahmen denkbar:

  • Verbesserung der logistischen Infrastruktur (zum Beispiel Kühlketten, Lagerflächen)
  • Schaffung rechtlicher Klarheit im Umgang mit Lebensmitteln nahe dem Mindesthaltbarkeitsdatum
  • Gezielte Förderung digitaler Plattformen zur Vermarktung von Überschüssen
  • Kooperationen zwischen gemeinnützigen Einrichtungen und privatwirtschaftlichen Anbietern

Trotz wachsender Aufmerksamkeit für das Thema bleibt das Potenzial zur Vermeidung und Wiederverwertung von Lebensmitteln in vielen Bereichen noch ungenutzt. Zukunftsweisende Ansätze liegen nicht nur in der Weitergabe überschüssiger Produkte, sondern auch in der Entwicklung kreislaufwirtschaftlicher Prozesse, gezielter Bildungsarbeit und der Förderung lokaler Versorgungsnetzwerke.

Lebensmittelwertschätzung beginnt dort, wo Ressourcen nicht als Abfall, sondern als Chance verstanden werden.


Letzte Aktualisierung 05.12.2025

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