Bio-Hähnchenmast

Die Bio-Hähnchenmast ist ein kleiner, aber wachsender Bereich innerhalb der ökologischen Geflügelhaltung. Hier erfahren Sie, wie Bio-Masthähnchen gehalten werden, was bei Haltung, Fütterung und Tiergesundheit wichtig ist und welche Rolle Vermarktung und Schlachtung in der Praxis spielen.

Bio Hähnchenmast im Überblick

2023 wurden in Deutschland rund 1,8 Millionen Masthähnchen nach ökologischen Kriterien gehalten. Gemessen an den insgesamt 88,1 Millionen Masthühnern in Deutschland, liegt der Anteil damit bei gerade mal zwei Prozent.

510 Betriebe hielten 2023 Öko-Masthähnchen. Rein rechnerisch kommt damit jeder Betrieb auf 3.456 Tiere. Ein Blick in die Betriebstrukturen zeigt jedoch, dass rund 70 Prozent aller Bio-Masthühner 2023 in Betrieben mit 10.000 und mehr Tieren standen.

Nach Einschätzung der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) ist Bio-Geflügelfleisch insgesamt ein kleines Marktsegment. Die Produktion nahm 2024 zwar zu und erreichte rund 29.570 Tonnen, gemessen am Gesamtmarkt blieb der Anteil mit 1,7 Prozent aber gering. Hähnchenfleisch hat mit Abstand den höchsten Anteil am Bio-Geflügelfleischkonsum in Deutschland.

Öko-Hähnchenfleisch – hochpreisiges Premiumprodukt

Öko-Hähnchenfleisch ist um ein Mehrfaches teurer als konventionelles Hähnchenfleisch. Das hat mehrere Gründe: Zum einen sind die Öko-Küken und das Öko-Futter teurer als im konventionellen Bereich. Entscheidend ist aber vor allem die Mastdauer. Die ist mit rund 60 bis 70 Tagen in der Öko-Hähnchenmast doppelt so lang wie in der konventionellen Mast und verursacht allein dadurch schon doppelte Erzeugungskosten. Zu Buche schlägt aber auch die im Vergleich zur konventionellen Haltung geringe Besatzdichte.

So funktioniert die Bio-Hähnchenmast

Wie in der konventionellen Geflügelhaltung ist auch in der ökologischen Hähnchenmast eine arbeitsteilige Organisation üblich. In der Vertragsmast ist es verbreitet, dass der Abnehmer der Hähnchen auch die Küken liefert. Andere Betriebe kaufen ihre Küken direkt bei Öko-Elterntierhaltern.

Gemästet werden männliche und weibliche Tiere gemeinsam. Für Aufzucht und Mast gibt es in der Praxis zwei Grundverfahren. Im Ein-Stall-Verfahren bleiben die Tiere vom ersten Tag bis zur Ausstallung im selben Stall. Im Zwei-Stall-Verfahren werden die Küken zunächst bis zum 28. oder längstens 42. Lebenstag in einem Aufzuchtstall gehalten und anschließend in den Maststall umgesetzt. 

Die Mast erfolgt meist in ortsfesten Ställen; diese sind planbefestigt und mit höhenverstellbaren Futter- und Tränkeeinrichtungen ausgestattet, damit sie an die wachsenden Tiere angepasst werden können. Daneben gibt es auch die Mast in Mobilställen, die sich besonders für kleinere Herden und direktvermarktende Betriebe eignet. 

Umstellung auf Bio-Hähnchenmast

Direktvermarktung behaupten können. Denn dort ist die Wertschöpfung am größten und der Einstieg über Mobilställe verhältnismäßig einfach und kostengünstig zu bewerkstelligen. 

Wer mehr Tiere halten möchte als er/sie selbst vermarkten kann, sollte sich sehr früh um einen Abnehmer bemühen und einen Abnahmevertrag einfordern, der eine Futter-Preis-Bindung enthält. Das bedeutet, dass mit steigenden Futterpreisen automatisch auch der Abnahmepreis für die Hähnchen steigt.

Was muss bei der Haltung von Bio-Masthähnchen beachtet werden?

Zwischen ökologischer und konventioneller Hähnchenmast gibt es vor allem bei Haltung, Fütterung und Krankheitsbehandlung deutliche Unterschiede. Die Einhaltung der Vorgaben wird im Rahmen der Öko-Kontrollen regelmäßig überprüft.

Die folgenden Angaben gelten für die Haltung nach EU-Öko-Verordnung. Die Richtlinien der Verbände sind zum Teil strenger. Mehr dazu unter Öko-Anbauverbände und -Standards im Vergleich.

Anforderungen an Stall und Auslauf

Masthähnchen werden im Ökolandbau grundsätzlich in gemischtgeschlechtlichen Herden gehalten. In der Praxis erfolgt die Mast meist in ortsfesten Ställen. Diese können zusätzlich mit einer Veranda oder einem überdachten Außenbereich ausgestattet sein. Daneben gibt es Mobilställe, die vor allem für kleinere Herden interessant sind. Wird in Mobilställen gemästet, ist eine Voraufzucht in einem stationären Stall üblich. Während der Aufzucht brauchen die Küken viel Wärme

Grünauslauf ist Pflicht und muss den Tieren zur Verfügung stehen, sobald ihr physiologischer Zustand das zulässt. 

Werden keine langsam wachsenden Herkünfte eingesetzt, beträgt die Mindestmastdauer 81 Tage.

Die Ansprüche an die Einstreu sind sowohl in der Aufzucht als auch in der Mast sehr hoch. Die richtige Einstreu ist ab dem ersten Lebenstag die Grundlage für gesunde Fußballenund eine unbeschädigte Brust. Sie sollte eine niedrige Keimbelastung aufweisen, trocken und scharrfähig bleiben sowie eine feine und lockere Struktur bewahren. Außerdem muss die Einstreu den Tieren Beschäftigung bieten

Was ist bei der Fütterung von Bio-Masthähnchen zu beachten?

Das Futter muss grundsätzlich aus ökologischer Erzeugung stammen. Steht dort nicht genug Futter zur Verfügung, kann es von anderen ökologisch wirtschaftenden Betrieben aus der Region bezogen werden.

Es darf bis zu 100 Prozent Umstellungsfutter aus dem zweiten Jahr der Umstellung verwendet werden, wenn dieses vom eigenen Betrieb stammt. Bei zugekauftem Umstellungsfutter ist der Anteil auf 25 Prozent begrenzt.

Öko-Hähnchen haben einen höheren Futterbedarf als konventionelle Tiere. Die Futterverwertung liegt hier bei eins zu 2,4. Zum Vergleich: Im konventionellen Bereich liegt die Futterverwertung bei eins zu 1,67. 

Phasenfütterung

In der Hähnchenmast empfiehlt sich eine Phasenfütterung, damit der Nährstoffbedarf der Tiere in den einzelnen Lebensphasen möglichst gut gedeckt wird. In der Praxis arbeiten Mastbetriebe meist mit drei Futterphasen, seltener auch mit zwei.

Tabelle: Dreiphasige Fütterung in der Öko-Hähnchenmast

 LebensalterFormFutter (kg)
Starter1. bis 2. WochePellets0,6
Mittelmast3. bis 6. WochePellets2,15
Endmastab der 7. WochePellets3,5

Eiweißversorgung

Eine besondere Herausforderung bleibt die Eiweiß- und Aminosäurenversorgung. Synthetisch hergestellte Aminosäuren sind im Ökolandbau nicht erlaubt. Ziel ist deshalb eine Versorgung über natürliche Eiweißträger und möglichst 100 Prozent ökologisch erzeugte Komponenten.

Wenn eine ausschließliche Versorgung mit ökologischen Futtermitteln nicht möglich ist, gilt für Geflügel bis 18 Wochen derzeit noch eine befristete Ausnahmeregelung für nicht-ökologische Eiweißfuttermittel – mit maximal fünf Prozent im Jahresdurchschnitt. 

Ab 2027 ist dann von einer 100-Prozent-Bio-Fütterung auszugehen. Für die Praxis der Bio-Hähnchenmast bleibt damit die Frage wichtig, wie sich Eiweißlücken künftig mit heimischen oder regional verfügbaren Komponenten schließen lassen. Deshalb rücken heimische Eiweißquellen und alternative Futtermittel wie zum Beispiel Insektenimmer stärker in den Fokus. 

Was ist beim Zukauf von Bio-Küken zu beachten?

Im Gegensatz zur konventionellen Haltung, in der überwiegend schnell wachsende Hybridlinien verwendet werden, kommen in der Öko-Mast vorwiegend langsam wachsende Linien wie ISA-JA-757 oder Cobb Sasso 150 zum Einsatz. Zum Vergleich: Hähnchen der Linie ISA-JA-757 erreichen das Schlachtendgewicht von rund 2,5 Kilogramm nach 60 bis 65 Tagen, intensiv gemästete, schnell wachsende Linien schon nach 38 Tagen.

Hubbard ISA-JA-757 ist derzeit die am häufigsten gehaltene langsam wachsende Öko-Masthähnchen-Linie in Deutschland und Österreich. Die Hähnchen dieser Linie haben ein natürliches Sättigungsgefühl und „laufen besser“ im Sinne des vom Ökolandbau geforderten „aktiven Bewegungsverhaltens“. Außerdem stammen sie aus ökologischer Elterntierhaltung. 

Nach EU-Öko-Verordnung müssen die langsam wachsenden Linien kein Mindestschlachtalter einhalten. Werden schnellwachsende Linien eingesetzt, gilt für die Öko-Haltung ein Mindestschlachtalter von 81 Tagen.

Wenn Öko-Küken der gewünschten Herkunft nicht verfügbar sind, dürfen auch konventionelle Küken eingesetzt werden. Die Verfügbarkeit kann seit 2022 über die Datenbank OrganicXlivestock.deabgerufen werden. Der Zukauf konventioneller Küken muss vor dem Kauf von der zuständigen Kontrollbehörde genehmigt werden.

Bildergalerie

Krankheitsvorsorge in der Bio-Hähnchenmast

Im Mittelpunkt steht die Vorbeugung. Gute Haltungsbedingungen, angepasste Herkünfte, sorgfältiges Management, Hygiene, Tierbeobachtung und eine ausgewogene Fütterung sollen helfen, Krankheiten möglichst zu vermeiden.

Wenn Tiere erkranken, müssen sie behandelt werden. In der ökologischen Tierhaltung gelten dafür jedoch strengere Regeln als in der konventionellen Haltung. Der Arzneimitteleinsatz ist genau geregelt.

Ein zentrales Risiko für Geflügelbetriebe bleibt die Geflügelpest. Für Bio-Betriebe ist sie besonders herausfordernd, weil Auslauf und Freilandzugang zu den Grundprinzipien der Haltung gehören. Kommt es zu behördlich angeordneter Stallpflicht, wirft das deshalb spezielle Fragen für Tierwohl, Management und Vermarktung auf.

Tierwohl in der Bio-Hähnchenmast

Die ökologische Masthühnerhaltung schafft durch mehr Platz, Auslauf und strukturierte Haltungsumgebungen grundsätzlich bessere Voraussetzungen für Tierwohl.

Gleichzeitig garantieren bessere Haltungsbedingungen allein noch kein gutes Tierwohl. Entscheidend ist auch, wie gut Tierbeobachtung, Stallklima, Fütterung und Management zusammenpassen. Deshalb gewinnt im Ökolandbau die Kontrolle über tierbezogene Indikatoren an Bedeutung, also über Merkmale wie Gesundheit, Verletzungen oder Tierverluste. Ein wichtiger Schritt ist hier das Projekt ÖkoTier, das praxistaugliche Kriterien für die Tierwohlkontrolle weiterentwickelt.

Schlachtung von Bio-Masthähnchen

Masthähnchen "alternativer Rassen werden nach 60 bis 70 Tagen ausgestallt und zum Schlachthof gefahren. Die im Ökolandbau eingesetzten Masthähnchen-Linien sind aktiver als die in der konventionellen Haltung verwendeten. Deshalb ist es wichtig, den Stall abdunkeln zu können, damit die Tiere ruhig bleiben und sich besser einfangen lassen. 

Das Standardgewicht von Öko-Masthähnchen liegt am Ende der Mast zwischen zwei und 2,6 Kilogramm Lebendgewicht. Größere Geflügelschlachtbetriebe brauchen einheitliche Partien, da die automatische Schlachtanlage auf ein einheitliches Tiergewicht eingestellt ist. Kleinere Geflügelschlachtereien können durch Handarbeit flexibler auf Abweichungen vom Standardgewicht reagieren.

Mobile Geflügelschlachtung

Gerade für kleinere Geflügelbetriebe ist es häufig schwierig, Bio-Geflügelschlachtereien in der Region zu finden, die auch kleinere Partien annehmen.

Eine mögliche Lösung ist die mobile Geflügelschlachtung auf dem eigenen Hof. Sie kann vor allem kleineren Betrieben mehr Unabhängigkeit bei Schlachtung und Vermarktung ermöglichen und den Tieren zugleich Verlade- und Transportstress ersparen.

Wer ein Schlachtmobil nutzt, muss allerdings verschiedene rechtliche und hygienische Anforderungen beachten. Welche Möglichkeiten es bereits gibt und worauf Betriebe achten müssen, zeigen die Beiträge Stressfreie Schlachtung auf dem Herkunftsbetriebund Mobile Geflügelschlachtung.

Bio-Geflügel live erleben!

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) hat etwa 300 Bio-Betriebe als Demonstrationsbetriebe ausgewählt. Diese Betriebe gewähren allen Interessierten Einblicke in die Öko-Landwirtschaft. Sie zeigen, wie sie arbeiten, erklären die Herausforderungen und stellen ihre Bio-Produkte vor. Lernen Sie hier Demobetriebe kennen, die Bio-Geflügel halten.


Letzte Aktualisierung 18.06.2026

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