Hofgemeinschaft Grummersort: Hofbesuch Förderschule
27798 Hude

Im Jahr 2023 wurden auf 12.400 Hektar in Deutschland Bio-Kartoffeln angebaut. Das sind 4,7 Prozent der gesamten deutschen Kartoffelanbaufläche. Die Gesamterntemenge an Bio-Speisekartoffeln lag bei rund 249.000 Tonnen. Im ökologischen Anbau von Kartoffeln werden niedrigere Durchschnittserträge erzielt als in der konventionellen Landwirtschaft. Das Ertragsniveau liegt im Schnitt bei 20 Tonnen pro Hektar und beträgt damit rund 50 bis 60 Prozent des Niveaus im konventionellen Anbau. Die höheren Erzeugerpreise gleichen diesen Minderertrag jedoch wieder aus.
Lesen Sie mehr im Öko-Blog Kartoffel:
Überblick über den Bio-Kartoffelmarkt in Deutschland
Der Anbau von ökologischen Kartoffeln ist recht anspruchsvoll und setzt einiges an Wissen und Können der Erzeugerinnen und Erzeuger voraus. Kernprobleme des Öko-Kartoffelanbaus sind ein ungenügendes Stickstoffangebot im Frühjahr, ein hoher Krankheits- und Schädlingsbefall sowie Spätverunkrautung.
Im Folgenden beschreiben wir die wichtigsten Aspekte zum Anbau von Kartoffeln im Ökolandbau.
Kartoffeln bevorzugen leichte bis mittelschwere, tiefgründige und gut erwärmbare Böden mit ausgeglichener Wasserführung. Der Kartoffel-Standort sollte daher gut durchlüftet und nicht zu stark verdichtet sein. Schwere, verdichte und staunasse Böden sollte für den Kartoffelanbau gemieden werden.
Die Kartoffel ist empfindlich gegenüber Trocken- und Nässeperioden, besonders während der Blüte und Knollenbildung. Eine Bewässerungsmöglichkeit ist von Vorteil, insbesondere in Trockenperioden.
Die Bodenart hat einen wesentlichen Einfluss auf die Knollenqualität, einschließlich Form, Farbe und Attraktivität. Auf leichten Böden entstehen tendenziell Knollen mit ansprechender Form, intensiver Farbe und flacheren Augen. Schwere, weniger erwärmbare Böden hingegen fördern die Produktion glattschaliger Knollen und minimieren das Risiko von Schorfbefall.
Kartoffeln haben einen relativ hohen Nährstoffbedarf, insbesondere kurz nach dem Auflaufen. Gute Vorfrüchte für Kartoffeln sind daher solche, die den Boden im garen Zustand und mit großen Mengen an leicht zersetzbarem organischen Material hinterlassen. Dazu zählen einjähriges Kleegras, Körnerleguminosen, Feldgemüse oder Getreide mit (Leguminosen)-Zwischenfrucht. Der Anbau von Kartoffeln direkt nach mehrjährigem Kleegras und Grünland sollte dagegen wegen der erhöhten Drahtwurmgefahr vermieden werden.
In der Fruchtfolge sollte eine Anbaupause von mindestens vier Jahren bei Kartoffeln berücksichtigen, um fruchtfolgebedingte Krankheiten und Schädlinge (vor allem Kartoffelzystennematode) zu vermeiden. Die Kartoffel selbst ist eine gute Vorfrucht für andere Kulturen, da sie den Boden in einem guten Garezustand hinterlässt. Gute Nachfrüchte in der Fruchtfolge sind Winterungen wie Weizen oder Roggen oder Zwischenfrüchte wie Senf oder Ölrettich.
Mehr Infos im Öko-Blog Kartoffel:
Podcast "Kartoffel Talk":"Kartoffelanbau und Fruchtfolge".
Video: Zwischenfrüchte im Öko-Kartoffelanbau.
In kaum einer Kultur ist die Sortenvielfalt so groß und sind die Merkmale in den einzelnen Sorteneigenschaften so breit gestreut wie bei der Kartoffel. Der Betrieb muss die Sortenwahl an die Bedürfnisse seiner Marktpartner, seiner Kundschaft und seines Standortes anpassen.
Für den Ökolandbau mit dem etwas geringeren Stickstoffdüngeniveau sind Kartoffelsorten mit maximal mittlerer Knollenzahl und wenig Untergrößen vorteilhaft. Da die Bestände (vor allem wegen Krautfäule) meist eine geringere Vegetationsdauer erreichen, spielt die Schnelligkeit bei der Entwicklung der Knollen eine wichtige Rolle.
Als eines der wichtigsten Auswahlkriterien ist die Gesundheit der einzelnen Kartoffelsorten zu beachten. Die Anfälligkeit für Rhizoctonia oder die Neigung zu Hohlherzigkeit auf wüchsigen Standorten müssen in der Sortenwahl Berücksichtigung finden. Insbesondere der Krautfäuleanfälligkeit muss unter ökologischen Bedingungen Beachtung geschenkt werden. Eine Resistenz gibt es hier nicht, aber die Kartoffelsorten sollten entweder eine relative Toleranz aufweisen oder eine so schnelle Entwicklung haben, dass vor der Infektion mit Krautfäule ein ausreichender Ertrag gebildet werden kann. Auf leichten Böden spielt auch die Sortenneigung zu Schorf und Eisenfleckigkeit eine Rolle.
Als äußere Qualitätsmerkmale sollte die Kartoffelsorte eine formschöne Knolle mit geringer Neigung zu Missbildungen und einer glatten Schale mit möglichst flachen Augen bieten. Bei der Einteilung in Kochtypen wird zwischen festkochenden Salatsorten, vorwiegend festkochenden und mehligen Typen zum Kartoffelbrei unterschieden.
Die Lagerfähigkeit einer Sorte muss in der Vermarktungsstrategie berücksichtigt werden. Die Lagerfähigkeit ist abhängig von der Keimfreudigkeit der Kartoffelsorte (in der Regel sind frühreife Sorten keimfreudiger) und vom physiologischen Alter der Knollen. Heiße Sommer mit hoher Wärmesumme oder hohe Lagertemperaturen lassen die Knollen physiologisch schneller altern. Diese sind in der Folge "unruhiger" im Lager.
Die beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes (PDF-Datei) und die Veröffentlichungen von ökologischen Sortenversuchen helfen bei der Sortenwahl, zum Beispiel Öko-Kartoffel-Sortenversuche 2023, Landwirtschaftskammer NRW.
Lesen Sie mehr im Öko-Blog Kartoffel:
Podcast "Kartoffel-Talk": Kartoffelsorten im Bio-Anbau
Blogbeitrag: Kartoffelzüchtung für den Öko-Landbau.
In den Bundesländern werden jährlich verschiedene Sorten unterschiedlicher Kulturarten getestet. Dabei werden (zum Teil) auch Versuche auf Öko-Betrieben durchgeführt. Unter den folgenden Links finden Sie die jeweiligen Webseiten, auf der die Versuchsergebnisse der Bundesländer für verschiedene Kulturen veröffentlicht werden.
Bei der Bodenvorbereitung für die Kartoffel ist es entscheidend, stein- und klutenfreie Erntedämme zu schaffen, da Steine und Kluten das Wachstum der Kartoffeln behindern, die Knollen verformen und sie bei der Ernte beschädigen können.
Auf schweren Böden und bei Kleegrasumbruch ist der Einsatz eines Pflugs empfehlenswert, während auf mittelschweren Böden und in trockenen Regionen ein Grubber genutzt werden kann – auch um Wasserverluste zu minimieren. Die Grundbodenbearbeitung für Kartoffeln sollte nur erfolgen, wenn der Boden ausreichend abgetrocknet ist (beugt Klutenbildung vor), wobei der ideale Zeitpunkt von den Standort- und Bodenverhältnissen abhängt. Auf schweren Böden ist eine Bearbeitung im Spätherbst sinnvoll, da der Boden im Frühjahr schneller abtrocknet. Leichte Böden können hingegen im Frühjahr bearbeitet werden, vorzugsweise nach dem Anbau von Zwischenfrüchten und unter Berücksichtigung einer möglichen Rückverfestigung.
Auf leichten Böden wird die Pflanzbettvorbereitung für Kartoffeln auf vielen Betrieben mit einer Saatbettkombination (Federzinken mit Stabwalze) durchgeführt. Auf schwereren Böden sind zapfwellengetriebene Geräte wie die Kreiselegge oder Rüttelegge stärker im Einsatz, um ein klutenfreies Pflanzbett zu schaffen. Eine Bearbeitungstiefe von etwa 15 Zentimeter sollte eingehalten werden, um genügend lockeres Bodenmaterial für den Dammaufbau zur Verfügung zu haben.
Öko-Kartoffelpflanzgut muss aus ökologischer Vermehrung stammen. Die Verfügbarkeit von Öko-Saat- und Pflanzgut kann in der Datenbank www.organicxseeds.de überprüft werden. Wenn möglich sollte das Pflanzgut vorgekeimt werden.
Das Vorkeimen von Kartoffeln fördert einen beschleunigten und gleichmäßigen Pflanzenaufwuchs, was die Anfangsentwicklung optimiert. Vorgekeimtes Pflanzgut erreicht schneller die Vegetationsphase und minimiert somit die Dauer des kritischen frühen Wachstums. Dies ist besonders vorteilhaft bei Frühkartoffeln, da es zu einer besseren Nutzung der Frühjahrsbedingungen führt, den Ertrag steigert und die Widerstandsfähigkeit gegenüber stressigen Umweltfaktoren, wie späten Frösten, verbessert.
Wie lange vor dem Pflanztermin müssen Kartoffeln vorkeimen?
Kartoffeln sollten in der Regel etwa 2–3 Wochen vor dem Pflanztermin vorgekeimt werden, um eine gleichmäßige und schnelle Knollenentwicklung zu gewährleisten.
Wichtigstes Kriterium zur Bestimmung des Pflanztermins ist die Bodentemperatur, die bei 8 °C liegen sollte (bei vorgekeimten Kartoffeln bei 6 °C). Außerdem muss der Boden zur Pflanzung ausreichend abgetrocknet sein, um eine gute Wurzelentwicklung und das Vermeiden von Klutenbildung zu gewährleisten. Der Pflanztermin für Kartoffeln sollte zudem nach dem letzten Frost im Frühjahr erfolgen, um Frostschäden an den Knollen zu verhindern.
Standardmäßig werden Speisekartoffeln mit einem Reihenabstand von 75 Zentimeter und einem Abstand zwischen 32 und 36 Zentimeter in der Reihe gelegt. Daraus ergibt sich eine Pflanzdichte zwischen 37.000 und 40.000 Knollen pro Hektar. Diese Pflanzdichte beim Kartoffel setzen sollte je nach Sorte und Bodentyp angepasst werden, da eine zu hohe Dichte das Wachstum einschränken kann, während zu niedrige Dichten die Ertragspotenziale nicht voll ausschöpfen.
In welcher Pflanztiefe sollten Kartoffel gesetzt werden?
Die Pflanztiefe beim Kartoffeln setzen sollte zwischen 5 und 10 Zentimeter betragen, abhängig von Bodenbeschaffenheit und Feuchtigkeit, um eine ausreichende Bodenbedeckung und Schutz vor Frost zu gewährleisten.
Lesen Sie mehr im Öko-Blog Kartoffel:
Video: Frühkartoffel-Erzeugung: Pflanzen und Vorkeimen
Beim Anbau von Kartoffeln wird zwischen Abstriegeln und Anhäufeln der Dämme abgewechselt. Dem Unkraut kann im frühen Stadium (Fädchenstadium) am besten zu Leibe gerückt werden. Hierbei passt sich die Netzegge der Oberfläche optimal an.
Auf leichten Böden werden die Dämme meist mit Scharhäufler - kombiniert mit Dammstriegel oder Dammformgerät - gepflegt und aufgebaut. Auf schwereren Böden wird vorzugsweise die Reihenfräse oder ein Scheibenhäufler für den Dammaufbau verwendet. Die Verletzung von Stolonen muss allerdings vermieden werden.
Der Einsatz eines Abflämmgeräts kann zusätzlich den Erfolg der Krautabtötung im Anbau von Kartoffeln deutlich verbessern.
Die Kraut- und Knollenfäule (Pythopthora infestans) ist eine der bedeutendsten Kartoffel-Krankheiten. Durch Kartoffelschorf (Streptomyces scabies) wird allein die äußere Qualität beeinträchtigt und kann bei starkem Auftreten zur Ablehnung oder Minderung einer Speisepartie führen. Die Wurzeltöterkrankheit (Rhizoctonia solani) verursacht Auflaufprobleme im Frühjahr und damit Fehlstellen. An den Knollen treten schwarze Pocken, sogenannte Sklerotien, auf.
Die Larven des Kartoffelkäfers können in trockenen, heißen Jahren durch ihren starken Blattfraß zum Teil erhebliche Schäden verursachen. Kartoffelschädlinge wie Drahtwürmer (Larven verschiedener Schnellkäfer) können in trockenen Jahren enormen Schaden durch ihren Lochfraß an den Knollen anrichten. Dies kann bis zur Abnahmeverweigerung ganzer Partien durch den Handel führen.
Weitere Krankheiten und Schädlinge der Kartoffel finden Sie in unserem Pflanzendoktor.
Die ideale Erntezeit von Kartoffeln richtet sich nach der Schalenfestigkeit der Knollen. Nach dem kompletten Absterben des Krautes sollte die Kartoffel-Ernte frühestens nach zwei bis drei Wochen beginnen, dann ist die notwendige Schalenfestigkeit erreicht. Dieser Zeitpunkt ist besonders wichtig, um die Qualität der Knollen zu erhalten und das Risiko von Kartoffel Krankheiten wie Drahtwurm-, Silberschorf- und Rhizoctonia-Befall zu minimieren. Wenn die Knollen zu lange im Boden verbleiben, steigt die Gefahr, dass sich diese Schädlinge und Krankheiten weiter ausbreiten und die Knollen beschädigen.
Insbesondere im Bio-Anbau ist bei der Kartoffel-Ernte darauf zu achten, dass diese nicht bei feuchtem Wetter erfolgt, da nasse Bedingungen das Risiko von Fäulnis und Pilzinfektionen erhöhen. Eine zügige Ernte verhindert eine unnötig lange Lagerung der Knollen im Boden und trägt dazu bei, die Knollen in optimaler Qualität zu ernten.
Die Einlagerung der Kartoffeln sollte möglichst beschädigungsfrei und schonend erfolgen, um die Qualität der Knollen über die Lagerperiode hinweg zu erhalten. Nach der Ernte werden die Kartoffeln in Kisten abgelegt und in das Lager gebracht, wo sie ausreichend belüftet werden, um eine gleichmäßige Trocknung zu gewährleisten. Es ist entscheidend, dass die Kartoffeln trocken sind, oder dass sie durch die Belüftung abtrocknen, um Fäulnis und Pilzbefall zu vermeiden..
Die Kisten werden dann ins Lager gestellt und belüftet. Die Kartoffeln sollen trocken sein oder durch die Belüftung abtrocknen. Während der Wundheilungsphase, die zwei Wochen bei 15 Grad Celsius dauert, werden aufgetretene Verletzungen verkorkt. Danach wird in der Regel bei Speisekartoffeln auf die optimale Lagertemperatur runtergekühlt (je nach Sorte unterschiedlich).
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Podcast "Kartoffel-Talk": Rückblick auf die Bio-Kartoffelsaison 2024
Video: Bio-Kartoffeln aufbereiten und verpacken
Letzte Aktualisierung 11.11.2025