Wasserschutz: Was leistet der Ökolandbau?

Grundwasser ist eine zentrale Ressource für die Trinkwasserversorgung. Der Ökolandbau kann dazu beitragen, Wasser vor Nitrat, Pflanzenschutzmittelrückständen und weiteren Stoffeinträgen zu schützen. Entscheidend sind dabei unter anderem vielfältige Fruchtfolgen, ein bedarfsgerechtes Düngemanagement und der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Grundwasser schützen: Rund 70 Prozent des Trinkwassers in Deutschland stammen aus Grundwasser. Landwirtschaftliche Einträge, insbesondere Nitrat und Pflanzenschutzmittel, können die Wasserqualität beeinträchtigen.
  • Nitrat bleibt ein Problem: 2024 überschritten 15,7 Prozent der Messstellen des EUA-Grundwassermessnetzes den Nitrat-Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter.
  • Ökolandbau kann Einträge reduzieren: Vielfältige Fruchtfolgen, Leguminosen, bedarfsgerechte organische Düngung und der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel können dazu beitragen, Nitrat- und Pflanzenschutzmitteleinträge in Gewässer zu verringern.
  • Boden und Wasserhaushalt gehören zusammen: Zwischenfrüchte, Bodenbedeckung, organische Düngung und vielfältige Fruchtfolgen können Bodenstruktur und Wasserspeicherfähigkeit unterstützen und Erosion vermindern – gerade angesichts zunehmender Trockenperioden und Starkregenereignisse.
  • Ökolandbau kann Lösungsansätze bieten: Praxisbeispiele wie das Wassergut Canitz, das Mangfalltal oder das Schutzprogramm des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes zeigen, dass eine Zusammenarbeit zwischen Wasserwerken und Bio-Landwirtinnen und -Landwirten sowohl für den Wasserschutz als auch für die regionale Wertschöpfung fruchtbar sein kann.

Warum ist Wasserschutz wichtig?

Rund 70 Prozent des Trinkwassers in Deutschland stammen nach Angaben des Umweltbundesamtes aus Grundwasser. Gleichzeitig steht die Ressource unter Druck: Klimawandel, längere Trockenperioden und zunehmende Starkregenereignisse verändern den Wasserhaushalt. Hinzu kommen Belastungen durch Nährstoffüberschüsse und Pflanzenschutzmittel.

Der ökologische Landbau kann einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Grund- und Oberflächenwasser leisten. Entscheidend sind dabei insbesondere die Begrenzung von Stickstoffüberschüssen, der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und ein auf geschlossene Nährstoffkreisläufe ausgerichtetes Bewirtschaftungssystem.

Grundwasser schützen heißt Trinkwasser schützen

Grundwasser entsteht überwiegend aus Niederschlagswasser, das durch Boden und Untergrund versickert. Dabei wird es teilweise natürlich gefiltert und gelangt in die Grundwasserleiter. Die Qualität des Grundwassers hängt deshalb eng mit der Nutzung der Flächen in seinem Einzugsgebiet zusammen.

Nitrat bleibt eine zentrale Herausforderung

Eine der wichtigsten Belastungen des Grundwassers ist Nitrat. Es entsteht unter anderem durch die Umwandlung stickstoffhaltiger Verbindungen im Boden und kann mit dem Sickerwasser in tiefere Bodenschichten und schließlich ins Grundwasser gelangen.

Der Grenzwert für Nitrat im Grundwasser und Trinkwasser liegt bei 50 Milligramm pro Liter. Nach aktuellen Daten des Umweltbundesamtes überschritten im Jahr 2024 15,7 Prozent der Messstellen des Grundwassermessnetzes der Europäischen Umweltagentur (EUA) diesen Wert. Besonders betroffen sind Messstellen in Gebieten mit überwiegend landwirtschaftlicher Nutzung: Im Erhebungszeitraum 2020 bis 2022 lag der Anteil der Überschreitungen dort bei 25,6 Prozent

Die Entwicklung zeigt zwar eine leichte Verbesserung gegenüber der vorherigen Berichtsperiode. Das Umweltbundesamt bewertet den Rückgang jedoch als nicht ausreichend. Landwirtschaftlich bedingte Stickstoffeinträge gehören weiterhin zu den wesentlichen Ursachen erhöhter Nitratkonzentrationen im Grundwasser.

Wie trägt der Ökolandbau zum Gewässerschutz bei?

Der Ökolandbau setzt auf ein Bewirtschaftungssystem, das Nährstoffkreisläufe möglichst weitgehend schließt. Chemisch-synthetische Stickstoffdünger sind im ökologischen Landbau nicht zugelassen. Stickstoff wird unter anderem über Leguminosen wie Klee, Luzerne oder Erbsen in die Fruchtfolge eingebracht.

Weitere wichtige Elemente sind:

  • vielfältige Fruchtfolgen mit Zwischenfrüchten und Leguminosen,
  • eine an den Bedarf der Pflanzen angepasste organische Düngung,
  • eine flächengebundene Tierhaltung,
  • die Begrenzung von Nährstoffüberschüssen,
  • eine möglichst kontinuierliche Bodenbedeckung,
  • und ein sorgfältiges Management von Wirtschaftsdüngern.

Dadurch können Stickstoffverluste reduziert werden. Wie stark die Auswaschung tatsächlich zurückgeht, hängt allerdings von Standort, Witterung, Boden, Fruchtfolge und konkreter Bewirtschaftung ab.

Pflanzenschutzmittel und ihre Abbauprodukte

Ein weiterer Aspekt des Wasserschutzes ist der Eintrag von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen und deren Abbauprodukten. Im ökologischen Landbau ist der Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel grundsätzlich nicht erlaubt. Damit wird eine wichtige Quelle für mögliche Einträge in Boden und Gewässer ausgeschlossen. Allerdings sind auch im Ökolandbau einige Pflanzenschutzmittel zugelassen, sodass deren sachgerechter Einsatz zu beachten ist.

Aktuelle Monitoringdaten zeigen, dass die Belastung des Grundwassers mit bestimmten Pflanzenschutzmittelwirkstoffen zurückgegangen ist. Gleichzeitig werden Abbauprodukte weiterhin häufig nachgewiesen:

  • Ausgehend von den in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gibt es zahlreiche Abbauprodukte, die in signifikanten Mengen im Grundwasser landen können. An 72 Prozent der Grundwassermessstellen in Deutschland wurden solche Stoffe nachgewiesen.
  • Im Untersuchungszeitraum 2017 bis 2021 fand das Umweltbundesamt an 76 Prozent der Grundwassermessstellen Trifluoressigsäure (TFA). TFA ist ein Abbauprodukt verschiedener PFAS-haltiger Pestizide, kann aber auch andere Eintragsursachen haben. TFA erweist sich als sehr problematisch, da es sich in der Umwelt nicht abbaut und in der Trinkwasseraufbereitung technisch kaum entfernen lässt.

Damit bleibt die Vermeidung von Stoffeinträgen an der Quelle ein wichtiger Baustein des vorsorgenden Grundwasserschutzes.

Praxisbeispiele für Wasserschutz durch Ökolandbau

Wie sich eine konsequent wasserschonende Bewirtschaftung langfristig auswirken kann, zeigt das Wassergut Canitz bei Leipzig. Im Mangfalltal in Bayern wird Ökolandbau gezielt mit dem Trinkwasserschutz verbunden. Auf ähnliche Weise macht auch der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband den landwirtschaftlichen Betrieben im Einzugsgebiet ein Angebot für Grundwasserschutzmaßnahmen im Rahmen einer Kooperation.

Auf den Höfen im Netzwerk der Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau wird auch auf innovative Arten des Wassermanagements und gute Humuswirtschaft gesetzt. 

  • Ein Beispiel hierfür ist die Bannmühle in Rheinland-Pfalz, die mittels Keyline-Design das Niederschlagswasser möglichst gezielt und effektiv auf der Fläche verteilt. 
  • Keyline Design wird häufig mit Agroforstsystemen kombiniert: der Pflanzung von mehrjährigen Gehölzen auf Acker oder Grünland. Auf dem Bioland-Betrieb "Alles im grünen Bereich e.V." in Hessen wurden im Frühjahr 2024 Pappelstreifen gepflanzt, die in Verbindung mit Mulden für Erosionsschutz und stärkere Versickerungsleistungen auf der sehr hängigen Fläche sorgen sollen. 
  • Auf dem Haslachhof in Baden-Württemberg wird Bodenschutz und Humusaufbau groß geschrieben. Denn mehr Humus bedeutet auch, dass der Boden besser Wasser speichern kann.

Was der Ökolandbau in Sachen Grundwasserschutz insgesamt leistet, zeigt die Bio-Wasseruhr der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser plakativ: 2025 wurden durch die ökologisch bewirtschafteten Flächen knapp 2,7 Milliarden Kubikmeter Wasser vor Verschmutzung geschützt.

Wasserschutz wird angesichts des Klimawandels wichtiger

Der Schutz der Wasserressourcen umfasst nicht nur die Wasserqualität. Auch die verfügbare Wassermenge wird wichtiger. Der Klimawandel verändert Niederschlagsmuster und kann insbesondere regional zu längeren Trockenperioden führen. Gleichzeitig können Starkregenereignisse die Wasseraufnahmefähigkeit von Böden überfordern und den Oberflächenabfluss erhöhen.

Das Konzept des virtuellen Wassers gewinnt vor diesem Hintergrund an Wichtigkeit, da die Lebensmittelproduktion viel Wasser benötigt. Insbesondere die langfristige intensive Bewässerung von bestimmten Kulturen ist ein Problem.

Wasserschutz als Bestandteil der Nationalen Wasserstrategie

Der Schutz landwirtschaftlich genutzter Flächen ist auch Teil der übergeordneten Wasserpolitik Deutschlands. Die 2023 verabschiedete Nationale Wasserstrategie soll die Wasserressourcen langfristig sichern und den Umgang mit Wasser an Klimawandel und weitere Veränderungen anpassen. Das dazugehörige Aktionsprogramm umfasst 78 Maßnahmen, die schrittweise bis 2030 umgesetzt werden sollen. Zu den strategischen Themen gehören unter anderem der Schutz des naturnahen Wasserhaushalts, eine gewässerverträgliche Flächennutzung und die Begrenzung von Stoffeinträgen.

Für die Landwirtschaft bedeutet das: Nährstoffeinträge reduzieren, Böden als Wasserspeicher stärken und die Nutzung von Wasser an regionale Verfügbarkeit und zukünftige Klimabedingungen anpassen.


Letzte Aktualisierung 21.03.2024

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