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Mutterkuhhaltung im ökologischen Landbau

Die Mutterkuhhaltung passt in vieler Hinsicht gut zum Ökolandbau. Der Beitrag gibt einen Überblick darüber, wie Bio-Mutterkuhhaltung funktioniert und worauf es bei Umstellung, Weidemanagement und Wirtschaftlichkeit ankommt.
Die Mutterkuhhaltung ist eine Form der Fleischrinderhaltung, bei der die Kälber nach der Geburt bei den Mutterkühen bleiben, von ihnen gesäugt werden und im Herdenverband aufwachsen. Ziel dieses Verfahrens ist es, Kälberaufzuziehen, die später in die Mast gehen. Die Milch der Kühe wird nicht wie in der Milchviehhaltung vermarktet, sondern dient allein der Aufzucht der Kälber.
Weil das System Mutterkuhhaltung vor allem auf Grünland, Weide und Grundfutter basiert, eignet es sich besonders für extensive Standorte und Flächen, die sich für den Ackerbau weniger gut eignen.
Während Mutterkuhhaltung in den alten Bundesländern häufig im Zu- oder Nebenerwerb und mit eher kleineren Beständen betrieben wird, ist sie in den neuen Bundesländernhäufiger im Haupterwerb und in größeren, teils spezialisierten Betriebsstrukturen zu finden. Bei reinen Grünlandbetrieben ist die Mutterkuhhaltung vor allem auf Grenzertragsstandorten verbreitet. An ökologisch sensiblen Standorten kann sie zudem einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege und zur Offenhaltung von Grünland leisten.
Zahlen und Fakten zur Mutterkuhhaltung
- In Deutschland wurden 2024 rund 620.400 Mutterkühe gehalten.
- Davon standen rund 180.000 Tiere auf Bio-Betrieben.
- Der Bio-Anteil lag damit bei knapp 29 Prozent.
- Regionale Schwerpunkte der Bio-Mutterkuhhaltung liegen in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.
Warum eignet sich die Mutterkuhhaltung gut für den Ökolandbau?
Die Mutterkuhhaltung kann für Öko-Betriebe ein gut passendes Verfahren sein. Warum das so ist, zeigt sich an mehreren Punkten:
- Mutterkuhhaltung passt gut zur ökologischen Grünlandnutzung und ist oft auf extensiven Grenzstandorten zu finden, wo die Milchviehhaltung keine ausreichenden Qualitäten findet. Der im System "ökologischer Landbau" anfallende Kleegras- oder Kleegemengeaufwuchs kann wirtschaftlich verwertet werden.
- Die Erzeugung von Wirtschaftsdünger wertet das im ökologischen Landbau beschränkte Nährstoffangebot auf.
- Vorhandene Altgebäude und Dauergrünland können ohne große Investitionen genutzt werden.
Umstellung auf Bio-Mutterkuhhaltung
Die Verfahren in der Mutterkuhhaltung kommen den Richtlinien der ökologischen Landwirtschaft im Regelfall sehr nahe. Ein höheres Raumangebot und eingestreute Haltungssysteme sind in den Mutterkuhbetrieben oft schon vor der Umstellung gegeben. In vielen Fällen sind die pflanzenbaulichen Herausforderungen für eine anerkannt ökologische Wirtschaftsweise (keine Ampfer-Einzelpflanzenbekämpfung, keine Düngung mit Mineralstickstoff) mit vertretbarem Aufwand zu bewältigen.
Selbst die Begrenzung des Viehbesatzes auf die Fläche ist für die überwiegende Anzahl der Mutterkuhbetriebe möglich, weil in der Regel das Grundfutter auf der eigenen Grünlandfläche erzeugt wird. Im Wesentlichen muss das Augenmerk von umstellungsinteressierten Mutterkuhbetrieben auf folgende Kriterien gerichtet werden:
- Einsatz von Futtermitteln aus anerkannt ökologischer Erzeugung beziehungsweise Futtermitteleinsatz entsprechend der Öko-Richtlinien,
- Einhaltung des Platzbedarfs im Stall und gegebenenfalls im Auslauf,
- und Einhaltung der Maßgaben zur Tiergesundheit.
Orientierung für die praktische Umstellung bietet der Umstellungszeitplan für Mutterkuhhaltung und Dauergrünland. Ergänzende Informationen finden sich in den allgemeinen Regeln für die Umstellung in der Tierhaltung.
Bio-Rinder live erleben!

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) hat bundesweit Demonstrationsbetriebedes Ökologischen Landbaus ausgewählt. Diese Betriebe geben Einblicke in die Praxis, zeigen ihre Haltungssysteme und erklären, wie ökologische Tierhaltung im Alltag funktioniert.
Weidesysteme in der Mutterkuhhaltung
In der Mutterkuhhaltung gibt es nicht das eine ideale Weidesystem. Welche Form passt, hängt unter anderem von Standort, Flächengröße, Aufwuchs, Wasserversorgung, Rasse und Nutzung ab. Gerade bei Mutterkuhherden ist außerdem wichtig, dass sich der Nährstoffbedarf im Jahresverlauf verändert – etwa zwischen säugenden Kühen, trockenstehenden Tieren und wachsenden Kälbern.
Weidesystem und Rasse aufeinander abstimmen
Weidekonzept, Flächenausstattung und Rasse sollten möglichst zusammen gedacht werden. Laut dem Online-Portal nutztierhaltung.de lassen sich auf großen zusammenhängenden Grünlandflächen alle Rinderrassen halten, auch intensive Fleischrassen wie Charolais, Angus oder Limousin. In Mittelgebirgslagen kommen dagegen eher leichtere, kleinere und genügsamere Rassen wie Harzer Höhenvieh, Gelbvieh oder Hinterwälder zurecht. Sie sind aufgrund ihres geringen Gewichts an Hängen trittsicherer und verursachen weniger Trittschäden in der Landschaft. Auf Extensivstandorten wie Moorweiden oder Landschaftspflegeflächen werden bevorzugt Galloways oder Highland Cattle eingesetzt.
Welches Weidesystem passt zum Betrieb?
Nach Angaben von nutztierhaltung.de ist die Umtriebs- oder Rotationsweide in der Mutterkuhhaltung weit verbreitet. Dabei wechselt die Herde in festgelegter Reihenfolge zwischen mehreren Koppeln. Das Verfahren eignet sich besonders dann, wenn Flächen nicht vollständig einheitlich oder nicht zusammenhängend sind.
Deutlich intensiver ist die Portionsweide. Hier wird den Tieren meist täglich eine neue Teilfläche zugeteilt. Das ermöglicht bei guter Portionierung ein gleichmäßiges Futterangebot, eine hohe Futterausnutzung und ein vergleichsweise sauberes Abweiden. Dem stehen allerdings ein hoher Arbeitsaufwand und eine teils stärkere Trittbelastung gegenüber.
Vor allem bei extensiver Haltung und in der Landschaftspflege spielt die Standweide eine wichtige Rolle. Die Tiere bleiben dabei über die gesamte Weideperiode auf derselben Fläche. Eine intensivere Form ist die Kurzrasenweide. Sie kann gut funktionieren, reagiert aber empfindlich auf Sommertrockenheit und setzt ein sehr gutes Management voraus.
Daneben findet das Mob Grazing immer mehr Interesse bei Landwirtinnen und Landwirten. Kennzeichnend für dieses System sind ein hoher Aufwuchs, kurze Beweidungszeiten, lange Rastzeiten und eine hohe Besatzdichte während der Beweidung. Das Verfahren gilt als interessant für trockene Standorte, stellt aber hohe Anforderungen an Flächenmanagement und Organisation.
Virtuelle Zäune und Mutterkuhhaltung: Chancen und Grenzen
Virtuelle Zäune versprechen mehr Flexibilität bei der Weideführung, etwa auf großen oder schwer einteilbaren Flächen. Für die Mutterkuhhaltung können sie perspektivisch interessant sein, etwa um Weideflächen flexibler zu nutzen oder Tierbewegungen digital zu steuern. In der Praxis stellen sich aber noch Fragen zu Tierverhalten, Kontrolle, Technik und rechtlichen Rahmenbedingungen. Deshalb eignen sie sich bislang eher als Zukunftsthema denn als Standardlösung.
Low Stress Stockmanship
Ein interessanter Ansatz für die Praxis der Mutterkuhhaltung ist das Konzept Low Stress Stockmanship. Dabei geht es darum, Rinder ruhig, vorausschauend und mit möglichst wenig Druck zu bewegen. Laut dem Bio-Landwirt Dr. Wilhelm Schäkel verkürzt dieses Vorgehen das Treiben der Herde, senkt das Unfallrisiko und kann sogar die Leistungen der Tiere positiv beeinflussen.
Preisträger mit Vorbildcharakter in Sachen Tierwohl
Ein aktuelles Beispiel für besonders tiergerechte Bio-Mutterkuhhaltung ist Gut Fahrenbach, das 2024 im Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau ausgezeichnet wurde. Hervorzuheben sind unter anderem die hohen ethischen Ansprüche an die Tierhaltung, die stressarme Tötung der Tiere in gewohnter Umgebung auf dem Hof sowie die eigene Weiterverarbeitung und Vermarktung.
Mehr zum Thema auf Oekolandbau.de:
Weitere Infos im Web:
- FiBL: Alles rund um das Thema Bio-Rinder
- Ökolandbau NRW: Rinder
- BMLEH: Ökologische Tierhaltung
- LfL Bayern: Tierische Erzeugung im Ökologischen LandbauNutztierhaltung.de: Welches Weidesystem für die Mutterkuhhaltung?Nutztierhaltung.de: Wie lässt sich die Mutterkuhhaltung wirtschaftlicher gestalten?Nutztierhaltung.de: Tierwohl in der MutterkuhhaltungBerichte über Landwirtschaft: Rindfleischerzeugung mit Mutterkühen: eine Alternative zur Nutzung von GrünlandLandwirtschaft Baden-Württemberg: Mutterkuhhaltung
Letzte Aktualisierung 21.06.2024





