NuPiWi-Edelpilzexkursion: Betriebsbesuch Pilzhof Rein
79206 Breisach/Gündlingen

Mutterkuhhaltung gilt in Deutschland noch immer als Sonderform der Rindfleischerzeugung. Obwohl sie weltweit das führende Verfahren in der extensiven Fleischrinderhaltung ist, wird diese natürliche Haltungsform in Deutschland meist als nachrangig zur intensiven Bullenmast angesehen.
Während in den alten Bundesländern Mutterkuhhaltung hauptsächlich im Zu- oder Nebenerwerb betrieben wird, sind in den neuen Bundesländern auch zahlreiche spezialisierte Mutterkuhbetriebe zu finden. Bei reinen Grünlandbetrieben findet man die Mutterkuhhaltung häufig in Grenzlagen. An ökologisch sensiblen Standorten nimmt die Bedeutung der Landschaftspflege mit Mutterkühen seit Jahren erkennbar zu.
Vor allem im ökologischen Landbau erlangte die Mutterkuhhaltung in den letzten Jahren eine zunehmende Bedeutung. Sie kann dem Öko-Betrieb bei passenden Rahmenbedingungen neue Möglichkeiten eröffnen:
Die Verfahren in der Mutterkuhhaltung kommen den Richtlinien der ökologischen Landwirtschaft im Regelfall sehr nahe. Ein höheres Raumangebot und eingestreute Haltungssysteme sind in den Mutterkuhbetrieben oft schon vor der Umstellung gegeben. In vielen Fällen sind die pflanzenbaulichen Herausforderungen für eine anerkannt ökologische Wirtschaftsweise (keine Ampfer-Einzelpflanzenbekämpfung, keine Düngung mit Mineralstickstoff) mit vertretbarem Aufwand zu bewältigen.
Selbst die Begrenzung des Viehbesatzes auf die Fläche ist für die überwiegende Anzahl der Mutterkuhbetriebe möglich, weil in der Regel das Grundfutter auf der eigenen Grünlandfläche erzeugt wird. Im Wesentlichen muss das Augenmerk von umstellungsinteressierten Mutterkuhbetrieben auf folgende Kriterien gerichtet werden:
Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit der Mutterkuhhaltung sind auch im ökologischen Landbau:
Die mit einer Umstellung gegebenenfalls verbundenen höheren Erzeugungskosten resultieren bei gleicher Fütterungsintensität im Wesentlichen aus höheren Futter- und Flächenkosten. Da der Maisanbau in einer mehrgliedrigen Fruchtfolge ackerbaulich aufwendig ist, wird häufig die Grünland- und Kleegrasnutzung vorgezogen.
Bei Mutterkuhhaltern und -halterinnen mit guter Flächenausstattung, Grünland und Feldfutterbau als Futtergrundlage und Altgebäudenutzung ändert sich durch eine Umstellung nur wenig. Wenn Tiefstreu- oder Tretmistställe vorhanden sind, müssen die Flächenvorgaben der EU-Öko-Verordnung bei der Winterstallhaltung eingehalten werden. In vielen Bundesländern ist der Sommerweidegang für alle Tierarten obligatorisch. Kraftfutter und Futtergetreide ist in Öko-Qualität zuzukaufen.
Bei einer Mutterkuhhaltung mit Maisanbau, schweren Rassen (zum Beispiel Charolais) und eventuell in Kombination mit Bullenmast gestaltet sich die Umstellung schwieriger, vor allem hinsichtlich der Unkrautbekämpfung im Maisanbau und der Wirtschaftlichkeit der Rindfleischerzeugung. Gerade in diesen Systemen bedeuten Stallumbaumaßnahmen und Erweiterung des Platzangebotes eine Verringerung des Bestandes. Das verursacht zusätzliche Kosten und senkt die Wirtschaftlichkeit des Produktionsverfahrens.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht müssen bessere Absatzpotenziale sowie zusätzliche Ausgleichszahlungen und Preisaufschläge die beschriebenen Aufwendungen kompensieren. Extensive Mutterkuhbetriebe können eine solche Gleichgewichtssituation in vielen Bundesländern herstellen. Ergeben sich daneben zusätzliche Absatzpotenziale über ökologische fleischverarbeitende Betriebe, arbeitsteilig organisierte Direktvermarktung oder durch handwerkliche Metzgereien, die zum Beispiel Jungmastrinder aus der Mutterkuhhaltung nachfragen, lassen sich auch Gewinne realisieren.
Letzte Aktualisierung 21.06.2024