Bio kann jeder: Vom Hof zum Teller – Bio-Verpflegung mit regionalen Produkten praxisnah umsetzen
06722 Wetterzeube OT Schleckweda
Von dem Pilz können alle grünen Rebteile wie Blätter, Triebspitzen, Gescheine, Traubengerüst und junge Beeren befallen werden. Der Befall mit Peronospora macht sich zuerst am Laub durch die Bildung der zunächst gelblichen, dann verbräunenden sogenannten Ölflecke bemerkbar. Bei feuchtwarmer Witterung entsteht ein weißer Pilzrasen auf der Blattunterseite an den Flecken. Stark befallene Blätter werden abgeworfen. Werden die Gescheine von Falschen Mehltau befallen, überzieht sie ebenfalls ein Pilzrasen, sie verfärben sich gelblich braun und verkümmern. Erbsengroße Weinbeeren verfärben sich bei Befall violett und trocknen ein (Lederbeeren). Weiter entwickelte Beeren werden nicht mehr befallen.
Der Falsche Mehltau ist im ökologischen Weinbau die am schwierigsten zu bekämpfende Pilzkrankheit und erschwert die Minderung des Kupfereinsatzes im Ökoweinbau erheblich. Die größte Gefahr durch den Pilz besteht in dem Befall der Gescheine und der jungen Beeren sowie des Stielgerüstes. Alle Sorten der Europäer-Reben sind anfällig und besitzen keine oder nur sehr geringe Abwehrkraft gegen den Falschen Mehltau. Amerikaner-Reben und interspezifische Kreuzungen weisen unterschiedlich starke Resistenzen oder Widerstandskraft auf.
Der Pilz überwintert im abgefallenen Reblaub als Dauerspore, die mehrere Jahre überdauern kann. Diese Eisporen keimen im Frühjahr bei ausreichender Durchnässung des Bodens ab acht Grad Celsius und entlassen bewegliche Zoosporen. Treten zudem kräftige Regenfälle und Wind auf, werden die Sporen vom Boden her auf die Blätter oder Gescheine verbreitet (Bodeninfektion). Diese bewegen sich zu einer Spaltöffnung des Blattes, bilden dort eine Pilzhyphe aus und dringen in die Pflanze ein. Die Blätter müssen im Durchmesser größer als zwei Zentimeter sein (ab dem 3-Blattstadium) und nach der Kontamination muss zehn Stunden Blattnässe herrschen. Je stärker die Niederschläge und je weiter die Gescheine entwickelt sind, desto höher ist die Gefahr von starken Gescheins- oder Beereninfektionen mit erheblichen Ertrags- und Qualitätseinbußen. Der kritischste Zeitpunkt für die Peronosporainfektion ist von Entwicklungsstadium 57 (Gescheine voll entwickelt) bis Stadium 75 (Beeren sind erbsengroß).
Im Inneren des Blattes wächst das Pilzgeflecht und ernährt sich von Zellsäften, was durch das Auftreten der Ölflecke erkennbar wird. Die Ölflecken werden frühestens vier Tage nach der Infektion sichtbar, bei suboptimalen Temperaturen unter 20 oder über 27 Grad Celsius dauert dies länger. Nach der ersten Infektion kann sich Falscher Mehltau durch Sommersporen, die aus den Spaltöffnungen an den Ölflecken heraus wachsen und vom Wind verbreitet werden, weiter ausbreiten. Dieser Ausbruch erfolgt nur in nassen, aber milden Nächten, die mit Temperaturen von mindestens 12 °C beginnen und über eine 4-Stündige Dunkelphase hinweg mindestens 10 °C warm sind. Gleichzeitig müssen die Blätter kontinuierlich mit Feuchtigkeit benetzt sein und die Luftfeuchtigkeit über 95 % liegen, wie bei Nieselregen oder Tauwetter. Durch wiederholte Ausbrüche sowie wiederholte, oft gleichzeitige Bodeninfektion kann sich Falscher Mehltau epidemieartig ausbreiten.
Mit dem Prognosemodell für Rebenperonospora von vitimeteo können die Infektionsrisiken auf Grundlage von Witterungsbedingungen und Pflanzenwachstum prognostiziert werden.
Gegen Falschen Mehltau (Peronospora) sind intensive vorbeugende Pflanzenschutzmaßnahmen notwendig:
Als Pflanzenschutzmittel gegen Falschen Mehltau (Peronospora) stehen dem ökologischen Weinbau nur Kupferpräparate zur Verfügung, auf Basis von Kupferhydroxid und Kupfersulfat.
Zudem hat sich der Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln auf Basis von schwefelsaurer Tonerde bewährt. Sie können bei niedrigem bis mittlerem Infektionsdruck einige Kupferbehandlungen ersetzen oder mit reduzierten Kupferaufwandmengen gemischt werden.
Der ehemals als Bestandteil von Pflanzenstärkungsmitteln zugelassene Wirkstoff Kaliumphosphonat (auch Kaliumphosphit)gilt mittlerweile als Pflanzenschutzmittel. Er ist als solches zugelassen aber nicht im ökologischen Landbau einsetzbar, da Uneinigkeit darüber herrscht ob er mit den Grundsätzen des ökologischen Landbaus vereinbar ist.
Im Zuge der Kupferminimierungsstrategie wird intensiv an Möglichkeiten zu alternativen Regulierungsmöglichkeiten von Falschem Mehltau an Weinrebe geforscht. Dazu gehören die Weiterentwicklung von pilzwiderstandsfähigen (PIWI) Rebsorten in geschmacklicher Hinsicht sowie zur Kombination mehrerer Resistenzgene in einer Sorte. Geräte zur Bekämpfung des Pilzes mit UV-C Licht werden getestet sowie die Vereinbarkeit der Kupferalternative Kaliumphosphonat mit den Prinzipien des ökologischen Landabus überprüft. Zur effizienteren Kupfernutzung soll das Prognosemodell von vitimeteo an die Bedingungen des Ökolandbaus und den Anbau von PIWI-Rebsorten angepasst und Mikroverkapselungsmethoden für effizientere Kupfermittel entwickelt werden.
Schaderreger im Obstbau und Weinbau erkennen:
Letzte Aktualisierung 12.01.2026