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Wildbiene des Monats November 2024: Glockenblumen-Wespenbiene

Sie sieht so mancher Wespe zum Verwechseln ähnlich. Jedoch ist sie weder staatenbildend noch jagt sie andere Insekten. Vielmehr ist sie eine geschickte Strategin, die als Kuckucksbiene keinem eigenen Brutgeschäft nachgeht.
Die kleine Biene erreicht eine Körpergröße von elf Millimetern. Die für Wespenbienen nicht unübliche Rotfärbung der Fühler und Beine sowie die braunroten Augen machen die Glockenblumen-Wespenbiene zu einer auffälligen Art.
Unsere Wildbiene des Monats ist zwar weitverbreitet, dabei allerdings sehr selten. Zum Leben braucht sie trockenwarme Standorte wie Magerrasen, Trockenhänge, sonnige Waldränder oder auch extensiv genutztes Grünland. Wir treffen sie dort an, wo ihre Wirtsbienen neuen Baugrund für ihre Nester suchen. Ihre Wirtsbienen sind spezialisiert auf Glockenblumen, was der Wespenbiene auch den entsprechenden deutschen Namen einbrachte.
Wie alle Kuckucksbienen baut sie keine eigenen Nester. um ihre Nachkommen durchzubringen. Sie schleust sich bei unterschiedlichen pollensammelnden Schuppensandbienen ein. So parasitiert sie die Graue Schuppensandbiene (Andrena pandellei), die Braune Schuppensandbiene (A. curvungula) und die Kahle Schuppensandbiene (A. paucisquama). Dafür wartet sie in einer Art "Lauerstellung", bis die Wirtsbiene zum Sammelflug aufbricht. Dann geht alles ganz schnell. Die Kuckucksbiene öffnet die unterirdisch angelegten Brutzellen und legt zu den vorhandenen Eiern ihre eigenen dazu. Zumeist unbemerkt, frisst die zeitig geschlüpfte Larve der Wespenbiene das Ei und Pollenbrot der ahnungslosen Gastgeberin. Im späten Frühjahr des Folgejahres schlüpfen dann die Nachkommen, um sich erneut ins gemachte Nest zu setzen. Bis in den August hinein ist die geschickte Infiltrantin unterwegs, ehe sich ihre Lebensspanne dem Ende neigt.
Da die Kuckucksbiene keinen Pollen für ihren Nachwuchs sammeln muss, kann sie sich voll und ganz auf die Eigenversorgung konzentrieren. So saugt sie ab Mai an diversen Blütenpflanzen Nektar. Als Nahrungspflanze nachgewiesen wurde bisher der Knollige Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus) und der Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys).
Vielleicht fragen Sie sich, wie wir dieser besonderen Wildbienenart und ihren Verwandten helfen können? Die Antwort ist klar: Wir müssen ihre wertvollen Lebensräume schützen. Leider werden diese zunehmend für Siedlungen, Verkehr und Gewerbe versiegelt. Es ist wichtig, diesem Trend entgegenzuwirken und naturnahe Flächen zu erhalten. Ermutigen Sie Ihre Lokalpolitiker, sich für Magerrasen, vielfältige Waldränder und mehr extensiv genutztes Grünland als Lebensräume einzusetzen. Sie selbst können in Ihrem Garten oder auf dem Balkon regionale Wildpflanzen pflanzen. Halten Sie zudem die Augen nach Wildpflanzen offen, deren Samen Sie sammeln und aussäen können. Und erzählen Sie Ihren Freunden und Bekannten, wie faszinierend unsere Insektenwelt ist.
Weitere Tipps zum bienenfreundlichen Gärtnern finden Sie hier www.wir-tun-was-fuer-bienen.de und unter www.deutschland-summt.de.
Schnelle Fakten
Glockenblumen Wespenbiene (Nomada braunsiana SCHMIEDEKNECHT, 1882)
Von Mai bis August.
Lebt in trockenwarmen Standorten, Magerrasen, Trockenhängen, sonnigen Waldrändern sowie extensiv genutztem Grünland.
Braucht nur Nektarquellen.
Baut keine eigenen Nester.
- Graue Schuppensandbiene (Andrena pandellei PÉREZ 1895)
- Braune Schuppensandbiene (Andrena curvungula THOMSON 1870)
- Kahle Schuppensandbiene (Andrena paucisquama NOSKIEWICZ, 1924)
Weitverbreitet und extrem selten. In Deutschland ist sie vom Aussterben bedroht. In Sachsen und Thüringen ist sie bereits ausgestorben.
Die Texte und Bilder der Reihe "Wildbiene des Monats" werden von der Stiftung Mensch und Umwelt zur Verfügung gestellt.
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Letzte Aktualisierung 06.11.2024



