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Erfassung und Sichtbarmachung gesellschaftlicher Leistungen von Bio-Betrieben

Im Forschungsprojekt regiosöl wurde untersucht, wie die gesellschaftlichen Leistungen des Öko-Landbaus auf betrieblicher und regionaler Ebene besser erfasst werden können. Die Indikatoren wurden mit der Regionalwert- Leistungsrechnung in zwei Pilotregionen erhoben. Die Ergebnisse ermöglichen es den Betrieben, ihr nachhaltiges Engagement sichtbar zu machen. Zugleich zeigen sie Handlungsperspektiven für Regionen auf.
Empfehlungen für die Praxis
Erfassung als erster Schritt zur Honorierung
Die Regionalwert-Leistungsrechnung ist ein Online-Tool, das die Leistungen von Betrieben im Bereich der Nachhaltigkeit erfasst. Im Selbstcheck werden über 150 Kennzahlen in den Dimensionen Ökologie, Soziales und Regionalökonomie abgefragt und ausgewertet. Für die Betriebsleitung ergeben sich so wertvolle Hinweise, wo der eigene Betrieb bereits gut abschneidet oder in welchen Bereichen er sich noch verbessern kann. Zum Abschluss generiert das Programm ein anschauliches Dashboard und listet alle bewerteten Kennzahlen auf. Mit deren Hilfe kann der Betrieb seine Nachhaltigkeit gezielt optimieren und erhält einen Wertvorschlag für seine erbrachten Leistungen.
Tue Gutes und sprich darüber
Die Betriebsbilanz der Leistungen für Umwelt, Gesellschaft und Region kann jeder Betrieb für seine Außen- kommunikation (Direktvermarktung, Hof-Besichtigungen, Online-Auftritt oder im B2B-Bereich) nutzen. Ergänzende Kommunikationsmaterialien veranschaulichen, was Öko-Betriebe konkret für Umwelt und Gesellschaft leisten. Außerdem können die Bilanzen die Bedeutung des Öko-Landbaus und dessen bislang zu gering honorierte Leistungen hervorheben und ein politisches Signal senden.
Mit der Regionalwert- Leistungsrechnung ist es möglich, ein Preismodell mit den zuliefernden Betrieben zu entwickeln, um auch Preise für besondere Leistungen vereinbaren zu können. (K. Engemann, BiolandHof Engemann)
Informationen zum Projekt
Der Öko-Landbau leistet einen wichtigen Beitrag zu vielen ökologischen und sozialen Zielen. Die Erfassung und Sichtbarmachung dieser Leistungen ist ein erster Schritt zu mehr gesellschaftlicher Anerkennung und einem besseren Verständnis der aus der Öko-Landwirtschaft resultierenden Mehrwerte. Anhand der RWLR und der im regiosöl-Projekt hinzugefügten sozialen und regional-ökonomischen Indikatoren können Öko-Betriebe transparent nachweisen, welche Leistungen sie konkret für Umwelt, Gesellschaft und Region erbringen. Auf dieser Basis können alle betroffenen Akteurinnen und Akteure der Land- und Ernährungswirtschaft in einen fundierten Dialog treten und gemeinsam Lösungen für eine Honorierung der Leistungen suchen.
Nachhaltigkeitsleistungen von Bio-Betrieben werden aktuell noch nicht vergütet – so werden Leistungen und Kosten sichtbar
Die von der Regionalwert-AG Freiburg mit der Maxime "Richtig rechnen in der Landwirtschaft" erstellte Leistungsrechnung wurde im regiosöl-Projekt weiterentwickelt. Es wurde um Indikatoren mit gesellschaftlicher und regionaler Relevanz ergänzt und auf interessierten Betrieben getestet. Die Dateneingabe konnte mithilfe des Feedbacks der Erzeugerbetriebe verbessert und verkürzt werden. Diese bestätigten in einem Abschluss-Workshop, dass die ausgewiesenen monetären Werte ihrer Leistungen einem realistischen Betrag entsprechen.
Das Instrument in der breiten Anwendung – welche Tendenzen zeigten sich?
Aus der Datenanalyse von 61 Betrieben ergaben sich Rückschlüsse auf regionale und strukturelle Unterschiede. Darauf basierend wurde die RWLR angepasst. Auffällig war, dass in der Stichprobe kleinere Betriebe einen höheren Anteil an regionalem Umsatz erzielten, also stärker auf Direktvermarktung setzten.
Auch wurde deutlich, dass die kleineren Betriebe aus der Stichprobe kleinere Schläge bewirtschafteten und höhere monetäre Werte für Biodiversität erzielen konnten. Im Vergleich der Betriebsschwerpunkte lagen Gartenbau- Betriebe sowohl im sozialen als auch im regional- ökonomischen Spektrum vorne – Gemischtbetriebe lieferten den größten Beitrag zur Ökologie.
Transparente Datenbasis liefert Ansätze zur Ausweitung gesellschaftlicher Leistungen
Zentral für die politische Steuerung der Förderung von regiosöl-Leistungen ist außerdem die regionale Datenverfügbarkeit. Der Abgleich mit Statistiken und Informationen zum Beispiel zu Ausbildungsplätzen im Lebensmittelhandwerk oder zu regionalen Selbstversorgungsgraden ermöglicht es näherungsweise, regionale Ansätze zum Handeln zu identifizieren. Erste Auswertungen liegen für Nordhessen und das Rheinland in den regionalen Profilen vor.
- Simone Sterly (Projektleitung), Dr. Marie-Sophie Schmidt, Ribana Bergmann (Institut für Ländliche Strukturforschung e.V., Frankfurt)
- Dorle Gothe (Regionalwert-AG Rheinland, Köln)
- Sabine Marten, Silke Flörke (Zentrum für Ökologische Landwirtschaft e.V., Frankenhausen)
- Christian Hiß, Johanna Saxler, Michel Grün, Johanna Norris, Eric Waibel, Jonas Rohloff (Regionalwert Leistungen GmbH, Freiburg)
- Stefan Gothe, Imme Zach (Regionalwert Impuls GmbH, Bonn)
Institut für Ländliche Strukturforschung e.V.
Kurfürstenstraße 49
60486 Frankfurt am Main
Simone Sterly
E-Mail: sterlyiflsde
Telefon: 069 / 97 266 83 - 15
02/2020 – 04/2023
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 02.08.2023


