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Wirtschaftliche Aspekte der Kleegras-basierten Düngung

In einem BÖL-Forschungsprojekt stand die Verwertung von Kleegras als organisches Düngemittel im Fokus. Basierend auf Dünge- und Kompostierversuchen sowie betriebswirtschaftlichen Modellkalkulationen wurden Stickstoffeffizienz, Düngewirkung, Herstellungsverfahren sowie Bereitstellungskosten analysiert. Daraus entwickelte das Forschungsteam Werkzeuge zur Entscheidungsunterstützung.
Empfehlungen für die Praxis
Kostenabschätzung und Nährstoffeffizienz wichtig
Das kostengünstigste Verfahren ist nicht unbedingt die sinnvollste Lösung in Hinblick auf die Nährstoffeffizienz oder die Praktikabilität. Die Bereitstellungskosten des Kleegras- düngemittels steigen, wenn sich der Dünger jahreszeitlich flexibel und zum passenden Fruchtfolgeglied einsetzen lässt. Dafür bringt eine Höhere Flexibilität oft bessere Erträge und damit höhere monetäre Rückflüsse mit sich.
Positive Zusatzeffekte des Düngemittels beachten
Mit Kleegras zu düngen, wirkt sich positiv aus: Neben der mittel- bis langfristigen Düngewirkung zähen zu den Zusatzeffekten der Einbau von Kleegras in die organische Substanz (Humusaufbau) sowie die Hygienisierung von innerbetrieblich anfallenden Materialien als Ko-Substrate (Zum Beispiel Kompostierung).
Gesamtbetrachtung bei der Entscheidungsfindung wichtig
Ob es für einen Betrieb sinnvoll ist, einen oder mehrere Kleegrasdünger einzusetzen, hängt natürlich nicht nur von der Ökonomie, Nährstoffeffizienz und Einsatzflexibilität des Düngemittels ab. Zu berücksichtigen sind auch die Ernte- und Ausbringzeitpunkte der Biomasse gemäß der Düngeverordnung sowie die Vermeidung von betrieblichen Arbeitsspitzen.
In der Regel gibt es nicht das eine passende Kleegrasnutzungsverfahren, sondern die einzelbetrieblichen Rahmen- bedingungen sind entscheidend für eine sinnvolle Kombination unterschiedlicher Kleegras-(Transfer-)Strategien. (Fazit aus dem Opti-Kleegras-Projekt)
Informationen zum Projekt
Die Anzahl an vieharmen oder viehlosen Betrieben nimmt auch im Ökologischen Landbau stetig zu, gleichzeitig geht damit die Futternutzung von Kleegras zurück. Kleegrasgemenge tragen im ökologischen Land entscheidend zum Erhalt von Bodenfruchtbarkeit bei und sind daher trotz der Verdrängung von Marktfrüchten aus der Fruchtfolge auch betriebswirtschaftlich von enormer Bedeutung. Neben dem Mulchen werden in der Praxis mittlerweile zahlreiche weitere Nutzungsverfahren zum Transfer der Kleegrasbiomasse oder dessen Koppelprodukten (Gärrest, Wirtschaftsdünger) angewandt. Der Kleegrastransfer ermöglicht eine zeitlich flexible und bedarfsgerechte Düngung in der Fruchtfolge. Allerdings können sich Nährstoffeffizienz und Bereitstellungskosten je nach Kleegrasdüngemittel stark unterscheiden.
Vorgehen
Für die verschiedenen Kleegras-Nutzungsverfahren Mulchen, Cut & Carry (Transfermulch-Verfahren), Kompostierung, Silierung, Pellettierung und Futter-Mist-Kooperationen bei Festmist, Gülle und Gärrest wurden die Arbeitserledigungs- kosten sowie die Stickstoff-Bereitstellung analysiert. Kosten und N-Bereitstellung sind jeweils auf einen Hektar Kleegras bezogen worden.
Ergebnisse (I)
Mulchen kostengünstig (220 Euro/Hektar; 1,60 Euro/kg N), aber mit hohen N-Verlusten durch Ausgasung und verminderter N- Fixierleistung. Cut&Carry kostengünstigstes Transfer- verfahren (582 Euro/Hektar; 2,90 Euro/kg N), aber mit eingeschränkter Einsatzflexibilität (Abstimmung von Geber- zu Nehmerfläche). Kompostierung von purem Kleegras mit hohen N-Verlusten (788 Euro/Hektar; 5,50 Euro/kg N). Kompostierung mit optimalem Substratmix mit höherem Aufwand, aber geringeren N- Kosten (2.615 Euro/Hektar; 4,80 Euro/kg N). Pelettierung mit hoher Einsatzflexibilität, aber auch hohen Kosten (1.939 Euro/Hektar; 8,60 Euro/kg N), daher Einsatz eher im Gemüsebau empfohlen.
Ergebnisse (II)
Wer Kleegrassilage oder Mist aus Futter-Mistkooperation in den Boden einarbeitet, muss mit Auflaufschwierigkeiten rechnen (Kleegrassilage: 755 Euro/Hektar; 4,10 Euro/kg N; Mist: 667 Euro/Hektar; 5,30 Euro/kg N). Beim Kooperationsverfahren Gülle sollte man die Gülle schnell einarbeiten, um N-Verluste zu vermeiden (669 Euro/Hektar; 6,20 Euro/kg N). Dagegen treten bei der Gärrestproduktion kaum N-Prozess-Verluste auf (677 Euro/Hektar; 4,30 Euro/kg N).
Fruchtfolge-Ökonomie
Wenn man eine ökologische, praxis-basierte Beispiel- Fruchtfolge mit 1,5-jährigem Kleegras betriebswirtschaftlich optimiert, lassen sich die Mehrkosten einer vielfältigen Kleegrasnutzung, im Vergleich zur kompletten Mulchnutzung des Kleegrases, durch die mit Marktfrüchten erzielten Mehrerträge vollständig kompensieren. Aufgrund der besseren Einsatzflexibilität und N-Effizienz der Düngemittel gegenüber der Mulchnutzung erscheinen potentielle Mehrerträge von vier bis zu sieben Prozent durchaus realistisch.
- Dr. Christian Bruns, Dr. Benjamin Blumenstein, Prof. Dr. Detlev Möller, Universität Kassel, Fachgebiete Ökologischer Land- und Pflanzenbau sowie Betriebswirtschaft, Witzenhausen;
- Stephan Gehrendes, Bioland Beratungsdienst GmbH, Bioland Nordrhein-Westfalen;
- Opti-KG-Praxisbetriebe
Universität Kassel
Mönchebergstraße 19
34125 Kassel
Dr. Christian Bruns
E-Mail: ch.brunsuni-kasselde
Telefon: 05 542 / 981 543
Projektlaufzeit: 04/2019 - 12/2023
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Letzte Aktualisierung 10.04.2025
