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Vermarktungspotenzial von Suboptimal Food im Öko-Handel

Ziel des Projekts war es, Kaufbarrieren für Suboptimal Food zu identifizieren sowie verkaufsfördernde Maßnahmen zu entwickeln und praktisch im Öko-Handel zu erproben. Interviews, Befragungen und mehrmonatige Verkaufstests im Öko-Handel zeigten, dass ein grundsätzliches Marktpotenzial für Suboptimal Food im Öko-Handel vorhanden ist.
Empfehlungen für die Praxis
Vermarktungspotentiale vergrößern
- Produkte mit geringfügigen optischen Mängeln gemeinsam mit makelloser Ware ohne Preisnachlass vermarkten
- Produkte mit stärkeren optischen Beeinträchtigungen besser anderweitig verwerten (zum Beispiel zur Herstellung von Saft)
- Öko-Intensivkäuferinnen und -käufer gezielt als Zielgruppe für Suboptimal Food adressieren
- Nachhaltigkeitsimage und Authentizität von Hofläden und inhabergeführten Bio-Märkten durch das Angebot von Suboptimal Food stärken
Verbraucherakzeptanz erhöhen
- Allenfalls moderate Preisnachlässe für suboptimale Produkte, um eine negative Qualitätswahrnehmung zu vermeiden
- Suboptimal Food aus regionaler Erzeugung anbieten
- Dauerhaftes Angebot von Produkten mit Schönheitsmängeln, um Gewöhnungseffekte zu erreichen
- Praktische Erfahrungen mit suboptimalen Produkten ermöglichen (zum Beispiel. Produktverkostungen)
Verbraucherkommunikation verbessern
- Auf den Begriff "Suboptimal Food" in der Verbraucherkommunikation verzichten
- Natürlichkeit und Nachhaltigkeit von Suboptimal Food betonen
- Verbraucheraufklärung intensivieren und mit emotionaler Kundenansprache kombinieren
- Durch direkte Kundenkommunikation die Vermarktung suboptimaler Produkte unterstützen
- Kontinuierliche Kundenkommunikation, um langfristige Verhaltensänderungen zu bewirken
Das Thema Suboptimal Food bewegt die Öko-Verbraucherschaft. Der Öko-Handel sollte das Thema aufgreifen und in die eigene Nachhaltigkeitsstrategie integrieren.
Benedikt Jahnke
Informationen zum Projekt
Wenn es um die Reduktion von Lebensmittelverschwendung geht, zeigt sich oftmals eine erhebliche Einstellungs-Verhaltens-Lücke: hohes Problembewusstsein bei einer zugleich geringen tatsächlichen Handlungsbereitschaft. Diese Diskrepanz in Bezug auf den Kauf von Suboptimal Food im Öko-Handel näher zu untersuchen, ist Anliegen dieses Projekts.
Der Sammelbegriff Suboptimal Food umfasst uneingeschränkt verzehrbare Produkte, die aufgrund ihrer äußeren Erscheinung von "optimalen" Produkten abweichen. Da an Öko-Lebensmittel besondere ethische und moralische Ansprüche gestellt werden, ist es für die Glaubwürdigkeit des Öko-Handels von großer Bedeutung, sich mit Suboptimal Food intensiv auseinanderzusetzen.

Verbraucherakzeptanz für Suboptimal Food
Die Ergebnisse der Verbraucherbefragungen lassen ein grundsätzliches Marktpotential für Suboptimal Food im Öko-Handel erkennen. Öko-Konsumentinnen und -Konsumenten haben ein hohes Problembewusstsein für Lebensmittelverschwendung und äußern selten ausgeprägte Qualitätsbedenken gegenüber Suboptimal Food. Statt von optischen Auffälligkeiten auf die innere Qualität zu schließen verstehen sie diese als Zeichen von Natürlichkeit und biologischer Produktion. Insbesondere Produktverformungen sind in ihren Augen unkritisch.
Laut Befragung erhöhen Preisreduktionen die Akzeptanz. Im Schnitt wünschen sich die Befragten für suboptimales Obst und Gemüse einen Preisnachlass zwischen 20 und 30 Prozent . Öko-Konsumentinnen und -Konsumenten mit ausgeprägtem Umweltbewusstsein, die häufig Bio-Produkte und suboptimale Lebensmittel kaufen, sind bereit, einen höheren Preis für Produkte mit kleinen Makeln zu bezahlen. Für suboptimale Produkte aus regionaler Erzeugung konnte eine höhere Verbraucherakzeptanz festgestellt werden.
Verkaufstests von Suboptimal Food im Öko-Handel
Die Verkaufstests im Öko-Handel zeigen, dass Produkte mit kleinen optischen Makeln sehr gut und ohne Preisnachlass von den Kundinnen und Kunden angenommen werden. Bei deutlichen optischen Mängeln bleiben die Produkte trotz Preisreduktion unverkäuflich.
Die zwei getesteten Kommunikationsstrategien (sachlich-informativ und emotional-humorvoll) konnten den Absatz suboptimaler Produkte leicht steigern. Allerdings war hier kein Unterschied zwischen den zwei Strategien erkennbar.
Direkte Messungen zeigen, dass die Kundinnen und Kunden länger am Verkaufsregal verweilen, wenn suboptimale Produkte angeboten werden. Einen messbaren Einfluss hatte zudem der Kistenfüllstand: War die Kiste mit suboptimalen Äpfeln und Möhren voller als die danebenstehende Kiste mit optisch einwandfreier Ware, griffen die Kundinnen und Kunden tendenziell häufiger zur suboptimalen Ware. Die Einführung und Etablierung von Suboptimal Food im Handel ist eine logistische Herausforderung für alle Akteure der Wertschöpfungskette.
Dr. Benedikt Jahnke, Dr. David Kilian, Theresa Hartmann, Berlianti Puteri, Prof. Dr. Katrin Zander (Projektleitung), Universität Kassel, Fachgebiet Agrar- und Lebensmittelmarketing, Witzenhausen
Universität Kassel – Agrar- und Lebensmittelmarketing
Steinstraße 19
37213 Witzenhausen
Benedikt Jahnke
E-Mail: jahnkeuni-kasselde
Telefon: +49 (0)5542 981331
07/2019 – 12/2021
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 13.05.2022