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Mit Anerkennung zu Qualität

Im Forschungsprojekt "Zerti4.0 – Entwicklungsorientierte Anerkennungsverfahren als Bestandteil der Verbandszertifizierung" wurde ein bereits von Demeter erprobtes Anerkennungsverfahren als Alternative zur herkömmlichen Verbandszertifizierung evaluiert und weiterentwickelt.
Empfehlungen für die Praxis
Vertrauen und Offenheit schaffen
Ein hohes Maß an Vertrauen und Offenheit ist die Grundlage für ein erfolgreiches Betriebsentwicklungsgespräch. Hierfür braucht es Zeit und die Bereitschaft der teilnehmenden Personen, sich auf die Gespräche einzulassen.
Eine geschulte Moderation
Die Moderation spielt eine zentrale Rolle im Betriebsentwicklungsgespräch. Sie kümmert sich um die Vor- und Nachbereitung, schafft eine gute Gesprächsatmosphäre, lenkt und leitet das Gespräch und ist die Schnittstelle zwischen den erzeugenden/ verarbeitenden Betrieben und dem Verband. Im Problemfall ist es ihre Aufgabe, die Gruppe bei der Lösung zu begleiten oder den Verband zu informieren. Die entwickelte Schulung kann die Qualifizierung von moderierenden Personen für diese Aufgabe unterstützen.
Hilfestellung anbieten
Im Anerkennungsverfahren befassen sich die Betriebe neben der Betriebsentwicklung auch mit der Richtlinien-Einhaltung. Bei Abweichungen und Verstößen gilt es, passende Maßnahmen zu entwickeln. Uneinigkeiten in Bezug auf die Richtlinien und deren Umsetzung können zu Spannungen in der Gruppe führen. Deshalb ist es wichtig, der Gruppe einen Krisenplan anzubieten. Lässt sich dennoch keine Einigung erzielen, wird die Aufgabe an den Verband übertragen.
Branchenspezifische Elemente integrieren
Das Betriebsentwicklungsgespräch für Verarbeitungsbetriebe ist modular aufgebaut. Das schafft Flexibilität und Spielraum. Beispielsweise bietet eine Brotverkostung einen Ansatz, um mit Kolleginnen und Kollegen über die Produktqualität zu diskutieren.
Transparente Kommunikation
Gegenüber den Verbraucherinnen und Verbrauchern ist eine transparente Kommunikation des Verfahrens notwendig, um deren Vertrauen in dieses Verfahren zu stärken. Dabei sollten die technische Umsetzung des Verfahrens und dessen Vorteile vermittelt werden, um Verständnis für erzeugende und verarbeitende Personen zu schaffen sowie die Rolle von Betriebsentwicklung und Erfahrungsaustausch aufzuzeigen.
"Berufskolleginnen und Berufskollegen betrachten meinen Betrieb wertschätzend und sind als Expertinnen und Experten gleichzeitig in der Lage, mich auf Fehler, Unterlassungen, und Verbesserungspotenziale hinzuweisen." (Landwirtin über das Anerkennungsverfahren)
Informationen zum Projekt
Das System der staatlichen Kontrolle im Ökolandbau unter Einbeziehung privater Kontrollstellen wurde in den letzten Jahrzehnten sukzessive weiterentwickelt und beruht im Wesentlichen darauf, die Einhaltung der Prozessvorgaben auf allen Stufen der Produktion und des Handels zu prüfen. Es erfolgt risikoorientiert und konzentriert sich auf Abweichungen und Verstöße. Auch die privaten Kontrollverfahren der Verbände der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft nutzen diesen Ansatz. Betroffene Produzentinnen und Produzenten kritisieren den hohen Verwaltungsaufwand. Aus ihrer Sicht eignet sich das bisherige System nicht, um die individuelle Situation landwirtschaftlicher Betriebe zu bewerten. Eine Alternative zur kontrollbasierten Anerkennung bieten möglicherweise entwicklungsorientierte Verfahren.
Anerkennung: Qualitätssicherung und Entwicklungswerkzeug
Das Anerkennungsverfahren umfasst die Prüfung der Richtlinienkonformität und bietet Lösungswege im Fall von Abweichungen. Als Alternative zur Regelkontrolle befähigt die Anerkennung Betriebe, die Verbandszertifizierung nicht nur zur Qualitätssicherung, sondern auch als Entwicklungswerkzeug zu nutzen. Eine betriebsindividuelle Anerkennung stellt die Betriebe, deren Fähigkeiten, Herausforderungen und Potentiale in den Mittelpunkt. Die Anerkennung unterstützt leitende Personen darin, standortangepasste Lösungen zu finden, ihren Betrieb zukunftsorientiert weiterzuentwickeln und seine qualitativen Potentiale voll auszuschöpfen.
Stärkung regionaler Netzwerke
Für landwirtschaftliche Betriebe bietet die Anerkennung zusätzlich die Chance, regionale Netzwerke zu stärken, indem Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter an regelmäßigen strukturerten und moderierten Betriebsentwicklungsgesprächen teilnehmen. Somit entsteht ein dynamischer Wissenstransfer, der den Betrieben einen fachlichen Austausch bietet und deren Zukunftsfähigkeit und Resilienz fördert.
Übertragbarkeit auf handwerkliche Verarbeitungsbetriebe
Nach der kurzen Erprobungszeit mit einer begrenzten Anzahl von teilnehmenden Bäckereien (n=8) reicht die Datenbasis nicht aus, um abschätzen zu können, ob das Verfahren für Verarbeitungsbetriebe praktikabel ist. Unter den erprobten Bedingungen (relativ kleine handerklich arbeitende Bäckereien, kleine Stichprobe, zwei Erprobungszyklen) scheint das Verfahren jedoch vielversprechend zu sein.
Akzeptanz der Verbraucherinnen und Verbraucher
Unter den 1058 befragten Personen erfuhr das Anerkennungsverfahren eine hohe Akzeptanz. 43 Prozent der Befragten schenkten dem Verfahren hohes Vertrauen, 38 Prozent vertrauen ihm teilweise oder sind unentschieden. Zwölf Prozent vertrauen dem Verfahren wenig oder gar nicht. Allerdings ist ihr Vertrauen gegenüber dem Anerkennungsverfahren höher als gegenüber der herkömmlichen Zertifizierung. Die Umfrage zeigte auch, dass die Reihenfolge der Wissensvermittlung einen starken Einfluss auf das geäußerte Vertrauen innerhalb der Gruppe hatte. Gegenüber dem Verfahren, über welches die Befragten zuerst informiert wurden, äußerten diese höheres Vertrauen.
- Für Demeter e.V. waren im Projekt tätig: Dr. Christopher Brock, Corinna Nieland, Schirin Oeding und Lena Müßener
- Prof. Dr. Claudia Bieling, Karlotta Koch, Universität Hohenheim, Institut für Sozialwissenschaften des Agrarbereichs, Gesellschaftliche Transformation und Landwirtschaft (430b), Hohenheim
- Dr. Alexander Beck, Pia Uthe, Büro für Lebensmittelkunde und Qualität GmbH, Bad Brückenau
Demeter e.V.
Brandschneise 1
64295 Darmstadt
E-Mail: praxisforschungdemeterde
Laufzeit: 08/2020 - 12/2024
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 04.07.2025
