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Ökologische Landwirtschaft im Sozialraum Dorf

Das Forschungsprojekt untersuchte, wie sich Öko-Landwirtinnen und Landwirte in ihrem Dorf akzeptiert fühlen und wo sie soziale Unterstützung finden. Ziel des Projekts war es, herauszufinden inwieweit diese beiden Aspekte Einfluss auf Widerstandskraft und Stabilität der Betriebe haben. Außerdem wurde analysiert, welche Erkenntnisse sich für die Generierung von Umstellungsförderung ergeben. Dafür wurden Interviews und eine Online-Befragung mit Öko-Landwirtinnen und Landwirten durchgeführt.
Empfehlungen für die Praxis
Aus dem Projekt lassen sich folgende Empfehlungen für die Förderung der ökologischen Landwirtschaft ableiten:
- Die Vernetzung von Landwirtinnen und Landwirten auf lokaler und regionaler Ebene sollte gestärkt werden.
- Verbandsübergreifende und kleinräumige Netzwerke von Öko-Landwirtinnen und -Landwirten würden eine kollegiale Beratung zu konkreten Bedingungen der Produktion und Vermarktung am Standort ermöglichen.
- Verbandsübergreifende und kleinräumige Netzwerke machen Öko-Landwirtschaft besser sichtbar und führen zu Nachahmungseffekten.
- Neben der Vernetzung im Öko-Bereich sollte auch die Vernetzung aller Landwirtinnen und Landwirte in einer Region gefördert werden. Durch persönliche Kontakte werden gegenseitige Vorurteile gegenüber der Wirtschaftsweise abgebaut.
- Persönliche Kontakte zu Öko-Betrieben verringern Umstellungshemmnisse.
Eine möglichst kleinräumige Ver-netzung und ein persönlicher Austausch verringern stereotype Vorstellungen unterschiedlicher Wirtschaftsweisen und bauen Hemmnisse zur Umstellung auf den Ökolandbau ab.
Claudia Busch
Informationen zum Projekt
Viele Landwirtinnen und Landwirte stellten in den 1970er und 1980er Jahren aufgrund der Kritik am bestehenden konventionellen System auf eine Öko-Landwirtschaft um. Sie wurden von Nachbarinnen und Nachbarn in der meist ländlichen Umgebung vielfach misstrauisch beäugt. Soziale Akzeptanz im Nahraum hat jedoch Auswirkung auf die Aufrechterhaltung der Wirtschaftsweise in Krisenzeiten. Inzwischen haben sich die Motive der Umstellung, die gesellschaftliche Akzeptanz, aber auch die politische Förderung geändert. Dennoch ist noch ungenügend erklärt, inwiefern das soziale Umfeld zu Umstellungsabsichten beiträgt oder diese verhindert.
Die beiden im Projekt durchgeführten Studien zeigten deutlich, dass der Ökolandbau im ländlichen Ambiente nicht mehr in der Form abgelehnt wird, wie es aus seinen Anfangszeiten in Deutschland noch bekannt ist. Dennoch gilt er als die "andere" und damit die „"nicht normale" Bewirtschaftungsform. Wertschätzung wird eher von der Verbraucherschaft aus einem städtischen Umfeld erfahren als in der dörflichen Nachbarschaft.
Interviewte berichteten, dass sie sich mit der Einführung der Öko-Landwirtschaft besonders von der konventionellen Kollegenschaft stark beobachtet fühlten. Sie suchten deren Anerkennung, nahmen aber gleichzeitig konventionelle und Öko-Landwirtinnen und -Landwirte als unterschiedliche soziale Gruppen wahr. Für ihre eigene Umstellungsentscheidung hatten sie oftmals einen Bio-Betrieb in der Nähe besucht. In ihrer Region vermissten sie zudem einen engeren Austausch mit der Kollegenschaft, um sich gegenseitig beraten zu können. Angebote offizieller oder verbandszugehöriger Beratung wurden von ihnen teilweise als praxisfern bezeichnet.
Die Online-Befragung von 633 Öko-Landwirtinnen und Landwirten zeigte, dass diese fachliche Beratung überwiegend in räumlicher Nähe suchten (siehe Tabelle 1).
| Räumliche Distanz | Anteil bei Befragten mit einem Betrieb im Dorf |
|---|---|
| auf dem Hof/Zuhause | 57,4 % |
| im Dorf | 20,4% |
| im Umkreis bis 25 km | 12,6% |
| mehr als 25 km entfernt | 8,2% |
Eine wesentliche Rolle spielten Menschen aus Partnerschaft und Familie. Auch Ansprechpersonen für andere Formen sozialer Unterstützung wohnten überwiegend im selben Dorf. In der Mehrheit fühlten sich die Befragten gut im Dorf akzeptiert und integriert, mit der Wirtschaftsweise jedoch als "anders" wahrgenommen. Die Bewertung verschiedener Statements (Abbildung 1) zeigte allerdings große Unterschiede, unabhängig von betrieblichen Aspekten. Landwirtinnen und Landwirte können demnach fünf Typen zugeordnet werden, von denen sich drei als gut integriert sehen und sich nur in der Intensität dörflichen Engagements oder dort bestehender Kontakte unterscheiden.
Der vierte Typus isoliert sich eher von anderen Menschen, während der fünfte mit dem Dorfleben fremdelt. Für die meisten Befragten, von denen ein Viertel noch in der Umstellungsphase war, gab es bei der Befragung Ende 2018 kaum Grund, an der Öko-Bewirtschaftung ihres Betriebs zu zweifeln. Sorgen machten sie sich eher über mangelnde Nachfolge und Höfesterben.

Prof. Dr. Katrin Zander, Claudia Busch, Universität Kassel, Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften, Fachgebiet Agrar- und Lebensmittelmarketing
Universität Kassel
Steinstraße 19
37214 Witzenhausen
Claudia Busch
E-Mail: c.buschuni-kasselde
Telefon: +49 (0)5542 981205
09/2017 – 05/2020
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.