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LINDENbackt!– eine Stadtteilbäckerei in gemeinsamer Verantwortung

Wer die Bäckerei LINDENbackt! betritt, kommt nicht nur in einen Verkaufsraum, sondern in einen Ort, der eng mit seinem Stadtteil verbunden ist. Seit 1910 wird in dem Gebäude im hannoverschen Stadtteil Linden Brot gebacken. Als die traditionsreiche Bio-Bäckerei nach mehreren Besitzerwechseln und einer Insolvenz vor dem Aus stand, wollten viele Menschen vor Ort diesen Ort nicht verlieren. Ehemalige Mitarbeitende, Nachbarschaft und Kundinnen sowie Kunden schlossen sich zusammen und gründeten eine Genossenschaft. Heute tragen mehr als 200 Genossenschaftsmitglieder die Bäckerei.
Standort: 30451 Hannover
Betriebsbereiche: Bäckerei, Konditorei, Café
LINDENbackt! führt die Tradition einer der ersten Bio- und Vollkornbäckereien Hannovers fort. Viele Rezepte stammen noch aus der Zeit des Vorgängerbetriebs. Besonders deutlich wird das beim “Mampfred”, einem Roggenvollkornbrot, das seit Jahrzehnten zum Sortiment gehört und für viele Kundinnen und Kunden fest zum Stadtteil gehört.
“Meine Oma hat das schon gekauft”, erzählen bis heute viele Kundinnen und Kunden. Das Brot ist bis heute eines der meistverkauften Produkte der Bäckerei.
Insgesamt umfasst das Sortiment klassische Vollkornbrote, Sauerteigbrote, Brötchen, Croissants, Kuchen und Feingebäck. Anders als viele reine Bio-Bäckereien setzt LINDENbackt! bewusst auf eine breite Auswahl. Neben Vollkornbroten finden sich deshalb auch helle Weizenbrote oder Croissants in der Auslage.
Sauerteig statt Fertigmischung
In der Backstube wird konsequent auf handwerkliche Verfahren gesetzt. Verarbeitet werden Einzelzutaten statt Fertig- oder Vormischungen. Sauerteige spielen dabei eine zentrale Rolle.
Für die verschiedenen Brotsorten werden unterschiedliche Sauerteige geführt, die jeweils eigene Geschmacksprofile entwickeln. Ein kleiner Teil des bestehenden Sauerteigs dient täglich als Ansatz für die nächste Charge und wird kontinuierlich weitergeführt. So entstehen Brote mit ausgeprägtem Aroma und langer Frischhaltung.
Dabei geht es nicht nur um Geschmack. Sauerteig beeinflusst auch die Verarbeitung von Roggenmehlen. Die natürliche Säure stabilisiert die Teigstruktur und sorgt für eine gleichmäßige Kruste. Während industrielle Verfahren häufig mit zugesetzten Säuren arbeiten, entsteht dieser Effekt bei LINDENbackt! durch die Fermentation selbst.
“Technologie und Aroma müssen in einem guten Gleichgewicht stehen”, beschreibt Geschäftsführerin Johanna Kienitz den Anspruch der Bäckerei.
Maschinen, die Handwerk unterstützen
Auch in einer handwerklichen Bäckerei kommen Maschinen zum Einsatz. Sie ersetzen jedoch nicht das Können der Bäcker:innen, sondern unterstützen die Arbeit dort, wo sie sinnvoll sind.
Eine wichtige Rolle spielt beispielsweise die Brötchen-Teigteil- und Wirkmaschine. Sie teilt große Teigstücke in gleichmäßige Portionen und rundet sie vor. Gerade bei klassischen Schnittbrötchen sorgt sie dafür, dass Gewicht und Form konstant bleiben. Ohne diese Unterstützung wäre die Herstellung deutlich aufwendiger und viele Produkte würden erheblich teurer werden.
Daneben stehen Planetenrührwerke, Anschlagmaschinen und verschiedene Öfen für unterschiedliche Teigarten zur Verfügung. Dabei zeigt sich, wie eng Verarbeitungstechnik und Rezeptur zusammenhängen.
Ein wichtiger Unterschied liegt im Fettgehalt der Teige: Enthält ein Teig weniger als etwa zehn Prozent Fett bezogen auf die Mehlmenge, wird er überwiegend geknetet. Höhere Fettanteile, wie sie bei Kuchen oder feinen Gebäcken vorkommen, erfordern dagegen ein Aufschlagen der Masse. Dabei wird gezielt Luft eingearbeitet, um lockere Strukturen zu erzeugen.
Für empfindliche Gebäcke nutzt LINDENbackt! spezielle Etagenöfen, bei denen Ober- und Unterhitze individuell geregelt werden können. So lassen sich unterschiedliche Produkte präzise backen.
Ein offenes Haus im Stadtteil
Die Bäckerei versteht sich nicht nur als Produktionsbetrieb, sondern auch als offener Ort. Schulklassen, Praktikant:innen und Besucher:innen erhalten regelmäßig Einblicke in die Backstube. Diese Nähe ist Teil des Konzepts. Viele Menschen im Stadtteil kennen die Bäckerei seit Jahren oder sogar seit Generationen. Gleichzeitig entdecken neue Kund:innen den Betrieb häufig nicht über das Bio-Siegel, sondern über die Qualität der Produkte.
Bewusst verzichtet LINDENbackt! darauf, den Bio-Gedanken stark in den Vordergrund zu stellen. Alle Backwaren werden nach Bio-Richtlinien hergestellt, doch im Mittelpunkt stehen Geschmack, handwerkliche Herstellung und die Rolle als Stadtteilbäckerei.
Gemeinschaft als Zukunftsmodell
Heute arbeiten rund 16 Mitarbeitende in Backstube, Verkauf und Verwaltung. Die Produktion beginnt früh am Morgen und orientiert sich an den Bedürfnissen des Stadtteils. Frische Brötchen, Brote und Croissants sollen pünktlich zum Frühstück in den Regalen liegen.
Die Genossenschaft bleibt dabei das Fundament des Betriebs. Sie hat nicht nur die Bäckerei gerettet, sondern auch ein Modell geschaffen, das wirtschaftliche Verantwortung und lokale Verbundenheit miteinander verbindet.
LINDENbackt! zeigt damit, dass handwerkliche Bio-Bäckereien auch in urbanen Räumen bestehen können – wenn Menschen bereit sind, Verantwortung für die Versorgung in ihrem Stadtteil zu übernehmen. Das Ergebnis ist eine Bäckerei, die traditionelle Rezepte bewahrt, moderne Verarbeitungstechniken nutzt und bis heute eng mit den Menschen verbunden ist, die täglich ihr Brot dort kaufen.
Betriebsinfos
LINDENbackt!
Limmerstraße 58
30451 Hannover
Webseite: www.lindenbackt.de
- Genossenschaftliche Stadttteilbäckerei,
- Vollkorn- und Sauerteige.
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Letzte Aktualisierung 23.07.2026





