Gut Wilhelmsdorf – Hofmolkerei mit Zukunftsperspektive

Auf Gut Wilhelmsdorf in Bielefeld entstehen Bio-Milchprodukte dort, wo auch die Milch erzeugt wird. Die Besonderheit liegt dabei nicht nur in der engen Verbindung von Landwirtschaft und Verarbeitung, sondern auch in der erfolgreichen Betriebsübergabe: Seit Anfang 2025 wird das Unternehmen von einem jungen Führungsteam übernommen und weiterentwickelt. Alle vier Verantwortlichen sind unter 35 Jahre alt – ein Beispiel dafür, dass außerfamiliäre Hofnachfolge auch bei komplexen Verarbeitungsbetrieben gelingen kann. 

Standort: 33689 Bielefeld-Sennestadt

Betriebsbereiche: Hofmolkerei mit Frischmilch- und Joghurtherstellung, Vermarktung eigener Milchprodukte, Biokisten-Lieferservice, Hofladen, Bioland-Landwirtschaft mit Milchviehhaltung 

Die Geschichte des Betriebs reicht jedoch deutlich weiter zurück. Bereits 1995 wurde der landwirtschaftliche Betrieb auf dem Gelände der ehemaligen Arbeiterkolonie Wilhelmsdorf gegründet. Zwei Jahre später entstand die Vermarktungsgesellschaft mit dem Ziel, die eigene Milch selbst zu verarbeiten und zu vermarkten. Aus dieser Idee entwickelte sich eine Hofmolkerei mit regionalem Vertriebsnetz, Biokisten-Lieferservice und Hofladen. Heute werden rund zwei Millionen Liter Milch pro Jahr erzeugt, etwa die Hälfte davon direkt auf dem Hof verarbeitet, die andere von der Biomolkerei Söbbeke. 

Von der Kuh bis zum fertigen Produkt

Die Stärke von Gut Wilhelmsdorf liegt in der Verbindung aller Wertschöpfungsstufen an einem Standort. Die Milch gelangt direkt vom Melkstand über eine Leitung in die Molkerei – Transportwege entfallen vollständig. Dort entstehen Frischmilch und Joghurt für den regionalen Markt.

“Wir wollten unsere Milch nicht nur erzeugen, sondern auch selbst vermarkten”, beschreibt Caroline Barth den ursprünglichen Gedanken hinter der Gründung der Hofmolkerei. 

Die Produkte werden heute über verschiedene Wege vertrieben: im Hofladen, über den eigenen Biokisten-Lieferservice, im Naturkostfachhandel, über regionale Großhändler sowie in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. Dabei liefert Gut Wilhelmsdorf mit einer eigenen Fahrzeugflotte direkt an Kundinnen und Kunden in der Region.

Ein Schwerpunkt der Hofmolkerei ist die Herstellung traditioneller Frischmilch. Die Milch wird bewusst schonend pasteurisiert und dabei deutlich weniger stark erhitzt als viele länger haltbare Produkte im Handel. Dadurch bleiben Geschmack und natürliche Eigenschaften der Milch weitgehend erhalten. 

Gleichzeitig wird die Milch homogenisiert. Das heißt, dass die Fettkügelchen auf eine einheitliche Größe gebracht werden, sodass sich keine Rahmschicht bildet. Die Verantwortlichen haben sich bewusst für diesen Weg entschieden, weil viele Kundinnen und Kunden eine gleichmäßige Milch bevorzugen. Der natürliche Fettgehalt bleibt dabei erhalten und wird nicht standardisiert. Je nach Jahreszeit und Fütterung schwankt er leicht – ein sichtbares Zeichen für die direkte Verbindung zwischen Weide und Produkt. 

Joghurt mit Zeit zum Reifen

Besonders spannend ist die Herstellung des Joghurts. Statt industriell gerührter Produkte produziert Gut Wilhelmsdorf einen klassischen stichfesten Joghurt.

Dafür wird die Milch zunächst erwärmt und mit ausgewählten Milchsäurekulturen versetzt. Anschließend wird die noch flüssige Joghurtmilch direkt in Gläser oder Becher abgefüllt. Erst dort reift sie über viele Stunden zu ihrer typischen festen Struktur heran. Während dieser Zeit dürfen die Gläser möglichst nicht bewegt werden, damit sich die feinen Eiweißstrukturen ungestört entwickeln können. 

Das Ergebnis unterscheidet sich deutlich von vielen industriellen Produkten: Der Joghurt bleibt stichfest und bildet etwas Molke, wenn hineingelöffelt wird. Genau das ist gewollt.

“Wir verwenden traditionelle Rezepturen. In unseren Joghurt kommen nur Milch und Joghurtkulturen”, erklärt das Team. 

Zusätzlich setzt die Molkerei auf aktive probiotische Milchsäurekulturen, die den Produkten ihren charakteristischen Geschmack verleihen. 

Landwirtschaft und Tierhaltung als Grundlage

Die Qualität der Milch beginnt auf dem Hof. Rund 230 Milchkühe werden auf Gut Wilhelmsdorf gehalten. Während der Weidesaison verbringen sie möglichst viel Zeit auf den umliegenden Flächen. Ergänzend arbeitet der Betrieb an der Weiterentwicklung seiner Tierhaltung und baut die ammengebundene Kälberaufzucht schrittweise aus. 

Das Team versteht Tierwohl dabei nicht nur als Einhaltung von Richtlinien, sondern als kontinuierlichen Entwicklungsprozess. Neue Ideen werden geprüft und umgesetzt, sofern sie langfristig zum Betrieb passen.

Regionale Vermarktung statt anonymer Märkte

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der direkten Verbindung zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Hoffeste, der jährliche Weideaustrieb, Hofführungen und der Biokisten-Lieferservice schaffen Nähe zur Lebensmittelproduktion.

“Ich glaube daran, dass es wichtig ist, Landwirtschaft und Verarbeitung vor Ort zu erhalten. Wir schaffen Wertschöpfung in der Region und machen sichtbar, wie Lebensmittel entstehen”, sagt Caroline Barth.  

Diese Verbindung von Landwirtschaft, Verarbeitung und Vermarktung prägt den gesamten Betrieb. Die Verantwortlichen wollen nicht nur hochwertige Lebensmittel herstellen, sondern auch zeigen, welche Arbeit hinter Milch, Joghurt und anderen Bio-Produkten steckt.

Zukunft gestalten

Mit der abgeschlossenen Betriebsübergabe beginnt für Gut Wilhelmsdorf ein neues Kapitel. Das junge Führungsteam übernimmt einen etablierten Betrieb und entwickelt ihn Schritt für Schritt weiter. Themen wie neue Vermarktungswege, die Weiterentwicklung der Molkerei, Tierwohlmaßnahmen und regionale Wertschöpfung und Mehrweg stehen dabei ebenso im Fokus wie wirtschaftliche Stabilität.

Gut Wilhelmsdorf zeigt, wie eine moderne Hofmolkerei heute funktionieren kann: mit eigener Landwirtschaft, moderner Verarbeitung, direkter Vermarktung und einer jungen Generation, die Verantwortung übernimmt und den Betrieb in die Zukunft führt.

Betriebsinfos


Letzte Aktualisierung 23.07.2026

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