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Schnelles Grünzeug Ostwestfalen: Vom Hörsaal in die Fermente-Manufaktur

Wer Schnelles Grünzeug Ostwestfalen in Bielefeld besucht, trifft auf einen Betrieb, der zeigt, wie aus einer persönlichen Veränderung ein innovatives Bio-Unternehmen entstehen kann. Wo heute Kimchi, Sauerkraut, fermentierte Gemüse und Ferment-Getränke entstehen, begann die Geschichte ursprünglich am Computer.
Gründer Fabian Czerwinski arbeitete viele Jahre an einer Universität im Bereich Gesundheitswissenschaften. Während der Corona-Pandemie stellte er sich jedoch die Frage, ob er dauerhaft vor dem Bildschirm arbeiten wollte. Auf der Suche nach einer Tätigkeit mit mehr Praxis und unmittelbarem Bezug zur Natur begann er, regelmäßig auf einem Bio-Hof mitzuarbeiten. Dort lernte er nicht nur die landwirtschaftliche Arbeit kennen, sondern sah auch, welche Mengen hochwertigen Bio-Gemüses jedes Jahr nicht vermarktet werden können.
“Ich wollte wieder meine Hände in die Erde stecken und den Kontakt zur Natur zurückgewinnen. Dabei habe ich gesehen, wie viele gute Lebensmittel verloren gehen, weil sie nicht der Norm entsprechen – daraus entstand die Idee, Gemüse haltbar zu machen”, erklärt Fabian Czerwinski.
Aus dieser Erfahrung entwickelte sich die Idee, Bio-Gemüse aus Ostwestfalen durch Fermentation haltbar zu machen und daraus hochwertige Lebensmittel mit gesundheitlichem Mehrwert herzustellen.
Heute produziert das Unternehmen ausschließlich fermentierte Bio-Gemüseprodukte und Ferment-Getränke. Gleichzeitig bleibt Schnelles Grünzeug seinem ursprünglichen Gedanken treu: möglichst regionale Wertschöpfung, kurze Transportwege und eine enge Zusammenarbeit mit Bio-Erzeugerbetrieben.
Radikal regional, dezentrales Wachstum, natürlich Bio
Regionalität ist bei Schnelles Grünzeug Ostwestfalen kein Werbeslogan, sondern das Grundprinzip des Unternehmens. Das Gemüse stammt ausschließlich von Bio-Betrieben aus Ostwestfalen-Lippe. Verarbeitet wird direkt in Bielefeld, verkauft werden die Produkte überwiegend innerhalb eines Radius von rund 100 Kilometern. So bleiben Transportwege kurz und die Wertschöpfung vor Ort.
Schnelles Grünzeug Ostwestfalen ist der erste regionale Ableger der norddeutschen Fermente-Manufaktur “Schnelles Grünzeug” von Fermentationspionier Olaf Schnelle. Die Idee dahinter ist bewusst dezentral: Statt Lebensmittel zentral für ganz Deutschland zu produzieren, entstehen eigenständige Standorte, die mit den Rohstoffen und Menschen ihrer jeweiligen Region arbeiten und ihre Produkte direkt vor Ort vermarkten.
Auf dieser Grundlage entwickelte Fabian Czerwinski gemeinsam mit Olaf Schnelle das Konzept für Ostwestfalen-Lippe weiter. Zwischen Weser, Wiehengebirge und den nördlichen Ausläufern des Sauerlands werden Kohl, Möhren und viele weitere Gemüsearten aus der Region verarbeitet und anschließend über Bio-Fachgeschäfte, Supermärkte, Gastronomiebetriebe sowie den Direktvertrieb vermarktet.
Dabei bleibt es nicht bei der Übernahme vorhandenen Wissens. Inzwischen entstehen in Ostwestfalen auch eigene Rezepturen und Produkte, die später in das Sortiment von Olaf Schnelle übernommen werden. So entwickelt sich das Wissen an beiden Standorten kontinuierlich weiter – ein Beispiel dafür, wie Zusammenarbeit in der Bio-Branche funktionieren kann.
Fermentation – eine der ältesten Formen der Lebensmittelverarbeitung
Im Mittelpunkt des Betriebs steht die Fermentation. Sie macht Gemüse ohne Pasteurisierung oder Konservierungsstoffe haltbar und verändert gleichzeitig Geschmack, Textur und Inhaltsstoffe.
Die Verarbeitung beginnt mit frischem Bio-Gemüse aus der Region. Kohl, Möhren oder Rote Bete werden vorbereitet, zerkleinert und anschließend mit Salz und Gewürzen vermischt. Danach reift das Gemüse mehrere Monate unter Sauerstoffabschluss.
Während dieser Zeit wandeln natürlich vorkommende Milchsäurebakterien einen Teil der Kohlenhydrate in Milchsäure um. Dadurch sinkt der pH-Wert auf etwa 3,5 und das Gemüse wird auf natürliche Weise haltbar. Gleichzeitig entstehen neue Aromen und weitere wertgebende Inhaltsstoffe. Pasteurisiert werden die Produkte bewusst nicht – sie bleiben lebendig und werden anschließend gekühlt ausgeliefert.
Viele Arbeitsschritte erfolgen bewusst in Handarbeit. Gleichzeitig entwickelt Fabian Czerwinski die Produktionsabläufe kontinuierlich weiter. Eine wichtige Investition war beispielsweise eine halbautomatische Etikettiermaschine. Sie erleichtert die Arbeit deutlich und trägt dazu bei, trotz steigender Rohstoffpreise wirtschaftlich produzieren zu können.
Auch bei der Produktentwicklung wird kontinuierlich experimentiert. Neue Rezepturen entstehen häufig durch gemeinsames Ausprobieren, Verkosten und Weiterentwickeln.
“Trial and Error gehört einfach dazu. Viele Ideen funktionieren nicht – aber manchmal entsteht daraus ein neues Lieblingsprodukt.”
Nachhaltigkeit praktisch umgesetzt
Nachhaltigkeit zeigt sich im Betrieb an vielen Stellen. Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern wird – wenn möglich – verarbeitet, regionale Lieferwege reduzieren Transporte und innerhalb Bielefelds werden Privatkundinnen und Privatkunden mit dem Lastenrad beliefert.
Darüber hinaus setzt Schnelles Grünzeug konsequent auf Mehrweggläser. Das Pfandsystem wird über bestehende Strukturen des Bio-Großhandels organisiert und ermöglicht eine Wiederverwendung der Gläser, ohne dass eine eigene Spülanlage erforderlich ist.
Produkte und Ausblick
Heute umfasst das Sortiment unter anderem:
- Kimchi in verschiedenen Varianten
- fermentiertes Sauerkraut
- Rotkohl- und Rote-Bete-Fermente
- Holunder-Sauerkraut
- fermentierte Gemüseshots
- fermentierte Getränke
- fermentierte Ergänzungsfuttermittel für Hunde (Private Label)
Das Sortiment wird kontinuierlich erweitert. Gleichzeitig wächst Schnelles Grünzeug Ostwestfalen bewusst Schritt für Schritt. Neue Absatzwege entstehen derzeit insbesondere im Bereich der Bio-Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung – einem Markt mit großem Entwicklungspotenzial für Bio-Produkte.
Darüber hinaus möchte Fabian Czerwinski die Zusammenarbeit mit Bio-Erzeugerbetrieben weiter ausbauen und perspektivisch auch Menschen mit Einschränkungen stärker in die Produktion einbinden. Erste Kooperationen mit Werkstätten bestehen bereits.
Schnelles Grünzeug Ostwestfalen verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit handwerklicher Lebensmittelverarbeitung. Der Betrieb zeigt, wie regionale Wertschöpfung, Fermentation und Kooperation zusammenwirken können. Aus einer persönlichen Entscheidung während der Corona-Pandemie ist so ein Unternehmen entstanden, das regionale Bio-Rohstoffe verarbeitet, traditionelle Verfahren weiterentwickelt und neue Wege für eine dezentrale Bio-Verarbeitung aufzeigt.
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Letzte Aktualisierung 04.08.2026




