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Tierische Vielfalt auf Betrieben: Vorteile und Herausforderungen

Im Rahmen des Core Organic Projekts "Mix-Enable" zur Nachhaltigkeit und Robustheit von Öko-Betrieben führte der Forschungsring e.V. eine Praxiserhebung zu Stärken und Schwächen vielfältiger Tierbestände durch.
Vorteile einer vielseitigen Betriebsaufstellung:
Ausbau der Vermarktung
Vielfältige Betriebe mit einer breiten Produktpalette bieten für eine Direktvermarktung, eventuell mit eigener Verarbeitung, besonders gute Voraussetzungen. Sie können besser auf Kundenwünsche eingehen und damit die Kundenbindung erhöhen. Zu beachten ist jedoch, dass bei vielen kleinen Betriebsbereichen der Arbeits-und Organisationsaufwand steigt.
Wirtschaftliche Risikominimierung
In vielfältigen Betrieben wird das Risiko auf verschiedene Betriebszweige verteilt. Ein schlechtes Ergebnis in einem Bereich kann hier gegebenenfalls durch ein gutes Ergebnis in einem anderen Bereich aufgefangen werden. Vielfältige Systeme erfordern aber ein breites Know-how, da in allen Bereichen fundierte Kenntnisse benötigt werden. Zudem können Betriebsmittel wie etwa Maschinen unter Umständen weniger effizient eingesetzt werden als in spezialisierten Betrieben.
Ökologische Nachhaltigkeit
Das Leitbild der geschlossenen Kreisläufe kann in vielfältigen Betrieben besser umgesetzt werden als in spezialisierten Strukturen. Das macht den Betrieb nicht nur unabhängig von externen Betriebsmitteln, sondern schont auch Klima und Umwelt. Der Betrieb wird insgesamt nachhaltiger.
Integration der Betriebsbereiche
Die Vernetzung der einzelnen Betriebsbereiche und die gemeinsame Nutzung von Ressourcen bringt wirtschaftliche und ökologische Vorteile, etwa durch gemeinsame Nutzung von Weiden oder die Nutzung von Nebenprodukten aus einem Bereich in einem anderen.
Diversifizierung kann durch die Erweiterung der Produktpalette den Ausbau der Vermarktung anschieben. Zudem wird das Risiko auf viele Produktionsbereiche verteilt. Und nicht zuletzt haben es vielfältige Betriebe leichter, nachhaltig zu wirtschaften.
Informationen zum Projekt
Im Projekt Mix-Enable untersuchten zehn wissenschaftliche Institute Europas gemeinsam Aspekte der Nachhaltigkeit und Integration von Öko-Gemischtbetrieben mit mehreren Tierarten, unter anderem in drei wissenschaftlichen Versuchen zur Gemischtbeweidung und Praxiserhebungen auf Betrieben. In Deutschland führte der Forschungsring Praxisbefragungen durch, an denen sich 21 Öko-Gemischtbetriebe und die Beratung der Verbände beteiligten. Auf den Betrieben fand eine umfassende Analyse statt. Die Ergebnisse wurden den Betrieben vorgestellt und gemeinsam bewertet. Im Gespräch wurden Schwächen und Stärken herausgearbeitet und mögliche Entwicklungsperspektiven diskutiert.
Vorteile
Die beteiligten Praktikerinnen und Praktiker sahen folgende Vorteile in der vielfältigen Betriebsstruktur:
- Risikominimierung durch geringere Abhängigkeit von einzelnen Betriebszweigen
- Erweiterung der Produktpalette
- Zusätzliche Möglichkeiten für die Kundenbindung und Vermarktung (insbesondere Direktvermarktung lohnt sich)
- Mehr geschlossene Betriebskreisläufe durch Integration von Tierhaltung und Ackerbau (z.B. eigene Futterproduktion, Verwertung von Nebenprodukten)
Herausforderungen
Zentrale Herausforderungen einer vielfältigen Betriebsstruktur waren aus Sicht der Praxis:
- Hoher Organisations- und Arbeitsaufwand
- Geringere Effizienz gegenüber spezialisierter Bewirtschaftung
- Wettbewerbsprobleme durch geringen Produktionsumfang bei fehlender Direktvermarktung
- Bedarf an qualifiziertem Personal für mehrere Betriebsbereiche
| Tierkombination | Anzahl von Betrieben |
|---|---|
| Rind (Fleisch) - Schwein | 1 |
| Rind (Fleisch) - Schwein - Geflügel | 3 |
| Rind (Fleisch) - Geflügel | 6 |
| Rind (Milch) - Schwein | 4 |
| Rind (Milch) - Schwein - Geflügel | 2 |
| Rind (Milch) - Geflügel | 5 |
Was berichten andere Studien?
Die Ergebnisse entsprechen denen anderer Studien zu vielfältigen Betrieben und komplexen Strukturen. So bestätigen Darnhofer et al. (2010) die Vorteile der Risikominimierung durch Diversifizierung. Zudem können durch Synergieeffekte Kosten eingespart werden - bei gleichzeitiger Erhöhung der Produktivität (Chavas und Kim 2007, Walker 1994). Auf der anderen Seite erfordert der hohe Organisationsaufwand passende Strategien, um vielfältig aufgestellte Betriebe erfolgreich aufzustellen und auch das Wohlergehen der beteiligten Menschen zu sichern (Fiorelli et al. 2007).
Dr. Christopher Brock (Projektleitung) und Tabea Meischner, Abteilung Forschungskoordination, Forschungsring e.V., Darmstadt
Forschungsring e.V.
Brandschneise 5
64295 Darmstadt
Dr.Christopher Brock
E-Mail: brockforschungsringde
Telefon: +49 (0) 6155 842112
Projektlaufzeit: 04/2018- 09/2021
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 28.04.2022
