"Schon vor zwei Jahren herrschte deshalb große Euphorie bei den Betrieben", berichtet Birgit Rascher, Gartenbauingenieurin bei der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Bamberg. Sie hat sich drei Jahre lang intensiv mit dem Potenzial des heimischen Süßkartoffel-Anbaus beschäftigt." Aber viele Erzeugerinnen und Erzeuger sind dann schnell wieder abgesprungen, weil der Anbau einige Herausforderungen bereithält." Zurzeit schätzt Rascher die Anbauflächen der Nischenkultur in Bayern auf etwa 60 bis 80 Hektar.
Wirtschaftliche Erträge beim Süßkartoffel-Anbau in Deutschland
Dabei lassen sich mit der wärmeliebenden Süßkartoffel grundsätzlich auch in Deutschland wirtschaftliche Erträge erzielen. In den Versuchen der LWG erntete Rascher zwischen 30 und 50 Tonnen pro Hektar. Von dieser Menge kann nach Aussortierung von Über- und Untergrößen sowie beschädigten oder angefressenen Knollen etwa die Hälfte vermarktet werden.
Für den ökologischen Süßkartoffel-Anbau ist die Kultur durch ihren geringen Bedarf an Stickstoff attraktiv, der bei etwa 60 Kilogramm pro Hektar liegt. Zu beachten ist allerdings der große Bedarf an Kali, den die LWG mit gut 250 Kilogramm pro Hektar kalkuliert. Als Standort sind leichtere Böden zu empfehlen, optimal ist sandiger Lehm und eine ausreichende Wasserversorgung. Wer erfolgreich Süßkartoffeln anbauen möchte, sollte daher die Flächen laut Rascher beregnen, das sei entscheidend für die Ertragsbildung.
Süßkartoffeln in Deutschland anbauen – eine Herausforderung?
Beim Süßkartoffel-Anbau muss zudem die Anfälligkeit der tropischen Kultur gegenüber niedrigen Temperaturen berücksichtigt werden. Aber auch längere Phasen mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt beeinträchtigen die Qualität der Knollen, vor allem die Lagerfähigkeit. Deshalb rät sie dringend dazu, die etwa 90-tägige Wachstumszeit auf dem Feld möglichst zwischen Juni und September zu legen.
Das größte Hindernis beim Einstieg in den Süßkartoffel-Anbau ist die passende Erntetechnik. Anders als bei Speisekartoffeln pflanzt man bei Süßkartoffeln keine Knollen, sondern sogenannte Grünstecklinge. Die Süßkartoffel-Stecklinge müssen in der Regel aus Israel oder Irland bezogen werden, zu Preisen von etwa 30 bis 40 Cent pro Jungpflanze. Das schränkt nicht nur die im ökologischen Anbau gewünschte Regionalität ein, sondern macht den Anbau auch sehr teuer. Schließlich werden pro Hektar bis zu 30.000 Süßkartoffel-Stecklinge benötigt.