Bio-Importe 2024/25: So sichern Einfuhren die Versorgung mit Bio-Lebensmitteln

Ob Kartoffeln, Getreide, Milch oder Rindfleisch – Bio-Importe spielen eine wichtige Rolle für die Versorgung des deutschen Marktes. Die aktuelle Analyse der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft beleuchtet Importmengen, Herkunftsländer und Markttrends und zeigt, wie Importe Versorgungslücken schließen und die Verfügbarkeit von Bio-Produkten steigern.

Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) erhebt alljährlich die Importmengen und Herkunftsländer der wichtigsten Bio-Produkte auf dem deutschen Markt. Zwar ermittelt das Statistische Bundesamt im Rahmen der Außenhandelsstatistik monatlich die Exporte und Importe Deutschlands, eine Unterscheidung nach ökologischer und konventioneller Erzeugung wird dabei jedoch nicht getroffen. Daher schätzt die AMI die Importmengen für ausgewählte Bio-Produkte anhand verschiedener methodischer Ansätze:

  • Befragung von rund 350 Importeurinnen und Importeuren,
  • Auswertung betriebsindividueller Daten aus der Außenhandelsstatistik des Statistischen Bundesamtes von Unternehmen mit Einverständniserklärung,
  • Produktions- und Flächenanalyse in der Europäischen Union und weltweit relevanten Lieferländern,
  • Analyse der YouGov CP Germany-Paneldaten für Produkte mit verpflichtender Herkunftskennzeichnung im Handel, etwa bei Obst, Gemüse, Kartoffeln oder Eiern.

Markteinblicke 

Bio-Kartoffeln: Große Fläche, knappe Ernte

Im Wirtschaftsjahr 2024/25 stand dem deutschen Bio-Kartoffelmarkt eine Rekordanbaufläche gegenüber, dennoch blieb die Versorgungslage angespannt. Witterungsbedingte Ertragsausfälle, insbesondere durch Krautfäule im Süden und Südwesten Deutschlands, begrenzten die verfügbare Erntemenge. Die Nachfrage nach Bio-Speisekartoffeln lag deutlich unter dem Vorjahresniveau, konnte aber größtenteils aus heimischer Produktion gedeckt werden. 

Der Importanteil fiel entsprechend gering aus und lag bei rund zehn Prozent der vermarkteten Mengen. Wichtigstes Herkunftsland für Importware war Österreich, das vor allem dann Bedeutung gewann, wenn regionale Engpässe auftraten. Die Saison 2025/26 markiert einen Wendepunkt am Markt: Rekordanbauflächen und eine außergewöhnliche hohe Ernte sorgen dafür, dass heimische Bio-Kartoffeln bis zum Start der nächsten Saison verfügbar sind.

Bio-Weizen: Qualität als Engpass

Trotz weiter wachsender heimischer Bio‑Weizenflächen blieb die Marktlage im Wirtschaftsjahr 2024/25 angespannt. Ausschlaggebend waren weniger die verfügbaren Flächen als vielmehr witterungsbedingte Qualitätseinbußen, die den Anteil backfähiger Ware begrenzten. Infolgedessen musste ein größerer Teil der Ernte als Futtergetreide vermarktet werden. Um Versorgungslücken im Qualitätssegment zu schließen, waren weiterhin Importe erforderlich, auch wenn die eingeführten Mengen insgesamt rückläufig waren. Die Ware stammte überwiegend aus anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, insbesondere aus Osteuropa.

Bio-Milch: Wachstum mit Importergänzung

Im Jahr 2025 gab es einen leichten Anstieg der Bio-Milchanlieferungen. Erstmals wurde ein Jahresergebnis erreicht, das klar über dem Niveau der Vorjahre lag. Die Produktionsausweitung ging einher mit einer steigenden Nachfrage nach Bio-Frischmilch im Lebensmitteleinzelhandel. Der überwiegende Teil der verarbeiteten Rohmilch stammte aus deutscher Erzeugung, dennoch bleibt der Markt auf ergänzende Lieferungen aus dem Ausland angewiesen. Besonders Bio-Milch aus Österreich gewinnt zunehmend an Bedeutung, während dänische Milch kaum noch eine Rolle spielte.

Bio-Rinder: Mehr Importe bei knapper Erzeugung

Die Situation am Bio-Rindermarkt war 2025 weiterhin von Knappheit geprägt. Hohe Preise auf dem konventionellen Markt wirkten sich auch auf den Bio-Sektor aus und führten teilweise dazu, dass Bio-Tiere auf dem konventionellen Markt verkauft wurden. Gleichzeitig schrumpften die Bio-Rinderbestände, unter anderem infolge von Tierseuchen und strukturellen Anpassungen in den Betrieben. Die heimische Erzeugung reichte damit nicht aus, um die Nachfrage vollständig zu bedienen. Der Import von Bio-Rindfleisch nahm zu und stammte vor allem aus benachbarten EU-Ländern wie Österreich, den Niederlanden, Dänemark und Tschechien.


Interview mit mit Reinhard Meyer vom Ökokontor Biologisch Erzeugnisse GmbH & Co. KG

Wir sprachen mit Reinhard Meyer vom Ökokontor Biologisch Erzeugnisse GmbH & Co. KG, einer Tochter der Heilmann Gruppe und einer der größten Händler für Bio-Kartoffeln und Bio-Zwiebeln in Deutschland.

Oekolandbau.de: Welche Rolle spielen Bio-Importe heute für Versorgungssicherheit, Preisstabililität und Sortimentstiefe im Bio-Handel?

Meyer: Alle Akteure der Lieferkette benötigen Sicherheit: Produzierende wollen ihre Ware zu auskömmlichen Preisen absetzen, der Handel erwartet ganzjährig verfügbare Produkte in gleichbleibender Qualität. In der Bio-Produktion ist dies aufgrund hoher Kosten und stark schwankender Erntemengen nur begrenzt allein mit heimischer Ware gleichzeitig zu realisieren.

Oekolandbau.de: Wo sehen Sie Chancen und Konflikte zwischen Bio-Importen und dem Ausbau regionaler Öko-Landwirtschaft?

Meyer: Die Importe stehen in direkter Konkurrenz zu der heimischen Produktion. Bei abgesprochenen Frühkartoffeln erwarten die Produzierenden während der Erntezeit die Abnahme der vereinbarten Mengen. Es ist daher wichtig, dass sehr frühzeitig allen Marktteilnehmenden bekannt ist, wie lange die deutschen Bio-Kartoffeln reichen und wie sich die Lagerqualität dabei entwickelt. Mit diesen Einschätzungen können dann Importe grundsätzlich geplant und entsprechende Mengen im Vorfeld angepasst werden. Leichte Verschiebungen in die eine oder andere Richtung sind anschließend immer noch möglich. Bei den meisten deutschen Lebensmittelfilialen besteht die Bereitschaft, guter deutscher Bio-Qualität den Vorzug zu geben.

Oekolandbau.de: Welche Entwicklungen werden den Markt für Bio-Importe in den kommenden fünf bis zehn Jahren besonders verändern und wie sollte sich der Bio-Handel darauf einstellen?

Meyer: Auf Dauer werden sich immer die guten Qualitäten zu angepassten Preisen durchsetzen. Hohe Vorfrachten, steigende Qualität heimischer Bio-Kartoffeln und ein wachsendes Bewusstsein bei Verbraucherinnen und Verbrauchern für heimische Ware führen dazu, dass Bio-Importe bei dem Produkt Kartoffel mehr und mehr zu einem Nischenprodukt werden. Auch Produzierende in anderen Ländern können es sich nicht leisten, ihre Produkte nur auf Verdacht anzubauen, ohne im Vorfeld eine Absatzsicherheit zu haben.

Vorfrachten bezeichnen im Handel und in der Logistik die Transportkosten, die vor dem eigentlichen Weiterverkauf einer Ware anfallen, meist für den Weg von den Erzeugerinnen und Erzeugern oder Lieferanten zum Handelsunternehmen, Lager oder Verarbeitungsbetrieb.


Weitere Infos im Web:

Letzte Aktualisierung 10.06.2026

Autorin: Madita Finke, AMI

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