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Welche Ernährungstrends bewegen aktuell den Bio-Markt?

Von pflanzenbetonter Ernährung bis zu Convenience-Produkten: Ernährungs- und Food Trends geben die Richtung im Bio-Handel vor. Manche Trends lösen kurzfristig einen regelrechten Hype aus, andere haben sich im Alltag etabliert.
Ernährungstrends prägen die Nachfrage nach Lebensmitteln zunehmend und beeinflussen damit direkt Sortimente, Vermarktungsstrategien und Warenströme im Lebensmittelhandel. Auch im Bio-Bereich dienen aktuelle Ernährungstrends als wichtiger Indikator dafür, welche Produkte besonders gefragt sind und wie sich Konsumgewohnheiten verändern.
Richtungsweiser ist unter anderem der Trendreport Ernährung 2025, der vom Netzwerk Nutrition Hub gemeinsam mit dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE), der Dr. Rainer Wild-Stiftung, der Dualen Hochschule Baden-Württemberg sowie dem EIT Food Region West konzipiert und umgesetzt wurde. So stehen
- pflanzenbetonte und flexitarische Ernährung,
- nachhaltige und klimafreundliche Ernährung sowie
- personalisierte Ernährung
weiterhin hoch im Fokus. Angesichts multipler Krisen, Klimawandel, sozialen Spannungen und technologischem Wandel richten die Konsumierenden mehr Aufmerksamkeit auf ihre eigene Gesundheit. Zu den Trendthemen zählen diesbezüglich unter anderem blutzuckerfreundliche sowie alkoholfreie beziehungsweise alkoholreduzierte Ernährung. Vegane Ernährung gehörte zuletzt nicht mehr zu den Top-Trends.

Ein Fazit des Trendreports: "Die Menschen nehmen ihre Ernährung zunehmend selbstbestimmt in die Hand und verbinden dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und persönliche Werte." Die Ernährung wird auf persönliche Bedürfnisse, Lebensstil und Werte abgestimmt. Inspiration bieten dabei die Sozialen Medien, die schon manchen Hype auf bestimmte Lebensmittel ausgelöst und leere Regalflächen im (Bio-)Handel verursacht haben.
Wie entstehen Food Trends?
Food Trends entstehen als Reaktion auf gesellschaftliche (Klimakrise, Nachhaltigkeit, Gesundheit), technologische (neue Zubereitungsarten wie Airfryer) und kulturelle Veränderungen (Globalisierung, Food-Blogs aus aller Welt) und werden maßgeblich durch Soziale Medien, die Gastronomie und die Lebensmittelindustrie geprägt. Essen dient nicht mehr rein der Nahrungsaufnahme, sondern ist getreu dem Motto "Du bist, was Du isst" Ausdruck eines Lifestyles geworden.
Einige Trends wie die pflanzenbasierte Kost, der bewusste Umgang mit Ressourcen (Zero-Waste) oder funktionelle Ernährung, die das Wohlbefinden steigert, haben sich etabliert. Trendzutaten wie Matcha oder Pistazien stehen (noch) hoch in der Gunst der Verbraucherinnen und Verbraucher, bei anderen Trends wie Bubble Tea, Baked-Feta-Pasta oder Dubai-Schokolade hat sich der vormalige Hype mittlerweile normalisiert.
Neben kurzfristigen Trends dominieren Entwicklungen, die stärker am Alltag der Verbraucherinnen und Verbraucher ausgerichtet sind. Dabei stechen pflanzenbetonte Ernährung, der wachsende Fokus auf Protein sowie der Wunsch nach Einfachheit und Alltagstauglichkeit hervor. Gemeinsam prägen sie aktuell den Bio-Markt, allerdings mit unterschiedlichen Wirkungen und Zielkonflikten.
Pflanzenbetont
Der Trend zu pflanzenbetonten Ernährungsweisen hält an, hat sich jedoch gewandelt. Flexitarismus ist im Alltag vieler Verbraucherinnen und Verbraucher etabliert: Fleisch wird seltener, aber bewusster konsumiert oder durch pflanzliche Alternativen ergänzt. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Natürlichkeit, sodass auf dem Bio-Markt zwar die Nachfrage nach pflanzlichen Rohstoffen stabil bleibt, stark verarbeitete Ersatzprodukte jedoch zunehmend kritisch gesehen werden.
Laut Ernährungsreport 2025 des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sind 95 Prozent der Befragten pflanzliche Alternativen zu tierischen Produkten auf Basis von Soja bekannt, 88 Prozent kennen Alternativprodukte auf Basis von Getreide und 84 Prozent Produkte aus Hülsenfrüchten. Die Hälfte der Befragten hat zuletzt solche Alternativprodukte ein- oder mehrmals gekauft. Während die Altersklasse der 14- bis 29-Jährigen den Aspekt des Tierschutzes als wichtigstes Kaufkriterium hierfür nennt, dominiert bei den anderen Altersklassen die Neugierde.
Proteinreich
Parallel dazu wächst der Stellenwert von Protein, sowohl pflanzlich als auch tierisch. Proteinprodukte gelten als funktional, sättigend und leistungsstützend. Entsprechend groß ist das Angebot an proteinreichen Lebensmitteln, von Hülsenfrüchten über Milchprodukte bis hin zu verarbeiteten Snacks oder Neuheiten. Ein Beispiel aus dem Milchsegment ist Skyr, der mit seinem hohen Proteingehalt und gleichzeitig niedrigem Fettgehalt gezielt ernährungsbewusste Verbraucherinnen und Verbraucher anspricht und zunehmend auch in ökologischer Qualität angeboten wird. Auch Hülsenfrüchte und daraus hergestellte Produkte wie Linsen- oder Kichererbsennudeln ergänzen bekannte Produkte um zusätzliches pflanzliches Protein und erschließen damit neue Zielgruppen.
Der Trend "High Protein" hat laut einer Studie von YouGov den Sprung vom Nischenprodukte für Fitnessbegeisterte in den Massenmarkt geschafft. Knapp die Hälfte der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland kauft demnach proteinreiche Lebensmittel. Besonders nachgefragt werden diese von der Generation Z (75 Prozent) sowie den Millennials (62 Prozent). Milchprodukte profitieren ebenso von diesem Trend wie Proteinpulver. Die gestiegene Nachfrage wird dabei von den erwarteten gesundheitlichen Nutzen wie Muskelaufbau oder körperlicher Leistungsfähigkeit getragen. Der Trend wird aber auch kritisch gesehen. Maßgeblich wird dabei der hohe Verarbeitungsgrad der Produkte, Zusatzstoffe und der Preis ins Feld geführt.
Gleichzeitig gewinnen Einfachheit und Alltagstauglichkeit an Bedeutung. Viele Konsumentinnen und Konsumenten wünschen sich unkomplizierte, schnell verfügbare Produkte, ohne dabei auf Bio-Qualität zu verzichten. Die steigende Nachfrage nach Convenience-Produkten verdeutlicht jedoch einen Zielkonflikt: Während Komfort und Zeitersparnis gefragt sind, bleibt zugleich der Wunsch nach frischen, möglichst wenig verarbeiteten Lebensmitteln bestehen. Bio-Milchgetränke stehen exemplarisch für diese Entwicklung, da sie sofort verzehrfertig sind und zugleich den Anspruch an Natürlichkeit erfüllen.
Jahr für Jahr greift die Fachmesse Biofach aktuelle Branchen- und Produkttrends auf. Für 2026 sind dies unter anderem
- Fermentation: Tradition trifft auf Innovation,
- Gesundheit zum Trinken: Flüssigkeitszufuhr mit Mehrwert,
- Darmgesundheit: Probiotika und Ballaststoffe für das Mikrobiom.
Damit spiegeln sich auch hier einige der zehn Ernährungstrends für 2025 unter dem großen Aspekt der Gesundheit wider.
Bleibt die Frage, ob Ballaststoffe einen ähnlichen Hype wie Protein erfahren oder diesen Trend sogar ablösen? Beim sogenannten "Fibermaxxing" wird versucht, die tägliche Aufnahme von Ballaststoffen zu maximieren. Auch hier ist Lebensmittelbranche bereits aufgesprungen und hat High-Fiber-Drinks, mit Ballaststoffen angereicherte Limonaden, auf den Markt gebracht. Reich an Ballaststoffen sind zudem Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse, Nüssen und Saaten – diese gibt es auch unverarbeitet in Bio-Qualität zu kaufen.
Longevity bündelt viele Ernährungstrends
Die Redaktion Ökolandbau.de befragte Ok-Zin Kim, Senior Analytical Consultant bei NielsenIQ. Seit vielen Jahren analysiert sie Markt- und Verbraucherdaten im Lebensmittelbereich.
Oekolandbau.de: Wo sehen Sie Chancen oder Zielkonflikte zwischen den Trends "pflanzlich", "Bio" und "regional" aus Sicht des Handels?
Kim: Die Konsumbedürfnisse gehen stark auseinander. Es gibt Konsumentinnen und Konsumenten, die aus Tierschutzgründen bewusst zu pflanzlichen Alternativen greifen. Andere möchten tierische Produkte weiterhin konsumieren, achten dabei aber stärker auf Bio, also auf nachhaltige Erzeugung und Tierwohl. Und für viele reicht Regionalität schon als Qualitätskriterium aus – Bio ist dann nicht zwingend notwendig.
Für den Handel liegt die Herausforderung vor allem darin, diese unterschiedlichen Bedürfnisse im Sortiment abzubilden und gleichzeitig eine passende Preisgestaltung zu finden.
Oekolandbau.de: Welche Ernährungstrends werden den Bio-Sektor in den nächsten Jahren besonders prägen und wo entstehen daraus konkrete Chancen für den Bio-Handel?
Kim: Der große Megatrend ist aktuell ganz klar Longevity – also gesund alt werden, aber auch den Alterungsprozess etwas hinauszögern. Das bündelt viele Themen wie pflanzenbasierte Ernährung, Bio, Darmgesundheit oder auch weniger Zucker oder Fett. Für den Bio-Sektor heißt das: Trends wie pflanzenbetonte Ernährung, Nachhaltigkeit und der Wunsch nach gesunder, "cleaner" Ernährung werden weiter an Bedeutung gewinnen.
Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass Convenience wichtiger wird – also Produkte, die schnell und einfach funktionieren. Ein Beispiel sind die Airfryer Geräte, für die es mittlerweile viele angepasste Produkte gibt.
Für den Handel entstehen daraus Chance, vor allem bei funktionalen Produkten und pflanzlichen Bio-Alternativen. Wichtig ist aus meiner Sicht: Bio muss neben nachhaltiger Landwirtschaft auch zeigen, welchen konkreten Nutzen es im Alltag bringt – sei es Gesundheit, Genuss oder einfache Zubereitung.
Oekolandbau.de: Wie verändern pflanzenbetonte Ernährung, Fleischalternativen und Convenience-Produkte die Nachfrage nach Bio-Produkten im Handel?
Kim: Verbraucherinnen und Verbraucher achten heutzutage deutlich stärker auf Gesundheit, Transparenz und Nachhaltigkeit. Bio vereint all diese drei Aspekte und steht zugleich für natürliche Zutaten und hohe Glaubwürdigkeit. Gerade in den Bereichen Fleischalternativen und Convenience-Produkten hat Bio noch erhebliches Potential. Gleichzeitig ist es wichtig, klar zu kommunizieren, dass auch bei stärker verarbeiten Lebensmitteln die Zutaten aus ökologischer Landwirtschaft ein relevantes Kriterium für gesunde Ernährung darstellen können, insbesondere wenn es bei der Zubereitung im Alltag schnell gehen muss.
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Letzte Aktualisierung 17.07.2026




