Wie hoch ist der Bio-Anteil in der AHV?

Wie viele Bio-Produkte werden in Gemeinschaftsverpflegung und Individualgastronomie einsetzt? Seit Anfang 2025 führen die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH und Ecozept Deutschland dazu im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat eine groß angelegte Studie durch. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor.

Mit einer breit angelegten Analyse von Marktdaten und Umfragen wollen die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) und Ecozept Deutschland Licht in den Bio-AHV-Markt in Deutschland bringen, zu dem es bisher keine aktuellen, validen Daten gibt. Das "Bio in der AHV-Projekt" zielt darauf ab, fundierte Informationen für politische und wirtschaftliche Entscheidungstragende bereitzustellen und die Transparenz von Bio in der AHV zu erhöhen. Ende Juni 2026 wurden erste Ergebnisse dieser Markterhebung präsentiert.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bio-Anteil in der deutschen AHV liegt zwischen 3,1 und 3,7 Prozent – bezogen auf die Warenbeschaffung.
  • Das entspricht einen Bio-Wareneinsatz von 703 bis 850 Millionen Euro in der AHV.
  • Die wichtigste Bio-Produktgruppe in der AHV sind Molkereiprodukte und Milch.
  • Die Zahlen basieren auf aktuellen Hochrechnungen von AMI und Ecozept und können sich im Laufe des Projekts noch verändern.

In Deutschland geben die AHV-Unternehmen pro Jahr rund 23,9 Milliarden Euro für den Einkauf von Lebensmitteln aus. Davon kaufen sie für rund 16,1 Milliarden Euro Lebensmittel beim Vollsortiment-Großhandel. Für diesen Bereich liefert das Geo-Marketing-Großverbraucherpanel fundierte produktgenaue Daten über den Einkauf der Caterer und Küchen in den einzelnen Verpflegungsbereichen und Regionen.

Für diese 16,1 Milliarden Euro der Einkäufe beim Grossisten – also gut zwei Drittel aller Einkäufe - lassen sich auch gut die Bio-Anteile bestimmen. Rund ein Drittel der Waren beschaffen Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie jedoch über andere Quellen, beispielsweise im direkten Einkauf bei Produktionsbetrieben. Das sind zum Beispiel Getränke und Backwaren. Die Bio-Anteile für dieses Einkaufs-Drittel haben die Autorinnen und Autoren der Studie aus anderen Marktdaten und Befragungen geschätzt. Weil es hier noch gewisse Unsicherheiten bei den Daten gibt, geben die Autorinnen und Autoren deshalb die Werte in einer Spanne an.

Nach dieser Marktanalyse werden in der AHV insgesamt etwa 3,1 bis 3,7 Prozent der Waren in Bio-Qualität eingekauft. Dabei gibt es große Unterscheide – je nach Produktgruppe. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Bio-Anteile für die wichtigsten Gruppen.

Bio-Anteile in der AHV nach Produktgruppen (in Prozent)

 Bio-Anteil minimalBio-Anteil maximal
Obst und Gemüse4,5%6,7%
Frischfleisch0,3%0,4%
Wurst- und Fleischprodukte2,0%2,0%
Frischfisch0,5%0,5%
Molkereiprodukte (inklusive Eier)6,0%6,7%
Backwaren frisch0,9%1,3%
Tiefkühlprodukte1,8%2,1%
Sonstige Lebensmittel2,7%3,1%
Alkoholfreie Getränke7,8%10,5%
Alkoholische Getränke1,0%1,0%
Gesamtergebnis3,1%3,7%

Quelle: AMI und Ecozept, 2026

Danach erzielen in der AHV die nicht-alkoholischen Getränke die höchsten Bio-Anteile. Dazu gehören beispielsweise die Heißgetränke wie Kaffee und Tee. Hier liegen die Bio-Anteile in einer Spanne zwischen 7,8 und 10,5 Prozent.

Bei den Molkereiprodukten – in der Marktanalyse werden hier die Eier mitgezählt – liegt der Bio-Anteil zwischen 6 und 6,7 Prozent. Alle diese Daten enthalten noch gewisse Unsicherheiten, aber es sind die besten Werte, die es aktuell für den Bio-AHV-Markt in Deutschland gibt.

Welches sind im Bio-Bereich die wichtigsten Produktgruppen in der AHV?

Nach den Daten des Großverbraucher-Panels (2025) lassen sich bezogen auf die Einkaufswerte auch die wichtigsten Produktgruppen bestimmen, die in der AHV in Bio-Qualität eingesetzt werden.

Die wichtigsten Bio-Produktgruppen in der AHV nach dem Warenwert

 In Millionen Euro
Milch35,4
TK-Gemüse10,8
Bohnenkaffee/Milchkaffee9,6
TK-Brötchen9,1
Pasta, trocken6,6
Fleischersatz inklusive Tofu6,0
Butter5,1
Joghurt natur4,9
Reis4,4
Tomatenprodukte4,3

Quelle: Daten des Großverbraucher-Panels (2025), zitiert nach AMI und Ecozept

"Insgesamt sind Milch und Milchprodukte die mit Abstand wichtigste Bio-Produktgruppe in der AHV", versichert Diana Schaack. Sie ist die Bereichsleiterin Ökolandbau bei der AMI und leitet das Projekt zum Bio-AHV-Markt. Denn bei Milch und Milchprodukten ist der Bio-Anteil überdurchschnittlich hoch und es werden relevante Mengen eingekauft. Aber auch hier gilt wieder: In diesen Zahlen sind jene Einkäufe nicht erfasst, bei denen die Großküchen die Produkte nicht über den Grossisten, sondern über andere Quellen beziehen.

Wie werden die Daten ermittelt?

Wichtigste Datengrundlage ist das Geo-Marketing-Großverbraucherpanel. Mit ihm werden produktgenau die Umsätze und Preise bei Vollsortimentern (Grossisten) erfasst, bei denen AHV-Betriebe einkaufen. Hinzu kommen Spezialgroßhändler, wie Obst & Gemüse-Fachhändler, direktvermarktende Erzeugerbetriebe oder das Lebensmittelhandwerk sowie Naturkostgroßhandelsbetriebe mit AHV-Sortiment. Um die Marktbedeutung dieser Akteursgruppen abzuschätzen, werden im Laufe des Projektes zwei Panel von rund 100 Lieferbetrieben für die AHV und etwa 100 Caterern/Küchen aufgebaut, die in den Folgejahren regelmäßig befragt werden. Nach Auswertung all dieser Daten können sich noch Änderungen an den Zahlen ergeben.

Bio-Anteile nach Verpflegungstypen

Nachfolgendes Schaubild zeigt die Bio-Anteile am monetären Wareneinsatz im Großverbraucher-Panel von GeoMarketing nach Verpflegungstypen. Wie in der Info-Box beschrieben, wird hier nur die Beschaffung bei Grossisten erfasst, die etwa zwei Drittel der Einkäufe ausmachen. Trotzdem zeichnen die Daten ein interessantes Bild der relativen Unterschiede in Bezug auf die verschiedenen Verpflegungstypen:


Letzte Aktualisierung 02.07.2026

Autor: Andreas Greiner

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