Der Bio-Markt wächst auch 2025 deutlich

Der Bio-Markt wächst auch 2025 deutlich

Der Bio-Markt in Deutschland setzt seinen Erfolgskurs fort: Bereits das zweite Jahr in Folge verzeichnet der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken ein deutliches Wachstum. Für 2025 ermittelt der Arbeitskreis Biomarkt einen Anstieg der Verbraucherausgaben um 6,7 Prozent.

Das Jahr 2025 brachte einen spürbaren Aufschwung des deutschen Bio-Markts. Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln und Getränke wuchs mit durchschnittlich 6,7 Prozent auf ein neues Rekordniveau von 18,23 Milliarden Euro.

In den vergangenen Jahren hat der Konsum von Bio-Lebensmitteln in Deutschland Auf und Abs erlebt. Während der Corona-Pandemie sorgten ein wachsendes Gesundheits- und Nachhaltigkeitsbewusstsein und ein Wegfall des Außer-Haus-Verzehrs für einen deutlichen Bio-Boom. Mit dem Ukraine-Krieg, hoher Inflation und steigenden Energiepreisen ging die Nachfrage 2022 spürbar zurück.

Seit 2023 erholt sich der Markt wieder und wuchs 2024 ein weiteres Mal. Rückblickend wurde bereits 2024 – anders als zunächst hochgerechnet – die Umsatzmarke von 17 Milliarden Euro überschritten. Grundlage hierfür ist eine verbesserte Datenlage der am Arbeitskreis Biomarkt beteiligten Panel-Ininstitute, die rückwirkend zu einer höheren Umsatzbewertung geführt hat. 

Der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt (inklusive Getränke, ohne Tabak) ist auf 6,5 Prozent gestiegen. Die Hochrechnung beruht auf Daten der Marktforschungsinstitute YouGov (ehemals das Consumerpanel der GfK), NielsenIQ, bioVista, BNN und Simon Döring Bio-Berater (SDS).

Neben dem Wachstum des Bio-Umsatzes ist auch die gekaufte Menge auf einem ähnlichen Niveau gewachsen. Bei leicht gestiegenen Preisen ist eine höhere Nachfrage nach Bio-Produkten zu verzeichnen. Dies zeigt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher ihren Bio-Konsum ausweiten, während die Durchschnittspreise insgesamt stabil bleiben.

Wachstumstreiber vor allem der LEH

Die Ausgaben für Bio-Produkte im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) wuchsen 2025 um durchschnittlich 8,7 Prozent auf insgesamt auf 12,76 Milliarden Euro. Auf diese Weise generiert der LEH 70 Prozent des gesamten Bio-Umsatzes, noch einmal mehr als im Jahr zuvor. Damit schreibt das Jahr 2025 Entwicklungen aus den beiden Jahren zuvor fort.

Das Wachstum der Drogeriemärkte bleibt 2025 mit 14,4 Prozent zum Vorjahr deutlich überdurchschnittlich. Drogerieketten wie dm und Rossmann bauen ihre Marktanteile weiter aus und gewinnen 2025 teils auf Kosten der Discounter. Dort belastet die angespannte wirtschaftliche Situation den Bio-Absatz, da viele Haushalte im Preisvergleich häufiger konventionelle Produkte wählen. Vor allem im Trockensortiment verschärft die starke Konkurrenz der Drogeriemärkte den Wettbewerbsdruck. Mit einem Wachstum von 6,7 Prozent bilden die Discounter damit in etwa die durchschnittliche Marktentwicklung in Deutschland ab.

Anders als in den Vorjahren verzeichnen  die Vollsortimenter 2025 ein überdurchschnittliches Wachstum. Hier gewinnen Loyalty-Programme zunehmend an Bedeutung, ebenso wie eine wettbewerbsfähige Preisstellung vieler Bio-Produkte, die nicht zwangsläufig über dem Niveau der Discounter liegt. 

Loyalty-Programme sind ein wichtiger Teil der Marketingstrategie im Lebensmitteleinzelhandel. Ihr Ziel ist es, die Kundschaft stärker an das Unternehmen zu binden. Dabei werden verschiedene Maßnahmen ergriffen, wie beispielsweise Rabatte, Sonderaktionen, personalisierte Coupons oder exklusive Angebote, meist über Apps bei denen die Kundinnen und Kunden ihre Daten hinterlegen müssen.

Im Arbeitskreis Biomarkt wurde zudem festgestellt, dass Drogeriemärkte insbesondere bei haltbaren Bio-Produkten mit starkem Gesundheits- und Lifestylebezug überdurchschnittlich gut aufgestellt sind – sowohl im Sortiment als auch im Umsatz –, während diese Warengruppen im Vollsortiment nicht immer in vergleichbarer Breite verfügbar sind.

Naturkosthandel ist resilient

Discounter, Supermärkte und drogerienahe Handelsformate haben ihre Bio-Sortimente deutlich ausgebaut und erreichen damit breite Schichten von Kundschaft, während der klassische Bio-Fachhandel unter einem intensiven Wettbewerbsdruck steht. In diesem Wettbewerbsumfeld ist es für den Naturkosthandel schwierig, seine Umsätze stabil zu halten beziehungsweise Wachstum zu generieren.

Der Bio-Fachhandel verkaufte 2025 Lebensmittel und Getränke (ohne Non-Food-Artikel) im Wert von 3,33 Milliarden Euro, 2,3 Prozent mehr als 2024. Auch wenn die Wachstumsraten des Bio-Fachhandels deutlich hinter denen des konventionellen Lebensmitteleinzelhandels zurückbleiben, zeigt sich im stabilen Bestehen am Markt weiterhin seine besondere Position. Gleichzeitig nimmt die Markenexklusivität des Fachhandels ab, da sowohl Herstellermarken als auch Eigenmarken des LEH ihre Präsenz im Bio-Segment deutlich ausgebaut haben.

Nach Daten von bioVista und Simon Döring wurde das Wachstum des Fachhandels vor allem durch das Frischesegment getragen. Prägend für diese Entwicklung sind insbesondere die Bio-Supermärkte, die mit einem wachsenden Filialnetz bundesweit expandieren. Kleinere Bioläden haben es dagegen zunehmend schwerer, sich im Wettbewerb zu behaupten.

Bio wird online zum Standard

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hat erstmals die Bio-Anteile im stark wachsenden E-Commerce mit Lebensmitteln bei den Anbieterinnen und Anbietern abgefragt. Demnach erreichten Bio-Online-Lieferservices durchschnittliche Umsatz-Anteile von in der Spitze 28 Prozent (Tegut), gefolgt von 26 Prozent (Knuspr) und 20 Prozent (Rewe). Das ist dreimal so viel wie im gesamten Lebensmittelmarkt. Wie selbstverständlich der Griff zu Bio-Produkten geworden ist, zeigen weitere Kennzahlen: 86 Prozent der Bestellungen bei Knuspr.de enthielten mindestens ein Bio-Produkt, 85 Prozent beim Rewe Lieferservice, 70 Prozent der E-Warenkörbe sowohl bei Wolt als auch Picnic.

Geflügel, Mehl, Joghurt sowie Milch- und Fleischalternativen haben die Nase vorn

Einige Produktgruppen verzeichneten 2025 ein zweistelliges Mengenwachstum, allen voran Bio-Geflügel. Wäre die Vogelgrippe nicht gewesen, hätten die Verbraucherinnen und Verbraucher wahrscheinlich noch mehr Geflügel gekauft.  Die Produzentinnen und Produzenten haben für die Marktversorgung nachgerüstet – in Deutschland aber vor allem auch in Österreich.

Auch Milch- und Fleischalternativen stehen bei den Zuwachsraten 2025 im Vergleich zum Vorjahr weit oben im Ranking. Die Ersatzprodukte punkten mit neuen Rezepturen und breiterer Listung. Das Wachstum ist besonders bei Fleischersatz viel dynamischer als am Gesamtmarkt. Bei den Pflanzendrinks ist der Mengenzuwachs bio und konventionell auf vergleichbarem Niveau.

Auch echte Milch- und Molkereiprodukte, insbesondere Joghurt, Konsummilch und Käse, entwickelten sich sehr dynamisch. Bei Joghurt konnten die Molkereien mit größeren Verpackungen punkten – die Ein-Kilogramm-Eimer führen zu größeren Verkaufsmengen.

Der Erfolg von Bio-Mehl hängt stark mit der hohen Präsenz günstiger Bio-Eigenmarken im LEH, insbesondere in den Drogeriemärkten zusammen. Bio-Mehl wird im Schnitt nur noch 10 Prozent teurer als konventionelles verkauft, erreicht damit einen Anteil am Mehl-Gesamtmarkt von 22 Prozent nach einem Wachstum 2025 um 14 Prozent in der Menge.

Einige Produkte wurden aber auch weniger gekauft: Bei Schweine- und Rindfleisch reichten die Rohwaren nicht und waren am Ende zu teuer für manche Kundinnen und Kunden. Auch Butter war sehr teuer, wodurch sich die Kundschaften zurückhielten. Bei Kartoffeln waren zwar ausreichend Knollen am Markt, der Preisabstand zwischen bio und konventionellen Kartoffeln war aber in Anbetracht einer übergroßen konventionellen Ernte zu groß.

Text: Birgit Rogge, AMI


Letzte Aktualisierung 10.02.2026

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