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Bio-Anbaufläche in Europa wächst langsamer

Insgesamt ist die ökologische Anbaufläche in Europa und in der EU deutlich gewachsen. Die aktuellen Entwicklungen deuten jedoch auf eine spürbare Verlangsamung des Wachstums hin. Fortschritte in einzelnen Staaten verpuffen zunehmend durch Stagnation oder Rückgänge in anderen Ländern.
Die aktuellen Zahlen zeichnen ein differenziertes Bild der ökologischen Landwirtschaft in Europa: Während die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln weiter auf hohem Niveau bleibt, gerät das Flächenwachstum zunehmend ins Stocken. Die Zahlen aus der gemeinsamen Erhebung der AMI (Agrarmarkt Informations-Gesellschaft) und des FiBL (Forschungsinstitut für Biologischen Landbau) verdeutlichen, dass die biologische Landwirtschaft in Europa langfristig auf Wachstumskurs war, sich aber nun eine deutliche Verlangsamung bis hin zur Flächenstagnation durchsetzt.
Im Jahr 2024 wurden in den 27 EU-Mitgliedsstaaten (EU-27) rund 17,8 Millionen Hektar ökologisch bewirtschaftet, das sind etwa 20 Prozent der weltweiten ökologischen Landwirtschaftsfläche. Spanien hat die größte ökologische Anbaufläche, gefolgt von Frankreich, Italien und Deutschland. Zusammen machten diese vier Länder mehr als die Hälfte der ökologischen Anbaufläche Europas und fast 60 Prozent der ökologischen Anbaufläche der EU-27 aus.
Die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Europa ist zuletzt leicht zurückgegangen, während sie innerhalb der Europäischen Union weiterhin moderat gewachsen ist. Insgesamt zeigt sich damit ein differenziertes Bild:
Auf Europäischer Ebene stagniert die Entwicklung eher, wohingegen die EU als Ganzes noch eine vorsichtige Ausweitung verzeichnet.
Besonders deutliche Zuwächse in absoluten Flächen meldeten Länder wie Rumänien, Italien und Polen. Das stärkste relative Wachstum hingegen war in kleineren beziehungsweise strukturell im Wandel befindlichen Märkten zu beobachten, etwa in Bulgarien, Irland und Malta. Damit prägen große Agrarländer vor allem die absoluten Veränderungen, während prozentual betrachtet vor allem kleinere Länder eine hohe Dynamik erkennen lassen.
Bio-Anteil weit vom Ziel entfernt
Trotz des Rückgangs der Öko-Fläche ist der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche ist in Europa weiter gestiegen. Während der Durchschnitt auf Europäischer Ebene mit 3,9 Prozent noch niedrig bleibt, liegt er innerhalb der EU-27 mit 11,1 Prozent bereits deutlich höher. In zahlreichen Ländern – darunter die große Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten – macht die ökologische Landwirtschaft inzwischen mindestens ein Zehntel der gesamten Agrarfläche aus.
Besonders hohe Bio-Anteile verzeichnen Liechtenstein, Österreich und Estland. Liechtenstein nimmt dabei eine internationale Spitzenposition ein und weist weltweit den höchsten Anteil ökologisch bewirtschafteter Fläche auf.
Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt der Weg anspruchsvoll: Um das im Rahmen der Farm-to-Fork-Strategie formulierte Ziel von 25 Prozent Bio-Fläche bis 2030 zu erreichen, sind eine spürbar beschleunigte Umstellung sowie langfristig verlässliche und nachhaltige politische Rahmenbedingungen erforderlich.
Europäerinnen und Europäer kaufen weiterhin mehr Bio-Produkte
Im Jahr 2024 gaben Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa rund fünf Prozent mehr Geld für Bio-Produkte aus. Der Gesamtumsatz belief sich auf 58,7 Milliarden Euro. Innerhalb der EU-27 wurden 49,5 Milliarden Euro umgesetzt – ein Plus von vier Prozent gegenüber 2023. Damit setzt der Europäische Bio-Markt seine Erholung fort, auch wenn das Wachstum nicht mehr an die außergewöhnlich hohen Steigerungsraten der Vorjahre anknüpfen kann.
Deutschland bleibt mit Abstand der größte Bio-Markt Europas und trug 2024 mit einem Wachstum von 5,7 Prozent maßgeblich zum gesamten Marktzuwachs bei. Das Umsatzplus ist vor allem auf gestiegene Einkaufsmengen bei Bio-Lebensmitteln zurückzuführen – anders als 2023, als Preissteigerungen eine größere Rolle spielten.
Auch Belgien verzeichnete mit knapp zwölf Prozent ein deutliches Wachstum der Bio-Ausgaben. Die Niederlande, Österreich und das Vereinigte Königreich trugen ebenfalls überdurchschnittlich stark zur positiven Marktentwicklung in Europa bei.
Frankreich folgt im Europäischen Ranking der Bio-Umsätze auf Platz zwei. Allerdings fiel das Wachstum dort 2024 vergleichsweise moderat aus. Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln stieg auf insgesamt 12,18 Milliarden Euro. Der Zuwachs speiste sich vor allem aus Vertriebskanälen außerhalb des klassischen Lebensmitteleinzelhandels (LEH), der erneut Rückgänge hinnehmen musste. Im LEH kam es weiterhin zu Auslistungen von Bio-Produkten. Davon profitierten der Naturkostfachhandel, die Direktvermarktung und das Lebensmittelhandwerk, die mit einem breiteren Bio-Sortiment punkteten und teils deutliche Zuwächse erzielten. Während der französische Lebensmitteleinzelhandel 2020 noch einen Marktanteil von 54 Prozent am gesamten Bio-Markt hielt, lag dieser 2024 nur noch bei 48 Prozent – eine Entwicklung, die im Gegensatz zur Situation in Deutschland steht.
Bio-Boom in den Niederlanden, Schweiz führt Ranking an
Der Bio-Boom in den Niederlanden hielt auch 2024 an – mit einem Zuwachs von fast zehn Prozent. Insbesondere frische Bio-Lebensmittel haben seit 2022 ein beachtliches Wachstum hingelegt. Wie in Frankreich legen der Naturkosthandel und der Online-Handel deutlich stärker zu als der LEH. Fisch, Fleisch und Brot-/Backwaren waren die stärksten Kategorien.
Die Belgierinnen und Belgier haben zwölf Prozent mehr Geld für Bio-Lebensmittel ausgegeben. Bei stabilen Preisen haben sie vor allem häufiger und auch mehr Bio-Produkte gekauft, besonders zugenommen hat Fleisch. Eine größere Dynamik zeigt auch das Vereinigten Königreich mit 7,7 Prozent Wachstum auf 4,13 Milliarden Euro. Dort sind die großen Supermärkte gleichermaßen mit dem Naturkosthandel am Zuwachs beteiligt.
Durchschnittlich kauften die Europäerinnen und Europäer 2024 für 73 Euro im Jahr Bio-Produkte ein, in der EU-27 waren es 110 Euro pro Jahr.Mit 494 Euro Pro-Kopf-Ausgaben führt seit Jahren die Schweiz das Ranking der Ausgaben pro Einwohnerinnen und Einwohner an. Allerdings ist hier das allgemeine Preisniveau ohnehin höher. Dänische Konsumentinnen und Konsumenten folgen mit 375 Euro pro Kopf auf Platz zwei, während die österreichischen Verbraucherinnen und Verbraucher mit durchschnittlich 317 Euro pro Kopf den dritten Platz einnahmen. In Deutschland gaben die Einwohnerinnen und Einwohner im Schnitt 201 Euro aus.
Text: Tim Brauweiler/Diana Schaack, AMI
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Letzte Aktualisierung 17.04.2026



