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Onlinehandel und Bio-Lieferdienste nach der Pandemie

Während der Corona-Pandemie erlebte der Onlinehandel mit (Bio-)Lebensmitteln einen Aufschwung. Der
Ukraine-Krieg und die hohe Inflation führten dazu, dass die Kundschaft wieder zu anderen Einkaufsstätten wechselten. Doch nun geht es für den Online-Handel wieder aufwärts.
Der Onlinehandel hat nach Angaben des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) während der Corona-Pandemie zur Versorgung der Menschen zu Hause beigetragen, insbesondere in den Bereichen Lebensmittel und Medikamente. Doch mit Ende der Lockdowns und dem Beginn des Ukraine-Kriegs hat sich das Blatt gewendet. Die hohe Inflation sowie eine sinkende Kaufkraft ließen viele Verbraucherinnen und Verbraucher im Falle von Lebensmitteln auf günstigere Einkaufsstätten ausweichen. Zudem verlor der Kauf von Lebensmitteln im Internet aufgrund der oftmals zu zahlenden Versandkosten an Attraktivität. Auch die Annahme von Lieferungen gestaltete sich teils schwieriger, da die Menschen mitunter weniger zu Hause waren als während der Lockdowns. So wurde das dynamische Wachstum des Onlinehandels mit Lebensmitteln vorerst gebremst.
Erst im Jahr 2024 wurden laut bevh wieder anhaltende Wachstumsraten in diesem Bereich verzeichnet. Auf Jahressicht zählte der Onlinehandel mit Lebensmitteln mit einem Plus von 5,5 Prozent neben Medikamenten und Tierbedarf zu den größten Gewinnern. Laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) könnte der Onlinehandel im Jahr 2025 deutlich wachsen, allen voran erweisen sich demnach die Bereiche Lebensmittel und Drogeriewaren als Wachstumstreiber. So erwartet der HDE für 2025 einen Umsatz von 92,4 Milliarden Euro im Onlinehandel, was einem Wachstum von vier Prozent gegenüber 2024 entspricht.
Davon dürften auch Bio-Lebensmittel profitieren. Wer frische Bio-Lebensmittel wie Obst, Gemüse oder Milchprodukte im Internet bestellt, kann dies unter anderem über die klassische Bio-Kiste tun. Diese kann von einer Vielzahl an Anbietenden im regionalen oder überregionalen Bezug per Mausklick nach individuellen Wünschen geordert werden.
Bio-Marktinfos zum Onlinehandel im Überblick
Frischeprodukte wie Bio-Obst und Bio-Gemüse zählen seit jeher zu den Aushängeschildern des Onlinehandels mit Bio-Lebensmitteln. Daher ist es nicht überraschend, dass Bio-Obst und -Gemüse im Vergleich zum Gesamtmarkt einen höheren Anteil sowohl in Bezug auf die Einkaufsmenge als auch auf die Verbraucherausgaben im Onlinehandel aufweisen. Laut einer AMI-Analyse von YouGov CP Germany (ehemals GfK) entfielen im Jahr 2024 knapp fünf Prozent der Bio-Obstkäufe auf den Onlinehandel, beim Bio-Gemüse lag der Mengenanteil mit rund vier Prozent etwas niedriger. Zum Vergleich: Am Gesamtmarkt, bezogen auf die Einkaufsmenge, hatte der Onlinehandel bei Obst und Gemüse zuletzt jeweils gut ein Prozent inne. Sowohl die Einkaufsmenge als auch die Verbraucherausgaben für Bio-Obst und -Gemüse lagen 2024 auf einem höherem Niveau als 2019, dem Jahr vor der Corona-Pandemie.
Unterschiede zeigen sich beim Warenkorb. So werden im Onlinebezug vor allem Zitrusfrüchte und Kernobst in Bio-Qualität bezogen. Bei diesen Produktgruppen liegt der Anteil höher als im stationären Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Das gilt auch für Bio-Südfrüchte. Zwar weisen Bio-Bananen einen vergleichsweise hohen Ausgabenanteil im Onlinehandel auf, dieser fällt jedoch im LEH höher aus. Beim Blick auf das Bio-Gemüsesortiment stechen Kohl- und Zwiebelgemüse im Onlinebezug mit einem höheren Ausgabenanteil als im stationären LEH hervor. Dafür kann der LEH bei Bio-Wurzelgemüse punkten. Dies ist auf die große Präsenz von Bio-Möhren in Discountern und Vollsortimentern zurückzuführen. Ob beim Kauf im Internet oder vor Ort: Bio-Fruchtgemüse stellt in beiden Fällen den höchsten Anteil an den Verbraucherausgaben dar.
In der zweiten Verbraucher- und Marktstudie „Wie regional is(st) Sachsen?“ hat die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbh (AMI) im Auftrag des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Sachsen (LfUGL) die Bedeutung von Angebot und Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln in Sachsen genauer unter die Lupe genommen. Unter anderem wurde in der Studie der Onlinehandel als Absatzkanal für Lebensmittel anhand einer Verbraucherbefragung sowohl für Sachsen als auch für Deutschland beleuchtet. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage, welche Kriterien den Befragten, die schon einmal Lebensmittel im Internet bestellt haben, bei der Auswahl eines Online-Lebensmittelhändlers wichtig sind. Demnach wird vor allem auf Qualität und Frische der Produkte geachtet, gefolgt von Abwicklungsmodalitäten wie Bezahlmöglichkeiten oder die Art der Lieferung. Auch der Preis der Produkte ist für gut zwei Drittel der Befragten ein wichtiges Argument. Für mehr als die Hälfte der befragten Teilnehmenden spielen zudem regionale, bio-regionale sowie Bio-Lebensmittel eine wichtige Rolle. Weniger von Belang ist hingegen das Angebot an vegetarischen und veganen Alternativen eines Online-Lebensmittelhändlers.
Lieferdienste bringen auch Bio-Lebensmittel
Wer Bio-Lebensmittel im Internet bestellen und bis zur Haustür liefern lassen möchte, kann auf diverse Anbietende zurückgreifen. Neben der klassischen Form der Bio-Kisten von regionalen Betrieben gibt es reine Bio-Versandhändler wie bioaufvorrat.de. Bei diesen können vor allem Bio-Trockenprodukte wie Mehl, Nudeln, Brotaufstriche und Co. sowie Naturkosmetik über gemäß EU-Öko-Verordnung bio-zertifizierte Onlineshops bequem nach Hause bestellt werden. Auf der anderen Seite bieten etablierte Lieferdienste wie Rewe, Picnic, Flaschenpost und Co. eine Auswahl an Bio-Lebensmitteln in ihrem Shop an. Nach dem Aus des eigenen Lieferdienstes arbeitet Alnatura inzwischen mit Wolt zusammen und bietet über das finnische Liefer- und Techunternehmen über 600 Bio-Produkte der Eigenmarke an.
Nach einer erfolgreichen Testphase im Sommer 2024 hat die Bio Company über 1.000 Bio-Produkte bei ihrer "Frische Kiste" im Angebot. Ausgeliefert wird derzeit im Raum Berlin mit Lastenrädern des Dienstleisters "Grüne Stadtlogistik". Nach einem Jahr Lieferservice zieht Nicole Korset-Ristic, Vorständin Einkauf & Sortiment bei der Bio Company folgendes Fazit:
"Die Frische Kiste wird von den Kundinnen und Kunden sehr gut angenommen. Wir wollen weiter expandieren und das Liefergebiet außerhalb des Berliner S-Bahn-Rings, dem sogenannten Speckgürtel ausbauen. Grundsätzlich halten sich individuell zusammengestellte Kisten und vorgepackte Kisten die Waage. Die Zusammenarbeit mit Grüne Stadtlogistik läuft sehr gut und wird von der Kundschaft auch wegen der klimafreundlichen Auslieferung in Lastenrädern geschätzt. Probleme mit nicht eingehaltenen Lieferfenstern haben wir nicht, da wir bislang mit festen Liefertagen und nicht mit Time-Slots arbeiten."
Anders als die Lieferdienste bietet die Wyrld Food GmbH eine 100-prozentige Bio-Kochbox mit entsprechenden Rezeptkarten zum Versand an. Es bleibt also spannend, wie sich der Onlinehandel mit Bio-Lebensmitteln in den kommenden Jahren entwickeln wird.
Text: Birgit Rogge, AMI
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Letzte Aktualisierung 08.10.2025





