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Bio-Gemüse in Deutschland 2025: Rekordflächen und steigende Ernten

Im Jahr 2025 erreichte der deutsche Bio‑Freilandgemüsebau Rekordwerte bei der Zahl der Betriebe, der Anbaufläche und der Erntemengen. Besonders stark wuchsen Zwiebeln, Rote Bete und Romana‑Salat, während der Anbau von Bio‑Spargel deutlich zurückging.
Der deutsche Bio-Freilandgemüsebau verzeichnete 2025 in nahezu allen Bereichen Höchstwerte. Sowohl die Zahl der Betriebe als auch Anbaufläche und Erntemengen legten deutlich zu. Insgesamt wirtschafteten 1.367 Betriebe im Bio-Gemüsebau, rund 50 mehr als im Vorjahr. Damit wurden sowohl beim absoluten Zuwachs als auch bei der Wachstumsrate Rekorde erzielt.
Die Bio-Freilandfläche nahm 2025 um 6,7 Prozent auf 20.291 Hektar zu und erreichte damit ebenfalls einen Rekord. Der Bio-Anteil an der gesamten Gemüsefläche lag bei 15,6 Prozent. Besonders große Anbauflächen verzeichneten Nordrhein-Westfalen und Bayern. Noch dynamischer entwickelte sich die Erntemenge: Mit rund 562.800 Tonnen lag sie um 12,9 Prozent über dem Vorjahr und wuchs damit deutlich stärker als die Fläche. Ursache waren überdurchschnittliche Bruttoerträge, begünstigt durch ein sehr sonniges, warmes, aber auch trockenes Jahr mit intensiver Bewässerung. Der Bio-Anteil an der gesamten Gemüseernte betrug 13,1 Prozent, da auch der konventionelle Anbau hohe Zuwächse erzielte.
Deutliche Verschiebungen zwischen den Kulturen
Die größten Zuwächse gegenüber 2024 zeigten sich bei Zwiebeln und Roter Bete. Die Bio-Zwiebelfläche nahm um 14,5 Prozent zu, die Erntemenge sogar um 53,8 Prozent, was nach der Unterversorgung im Vorjahr zu einer Marktsättigung führte. Mit einem Flächenplus von 46,8 Prozent und einem Erntezuwachs von 74,6 Prozent verzeichneten Rote Bete die dynamischste Entwicklung der vergangenen Jahre. Der Bio-Anteil liegt hier mit über 50 Prozent außergewöhnlich hoch, getragen von einer breiten Nachfrage in Frische- und Verarbeitungsmärkten.
Auch Kürbisse legten weiter zu, vor allem Hokkaido, allerdings blieb das Mengenwachstum hinter dem Flächenzuwachs zurück. Die Zucchiniflächen nahmen um 8,2 Prozent zu. Möhren als wichtigste Kultur im Bio-Anbau stagnierten flächenmäßig, die Ernte fiel nach dem Rekordjahr 2024 geringer aus. Deutlich rückläufig entwickelte sich Bio-Spargel: Die Anbaufläche sank um fast zwölf Prozent, die Erntemenge um knapp 15 Prozent. Dies war durch hohe Arbeitskosten und einen späteren Saisonstart im Öko-Gartenbau bedingt.
Im Blattgemüsebau setzte sich die starke Konzentration auf Romana- beziehungsweise Salatherzen fort. Die Fläche wuchs binnen eines Jahres um 25 Prozent, während sie bei anderen Salatarten leicht zurückgingen. Insbesondere Weißkohl legte bei Kohlgemüse deutlich zu, sowohl in der Fläche als auch bei der Erntemenge. Dies ist auf die gestiegene Nachfrage der Privathaushalte und der Verarbeitung zurückzuführen. Brokkoli und Blumenkohl hingegen verzeichneten witterungsbedingte Rückgänge.
Positiv entwickelte sich erstmals seit Jahren wieder der Bio-Hülsenfruchtanbau. Druscherbsen und Buschbohnen legten flächenmäßig zu, da die Verarbeitungsindustrie verstärkt auf den heimischen Bio-Vertragsanbau setzt, um Importware zu ersetzen. Insgesamt war 2025 damit von starkem Wachstum, strukturellen Verschiebungen zwischen den Kulturen sowie einer hohen Abhängigkeit von der Witterung und Marktsignalen geprägt.
Große regionale Unterschiede
Besonders in den größeren Gemüseanbauregionen spielt der Bio-Anbau eine wichtige Rolle. Dazu zählen vor allem Nordrhein-Westfalen und Bayern. Gleichzeitig zeigen sich bei genauerem Blick auf die Anbaustruktur interessante regionale Unterschiede: In einigen Bundesländern ist der Anteil des ökologischen Gemüseanbaus an der gesamten Gemüsefläche besonders hoch. Das gilt insbesondere für Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Während in Mecklenburg-Vorpommern der Gemüseanbau insgesamt eine wichtige Rolle spielt und zugleich ein hoher Bio-Anteil erreicht wird, ist der Gemüseanbau in Sachsen im Vergleich zu klassischen Gemüsehochburgen insgesamt weniger stark ausgeprägt. Dadurch fällt dort der Anteil ökologisch bewirtschafteter Gemüseflächen entsprechend hoch aus.
Ausblick auf 2026
Nach dem starken Flächenwachstum im Bio-Gemüsebau 2025 rechnen viele Branchenbeteiligte für 2026 mit einer Konsolidierung, da hohe Angebotsmengen, Preisdruck und strukturelle Unsicherheiten Flächenausweitungen begrenzen. Zusätzlich erhöhen geopolitische Spannungen, stark gestiegene Energie- und Logistikkosten sowie eine getrübte Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher die wirtschaftlichen Risiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Nach Einschätzung von Holger Buck, Bio-Feldgemüseexperte und Naturland-Fachberater, befindet sich der Bio-Gemüsebau im Umbruch: Strukturwandel, Arbeitskräftemangel und neue Technik zur automatisierten Unkrautregulierung setzen Betriebe unter Druck. Teure Investitionen in Hacktechnik und Robotik ersetzen vor allem Handarbeit, verschieben den Wettbewerb zugunsten größerer Betriebe und erhöhen den Anpassungsdruck für kleinere. Gleichzeitig begünstigt die Mechanisierung bestimmte Kulturen wie Wurzelgemüse und beeinflusst so zunehmend Anbau- und Betriebsstrukturen.
Interview mit Gemüseexpertin Almuth Eberhard, VGS Bioland SH
Oekolandbau.de befragte Almuth Eberhard, Geschäftsführerin und stellvertretende Leiterin der Gemüseabteilung der Vermarktungsgesellschaft Bioland Schleswig-Holstein (VGS Bioland SH), wie sie die Lage am Bio-Gemüsemarkt für 2026 einschätzt.
Almuth Eberhard: Die Ausdehnung der Bio-Fläche ist grundsätzlich positiv zu sehen. Sie zeigt, dass hiesige Bio-Betriebe sowohl die Bereitschaft als auch die Fähigkeit haben, auf eine steigende Nachfrage zu reagieren. Gleichzeitig wird aber deutlich, dass Flächenwachstum und Marktentwicklung nicht immer im Gleichklang verlaufen. Insbesondere im Gemüsebau sind die Zuwächse teils sehr dynamisch, was regional und je nach Produkt zu erhöhtem Vermarktungsdruck führen kann.
Oekolandbau.de: Wie hat der Markt die zusätzliche Menge verkraftet?
Almuth Eberhard: Der Markt konnte die zusätzlichen Mengen nicht in allen Bereichen vollständig aufnehmen. Insbesondere im Frischmarkt kam es bei einzelnen Kulturen zu Preisdruck und Vermarktungsschwierigkeiten. Andere Produkte hingegen konnten vollständig abgesetzt werden. Diese Entwicklung unterstreicht die Bedeutung einer eng abgestimmten Produktions- und Vermarktungsplanung, um Marktungleichgewichte zu vermeiden. Die Bündelung über Erzeugergemeinschaften bietet hier große Vorteile für die Erzeuger- und Abnehmerseite. So lassen sich Mengen und Qualitäten besser koordinieren, Schwankungen ausgleichen und die Planungssicherheit erhöhen.
Oekolandbau.de: Was zeichnet sich für 2026 ab und wie sicher ist die Prognose?
Almuth Eberhard: Grundsätzlich bleibt die Nachfrage nach hiesigem Bio-Gemüse bestehen. Gleichzeitig zeigen sich deutliche Unterschiede je nach Verwendungsbereich, Gemüsekultur, Qualität und Vermarktungszeitpunkt. Der Wettbewerb mit Importware nimmt zu, auch wenn regionale Produkte vom Handel grundsätzlich bevorzugt werden. Steigende Kosten setzen die Betriebe zusätzlich unter Druck. Viele Gemüsebaubetriebe suchen derzeit verstärkt nach Anbaumöglichkeiten, insbesondere im Vertragsanbau. Allerdings können nicht alle Anfragen berücksichtigt werden. Insgesamt bleibt die Prognose mit Unsicherheiten behaftet – vor allem mit Blick auf Konsumverhalten, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, politische Entwicklungen und die Witterung. Klar ist aber, die Nachfrage könnte in vielen Bereichen komplett mit Bio-Gemüse aus deutschem Anbau gedeckt werden. Aber nicht zu jedem Preis – und das ist mitunter der Knackpunkt. Hier sind alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette gut beraten, den deutschen Bio-Anbau zu unterstützen und zu honorieren.
Text und Interview: Tim Brauweiler, AMI
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Letzte Aktualisierung 08.05.2026





