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Bio in Thüringen: Perspektiven für Handel und Vermarktung

Der Bio-Marktbericht 2024/25 zeigt, dass Thüringen in der ökologischen Erzeugung von Getreide, Ackerfutter und Rindfleisch gut aufgestellt ist. Doch bei verarbeiteten Produkten und in der Außer-Haus-Verpflegung gibt es noch Nachholbedarf. Wo liegen die größten Chancen für regionale Bio-Produkte? Wie können kurze Wege, Netzwerke und gezielte Kooperationen die Vermarktung verbessern?
2025 wurde im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TMWLLR) eine umfassende Untersuchung des Bio-Marktes von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbh (AMI), ECOZEPT GmbH und Thüringer Ökoherz e.V. durchgeführt. Der Bio-Marktbericht analysiert die aktuelle Situation des ökologischen Landbaus im Freistaat und zeigt ein differenziertes Bild: Thüringen verfügt über eine breite Bio-Erzeugungsbasis, gleichzeitig bestehen entlang der Wertschöpfungskette, insbesondere in Verarbeitung, Handel und Außer-Haus-Verpflegung (AHV), strukturelle Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage.
Angebot und Nachfrage von Bio-Lebensmitteln in Thüringen
Thüringen verfügt in vielen Produktgruppen über relevante Bio-Erzeugungskapazitäten. Dies gilt insbesondere für Getreide und Ackerfutter sowie Teile der tierischen Erzeugung. Bei Bio-Kartoffeln spielt Thüringen zudem eine besondere Rolle als Standort für Pflanzgutvermehrung. Gleichzeitig wird ein erheblicher Teil der in Thüringen erzeugten Bio-Rohware nicht innerhalb des Landes weiterverarbeitet oder vermarktet. Ursache hierfür sind begrenzte regionale Verarbeitungs- und Bündelungsstrukturen.
Die regionale Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln ist in Thüringen grundsätzlich vorhanden, variiert jedoch stark nach Produktgruppe. Während einzelne pflanzliche Rohwaren mengenmäßig gut verfügbar sind, besteht bei stärker verarbeiteten Produkten sowie bei bestimmten tierischen Erzeugnissen eine geringere regionale Marktabdeckung.
Bio in der Außer-Haus-Verpflegung
Ein besonderer Schwerpunkt des Berichts liegt auf der Außer-Haus-Verpflegung (AHV). Gemeinschaftsverpflegung in Kitas, Schulen, Kliniken und Kantinen wird als zentraler Hebel für den Absatz regionaler Produkte identifiziert. Gleichzeitig ist der tatsächliche Bio-Anteil in der Thüringer AHV bislang niedrig. Hemmnisse bestehen vor allem in der fehlenden Abstimmung zwischen Erzeugung, Verarbeitung, Großhandel und den Anforderungen der AHV. Große Küchen benötigen planbare Mengen, geeignete Vorverarbeitungsstufen sowie wettbewerbsfähige Preise. Diese Voraussetzungen können von regionalen Bio-Strukturen derzeit nur punktuell erfüllt werden. Dort, wo entsprechende Lieferbeziehungen bestehen, zeigen sich jedoch stabile Absatzmöglichkeiten.
Interview mit Dr. Burkhard Schaer und Jan Linck von ECOZEPT
Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Handel und Vermarktung? Welche konkreten Maßnahmen können dazu beitragen, regionale Bio-Produkte besser im Markt zu positionieren und die Wertschöpfung in Thüringen zu stärken? Dazu befragte Oekolandbau.de Dr. Burkhard Schaer und Jan Linck von ECOZEPT.
Oekolandbau.de: Wo liegen aus Ihrer Sicht die wichtigsten Stärken Thüringens in der Bio-Vermarktung und warum werden diese bislang nicht vollständig ausgeschöpft?
Schaer: Die effiziente Erzeugnisstruktur mit großen, schlagkräftigen Betrieben erlaubt eine kostengünstige Produktion. Eine weitere Stärke ist die Verknüpfung von Sozial- und Umweltleistungen in thüringischen Bio-Projekten.
Linck: Insgesamt werden in der Bio-Vermarktung aktuell häufig überregionale Märkte bedient, sodass regionale Potenziale unausgeschöpft bleiben.
Oekolandbau.de: Wo sehen Sie aktuell die größten strukturellen Schwächen in der Vermarktung regionaler Bio-Produkte in Thüringen?
Schaer: Die gering ausgeprägte regionale mittelständische Verarbeitung – das erschwert kurze Marktwege und Mehrerlös durch regionale Vermarktung.
Oekolandbau.de: Welche drei Handlungsempfehlungen haben aus Ihrer Sicht die größte Hebelwirkung, um die Bio-Vermarktung in Thüringen zu stärken?
Schaer: Da würde ich gern auf die Ergebnisse unseres Workshops verweisen: Regionale Plattformen beziehungsweise Modelle für Verarbeitung und Logistik sowie die Bildung eines Branchen-Clusters.
Linck: Zudem sollte die Außer-Haus-Verpflegung und die öffentliche Beschaffung als verlässlichen Ankermarkt genutzt werden.
(Anmerkung: Der Workshop fand am 04. März 2026 in Gera statt und brachte Marktbeteiligte aus Erzeugung, Verarbeitung, Handel und Außer‑Haus‑Verpflegung in Thüringen zusammen. Ziel war es, Hemmnisse und Potenziale der regionalen Bio‑Vermarktung zu identifizieren und konkrete Handlungsansätze zu erarbeiten.)
Oekolandbau.de: Welche Wachstumschancen sehen Sie für Thüringer Bio-Produkte?
Schaer: Regionale Netzwerke bauen sich aus, vor allem in Stadtnähe. Einzelne regionale Unternehmen haben gute Aussichten und können zu Clustern verknüpft werden. Auch die überregionale Vermarktung, die bereits gut läuft, kann durch bessere Zusammenarbeit mit den abnehmenden Unternehmen noch verbessert werden.
Linck: Große Chancen liegen in der Außer-Haus-Verpflegung, in gebündelten regionalen Wertschöpfungsketten und in einer stärkeren Verbindung von "regional + bio" als klares Herkunfts- und Qualitätsversprechen.
Text und Interview: Madita Finke, AMI
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Letzte Aktualisierung 21.04.2026








