In den vergangenen Jahren sind Bio-Produkte immer mehr in die Einkaufsstätten des konventionellen Lebensmitteleinzelhandels (LEH) eingezogen. Während in der Pandemiezeit besonders die Vollsortimenter von der wachsenden Bio-Nachfrage profitierten, kaufen seither auch mehr und mehr Kundinnen und Kunden Bio in den Discountern ein. Im Jahr 2024 wuchsen laut Arbeitskreis Biomarkt die Verbraucherausgaben im Discount mit 7,4 Prozent zum Vorjahr überdurchschnittlich.
Auch für das Jahr 2025 zeigen die AMI-Auswertungen des YouGov CP Germany Haushaltspanels eine weitere Zunahme der Ausgaben für Bio-Lebensmittel im Discount. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Professor Stephan Rüschen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn, der dies in der Studie "Bio - back on track?" vorstellt. Demnach ist der wichtigste Distributionskanal für Bio mit einem mengenmäßigen Anteil von 32,9 Prozent auch 2025 der Discounter, vor den LEH-Vollsortimentern mit 29,3 Prozent.
Einkaufsverhalten verschiebt den Markt Richtung Discount
Eine YouGov-Studie im Auftrag von Aldi Nord und Aldi Süd zeigt deutlich, dass sich der Bio-Markt zunehmend in Richtung Discount verlagert. Dabei spielt insbesondere das veränderte Einkaufsverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher eine entscheidende Rolle. Für viele ist der Kauf von Bio-Produkten in erster Linie eine Kostenfrage: Fast die Hälfte der Befragten nennt das Preis-Leistungs-Verhältnis als wichtigstes Entscheidungskriterium, gefolgt von hoher Produktqualität.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Bio-Produkte heute mehrheitlich im Discount gekauft werden. Über 60 Prozent der Kundinnen und Kunden greifen dort zu Bio-Angeboten, und mehr als die Hälfte von ihnen bevorzugt die preisgünstigen Bio-Eigenmarken. Die Befragten bewerten die Preise von Bio-Produkten im Discount häufig besser als im Supermarkt. Gleichzeitig schätzt die große Mehrheit die Qualität der Eigenmarken beider Handelsformen als gleichwertig ein.
Diese Entwicklungen haben spürbare Konsequenzen für den Bio-Markt insgesamt. Discounter stärken ihre Position als relevante Anbieter ökologisch erzeugter Produkte und prägen das Marktgeschehen zunehmend über Preisattraktivität und Sortimentstiefe. Der klassische Bio-Fachhandel steht damit stärker im Wettbewerb, während sich Bio in der Breite der Bevölkerung weiter etabliert. Auch entwickeln die Discounter ihre Eigenmarken konsequent weiter, um die wachsende Nachfrage effizient zu bedienen. Gerade die Eigenmarken des Handels haben in den vergangenen Jahren stark an Gewicht gewonnen. Eine Studie von NielsenIQ zeigt für das Jahr 2024 einen Handelsmarken-Anteil von über zwei Drittel an den Bio-Ausgaben im konventionellen LEH. Nach aktuellen Einschätzungen von NielsenIQ nimmt 2025 der Handelsmarkenanteil weiter zu.
Auch auf den Öko-Marketingtagen 2025 auf Schloss Kirchberg wurden diese Entwicklungen aufgegriffen. Dort wurden aktuelle Marktzahlen – darunter die Verschiebung der Bio-Umsätze hin zu Discountern und anderen LEH-Formaten – in den größeren Kontext einer resilienten Bio-Marktentwicklung gestellt. Die Ergebnisse der YouGov-Studie dienten dabei als Beispiel dafür, wie stark das veränderte Einkaufsverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher die Struktur des Bio-Marktes inzwischen prägt.