Im Interview mit Oekolandbau.de nimmt Steffen Mucha, Geschäftsführer der Öko-Bauernhöfe Sachsen GmbH (ÖBS), Stellung zur aktuellen Situation am Bio-Getreidemarkt. Die ÖBS ist eine Erzeugergemeinschaft mit Sitz in Sachsen und vertritt über 120 Bio-Landwirtinnen und -Landwirte – vor allem aus Sachsen sowie den angrenzenden Bundesländern. Das Unternehmen hat sich auf die Vermarktung ökologisch erzeugter Rohwaren spezialisiert und ist besonders stark im Bereich des verbandsgebundenen Ökolandbaus aufgestellt.
Oekolandbau.de: Wie lief die Bio-Getreideernte 2025?
Mucha: Die Getreidesaison 2025 war geprägt von schwierigen Wetterbedingungen – ein kühles, trockenes Frühjahr führte zu großer Unsicherheit bei den Landwirtinnen und Landwirten, da es an Wasser mangelte. Kurz vor der Ernte kam der Regen dann zu spät und wirkte sich eher nachteilig auf viele Kulturen aus, mit Ausnahme von Mais, Sojabohnen und Sonnenblumen. Nach einer wetterbedingten Unterbrechung im Juli brachte eine stabile Trockenphase im August schließlich eine zügige, weitgehend unterbrechungsfreie Ernte, die meist trocken eingefahren werden konnte – derzeit wird die Qualität und Menge des Ertrags ausgewertet.
Oekolandbau.de: Welche Marktentwicklung sehen Sie aktuell bei Bio?
Mucha: Die Ernte 2025 fällt deutlich besser aus als im schwachen Vorjahr, was angesichts der zuvor bestehenden Sorge um die Marktversorgung eine positive Entwicklung darstellt. Gleichzeitig stagniert das Flächenwachstum im Bio-Bereich spürbar – insbesondere im Ackerbau gibt es kaum Flächenzuwächse, da die Zahl der Neuumstellungen stark zurückgegangen ist. Trotz dieser Herausforderungen wächst die Nachfrage weiter, was die Bedeutung stabiler Erträge für die Versorgungssicherheit zusätzlich unterstreicht. Da sich der Handel zunehmend auf deutsche Herkunft und zertifizierte Verbandsware konzentriert, wird es umso wichtiger, dass ausreichend Bio-Getreide auch tatsächlich im Inland erzeugt wird.
Oekolandbau.de: Gibt es Getreidearten, die sich zuletzt stark entwickelt haben?
Mucha: Hafer hat sich in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt und ist mittlerweile – nach Weizen – die zweitwichtigste Kultur in der Vermarktung der ÖBS. Über zwei Drittel der Hafermengen für die aktuelle Saison wurden bereits im Vorfeld über langfristige Verträge abgesichert, was sowohl den Betrieben als auch den Abnehmenden Planungssicherheit gibt. Die Nachfrage nach Bio-Hafer bleibt stabil hoch, insbesondere bei verbandszertifizierter Ware, sodass der Anbau weiterempfohlen und das Potenzial gezielt ausgebaut wird. Auch qualitativ kann in Deutschland sehr guter Bio-Hafer erzeugt werden – eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat.