Bio-AHV-Markt in Frankreich

In Frankreich hat sich die Außer-Haus-Verpflegung zu einem wichtigen Absatzmarkt für französische Bio-Produkte entwickelt. Vor allem in der Gemeinschaftsverpflegung werden immer mehr Bio-Lebensmittel eingesetzt. Die Agence Bio liefert dazu seit Jahren fundierte Daten.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In Frankreich wird jede fünfte Mahlzeit außer Haus eingenommen, wodurch die AHV ein wichtiger Absatzmarkt für Bio-Produkte geworden ist.
  • Der Bio-Anteil wächst in der Gemeinschaftsverpflegung deutlich stärker als in der Gastronomie.
  • Das EGalim-Gesetz stärkt den Einsatz von Bio- und regionalen Lebensmitteln in öffentlichen Kantinen.
  • Mehr als 70 Prozent der in der Gemeinschaftsverpflegung eingesetzten Bio-Lebensmittel stammen aus französischer Produktion.
  • Den höchsten Bio-Anteil erreicht die Gemeinschaftsverpflegung im Bildungsbereich mit 19 Prozent.
  • Öffentliche Großküchen setzen deutlich häufiger hohe Bio-Anteile um als privat betriebene Küchen.
  • In kommunaler Eigenregie betriebene Schulküchen fördern durch regionale Beschaffung den Einsatz heimischer Bio-Produkte.

In Frankreich wird jede fünfte Mahlzeit außer Haus eingenommen. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Bio-Lebensmitteln in der Verpflegung hors domicile. Insgesamt werden in der französischen AHV rund 883 Millionen Euro für den Einkauf von Bio-Produkten ausgegeben. Das entspricht auf Großhandelsebene einem Anteil von 8 Prozent am gesamten Bio-Markt in Höhe von 10.491 Millionen Euro (2025). Damit hat sich die Außer-Haus-Verpflegung (AHV) in den letzten Jahren zu einem immer wichtigeren Absatzmarkt für die französischen Bio-Produzenten entwickelt. Die dem Umwelt- und Landwirtschaftsministerium unterstellte Agence Bio beobachtet diesen Markt seit Jahren sehr genau und hat zur Bio-AHV weitere aktuelle Daten vorgelegt.

Bio in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung

 Anteil am Bio-Markt in FrankreichUmsatz 2025Wachstum 2025 gegenüber Vorjahr
Gastronomie3 Prozent335 Mio €1,2 Prozent
Gemeinschaftsverpflegung5 Prozent552 Mio €6,9 Prozent

Quelle: Agence Bio (2026)

Die Marktbeobachtungen der Bio-AHV in Frankreich zeigen einen klaren Trend: Seit vielen Jahren wächst der Anteil von Bio-Produkten in der französischen AHV, vor allem im Segment der Gemeinschaftsverpflegung. Zwar gab es bedingt durch die Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 einen gewissen Einbruch in den Umsätzen. Aber bereits 2022 war das Vor-Pandemie-Niveau wieder übertroffen. Seither wachsen die Umsätze. Als Gründe für diese Entwicklung nennt Ecozept-Geschäftsführer Dr. Burkhard Schaer, ein fundierter Kenner des Bio-Marktes in beiden Ländern, vor allem drei Faktoren:

  1. In Frankreich haben Ganztagsschulen traditionell einen viel höheren Stellenwert als in Deutschland. Damit verbunden ist natürlich auch, dass die Mittagsverpflegung an Schulen viel weiter verbreitet ist – von der Vorschule bis zum Schulabschluss. 
  2. Mit dem nationalen EGalim-Gesetz aus dem Jahr 2018 legte die französische Regierung fest, dass alle Kantinen in öffentlicher Hand mindestens 50 Prozent nachhaltige und qualitativ hochwertige Produkte einsetzen. Zu diesen Qualitätskriterien zählt die Verwendung von Produkten mit regionalen Labels. 20 Prozentpunkte der Lebensmittel sollen zudem aus ökologischem Anbau stammen. Auch wenn dieses Ziel noch nicht in der Fläche erreicht ist – es setzt ein politisches Signal und einen Maßstab, um den Bio-Anteil in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung auszubauen. 
  3. Weil der Lebensmitteleinzelhandel in Frankreich das Angebot an Bio-Produkten aufgrund der geringen Nachfrage in letzter Zeit deutlich reduziert hat, suchen die Anbieter von Bio-Produkten nach alternativen Vermarktungswegen - und verstärken den Absatz in Richtung AHV.

Der dritte Punkt ist für die französischen Bio-Betriebe besonders interessant, weil über 70 Prozent der in der französischen Gemeinschaftsverpflegung eingesetzten Bio-Lebensmittel auch in Frankreich produziert werden. Die Außer-Haus-Verpflegung ist deshalb ein wichtiger Nachfrage-Markt für die französische Bio-Produktion. 

Bio-Anteile in verschiedenen Verpflegungsbereichen

Ein Bericht des französischen Landwirtschaftsministeriums zur Gemeinschaftsverpflegung an das Parlament zeigt, welche Bio-Anteile in den verschiedenen Lebenswelten der Gemeinschaftsverpflegung in Frankreich bei den Einkäufen im Jahr 2024 erreicht wurden. Über alle Bereiche hinweg liegt die Bio-Quote bei 11,8 Prozent. Die höchsten Bio-Anteile finden sich in den Einrichtungen des Bildungswesens, die niedrigsten im Gesundheitsbereich. 

Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung (Auswahl)Bio-Anteil
Bildung19 Prozent
Verwaltung13,2 Prozent
Unternehmen5,4 Prozent
Soziale Einrichtungen (médico-social)6,8 Prozent
Gesundheit (santé)3,8 Prozent
Durchschnitt über alle Bereiche11,8 Prozent

Quelle: Rapport du gouvernement au Parlement, 2025

Mehr Bio in öffentlich betriebenen GV-Küchen

Interessant ist auch ein Blick darauf, wie sich die Bio-Anteile in den Großküchen bei verschiedenen Betreibermodellen unterscheiden. So haben beispielsweise 44 Prozent der öffentlichen Küchen bereits Bio-Anteile zwischen 20 und 50 Prozent erreicht, aber nur 26,6 Prozent der privat betriebenen Küchen liegen in dieser Bio-Quoten-Spanne.

Insgesamt zeigen die Entwicklungen in Frankreich, dass es hier gelungen ist, mit den gesetzlichen Vorgaben Impulse für den Einsatz von regionalen und biologischen Produkten in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung zu setzen. Gerade die Schulverpflegung nimmt hier eine Vorreiter-Rolle ein. Hier spielt sicher eine Rolle, dass in Frankreich rund 60 Prozent der Schulessen in kommunaler Eigenregie gekocht werden. Bei diesen kommunalen Eigenbetrieben sind die Mitarbeitenden fest angestellt und bereiten die Speisen in städtischen Schulen frisch zu. Dieses Modell ermöglicht es den Küchen, beim Einkauf der Lebensmittel mit lokalen Betrieben Kooperationen aufzubauen. Über die Internetplattform "Agrilocal" können die Betreibenden von Kantinen ohne großen Aufwand potenzielle Lieferbetriebe aus ihrer jeweiligen Region finden.


Letzte Aktualisierung 04.08.2026

Autor: Andreas Greiner

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