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Bio-Beerenobst: Marktentwicklung in Deutschland

Bio-Beerenobst verzeichnet in Deutschland sowohl beim Anbau als auch bei der Nachfrage ein Wachstum. Vor allem Bio-Heidelbeeren haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Noch nie zuvor wurden diese Früchte auf einer größeren Fläche hierzulande angebaut. Welche weiteren Entwicklungen prägen den Markt für Bio-Beerenobst?
Ob Erdbeeren, Heidelbeeren oder Himbeeren – Beerenobst in Bio-Qualität ist gefragt. Das gilt sowohl für den Anbau in Deutschland als auch für die Nachfrage privater Haushalte. Bio-Beerenobst machte im Jahr 2024 basierend auf den Paneldaten von YouGov CP Germany zwar nur drei Prozent der gesamten Bio-Obstkäufe aus, der Anteil an den Ausgaben lag mit zehn Prozent jedoch deutlich höher. Vor allem Erdbeeren verteuerten sich für die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland zwischen 2019 und 2024 um 23 Prozent. Im vergangenen Jahr zahlten sie im Schnitt 9,18 Euro für ein Kilogramm Bio-Erdbeeren. Zum Vergleich: Bio-Heidelbeeren verteuerten sich im Betrachtungszeitraum um elf Prozent.
Trotz coronabedingter Schwankungen stieg die Einkaufsmenge an Bio-Beerenobst im Jahr 2024 um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr und um zwölf Prozent gegenüber dem Jahr 2019, dem Jahr vor der Corona-Pandemie. Etwas mehr als ein Fünftel aller Haushalte in Deutschland, nämlich 22 Prozent, hat 2024 mindestens einmal Bio-Strauchbeeren eingekauft – ein Spitzenwert. Maßgeblich hierfür sind Bio-Heidelbeeren, deren Fangemeinde immer größer wird. Bio-Erdbeeren verfügen hingegen über eine treue Käuferschaft. Zwischen 2019 und 2024 zeigen sich nur geringfügige Veränderungen hinsichtlich der Käuferreichweite.
Die gestiegene Nachfrage nach Bio-Beerenobst kann nicht allein über die Produktion im Inland gedeckt werden. Sowohl bei Erdbeeren als auch bei Heidelbeeren wird der Bedarf über Importe aus Spanien und Italien beziehungsweise auch aus Herkünften in Übersee wie Chile und Peru oder Marokko gedeckt. 2024 stammten beispielsweise 22 Prozent aller gekauften Bio-Erdbeeren aus Deutschland, bei Bio-Heidelbeeren lag der Anteil mit sieben Prozent deutlich niedriger.
Erdbeeren – Wachstum im Lebensmitteleinzelhandel
Im Falle der Bio-Erdbeeren konnten die Einkaufsstätten des klassischen Lebensmitteleinzelhandels wie Discounter und Vollsortimenter in den vergangenen Jahren Marktanteile hinzugewinnen, was vor allem zu Lasten des Naturkostfachhandels ging. Ein Fünftel aller gekauften Bio-Erdbeeren ging 2024 über das Kassenband der Discounter, auf die Vollsortimenter entfiel ein Mengenanteil von 43 Prozent. Durch die stetige Sortimentserweiterung sind Bio-Erdbeeren inzwischen ein fester Bestandteil vieler Filialen geworden.
Trotz dieser Entwicklung bleiben Erdbeeren ein attraktives Produkt, mit dem Erzeugerinnen und Erzeuger in der Direktvermarktung punkten können. Viele Bio-Betriebe bieten auf ihren Höfen Selbstpflücke an. Ein erlebnisreiches Angebot für Verbraucherinnen und Verbraucher, was zudem positiv zur Kundenbindung beiträgt.
Anbaufläche für Bio-Strauchbeeren gestiegen
Der Anbau von Bio-Strauchbeeren in Deutschland liegt im Trend. Zwischen 2012 und 2024 ist die Anbaufläche basierend auf den Daten des Statistischen Bundesamtes im Durchschnitt um fünf Prozent pro Jahr gestiegen. Bezogen auf die Anbaufläche im Freiland dominieren mit großem Abstand die Kulturen, die für Verarbeitungszwecke angebaut werden, allen voran Aroniabeeren, Sanddorn, schwarze Johannisbeeren und schwarzer Holunder.
Während die Anbaufläche bei Aroniabeeren und schwarzem Holunder zuletzt Jahr für Jahr zurück ging, zeigte sich bei Heidelbeeren ein dynamisches Flächenwachstum. Getrieben durch die steigende Nachfrage konnten Heidelbeeren ihre Spitzenposition bei den für den Frischmarkt erzeugten Strauchbeeren weiter ausbauen. Allein im Jahr 2024 stieg die Fläche um 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf einen Rekordwert von 582 Hektar.
Rund ein Drittel aller in Deutschland angebauten Strauchbeeren trug 2024 das Bio-Siegel. Vor allem bei den Beeren, die für die Verarbeitung zu Marmelade, Gelees, Saft und Co. angebaut werden, liegt der Bio-Anteil aber um ein Vielfaches höher. Oftmals findet deren Anbau im Vertrag auf großen Flächen und mit einem hohen Mechanisierungsgrad statt.
Anders sieht es bei Strauchbeeren für den Frischmarkt aus. Bei Heidelbeeren und Himbeeren fällt der Bio-Flächenanteil nur unterdurchschnittlich aus. Hohe Lohnkosten für die zeitaufwendige Ernte von Hand, witterungsbedingte Anbaurisiken sowie Druck durch Krankheiten und Schädlinge wie die Kirschessigfliege stellen den Bio-Anbau vor vielfältige Herausforderungen. Dennoch ist der Bio-Flächenanteil bei Heidelbeeren und Himbeeren zuletzt gestiegen.
Bio-Erdbeeren eher Nischenprodukt in Deutschland
Der Bio-Anteil bei Erdbeeren an der gesamten Anbaufläche erreichte 2024 gerade einmal 2,2 Prozent, der Bio-Anteil an der Erntemenge lag mit 2,7 Prozent nur geringfügig höher. Um unabhängig von der Witterung produzieren zu können, hat sich bei Erdbeeren und auch Himbeeren in den zurückliegenden Jahren der Trend zum geschützten Anbau in Tunneln und Gewächshäusern abgezeichnet. Viele Erdbeerbetriebe haben 2022 und 2023 in den Bau von Tunneln investiert. Denn die geschützte Kultur bringt weitere Vorteile wie einen verminderten Krankheitsdruck und eine bessere Produktionssteuerung mit sich. 2024 wurde dieser Trend jedoch gestoppt.
Mittlerweile ist die Branche hinsichtlich Investitionen durch die Diskussion um die weitere Erhöhung des Mindestlohns vorsichtig geworden. Aufgrund der Wetterkapriolen im sehr nassen Erntejahr 2024 und der damit verbundenen Ernteeinbußen im Freiland infolge von Regenschäden sowie Pilzdruck wurden erstmals mehr Bio-Erdbeeren aus der geschützten Produktion als im Freiland geerntet.
Interview mit Beraterin Andrea Sausmikat zu aktuellen Enwicklungen bei Bio-Beerenobst
Partnerschaften und Abnahmeverträge sichern Planbarkeit"
Einen Überblick über aktuelle Entwicklungen im Anbau von Bio-Strauchbeeren gibt Andrea Sausmikat, Beraterin für den ökologischen Beerenobstanbau an der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.
Oekolandbau.de: Welche Entwicklungen im Anbau und in der Produktion von Bio-Beerenobst haben sich in den vergangenen Jahren in Deutschland abgezeichnet?
Andrea Sausmikat: In den vergangenen Jahren konnten wir eine Ausweitung des Anbaus von Strauchbeeren wie schwarzen Johannisbeeren für die Verarbeitung beobachten. Der Anbau von Erdbeeren im geschützten Wandertunnel stagniert seit Jahren, obwohl das Kulturverfahren relativ sicher umsetzbar ist. Auch kann der Markt früh mit guten Qualitäten beliefert werden.
Der Anbau von remontierenden Erdbeeren mit der Produktion von Mai bis August, teils auch bis in den September hinein, hat seit kurzem wieder das Interesse der Erzeugerinnen und Erzeuger geweckt. In der Vergangenheit standen für dieses Anbauverfahren lange keine robusten Sorten zur Verfügung, die gleichzeitig gut schmecken und einen ausreichenden Ertrag liefern. Dieses Kulturverfahren mit der langen Anbauphase ist im Bio-Anbau eine Herausforderung im Hinblick auf die Schädlingsregulierung und die Gesunderhaltung der Pflanzen bei gleichzeitiger, kontinuierlicher Ernte. Mit Sorten wie Hademar und Favori ist der ökologische Anbau von remontierenden Erdbeersorten wieder interessanter geworden. Aktuell gibt es zudem einige Neuheiten, die für den Öko-Anbau interessant werden könnten.
Was sind remontierende Erdbeersorten?
Unter remontierenden Erdbeersorten werden Sorten verstanden, die mehrmals im Jahr Früchte tragen. Nach der ersten Pflücke im Juni/Juli können nach einer Ruhepause erneut Früchte bis in den Herbst hinein geerntet werden.
Oekolandbau.de: Keine Saison gleich der anderen. Mit welchen Besonderheiten müssen sich die Erzeugerinnen und Erzeuger in der aktuellen Saison auseinandersetzen?
Andrea Sausmikat: In der 19. Kalenderwoche traten noch einmal Spätfröste auf. In vielen verfrühten Beständen im Freiland war zu diesem Zeitpunkt bereits Stroh eingestreut. Vor Frost werden diese Kulturen mit Vlies abgedeckt. Ist bereits Stroh auf den Erdbeerflächen verteilt, steigt die Frostgefahr und es können schon bei Temperaturen um vier Grad Celsius Schäden an den Blüten auftreten. Einige Erzeugende haben mit der Stroheinlage bei den nicht verfrühten Kulturen daher gewartet, und mussten dann später Mehrarbeit in die optimale Verteilung des Strohs unter die Erdbeerfrüchte investieren, damit die Verbraucherinnen und Verbraucher keine sandigen Früchte erhalten.
Immer häufiger treten zudem extreme Wetterereignisse auf. Starke Niederschläge mit teils Hagel haben Schäden in den Freilandkulturen verursacht. Die Qualität der Erdbeeren hat hierunter kurzfristig gelitten, und die Erzeugerinnen und Erzeuger mussten bei der Ernte viele schlechte Früchte aussortieren und entsorgen, um im Anschluss wieder gute Qualitätsfrüchte verkaufen zu können.
Oekolandbau.de: Welches Potenzial sehen Sie in den kommenden Jahren hinsichtlich des ökologischen Beerenobstanbaus hierzulande?
Andrea Sausmikat: Bei der Produktion von schwarzen Johannisbeeren für die Verarbeitung kann je nach Abnehmendem und Mechanisierungsgrad Geld verdient werden. Bei anderen Produkten wie Aronia oder Holunder für die Verarbeitung sollten vor dem Einstieg des Anbaus die Vermarktungsmöglichkeiten geklärt werden.
Himbeeren in Bio-Qualität werden vom Handel immer gesucht, auch Erdbeeren und Heidelbeeren werden vom Markt nachgefragt. Sicherheit bieten Abnahmeverträge und eine breite Aufstellung. Langfriste Partnerschaften zwischen Erzeugung und Verarbeitung auf Augenhöhe sichern den Erzeugerinnen und Erzeugern Planbarkeit. Je nach Standort bieten sich viele Vermarktungsmöglichkeiten für qualitativ gute und gesunde Produkte an.
Text & Interview: Birgit Rogge, AMI
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Letzte Aktualisierung 17.07.2025






