Partnerschaften und Abnahmeverträge sichern Planbarkeit"
Einen Überblick über aktuelle Entwicklungen im Anbau von Bio-Strauchbeeren gibt Andrea Sausmikat, Beraterin für den ökologischen Beerenobstanbau an der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.
Oekolandbau.de: Welche Entwicklungen im Anbau und in der Produktion von Bio-Beerenobst haben sich in den vergangenen Jahren in Deutschland abgezeichnet?
Andrea Sausmikat: In den vergangenen Jahren konnten wir eine Ausweitung des Anbaus von Strauchbeeren wie schwarzen Johannisbeeren für die Verarbeitung beobachten. Der Anbau von Erdbeeren im geschützten Wandertunnel stagniert seit Jahren, obwohl das Kulturverfahren relativ sicher umsetzbar ist. Auch kann der Markt früh mit guten Qualitäten beliefert werden.
Der Anbau von remontierenden Erdbeeren mit der Produktion von Mai bis August, teils auch bis in den September hinein, hat seit kurzem wieder das Interesse der Erzeugerinnen und Erzeuger geweckt. In der Vergangenheit standen für dieses Anbauverfahren lange keine robusten Sorten zur Verfügung, die gleichzeitig gut schmecken und einen ausreichenden Ertrag liefern. Dieses Kulturverfahren mit der langen Anbauphase ist im Bio-Anbau eine Herausforderung im Hinblick auf die Schädlingsregulierung und die Gesunderhaltung der Pflanzen bei gleichzeitiger, kontinuierlicher Ernte. Mit Sorten wie Hademar und Favori ist der ökologische Anbau von remontierenden Erdbeersorten wieder interessanter geworden. Aktuell gibt es zudem einige Neuheiten, die für den Öko-Anbau interessant werden könnten.
Was sind remontierende Erdbeersorten?
Unter remontierenden Erdbeersorten werden Sorten verstanden, die mehrmals im Jahr Früchte tragen. Nach der ersten Pflücke im Juni/Juli können nach einer Ruhepause erneut Früchte bis in den Herbst hinein geerntet werden.
Oekolandbau.de: Keine Saison gleich der anderen. Mit welchen Besonderheiten müssen sich die Erzeugerinnen und Erzeuger in der aktuellen Saison auseinandersetzen?
Andrea Sausmikat: In der 19. Kalenderwoche traten noch einmal Spätfröste auf. In vielen verfrühten Beständen im Freiland war zu diesem Zeitpunkt bereits Stroh eingestreut. Vor Frost werden diese Kulturen mit Vlies abgedeckt. Ist bereits Stroh auf den Erdbeerflächen verteilt, steigt die Frostgefahr und es können schon bei Temperaturen um vier Grad Celsius Schäden an den Blüten auftreten. Einige Erzeugende haben mit der Stroheinlage bei den nicht verfrühten Kulturen daher gewartet, und mussten dann später Mehrarbeit in die optimale Verteilung des Strohs unter die Erdbeerfrüchte investieren, damit die Verbraucherinnen und Verbraucher keine sandigen Früchte erhalten.
Immer häufiger treten zudem extreme Wetterereignisse auf. Starke Niederschläge mit teils Hagel haben Schäden in den Freilandkulturen verursacht. Die Qualität der Erdbeeren hat hierunter kurzfristig gelitten, und die Erzeugerinnen und Erzeuger mussten bei der Ernte viele schlechte Früchte aussortieren und entsorgen, um im Anschluss wieder gute Qualitätsfrüchte verkaufen zu können.
Oekolandbau.de: Welches Potenzial sehen Sie in den kommenden Jahren hinsichtlich des ökologischen Beerenobstanbaus hierzulande?
Andrea Sausmikat: Bei der Produktion von schwarzen Johannisbeeren für die Verarbeitung kann je nach Abnehmendem und Mechanisierungsgrad Geld verdient werden. Bei anderen Produkten wie Aronia oder Holunder für die Verarbeitung sollten vor dem Einstieg des Anbaus die Vermarktungsmöglichkeiten geklärt werden.
Himbeeren in Bio-Qualität werden vom Handel immer gesucht, auch Erdbeeren und Heidelbeeren werden vom Markt nachgefragt. Sicherheit bieten Abnahmeverträge und eine breite Aufstellung. Langfriste Partnerschaften zwischen Erzeugung und Verarbeitung auf Augenhöhe sichern den Erzeugerinnen und Erzeugern Planbarkeit. Je nach Standort bieten sich viele Vermarktungsmöglichkeiten für qualitativ gute und gesunde Produkte an.