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Lebensmittelengpässe: Wodurch entstehen Lücken im Regal?

Leere Regale im Supermarkt infolge von Hamsterkäufen zu Pandemiezeiten dürften vielen noch in Erinnerung sein. Doch auch einige Jahre später gibt es manche Produkte, auch in Bio-Qualität, nicht immer in der Menge, in der sie theoretisch benötigt werden. Was sind die Ursachen und wie reagiert die Kundschaft?
Das Wichtigste zu Regallücken in Kürze:
- Regallücken können durch Lieferprobleme, Extremwetter, hohe Nachfrage oder Fehler in Logistik und Bestandsplanung entstehen.
- Social-Media-Trends und Ernährungstrends können Produkte wie Skyr oder Tofu kurzfristig knapp werden lassen.
- Fehlende Produkte führen häufig dazu, dass Kundinnen und Kunden auf Alternativen ausweichen.
- Der Handel nutzt Reserven und digitale Systeme, um Engpässe zu vermeiden.
Externe und interne Faktoren für Regallücken
Hin und wieder kann es bei bestimmten Lebensmitteln oder Produkten dazu kommen, dass die gewünschte Ware weder im Geschäft noch im Lager verfügbar ist, obwohl Nachfrage danach besteht. Regallücken oder sogenannte "Out-of-Stock"-Situationen können verschiedene externe und interne Ursachen haben. Zu den externen Faktoren zählen beispielsweise:
- Lieferkettenprobleme durch geopolitische Konflikte oder Streiks wie der Blockade des Suez-Kanals, dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine oder dem Iran-Krieg mit der Blockade der Straße von Hormus. Auch Unwetter können Auslöser sein.
- Klimawandel: Extremwetter zerstört Ernten im In- und/oder Ausland.
- Hamster- und Panikkäufe beispielsweise während der Corona-Pandemie oder im Zuge erwarteter Preissteigerungen.
- Abhängigkeiten von Importen und ausländischen Produktionsstandorten.
- Preisstreitigkeiten zwischen Herstellern und Handel können zu Lieferboykotts führen.
- Rückrufe und Qualitätssicherung.
Auch Ausnahmesituationen können kurzfristig zu Regallücken führen: Die Hitzewelle Ende Juni mit dem Temperaturrekord von 41,7 Grad Celsius hat die Kältetechnik im Lebensmittel-einzelhandel an ihre Belastungsgrenzen gebracht. Der kritische Punkt bei natürlichen Kältemitteln wie Kohlendioxid (R744) liegt bei etwa 31 Grad Celsius. Um zu verhindern, dass die Kühlanlage Schäden durch den Druckanstieg im System im Zuge steigender Temperaturen davonträgt, kommt es zur Notabschaltung der Geräte.
Zu den internen Faktoren für Regallücken zählen unter anderem:
- Fehler im Bestandsmanagement durch falsche Bedarfsprognosen oder ungenaue Bestandsdaten in der Software.
- Logistische Schwierigkeiten: Die Ware ist im Zentrallager vorhanden, gelangt jedoch nicht rechtzeitig in die Verkaufsregale.
Lebensmittel-Hypes
Auch Lebensmittel-Hypes, die in Sozialen Medien wie TikTok oder Instagram entstehen und sich rasch weltweit verbreiten, können eine massive Nachfragesteigerung nach bestimmten Produkten auslösen, beispielsweise nach Dubai-Schokolade, Matcha oder Skyr. Bei Tofu hat nicht nur der Trend zu pflanzenbasierter Ernährung die Nachfrage angekurbelt, auch begrenzte Produktionskapazitäten aufgrund technischer Probleme bei Herstellern haben das Angebot dieses Jahr eingeschränkt. Auch High-Protein-Produkte wie Shakes und Riegel haben den Weg von der Fitnessszene in die breite Masse geschafft und führen angesichts der starken Nachfrage zu Engpässen bei der Verfügbarkeit von Molkenprotein (Whey-Protein).
Judith Dittrich, Marktanalystin Verbraucherforschung bei der AMI GmbH, erklärt die Regallücken bei Skyr folgendermaßen:
Skyr ist ein gutes Beispiel dafür, wie dynamische Nachfrageentwicklungen zu temporären Engpässen im Handel führen können. Viele Hersteller stoßen dadurch an ihre Produktionsgrenzen. Zusätzliche Impulse durch kurzfristige Social-Media-Trends – etwa Rezeptideen wie Skyr mit Energy-Drinks oder Skyr-Lotus-Cheesecake – können die Nachfrage zeitweise deutlich verstärken. In der Folge blieben Skyr-Regale in den Geschäften über mehrere Tage oder sogar Wochen leer. Im Juni 2026 sind die Preise für konventionell erzeugten Skyr in den Basissortimenten des Lebensmitteleinzelhandels um rund acht Prozent gestiegen. Dies erfolgte als Reaktion auf einen knapp versorgten Markt und damit höheren Preisen auf den vorgelagerten Stufen.
Wie reagiert die Kundschaft?
Ist ein gewünschtes Produkt nicht verfügbar, führt dies einerseits zu Frust auf Seiten der Kundschaft, andererseits auch zu einem möglichen Umsatzverlust auf Handelsseite. Wie Verbraucherinnen und Verbraucher auf diese Situation reagieren, hat eine Studie der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) untersucht. Grundsätzlich haben sie folgende Möglichkeiten:
- Einkauf zeitlich verschieben,
- Alternativprodukt (einer anderen Marke) kaufen,
- Produkt in einer anderen Filiale erwerben,
- oder das Produkt gar nicht kaufen.
In den meisten Fällen entscheidet sich die Kundschaft, unabhängig von der Warengruppe, dazu, ein Alternativprodukt zu kaufen. Dabei wählen 85 Prozent der Befragten eine konkurrierende Marke, die einen möglichst gleichen oder geringeren Verkaufspreis hat. 26 Prozent verschieben ihren Einkauf beim gleichen Anbieter auf einen späteren Zeitpunkt, 29 Prozent der Probandinnen und Probanden wechseln die Filiale.
Wie können Lücken vermieden werden?
Damit es im Handel nicht zu Regallücken beziehungsweise Out-of-Stock-Situationen kommt, können unterschiedliche Maßnahmen greifen:
- Warenwirtschaftssysteme nutzen: Digitale Lösungen erfassen Verkaufszahlen in Echtzeit und stoßen Nachbestellungen rechtzeitig automatisch an.
- Sicherheitsbestände festlegen: Zusätzliche Reserven helfen dabei, Lieferverzögerungen oder kurzfristig steigende Nachfrage besser abzufangen.
- Regelmäßige Bestandsprüfungen: Inventuren und Prüfungen vor Ort ermöglichen es, Abweichungen wie Schwund oder Diebstahl frühzeitig zu erkennen.
- Lieferketten erweitern: Bei wichtigen Produkten sollten mehrere Lieferanten eingebunden werden, um Risiken bei Ausfällen einzelner Partnerinnen und Partner zu reduzieren.
- Nachfrageprognosen analysieren: Frühere Verkaufszahlen, saisonale Schwankungen und aktuelle Trends unterstützen eine realistische Planung der Bestellmengen.
Mit Sensoren und Kameras ausgestattete sogenannte Smart Shelves erfassen in Echtzeit, ob es Regallücken gibt. Sobald ein Produkt fehlt, gibt das System eine automatische Meldung ab. Die vom Smart Shelf generierten Daten können zudem zu Analysezwecken eingesetzt werden. Die Systeme können beispielsweise erfassen, ob Produkte gekauft oder nach kurzer Betrachtung wieder zurückgestellt werden. Auch Roboter können zum Einsatz kommen, um Regallücken aufzuspüren.
Nationale Vorratshaltung
Um im Krisenfall die Ernährung der Bevölkerung zu sichern, lagert die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) an rund 150 bundesweiten Standorten haltbare Lebensmittel. Die zivile Notfallreserve umfasst Reis, Hülsenfrüchte, Kondensmilch und Vollmilchpulver. Die Bundesreserve Getreide beinhaltet Weizen, Roggen und Hafer. Bei Versorgungsengpässen soll die Bevölkerung über Gemeinschaftseinrichtungen mit mindestens einer warmen Mahlzeit pro Tag versorgt werden.
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Letzte Aktualisierung 20.08.2026




