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Milchmarkt im Wandel: Wie verändert sich der Bio-Milchpreis?

Bio-Milchpreise entwickeln sich seit Jahren deutlich stabiler als die Preise für konventionelle Milch – und haben 2025 sogar ein Rekordniveau erreicht. Dahinter stehen eine hohe Nachfrage, langfristige Lieferbeziehungen und eine geringere Abhängigkeit vom Weltmarkt. Dennoch reichen auch die gestiegenen Preise nicht aus, um die tatsächlichen Erzeugungskosten zu decken. Weshalb ist das so und welche Rolle spielen der Bio-Milch Marker Index sowie der Orientierungspreis der Anbauverbände?
Das Wichtigste in Kürze:
- Bio-Milchpreise sind deutlich stabiler als konventionelle Milchpreise und schwanken weniger stark.
- Die Nachfrage nach Bio-Milch wächst stärker als das Angebot, was die Preise stützt und 2025 zu Rekordwerten führte.
- Höhere Bio-Milchpreise entstehen durch strengere Standards, höhere Produktionskosten und das begrenzte Angebot.
- Trotz guter Preise decken Bio-Milchbetriebe ihre Produktionskosten oft nicht vollständig; 2024/25 lag die Unterdeckung bei rund 17 Prozent.
- Der Orientierungspreis der Bio-Verbände soll zeigen, welcher Milchpreis langfristig kostendeckend und nachhaltig wäre.
Die Entwicklung der Preise auf dem Bio-Milchmarkt ist seit mehreren Jahren deutlich stabiler als auf dem konventionellen Markt. Im Gegensatz zu den konventionellen Auszahlungspreisen, die abhängig von der Marktlage teilweise erheblichen Schwankungen unterliegen, zeigt sich bei Bio-Milch ein deutlich ausgeglichenerer und kontinuierlicherer Preisverlauf. Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Molkereiprodukten zuletzt stärker gewachsen ist als das Angebot an ökologisch erzeugter Rohmilch. Während das Rohstoffangebot nur leicht zunahm, verzeichnete die Nachfrage einen deutlich kräftigeren Anstieg. Eine steigende private Nachfrage sowie eine hohe Marktbindung stützen die Preisentwicklung im Bio-Segment.
Unterschiedliche Dynamik beider Marktsegmente
Mit dem Wegfall der Milchquote 2015 nahm die konventionelle Milcherzeugung deutlich zu. Daraufhin gerieten die Preise für konventionelle Milch stark unter Druck, während die Preisentwicklung bei Bio-Milch vergleichsweise stabil blieb. Die Nachfrage nach Bio-Milchprodukten entwickelte sich damals vergleichsweise gut. Das half, Angebot und Nachfrage besser auszubalancieren. Deshalb blieb der Bio-Milchpreis nach dem Quotenende wesentlich stabiler, während der konventionelle Milchmarkt in eine ausgeprägte Preiskrise geriet.
Vor allem 2022 kletterten die Preise für beide Segmente infolge knapper Rohstoffmärkte, hoher Energie- und Produktionskosten sowie eines begrenzten Angebots kräftig nach oben, wobei konventionelle Milch zeitweise fast das Niveau der Bio-Milch erreichte. Nach dem bereits festen Niveau der Vorjahre konnte sich Bio-Milch im Jahr 2025 preislich nochmals klar nach oben absetzen und erreichte ein Allzeithoch. Diese Entwicklung ist weniger Ausdruck kurzfristiger Marktausschläge als vielmehr Ergebnis eines strukturell stabilen Marktumfelds. Anders als im konventionellen Milchmarkt reagieren die Bio-Preise deutlich weniger auf internationale Rohstoff- und Exportmärkte. Der Absatz erfolgt überwiegend über langfristig orientierte Lieferbeziehungen im Lebensmitteleinzelhandel (LEH), wodurch kurzfristige Marktbewegungen abgefedert werden.
2026 zeigt sich schließlich eine historisch hohe Preisspanne, da die Preise für konventionelle Milch deutlich zurückgegangen sind, während Bio-Milch weiterhin auf vergleichsweise hohem Niveau liegt.
Warum liegt der Bio-Milch Preis über dem konventionellen Niveau?
- Höhere Produktionskosten durch teureres Bio-Futter, geringere Milchleistung und strengere Vorgaben bei Tierhaltung und Betriebsmitteln.
- Mehr Aufwand für Tierwohl, Weidehaltung, Dokumentation, Kontrollen und Bio-Zertifizierung.
- Begrenztes Angebot, da die Umstellung auf Bio zeitaufwendig und wirtschaftlich anspruchsvoll ist.
- Häufig stabilere Lieferbeziehungen und längerfristige Preisgestaltung im Bio-Sektor.
- Geringere Abhängigkeit vom Weltmarkt im Vergleich zur konventionellen Milchproduktion.
- Bio-Milch wird im Handel meist als Premiumprodukt positioniert und entsprechend höher bepreist.
Der Bio-Milch Marker Index als Instrument zur Marktbeobachtung
Auch mit dem Bio-Milch Marker Index (MMI), der von der MEG Milch Board w. V. gemeinsam mit dem Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) veröffentlicht wird, können Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer die wirtschaftliche Entwicklung in der Milcherzeugung verfolgen. Der Index bildet die Veränderung zentraler Produktionskosten wie Futter, Energie, Dünger, Betriebsmittel oder Löhne ab und ermöglicht damit eine Einschätzung, wie sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Milchviehbetriebe verändern. Im Bio-Sektor kann der MMI helfen, Kostensteigerungen und Belastungen in der Erzeugung sichtbar zu machen und diese den tatsächlichen Auszahlungspreisen gegenüberzustellen.
Die Preise für Bio-Milch haben sich zuletzt zwar deutlich verbessert, dennoch reicht das Erlösniveau weiterhin nicht aus, um die tatsächlichen Produktionskosten vollständig zu decken. Nach Berechnungen des Bio-Milch Marker Index lagen die Erzeugungskosten im Wirtschaftsjahr 2024/25 bei 74,36 Cent je Kilogramm Milch. Dem standen durchschnittliche Auszahlungspreise von lediglich 61,49 Cent gegenüber. Damit konnten die Bio-Milchbetriebe im Durchschnitt nur rund 83 Prozent ihrer Kosten decken – die Unterdeckung betrug weiterhin etwa 17 Prozent.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Vereinbarung zwischen der MEG Milch Board und der Gläsernen Molkerei besondere Bedeutung. Die MEG Milch Board hat sich mit der Gläsernen Molkerei erstmals darauf geeinigt, die tatsächlichen Erzeugungskosten von Bio-Milch vertraglich zu verankern und einen festen Anteil am Auszahlungspreis zu garantieren. Mit einem festen Anteil am Auszahlungspreis wird die tatsächliche Kosten- und Erlössituation abgebildet. Damit werden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf den Höfen berücksichtigt.
Anbauverbände geben Orientierung
Der Orientierungspreis für Bio-Milch wurde erstmals im Sommer 2023 von den Anbauverbänden Bioland und Naturland vorgestellt; inzwischen beteiligt sich auch Demeter an der gemeinsamen Berechnung. Ziel ist es, einen vollkostendeckenden Erzeugerpreis für nachhaltig erzeugte Bio-Milch abzubilden und damit gegenüber allen Marktpartnerinnen und -partnern transparent zu machen, unter welchen wirtschaftlichen Voraussetzungen Bio-Milchbetriebe der Öko-Verbände langfristig ihre besonders hohen Standards absichern können.
Unterschiedliche Zielsetzung: Der Orientierungspreis der Bio-Anbauverbände zeigt, welcher Milchpreis nötig wäre, damit Bio-Milch nach den höheren Verbandsstandards kostendeckend und nachhaltig erzeugt werden kann. Der Bio-Milchmarker-Index (BMMI) misst dagegen die Entwicklung der Produktionskosten im Zeitverlauf und vergleicht sie mit den tatsächlich gezahlten Milchpreisen.
Wie bereits in den vergangenen Jahren haben die Bio-Verbände gemeinsam einen Orientierungspreis für die Bio-Milcherzeugung ausgerechnet. Dieser wurde anlässlich der Biofach 2026 veröffentlicht und liegt bei einem vollkostendeckenden Bio-Milcherzeugerpreis von 69,8 Cent je Kilogramm Milch (Stand Januar 2026).
Während der von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) ausgewiesenen Jahresmilchpreis die tatsächlich ausgezahlten Milchgelder am Markt erfasst, basiert der Orientierungspreis auf einer Vollkostenrechnung der Bio-Betriebe. Berücksichtigt werden unter anderem höhere Anforderungen an Tierwohl, Fütterung, Flächenbindung, Umwelt- und Klimaleistungen sowie gestiegene Kosten für Arbeit, Gebäude, Betriebsmittel und Investitionen. Nach Darstellung der Verbände soll der Orientierungspreis somit weniger den aktuellen Marktpreis abbilden als vielmehr das Preisniveau, das für eine langfristig wirtschaftliche und nachhaltige Bio-Milcherzeugung notwendig wäre.
So wird der Orientierungspreis berechnet:
Grundlage für den Orientierungspreis sind unter anderem die Modellbetriebe des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL), die von den Fachberatungen auf die Bedingungen der ökologischen Milchviehhaltung nach Verbands-Standards angepasst wurden. Berücksichtigt werden sämtliche relevanten Kostenbereiche – von Futter-, Arbeits-, Gebäude- und Mechanisierungskosten bis hin zu allgemeinen Betriebskosten. Gleichzeitig fließen Prämien und Nebenerlöse in die Kalkulation ein. Die jährliche Aktualisierung erfolgt auf Grundlage der Daten des Statistischen Bundesamtes sowie weiterer aktueller Marktpreise.
Unterschiede zum Bio-MMI ergeben sich vor allem aus den Datengrundlagen: Während der Bio-MMI auf dem Testbetriebsnetz basiert, nutzt der Orientierungspreis die KTBL-Daten und die Strukturdaten der Mitgliedsbetriebe der Verbände. Daher ergeben sich unterschiedliche Kostenniveaus. Beide Ansätze machen jedoch die wirtschaftlichen Herausforderungen der Bio-Milcherzeugung deutlich.
Interview mit Antonia Rees von Bioland: Transparenz für Molkereien, Handel und Erzeugung
Oekolandbau.de befragte Antonia Rees aus der Koordination Bio-Milch bei Bioland – mit Schwerpunkt Molkereien und Bio-Milchmarkt – zu der Entwicklung des Orientierungspreises der Öko-Anbauverbände.
Oekolandbau.de: Warum war es aus Ihrer Sicht wichtig, neben den tatsächlich ausgezahlten Erzeugerpreisen eine solche Preisorientierung zu etablieren?
Antonia Rees: Wichtig war die Einführung des Orientierungspreises, weil die tatsächlich ausgezahlten Erzeugerpreise allein keine Aussage darüber treffen, ob die Produktion langfristig wirtschaftlich tragfähig ist. Gerade Betriebe, die hohe Leistungen in den Bereichen Tierwohl, Biodiversität, Kreislaufwirtschaft sowie Klima- und Umweltschutz erbringen, benötigen eine transparente Grundlage, um ihre Kosten sichtbar zu machen. Der Orientierungspreis schafft genau diese Transparenz und hilft allen Beteiligten der Wertschöpfungskette, die wirtschaftlichen Anforderungen einer nachhaltigen Bio-Milchproduktion besser einzuordnen. Damit entsteht ein nachvollziehbarer Referenzwert für Verhandlungen und strategische Entscheidungen.
Oekolandbau.de: Sie haben die Entwicklung des Bio-Milchpreisorientierungspreises über mehrere Jahre begleitet. Welche Erkenntnisse haben Sie insbesondere aus der Krisenphase 2022 gewonnen? Konnte der Orientierungspreis dazu beitragen, die Diskussion über kostendeckende Erzeugerpreise zu versachlichen oder sogar Auswirkungen auf die Preisbildung haben?
Rees: Der Orientierungspreis hat aus meiner Sicht dazu beigetragen, die Debatte stärker auf eine sachliche Grundlage zu stellen. Statt ausschließlich über aktuelle Marktbewegungen zu sprechen, konnten wir die Frage in den Mittelpunkt rücken, welche Vergütung erforderlich ist, um die Leistungen der Betriebe tatsächlich zu finanzieren. Das schafft Transparenz für Molkereien, Handel und Erzeugung gleichermaßen.
Die direkte Wirkung auf die Preisbildung lässt sich naturgemäß nur begrenzt messen, da Marktpreise immer auch von Angebot, Nachfrage und Absatzentwicklung beeinflusst werden. Dennoch sehen wir, dass der Orientierungspreis eine wichtige Referenzgröße geworden ist. Er stärkt das gemeinsame Verständnis entlang der Wertschöpfungskette dafür, welche wirtschaftlichen Voraussetzungen notwendig sind, um die hohen Nachhaltigkeitsleistungen der Verbandsbetriebe langfristig abzusichern.
Oekolandbau.de: Wie schätzen Sie die Entwicklung der Bio-Milchpreise kurzfristig ein? Welche Faktoren werden Ihrer Ansicht nach den größten Einfluss auf die Preisentwicklung haben, und welche Rolle kann der Milchpreisorientierungspreis dabei künftig spielen?
Rees: Ich rechne mit stabilen Bio-Milchpreisen. Entscheidend bleiben dabei aber die angelieferten Milchmengen sowie die Absatzentwicklung im Lebensmitteleinzelhandel.
Der Orientierungspreis für Bio-Milch macht transparent, welche Vergütung für die Erbringung der hohen Nachhaltigkeitsleistungen von Bio-Verbandsbetrieben erforderlich ist, und bietet damit eine belastbare Grundlage für Gespräche zwischen Erzeugern, Molkereien und Handel. Er kann dazu beitragen, die Diskussion auf die tatsächlichen Produktionskosten und den gesellschaftlich gewünschten Nachhaltigkeitsleistungen auszurichten.
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Letzte Aktualisierung 30.09.2026





