Wir sprachen mit Diana Schaack über Bio-Importe von Bio-Schweinefleisch und Bio-Hafer. Diana Schaack ist Bereichsleiterin und Marktanalystin für den Öko-Landbau bei der AMI GmbH. Sie beobachtet und analysiert die Bio-Märkte für Schlachttiere und Getreide, national wie international.
Oekolandbau.de: Inwiefern beeinflusst die zunehmende Einfuhr von Bio-Schweinefleisch die deutsche Produktion und die Marktpreise?
Schaack: Es ist tatsächlich andersherum. Die knappe deutsche Produktion zieht höhere Importe von Bio-Schweinefleisch nach sich, da die Nachfrage der Ketten nicht abreißt. Die Preise hier bleiben unberührt und sind deutlich höher als zum Beispiel in den Niederlanden und Dänemark. Das ist möglich, weil viele Handelsketten in Deutschland Verbandsware oder die deutsche Herkunft bevorzugen. Außerdem ist das Angebot in den Nachbarländern ebenfalls begrenzt.
Oekolandbau.de: Warum steigen die Importe von Schweinefleisch nach Deutschland, obwohl viel Wert auf die Herkunft gelegt wird?
Schaack: Die Umstellung der Schweineproduktion auf Bio-Haltung ist besonders teuer, die Stallkosten, ob als Neu- oder Umbau, unterscheiden sich durch den höheren Platzbedarf noch stärker als bei anderen Nutztieren. Die Investitionskosten sind stark gestiegen und teilweise schwer planbar. Außerdem wird es immer schwieriger, Baugenehmigungen zu bekommen. Daher kommt die heimische Produktion mit der Nachfrage der Ketten kaum hinterher und die Verarbeitenden greifen vor allem beim Verarbeitungsfleisch für Wurst, aber auch beim Frischfleisch, auf Importe aus Dänemark und den Niederlanden zurück.
Oekolandbau.de: Inwiefern tragen Importe dazu bei, die Versorgungssicherheit mit Ha-fer in Deutschland zu gewährleisten, insbesondere bei Engpässen in der heimischen Produktion?
Schaack: Die Importmengen von Bio-Hafer sind im Wirtschaftsjahr 2023/24 wieder gestiegen. Die deutsche Ernte fiel 2023 durch leicht gesunkene Flächen und Mindererträge nur gering aus. 2024 wurde wieder mehr geerntet, und der Importanteil dürfte demnach etwas kleiner ausfallen als im Wirtschaftsjahr zuvor, als 19 Prozent des Bio-Hafers aus den Nachbarländern stammten. Hinzu kommt, dass im Baltikum inzwischen eine große Haferschälmühle entstanden ist, die den dortigen Hafer direkt schält und zu Flocken verarbeitet. Dadurch steht weniger Ware für den deutschen Markt zur Verfügung. Die Versorgung in Deutschland mit Bio-Hafer ist deshalb stark witterungs- und ernteabhängig.
Oekolandbau.de: Warum kam es in der Saison 2023/24 zu Engpässen bei Bio-Hafer?
Schaack: Die Schälmühlen hatten in der Saison 2023/24 keinen Puffer zum Saisonübergang, teilweise standen die Produktionen kurz vor der Ernte einige Wochen still. Die Haferernte 2023 hat also nicht zwölf, sondern eher zehn bis elf Monate des Jahres versorgt. Mit der Ernte 2024 verbesserte sich die Marktversorgung etwas. Für die Ernte 2025 wird eine ähnliche Versorgung wie 2024 erwartet.
Text und Interview: Madita Finke, AMI