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Wie entwickelte sich der Import von Bio-Produkten 2023/24?

Um die Nachfrage nach Bio-Produkten in Deutschland zu decken, müssen neben den heimischen Rohstoffen oftmals zusätzliche Mengen aus dem Ausland importiert werden. Je nach Bio-Produkt variieren die Importanteile. Wie sieht es bei Bio-Hafer, -Möhren, -Zwiebeln und -Schweinefleisch aus?
Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) erhebt alljährlich die Importmengen und Herkunftsländer der wichtigsten Bio-Produkte auf dem deutschen Markt. Zwar ermittelt das Statistische Bundesamt im Rahmen der Außenhandelsstatistik monatlich die Exporte und Importe Deutschlands, eine Unterscheidung nach ökologischer und konventioneller Erzeugung wird dabei aber nicht getroffen. Daher schätzt die AMI die Importmengen für ausgewählte Bio-Produkte mittels verschiedener Werkzeuge:
- Befragung von rund 350 Importeurinnen und Importeuren,
- Auswertung betriebsindividueller Daten aus der Außenhandelsstatistik des Statistischen Bundesamtes von Unternehmen mit Einverständniserklärung,
- Produktions- und Flächenanalyse in der Europäischen Union und den weltweit jeweils wichtigsten Lieferländern,
- Analyse der YouGov CP Germany-Paneldaten für Produkte, bei denen der Handel im Laden die Herkunft kennzeichnen muss (zum Beispiel bei Obst, Gemüse, Kartoffeln oder Eiern).
Für Drittlandimporte gibt es eine Statistik
Die Gesamteinfuhr von Bio-Produkten und -Rohstoffen aus sogenannten Drittländern, also nicht EU-Ländern, in die EU 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 248.000 Tonnen auf 2,48 Millionen Tonnen zurück. Das Importvolumen sank damit um 9,1 Prozent und erreichte den niedrigsten Stand seit 2018.
Besonders Obst, Gemüse und Zucker in Bio-Qualität wurden seltener importiert. Bio-Weizen und -Olivenöl verzeichneten hingegen hohe Zuwächse. Hauptimporteure sind die Niederlande und Deutschland. Die Daten wurden von der Europäischen Kommission veröffentlicht und stammen aus dem Online-Verwaltungstool TRACES (TRAde Control and Expert System) der Kommission.
Markteinblicke
Hafer ist schon seit Jahren ein echtes Boom-Produkt. Er wird vor allem zur Herstellung von Flocken für Müsli und andere Frühstückscerealien verwendet. Immer wichtiger wird die Verwendung für pflanzliche Milchgetränke. Als Futtermittel wird Hafer vergleichsweise wenig eingesetzt, insbesondere in der Saison 2023/24 mit reichlicher Versorgung an anderen Futtermitteln. Aufgrund der Knappheit bei allen Sommerungen in dieser Saison, hat sich die Importmenge für Bio-Hafer wieder auf 34.500 Tonnen erhöht.
Während in der Saison 2022/23 etwa zehn Prozent der gesamten Absatzmenge von Bio-Hafer importiert wurden, waren es in der Saison 2023/24 rund 19 Prozent. Damit war Bio-Hafer nach Weizen mit einem Import-Anteil von 23 Prozent das am zweitmeisten importiere Bio-Getreide in Deutschland. Auch 2024/25 fällt die heimische Haferversorgung nicht reichlich aus, obwohl die Ernte größer ausgefallen ist – damit dürfte die Importnachfrage wieder etwas sinken.
Die Anbaufläche für Bio-Möhren in Deutschland ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Durch das steigende heimische Angebot konnten die Importe nach und nach reduziert werden. In den letzten fünf Jahren wurden noch etwa 35 bis 43 Prozent der in Deutschland nachgefragten Bio-Möhren aus dem Ausland importiert – vor zehn Jahren lag dieser Anteil noch bei rund 50 Prozent.
Im Wirtschaftsjahr 2023/24 lag der Anteil an importierten Bio-Möhren bei 40 Prozent. Laut Tim Brauweiler , Marktexperte für Bio-Gemüse bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI), führten eine verspätete Ernte sowie Frostschäden zu erheblichen Ernteverlusten. Infolgedessen mussten bereits im Januar 2024 Bio-Möhren aus den Niederlanden und Dänemark eingeführt werden. Nach dem Ende der Lagersaison wurde im Frühjahr 2024 frühzeitig auf südeuropäische Frühmöhren umgestellt – die ersten Lieferungen kamen dabei hauptsäch-lich aus Spanien.
Für 2024/25 dagegen wird ein geringeres Importvolumen erwartet. Dahinter steht eine deutlich gestiegene Fläche und eine überdurchschnittlich hohe Erntemenge, die den Markt länger mit deutschen Bio-Möhren versorgte als in den Vorjahren.
Im Jahr 2023 erreichte die Bruttoernte an Bio-Zwiebeln in Deutschland ein Rekordniveau. Dennoch fielen die Lagervorräte geringer aus als im Vorjahr. Grund dafür waren die ungewöhnlich starken Niederschläge, die zu einem hohen Anteil an Übergrößen und einem erhöhten Krankheitsdruck führten. Vor allem rote Bio-Zwiebeln waren von deutlichen Ertrags- und Lagerverlusten betroffen und daher nur begrenzt verfügbar. Auch bei gelben Bio-Zwiebeln war das Angebot nicht üppig.
Trotz dieser Herausforderungen ist der Anteil deutscher Ware an den Gesamteinkaufsmengen über die Jahre hinweg kontinuierlich gestiegen. So mussten erst ab April/Mai 2024 ergänzend Importe bezogen werden – vor allem aus den Niederlanden, die ihre Anbauflächen zuletzt deutlich ausgeweitet haben und als größter Bio-Zwiebelproduzent Europas gelten. Während die Importe aus Ägypten leicht zurückgingen, nahmen die Liefermengen aus Österreich zu.
In der Saison 2024/25 war der Bio-Zwiebelmarkt knapp versorgt, das betrifft sowohl das deutsche als auch das niederländische Angebot. Zwar hat sich die Nachfrage nach den Boomjahren verlangsamt, aber dennoch wird wieder ein höherer Anteil an Importen, vor allem aus Ägypten, erwartet.
Verschiedene Handelsketten haben sich 2024 die Listung von mehr Verbandsware, aber weiterhin von 5xD-Ware auf die Fahnen geschrieben. Dadurch sank die Nachfrage nach importierten Ferkeln und manche Landwirtinnen und Landwirte haben sich andere Ferkellieferanten gesucht. Das hat das Angebot an Schweinen weiter verknappt und die Warenströme neu sortiert. Die Importmengen sind aufgrund der hohen Nachfrage noch leicht gestiegen, zumal die deutsche Produktion leicht zurückgegangen ist.
Weiterhin wird viel importiertes Bio-Schweinefleisch zu Wurst verarbeitet. In den Discountern wird beispielsweise viel dänisches Frischfleisch angeboten. Die niederländischen Importe werden häufig zur Wurstherstellung herangezogen, bei der die Herkunft der Rohwaren nicht gekennzeichnet ist – nur bei Verbandsware sollte von deutscher Ware ausgegangen werden.
Beim 5xD beziehungsweise 5D-Prinzip erfolgen alle fünf Produktionsschritte – Geburt, Aufzucht, Mast, Schlachtung und Zerlegung/Verarbeitung – in Deutschland. Damit soll die hiesige Landwirtschaft gestärkt und eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Produkte gewährleistet werden. Lediglich die Futterproduktion wird hier nicht berücksichtigt.
Wir sprachen mit Diana Schaack über Bio-Importe von Bio-Schweinefleisch und Bio-Hafer. Diana Schaack ist Bereichsleiterin und Marktanalystin für den Öko-Landbau bei der AMI GmbH. Sie beobachtet und analysiert die Bio-Märkte für Schlachttiere und Getreide, national wie international.
Oekolandbau.de: Inwiefern beeinflusst die zunehmende Einfuhr von Bio-Schweinefleisch die deutsche Produktion und die Marktpreise?
Schaack: Es ist tatsächlich andersherum. Die knappe deutsche Produktion zieht höhere Importe von Bio-Schweinefleisch nach sich, da die Nachfrage der Ketten nicht abreißt. Die Preise hier bleiben unberührt und sind deutlich höher als zum Beispiel in den Niederlanden und Dänemark. Das ist möglich, weil viele Handelsketten in Deutschland Verbandsware oder die deutsche Herkunft bevorzugen. Außerdem ist das Angebot in den Nachbarländern ebenfalls begrenzt.
Oekolandbau.de: Warum steigen die Importe von Schweinefleisch nach Deutschland, obwohl viel Wert auf die Herkunft gelegt wird?
Schaack: Die Umstellung der Schweineproduktion auf Bio-Haltung ist besonders teuer, die Stallkosten, ob als Neu- oder Umbau, unterscheiden sich durch den höheren Platzbedarf noch stärker als bei anderen Nutztieren. Die Investitionskosten sind stark gestiegen und teilweise schwer planbar. Außerdem wird es immer schwieriger, Baugenehmigungen zu bekommen. Daher kommt die heimische Produktion mit der Nachfrage der Ketten kaum hinterher und die Verarbeitenden greifen vor allem beim Verarbeitungsfleisch für Wurst, aber auch beim Frischfleisch, auf Importe aus Dänemark und den Niederlanden zurück.
Oekolandbau.de: Inwiefern tragen Importe dazu bei, die Versorgungssicherheit mit Ha-fer in Deutschland zu gewährleisten, insbesondere bei Engpässen in der heimischen Produktion?
Schaack: Die Importmengen von Bio-Hafer sind im Wirtschaftsjahr 2023/24 wieder gestiegen. Die deutsche Ernte fiel 2023 durch leicht gesunkene Flächen und Mindererträge nur gering aus. 2024 wurde wieder mehr geerntet, und der Importanteil dürfte demnach etwas kleiner ausfallen als im Wirtschaftsjahr zuvor, als 19 Prozent des Bio-Hafers aus den Nachbarländern stammten. Hinzu kommt, dass im Baltikum inzwischen eine große Haferschälmühle entstanden ist, die den dortigen Hafer direkt schält und zu Flocken verarbeitet. Dadurch steht weniger Ware für den deutschen Markt zur Verfügung. Die Versorgung in Deutschland mit Bio-Hafer ist deshalb stark witterungs- und ernteabhängig.
Oekolandbau.de: Warum kam es in der Saison 2023/24 zu Engpässen bei Bio-Hafer?
Schaack: Die Schälmühlen hatten in der Saison 2023/24 keinen Puffer zum Saisonübergang, teilweise standen die Produktionen kurz vor der Ernte einige Wochen still. Die Haferernte 2023 hat also nicht zwölf, sondern eher zehn bis elf Monate des Jahres versorgt. Mit der Ernte 2024 verbesserte sich die Marktversorgung etwas. Für die Ernte 2025 wird eine ähnliche Versorgung wie 2024 erwartet.
Text und Interview: Madita Finke, AMI
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Letzte Aktualisierung 20.08.2025








