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Wiederentdeckung regionaler Getreide-Landsorten zur nachhaltigen Herstellung von Bio-Lebensmittelspezialitäten (ReBIOscover)

Ökologisch angebaute alte Getreide-Landsorten wurden mit modernen Sorten verglichen und hinsichtlich verschiedener Eigenschaften charakterisiert. Das ReBIOscover-Projekt trug maßgeblich dazu bei, die Bekanntheit von Landsorten zu steigern und Landwirtschaft, Mühlen und Bäckereien zu vernetzen. Zudem wurden Ansätze für die Vermarktung und Kommunikation entwickelt.
Empfehlungen für die Praxis
Landsorten sind in der Region beliebt
Ökologisch erzeugte Lebensmittel sind in Deutschland ein starker Wachstumsmarkt mit einem Zuwachs von 5 Prozent von 2022 bis 2023. Im Vorjahr hat die Bio-Branche ein Gesamtvolumen von über 16 Milliarden Euro erziehlt. Alte Getreidesorten passen gut zu den Prinzipien des Öko-Landbaus. Eine beispielhafte Erfolgsgeschichte für die Nutzung von Landsorten für Bio-Lebensmittelspezialitäten ist die des Laufener Landweizens, der vor etwa 20 Jahren wiederentdeckt wurde und sich heute in der Region Berchtesgadener Land-Traunstein sehr großer Beliebtheit erfreut.
Vernetzung aller Stakeholder führt zum Erfolg
Der Austausch von
- Kontakten und Informationen,
- wissenschaftlichen Fortschritten bei Zucht und Ertrag,
- Erkenntnissen zu ernährungsphysiologischen sowie geschmacklichen Eigenschaften,
- ersten Erfolgsgeschichten aus der Praxis,
trägt am besten dazu bei, eine wachsende Vordenker/-innen- und Nachahmer/-innen-Community entstehen zu lassen. Durch enge Vernetzung entlang der Wertschöpfungskette und Marketingstrategien für verschiedene Zielgruppen haben die Getreide-Landsorten ein großes Potenzial für eine Wiederentdeckung.
Wenn ich unser Brot aus regionalen Getreide-Landsorten aus dem Ofen hole, werden Kindheitserinnerungen wach. Es duftet und schmeckt nach Tradition, auf die beste Art." Elisabeth Schmeller
Informationen zum Projekt
Landsorten sind traditionelle, züchterisch wenig oder nicht bearbeitete, genetisch oft heterogene Pflanzenpopulationen, die regional besonders gut an die natürliche und kulturelle, landwirtschaftliche Umwelt angepasst sind.
Angesichts der in den Medien kontrovers geführten Debatte um industriell gefertigte Lebensmittel und der Zunahme von Allergien und Unverträglichkeiten gegenüber Weizen in der Bevölkerung, fragen Verbraucherinnen und Verbraucher vermehrt nach Getreideprodukten, die ökologisch, nachhaltig, regional und traditionell handwerklich, beispielsweise unter Verwendung von Sauerteig, gefertigt wurden. Diese assoziieren sie mit gutem Geschmack und wertvollen Inhaltsstoffen sowie mit einer bewussten und gesunden Ernährung.
Zentrale Hypothese des Projektes war es, dass industriell gefertigte Getreideprodukte heutzutage mehr immunreaktive und weniger ernährungsphysiologisch positive Inhaltsstoffe enthalten als ökologisch-traditionell gefertigte Getreideprodukte, weil sich moderne Weizensorten durch die Züchtung im Vergleich zu ursprünglichen Landsorten in ihrer inhaltsstofflichen Zusammensetzung unterscheiden. Die während des Projekts durchgeführten Analysen haben diese Hypothese nicht bestätigt. Es waren keine nennenswerten Unterschiede
- im Proteingehalt,
- der Proteinzusammensetzung
- und beim Anteil der immunreaktiven Stoffe wie Amylase/Trypsin-Inhibitoren (ATI) bei den alten und modernen Sorten nachweisbar.
Dies gilt auch für das Vorkommen an ernährungsphysiologisch positiven Inhaltsstoffen wie Vitaminen.
Die Landsorten eigneten sich sehr gut zur Verarbeitung zu Backwaren. Ein gesundheitlicher Mehrwert gegenüber modernen Zuchtsorten konnte hingegen nicht erwiesen werden.
Psychosoziale Vorteile wie Gesundheit und Natürlichkeit spielen eine wichtige Rolle beim Kauf von Brot aus alten Getreidesorten. Basierend auf den Ergebnissen einer quantitativen Erhebung wurden die Leiterketten "Unterstützung kleiner Betriebe – Erhaltung lokaler Arbeit – Universalismus" und "Landsorte – Guter Geschmack – Genuss – Hedonismus" für die Entwicklung von Werbematerialien ausgewählt.
Chancen für die erfolgreiche Vermarktung alter Getreidesorten sehen die Stakeholderinnen und Stakeholde vorrangig in dem Alleinstellungsmerkmal gegenüber Mitbewerberinnen und Mitbewerbern, neuen Märkten/ Zielgruppen und der betrieblichen Zukunftsfähigkeit. Wichtig ist es hierfür, die Bekanntheit alter Landsorten zu fördern – sowohl in der Lebensmittelherstellung als auch bei Verbraucherinnen und Verbrauchern. Um eine anhaltende, stabile Nachfrage entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis hin zu den Endverbraucherinnen und Endverbrauchern langfristig aufzubauen, ist primär Voraussetzung, dass Erzeugerinnen und Erzeuger mit Verarbeitungsbetrieben vernetzt sind und die Verbraucherinnen und Verbraucher von den Vorteilen dieser Produkte wissen.
- Prof. Dr. Katharina Scherf, Karlsruher Institut für Technologie
- Dr. Klaus Fleißner, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
- Prof. Dr. Jutta Roosen, Technische Universität München
- Dr. Martin Kussmann, Kompetenzzentrum für Ernährung
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Kaiserstraße 12
76131 Karlsruhe
Prof. Dr. Katharina Scherf
E-Mail: katharina.scherftumde
Tel.: +40 (0)816171-2719
01/2021 bis 06/2024
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 02.09.2024


