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Krautfäule-resistente Kartoffeln für den ökologischen Anbau

In einem konzertierten Ansatz wurde ein partizipatives Zuchtprogramm für den ökologischen Kartoffelbau etabliert, in dem ökologische Kartoffelerzeuger in den Selektionsprozess miteingebunden werden. Dazu wurde in einem ersten Schritt aktuelles Sortenmaterial umfassend auf seine Anbaueignung unter ökologischen Bedingungen geprüft. Parallel dazu wurden genetische Ressourcen aus den Groß Lüsewitzer Kartoffel-Sortimenten der IPK Genbank mit molekularen Markern untersucht und der Züchtung verfügbar gemacht. Basiszuchtmaterial mit ausgeprägter Resistenz gegen die Kraut-und Knollenfäule wurde vom Julius Kühn-Institut erstellt. Ziel des Projekts war, Basiszuchtmaterial mit gut ausgeprägter Krautfäuleresistenz zu schaffen, diese mit weiteren Resistenz- und Qualitätseigenschaften zu kombinieren und auf ihre Eignung für den ökologischen Landbau zu prüfen.
Empfehlungen für die Praxis
Für eine erfolgreiche Einbindung von Landwirten in Züchtungarbeiten
sind folgende Voraussetzungen erforderlich:
- Finanzieller Anreiz: Eine Aufwandsentschädigung für Landwirtinnen und Landwirte gibt Anreiz zur Beteiligung.
- Technische Voraussetzungen: die Betriebe benötigen entsprechende Technik für die Betreuung von Kleinparzellen.
- Zusammenarbeit: Durch Schulungen können Öko-Landwirtinnen und Landwirte auf die Arbeiten im Zuchtgarten vorbereitet werden. Ein intensiver Austausch von Knowhow ist für beide Seiten von Vorteil.
- Eigeninteresse: Die Arbeiten im Zuchtgarten sind zeitintensiv und Arbeitsspitzen fallen mit denen im regulären Anbaubetrieb zusammen. Eigeninteresse und Engagement der Betriebsleiterin oder des Betriebsleiters sind wichtige Voraussetzung für den Erfolg.
Informationen zum Projekt
Genetische Ressourcen
In den Groß Lüsewitzer Kartoffel-Sortimenten der IPK_Genbank wurden erstmalig zwei Teil-Sortimente mit insgesamt über 3.300 Mustern verschiedener Herkunft komplett und umfassend molekulargenetisch charakterisiert. Dadurch ist es Nutzenden wie Züchtenden und Forschenden zukünftig möglich, zielgerichteter auf genetische Ressourcen der Kartoffel zuzugreifen und diese in die eigenen Zuchtprogramme und Forschungsprojekte einzubringen. Somit ermöglichen die Projektergebnisse eine nachhaltigere und intensivere Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen aus der IPK-Genbank. Darüber hinaus haben die in diesem Projekt erzielten Resultate ein effizienteres, stärker am Nutzer orientiertes Genbankmanagement zur Folge, da Duplikatgruppen sowie Fehletikettierungen erkannt und bereinigt werden konnten.
Markeranalyse
Mit Hilfe genomweiter Assoziationsstudien (GWAS) wurden molekulare Marker identifiziert, die eng mit Krautfäuleresistenz gekoppelt sind. Der Nachweis kleinerer signifikanter Signale in den Assoziationsstudien deutet darauf hin, dass es sich bei der Krautfäuleresistenz im untersuchten Prebreedingmaterial um ein quantitatives, rassenunspezifisches und komplex vererbtes Merkmal mit kleineren Effekten handelt.
Mit Hilfe solcher molekularer Marker kann es in Zukunft möglich sein, den langwierigen Zuchtgang hin zu Phytophthora infestansresistenten Kartoffelsorten zu beschleunigen. Durch die Marker gestützte Selektion können verschiedene Resistenzgene gegen dasselbe Pathogen und/oder gegen verschiedene Pathogene akkumuliert bzw. kombiniert werden. Insgesamt drei Polymorphismen waren mit dem Merkmal rAUDPC und 10 Polymorphismen mit reifekorrigierter Krautfäuleresistenz (Δ-rAUDPC) assoziiert. Diese kommen in Abbildung 1 oberhalb der Signifikanzgrenze zu liegen. Am JKI erlauben die identifizierten Marker die Selektion von Prebreedingstämmen und Sorten mit erhöhter horizontaler Resistenz gegenüber Phytophthora infestans ohne den Einsatz von Gentechnik.
Ökozüchtung
Die partizipative Neuzüchtung greift auf die genetischen Ressourcen der Projektpartner zu. Dies eröffnet die Chance, Krautfäule-Resistenz mit Qualität und Ertrag zu vereinen. Eine Vielzahl von neuen Projektstämmen zeichnet sich durch erhöhte Krautfäule-Resistenz aus, welche in allen Vermehrungsstufen Selektionskriterium war. Züchtung unter Ökobedingungen (ohne kupferhaltige Fungizide) brachte Stämme hervor, die zusätzlich eine zügige Jugend-/ und Knollenentwicklung aufweisen. Die bisher aus der geschaffenen Vielfalt identifizierten Genotypen zeichnen sich auch durch die obligatorischen Eigenschaften wie Formschönheit, gelbe Fleischfarbe und hohe Speiseeignung aus.
Fazit
Wertvolle genetische Ressourcen des JKI und des IPK sind Grundlagen für erfolgreiche Resistenzzüchtung. Die enge Zusammenarbeit von Ökoverbänden, Landwirtinnen und Landwirten und wissenschaftlichen Institutionen schafft Transparenz bei der Sortenentwicklung. Hier profitiert der ökologische Kartoffelbau unmittelbar von der Projektarbeit durch die Bereitstellung geeigneter Kartoffeln zur Umsetzung von Kupferminimierungsstrategien.

- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft LfL (Projektleitung)
- Julius Kühn-Institut JKI
- Leibniz-Institut IPK
- GFPi
- Bioland
- Naturland
- Ökoring Niedersachsen
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Adolf Kellermann
E-mail: Adolf.KellermannLfL.bayernde
04/2012 – 10/2018
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