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Steigerung der Biodiversität im Beerenobstanbau durch Begleitpflanzen

Das europäische Verbundprojekt "ResBerry" verfolgte das Ziel, ökologische Beerenanbausysteme durch die Integration biodiversitätsfördernder Maßnahmen widerstandsfähiger gegenüber biotischen und abiotischen Stressoren zu gestalten. Im Projekt wurden Begleitpflanzungen in ökologische Anbausysteme von Beerenobst integriert und ihr Potenzial für die Praxis bewertet.
Empfehlungen für die Praxis
Integration von Begleitpflanzungen: Nützlingsförderung
Nützlinge sind wichtig für die Regulierung von Schädlingspopulationen in Beerenobstkulturen. Zur Förderung von Nützlingen können kommerziell erhältliche Blühstreifenmischungen (zum Beispiel Nützlingsparadies B623, Bingenheimer Saatgut) in unmittelbarer Nähe der Kulturpflanzen ausgesät werden. Dabei ist zu beachten, dass
- die Abstände der Blühstreifen zum Beerenobstbestand so gering wie möglich sind;
- die Streifen mindestens eine Breite von 4 bis 5 Metern haben, eine Länge von 8 Metern und möglichst regelmäßig auf der Fläche wiederholt werden;
- die Streifen nach der Aussaat in trockenen Jahren möglichst gewässert werden, um ein gleichmäßiges Auflaufen zu gewährleisten;
- mehrjährige Blühstreifen so gepflegt werden, dass eine kontinuierliche Blüte unterstützt wird.
Integration von Begleitpflanzen: Fangpflanzen
Pflanzen wie Sonnenblumen, Buchweizen oder Buschbohnen können in die Blühstreifen integriert werden und invasiven Wanzen als alternative Wirtspflanze dienen. Die Schädlinge können so von der Beerenobstkultur abgelenkt werden.
Verbesserung der mikrobiellen Diversität des Bodens
Mulchauflagen mit Stroh fördern besonders bei Trockenheit das Wachstum saprotropher Pilze (wie Mortierella), die organische Substanz abbauen und zur Bodenfruchtbarkeit beitragen. Eine Untersaat mit Mikroklee wirkte stabilisierend und förderte das Vorkommen wachstumsfördernder Bakterien wie Pseudomonas. Blüh- und Fangpflanzenstreifen trugen zur mikrobiellen Diversität bei und reduzierten gleichzeitig den Anteil potenziell pathogener Pilze wie Fusarium. Eine Kombination aus Mulch, Begrünung und reduzierter Bodenbearbeitung kann die mikrobielle Vielfalt erhöhen und das Bodensystem gesündere und stabiler machen.
Nützlinge wie räuberische Wanzen oder parasitoide Schlupfwespen sind aktiv von den Begleitpflanzen in die angrenzende Erdbeerkultur eingewandert und haben sich dort nachweislich von Schädlingen ernährt. (Sophie Wenz, Mitarbeiterin der Hochschule Geisenheim)
Informationen zum Projekt
Der ökologische Beerenanbau in Europa hat sich in den letzten Jahrzehnten dynamisch entwickelt. Gleichzeitig haben klimatische Veränderungen und die Ausbreitung invasiver Schaderreger die Produktionsbedingungen erheblich erschwert. Ökologische Betriebe sind deshalb besonders darauf angewiesen, präventive und biodiversitätsgestützte Verfahren einzusetzen, um stabile Produktionssysteme zu etablieren. Während Maßnahmen zur Förderung der funktionellen Biodiversität in anderen Obstkulturen bereits gut etabliert sind, fehlen ähnliche Konzepte bislang im ökologischen Beerenobstanbau.
Funktionelle Biodiversität beschreibt das Zusammenwirken von verschiedenen Arten für die Funktionsfähigkeit eines Ökosystems.
Begleitpflanzen und Nützlingsförderung
Die Kombination aus einer nützlingsfördernden, kommerziell erhältlichen Blühstreifenmischung und schädlingsspezifischen Fangpflanzen wie Sonnenblumen, Buchweizen und Busch- bohnen diente diversen Nützlingen in einem trockenen (2023) wie feuchtem (2024) Jahr als wichtiger Lebensraum.
- In beiden Jahren konnte nachgewiesen werden, dass Nützlinge aktiv aus den Begleitpflanzungen in das nah angrenzende Erdbeerfeld eingewandert sind.
- Eine Mikrokleeunterssat (Zum Beispiel Weißklee, niedrig wachsend D422, Bingenheimer Saatgut) eignet sich insbesondere für die Fahrgassen der Erdbeerdämme und hatte unter trockenen Bedingungen eher negative Effekte auf Nützlinge, während sie im feuchten Jahr insbesondere das Vorkommen von Parasitoiden in der Erdbeerkultur förderte.
- Fangpflanzen wie Sonnenblumen oder Buschbohnen können invasive Wanzen wie die Grüne Reiswanze oder die Marmorierte Baumwanze von der Beerenobstkultur (Erdbeere oder Himbeere) ablenken.
Verbesserung der mikrobiellen Diversität des Bodens
In allen Bewirtschaftungssystemen waren hohe mikrobiologische Aktivitäten nachweisbar.
- Eine Mulchauflage mit Stroh in der Erdbeerkultur hatte positive Effekte auf Pilzgattungen, die förderlich für die Bodenstruktur und die Pflanzenvitalität sind. Blüh- und Fangpflanzenstreifen sowie Kleeunterssat wiesen in allen Jahren stabile Anteile positiver Bakteriengattungen auf.
- In Trockenperioden kamen insbesondere in den Strohmulch- und Blühstreifensystemen zersetzungsaktive, saprotrophe Pilze gehäuft vor.
- In feuchten Jahren wiesen Begrünungssysteme höhere Anteile symbiontisch oder wachstumsfördernder Bakterien auf.
- Phytopathogene Pilze wie Fusarium und Aspergillus kamen nur in vergleichsweise niedrigen Anteilen vor. Das deutet darauf hin, dass keine Anreicherung potenziell problematischer Pilzpopulationen im Boden durch die verschiedenen Bewirtschaftungssysteme stattfand.
Zum Abschlussbericht des Projekts
Weitere Informationen: Hier finden Sie ein Video zum Projekt ResBerry
- Prof. Dr. Annette Reineke, MSc Sophie Wenz, Hochschule Geisenheim University (HGU), Institut für Phytomedizin, Geisenheim;
- Prof. Dr. Daniel Pleissner, Martin Almendinger, Institut für Lebensmittel- und Umweltforschung e.V. (ILU), Bad Belzig
Hochschule Geisenheim, Institut für Phytomedizin
Von-Lade-Straße 1
65366 Geisenheim
Annette Reineke
E-Mail: annette.reinekehs-gmde
Telefon: +49 (0) 6722 / 502 - 413
Projektlaufzeit 11/2021 - 04/2025
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 24.10.2025
