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Entwicklung eines biologischen Pflanzenschutzmittels aus Süßholz mit sicherer Wirkung im Freiland unter Nutzung effizienter Anwendungstechnik

Der ethanolische Rohextrakt aus dem Laub von Glycyrrhiza glabra (Süßholz) zeigte bei Untersuchungen im Gewächshaus eine gute Wirkung gegen Oomyceten, während der Pflanzenextrakt bei ersten Prüfungen im Freiland unterschiedlich wirksam war. Zielsetzung des von 2010 bis 2014 durchgeführten Verbundvorhabens war, ein praxistauglich formuliertes Präparat auf Basis von Süßholzextrakt zu entwickeln und dessen Wirkung mit angepasster Anwendungstechnik im Freiland in Tomate, Kartoffel und Gurke gegen
Phytophthora infestans bzw. Falschen Mehltau zu prüfen. Das Vorhaben umfasste Arbeiten zur Extraktionsoptimierung und Präparatentwicklung (Trifolio-M), Untersuchungen
zu Wirkungsmechanismus und UVStabilität unter kontrollierten Bedingungen (JKI Darmstadt) sowie Versuche im Semi-Freiland und im Feld (DLR Rheinpfalz und JKI Kleinmachnow).
Empfehlungen für die Praxis
Die im Verbundprojekt erarbeiteten Ergebnisse sind eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung eines im Freiland wirksamen Präparates aus Süßholz in nachfolgenden nationalen und internationalen Projekten.
Informationen zum Projekt
Phytophthora infestans in Tomate und Kartoffel und Falscher Mehltau in Gurke führen im Gemüse- und Kartoffelanbau regelmäßig zu hohen Ertragsverlusten. Im ökologischen Anbau stehen zur Kontrolle dieser Schaderreger ausschließlich kupferhaltige Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Kupferpräparate werden auch im integrierten Anbau im Resistenzmanagement eingesetzt. Da der Einsatz kupferhaltiger Pflanzenschutzmittel jedoch künftig aufgrund ökotoxikologischer Risiken stärker reglementiert und reduziert werden soll, ist die Entwicklung biologischer Alternativen sowohl für den ökologischen als auch integrierten Anbau dringend geboten.
Präparatentwicklung
- Optimiertes Extraktionsverfahren in großtechnische Aufbereitung überführt
- Eine mit praxisüblichen Düsen applizierbare Formulierung entwickelt
- Stabilität des Wirkstoffgehaltes in den Formulierungen über zwei Jahre erreicht
Wirkungsmechanismen
- Befallshemmende Wirkung des Süßholzextraktes nachgewiesen für die enthaltenen Flavonoide Pinocembrin, Licoflavanon und Glabranin
- Direkte fungistatische bzw. fungizide Wikung der genannten Flavonoide
- Indirekte Wirkung des Süßholzextraktes durch noch nicht identifizierte Inhaltsstoffe postuliert
- Stress und Seneszenz mindernde Effekte in Gurke nach Behandlung mit Süßholzextrakt
Semi-Freiland- und Feldversuche
- Hoher Wirkungsgrad im Semi-Freiland gegen Blattfäule an Tomate und Falschen Mehltau an Gurke mit hohen Präparat- und Wasseraufwandmengen (10-16 kg/ha in 800 l Wasser/ha)
- Wirkungsverluste bei bisherigen Süßholzpräparaten im Semi-Freiland nach zwei Tagen Sonneneinstrahlung oder 7 mm simuliertem Niederschlag
- In Kartoffelfeldversuchen keine Unterschiede im Krautfäulebefall und unbehandelter Kontrolle aufgrund mangelnder Wirksamkeit im Freiland
- Ertragssteigerung (20 bis 50 Prozent) und Reduktion des Krautfäulebefalls in Kartoffeln durch das Kupfervergleichspräparat (Cuprozin progress, Spiess-Urania) unhängig vom Applikationsverfahren (Feldspritze mit Spritzbalken oder Kombination mit Droplegs)
- Verzögerte Befallsentwicklung von ca. einer Woche und höherer marktfähiger Ertrag bei 7-tägigem Behandlungsintervall mit Süßholzpräparat in Gurkenfeldversuchen
Zu den Abschlussberichten:
- Trifolio-M GmbH, Dr. Hubertus Kleeberg, Dipl.-Ing. agr. Sylvia Cergel
- JKI Darmstadt, Institut für Biologischen Pflanzenschutz, Dr. Annegret Schmitt, Dipl.-Biol. Marc Orlik
- DLR Rheinpfalz, Abt. Gartenbau, Dr. Gabriele Leinhos
- JKI Kleinmachnow, Institut für Pflanzenschutz in Gartenbau und Forst, Dr. Ute Gärber, Dr. Peggy Marx
Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz
Dr. Gabriele Leinhos
Telefon: +49 6235 9263-93
E-Mail: gabriele.leinhosdlr.rlpde
11/2010 – 12/2013
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