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Regulierung des Fruchtschalenwicklers im Öko-Obstbau

In einem Forschungsprojekt wurde eine langfristig tragfähige Gesamtstrategie zur Schädlingsregulierung im ökologischen Kernobstanbau erarbeitet. Gegen den Fruchtschalenwickler hat sich eine Kombinationsstrategie aus Verwirrungstechnik, Granulovirus und Förderung der Gegenspieler sehr gut bewährt.
Empfehlungen für die Praxis
Die Verwirrungstechnik als zentraler Baustein
Die Verwirrungstechnik ist wirksam gegenüber dem Fruchtschalenwickler Adoxophyes orana F.v.R. und dem lederfarbenen Schalenwickler Pandemis heparana D & S, der in einigen Regionen auch beobachtet wurde. Die Dispenser Isomate® CLR MAX TT enthalten gleichzeitig die Pheromone zur Regulierung des Apfelwicklers, so dass keine Zusatzarbeit für die Aufhängung entsteht. Bei niedriger Population reicht dieses Verfahren aus. Ist die Population hoch, sollte zumindest anfangs noch das Granuloviruspräparat Capex® 2 zur Reduktion der Population eingesetzt werden.
Natürliche Gegenspieler schonen und fördern
Parasitoide sind wichtige Gegenspieler des Fruchtschalenwicklers. Die wichtigsten Parasitoidenarten waren Teleutaea striata Grav. und Meteorus ictericus Nees. Der Einsatz des hochselektiven Granuloviruspräparats Capex® 2 schont auch diese Nützlinge und reduziert die Population. Die Larven sterben erst spät ab, so dass sich die Parasitoide in der Larve noch entwickeln können. Werden die Parasitoide geschont, können sie die Wirkung der Verwirrung durch Niedrighalten der Population ebenfalls unterstützen. Blühstreifen können Nektarquelle für die Parasitoide sein. Nisthilfen für Vögel sind bei hohem Befallsdruck ebenfalls anzuraten.
Die Kombinationsstrategie aus Verwirrungstechnik, Granulovirus und Förderung der Gegenspieler hat sich in allen Regionen sehr gut bewährt.
Jutta Kienzle, Uni Hohenheim
Informationen zum Projekt
Vor allem an der Niederelbe und im Bodenseeraum hat der Schalenwickler in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung zugenommen. In den betroffenen Anlagen wurde die Strategie auf der Basis eines Monitorings im ersten Projektjahr 2017 ausgearbeitet und die Entwicklung des Befalls über mehrere Jahre verfolgt. In den Folgejahren haben immer mehr Betriebe mit Befall diese Strategie eingesetzt, so dass ein breites Monitoring möglich war (ab 2020 im Rahmen einer Notfallzulassung von Isomate® CLR MAX TT).
Befallsreduktion bei Kombination von Granuloviren und Verwirrungstechnik
Diese Kombination wurde in Praxisanlagen entwickelt, in denen seit mehreren Jahren ein hoher Befall auftrat, der mit Einzelmaßnahmen nicht dauerhaft unter Kontrolle gebracht werden konnte. Ein Beispiel ist in Abbildung 1 dargestellt. Im Jahr 2018 wurde in dieser Anlage mit sehr starkem Befall die Kombination Capex® 2 mit der Verwirrungstechnik getestet. Im Frühjahr war der Befall sehr hoch. Durch das Granuloviruspräparat sind etwa 60 Prozent der nicht parasitierten Schalenwickler abgestorben. Im Sommer war der Befall deutlich reduziert und die Parasitierung sehr hoch, so dass der Fruchtschaden deutlich unter 1 Prozent lag.
Das Verhältnis von Wirten und Parasitoiden wird enger Die Parasitierung betrug ungefähr 30 Prozent. Von den Parasitoiden sind 4,8 Prozent ebenfalls abgestorben, aber 24,7 Prozent lebend geschlüpft. Daraus resultierte ein Anteil überlebender Faltern von 11 Prozent. In der Sommergeneration war das Verhältnis von Wirten zu Parasitoiden deutlich enger, so dass eine sehr hohe Parasitierung festgestellt werden konnte.
Parasitoide spielten vor allem in Nord- und Süddeutschland eine Rolle, während im Osten die Parasitierung sehr gering war. Der wichtigste Parasitoid ist Teleutaea striata Grav. Vor allem im Norden war auch Meteorus ictericus Nees von Bedeutung.
- Prof. Dr.Dr. C.P.W. Zebitz, Jutta Kienzle, Dr. Hamdow Al karrat, Universität Hohenheim, Institut für Phytomedizin, FG Angewandte Entomologie, 70593 Stuttgart. (Koordinator)
- Bastian Benduhn und Christina Adolphi, ÖON e.V., Moorende 53, 21635 Jork
- Jürgen Zimmer und Sabrina Görtz, DLR Rheinpfalz, Campus Klein-Altendorf 2, 53359 Rheinbach
Universität Hohenheim
Institut für Phytomedizin, FG Angewandte Entomologie
70593 Stuttgart
Jutta Kienzle
E-Mail: Jutta.kienzleuni-hohenheimde
Tel: +49 (0)7151 2700480
04/2017 – 03/2022
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Letzte Aktualisierung 21.06.2023


