Wir verwenden Cookies, um Ihnen die optimale Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen. Es werden für den Betrieb der Seite nur notwendige Cookies gesetzt. Details in unserer Datenschutzerklärung.
Weniger Torf, dafür mehr Kompost im Bio-Kräutertopf

In einem Forschungsprojekt wurde untersucht, wie Bio-Topfkräuterbetriebe ihren Torfverbrauch vor allem mit Kompost als regional verfügbarem Torfersatzstoff senken können. Welche Maßnahmen notwendig, um die Herausforderungen hinsichtlich einer guten Kompostqualität bei derzeit geringer Angebotsmenge zu bewältigen?
Empfehlungen für die Praxis
Anpassung der Kulturführung
Die größten Herausforderungen bei steigender Torfersatz-quote liegen in den Bereichen Bewässerung, Düngung und Pflanzenschutz. So heben hohe Kompostanteile den pH-Wert in der Regel an, wodurch sich das Risiko eines Mikronährstoff-mangels erhöhen kann. Zur pH-Absenkung bewährte sich in Versuchen eine geringe Schwefelgabe (1 g S/l), die bei Basilikum und Minze zudem das Wachstum förderte. Hohe Kompostanteile gepaart mit hohen Bevorratungen organischer Feststoffdünger erhöhen den Salzgehalt. Dadurch kann es zu Problemen während der Keimphase kommen. Holzreiches Ausgangsmaterial im Kompost minimiert dieses Risiko, wie mehrere Versuche zeigten. In Kompostsubstraten sind meist hohe Phosphor- und Kalivorräte vorhanden, weshalb stickstoffbetont nachgedüngt werden sollte. Als Folge der hohen Kalikonzentration kann ein Ungleichgewicht in der Nährstoffversorgung auftreten. Um einen Nährstoff-Antagonismus zu vermeiden, ist auf eine ausreichende Calcium- und Magnesiumversorgung (zum Beispiel durch Naturgips) zu achten. Holzreiche Komposte weisen eine geringere Kapillarität auf, wodurch die oberste Substratschicht bei Anstaubewässerung oft trocken bleibt (Abhilfe: feinere Siebung). Besonders in den ersten Wochen ist deshalb eine Überkopfbewässerung wichtig, um eine gleichmäßige Feuchtigkeit zu garantieren und verkrustete Substratoberfläche zu vermeiden.
Positive Eigenschaften des Komposts nutzen
Hochwertiger Kompost sorgt für eine gesunde Pflanzenentwicklung und kann bodenbürtige Krankheiten wirksam unterdrücken. Er bringt eine Grunddüngung im Bereich der Makronährstoffe mit – allen voran Phosphor und Kali – und enthält wichtige Spurenelemente. Zusätzlich bereichert Kompost das Substrat mit wertvollen Mikroorganismen, die eine zentrale Rolle bei der Umsetzung organischer Dünger spielen. Wichtig ist es, dass nur ausgereifte, gütegesicherte Kompostqualitäten (siehe Ergebnisteil) im Substrat eingesetzt werden. Denn nicht vollständig ausgereifte Kompostzusätze können zu großen Problemen im Topfkräuteranbau führen.
"In Versuchsreihen mit hohen Premium-Kompostanteilen zwischen 40 und 70 Prozent konnten bei allen Versuchen gute Topfpflanzenqualitäten bei Basilikum und Petersilie erreicht werden" Jonas Buck, FH Erfurt
Informationen zum Projekt
Die steigende Nachfrage nach Öko-Topfkräutern erfordert hohe Verkaufsqualität und Haltbarkeit, damit der Kunde nicht enttäuscht wird. Da Torf aus Klimaschutzgründen minimiert werden sollte, steht die Substratwirtschaft vor der Herausforderung, gleichwertige Torfersatzstoffe so miteinander zu kombinieren, dass Kulturqualität und Wirtschaftlichkeit im Betrieb nicht gefährdet werden. Torf gilt wegen seiner stabilen physikalischen und chemischen Eigenschaften bisher als schwer ersetzbar. Um den Übergang zu weiter torfreduzierten Substraten zu meistern, müssen Bewässerung, Nährstoffversorgung und Pflanzenschutz an die neuen Bedingungen angepasst werden. Kompost kann ein wichtiger Torfersatzstoff sein, wenn die Qualität stimmt. Die Qualitäten am Markt sind sehr schwankend und ausreichenden Mengen nicht verfügbar.
Ergebnisse der Anbauversuche
Besonders Versuche mit den Kulturen Basilikum, Petersilie und Minze an den Versuchsanstalten und in den Praxisbetrieben haben ergeben, dass hohe Kompostanteile im Substrat möglich sind, wenn die Anbauverfahren entsprechend angepasst werden. Substrate mit Anteilen von 40 - 50 Prozent Kompost funktionierten pflanzenaulich gut. Kompostanteile von 60 - 70 Prozent führten teilweise zu kompakterem Wuchs und zu einer Kulturzeitverlängerung. Der zukünftige Forschungsbedarf besteht weiterhin in der Anpassung der Kulturzeit, im Stickstoffmanagement und in der Haltbarkeit der Topfkräuter. Des weiteren gilt es, auch die Eignung hoher Kompostanteile in Kultursubstraten im Zierpflanzenbau zu testen.
Qualitätssicherung Kompost
Zur Qualitätssicherung von Kompost empfiehlt sich die Messung der Atmungsaktivität, da der herkömmliche Dewar-Test für holzreiche Komposte nicht sensitiv genug ist. Eine grundlegende Neuausrichtung der Gütesicherung wurde gemeinsam mit der Bundesgütegemeinschaft Kompost diskutiert und angestoßen.
Hierbei ist es notwendig, zwischen Hobby- und Profianwendungen zu unterscheiden und physikalische und chemische Parameter weiter zu differenzieren.
Als wichtiger Qualitätsparameter von Kompost hat sich dessen krankheitsunterdrückende Wirkung bestätigt. Daher wurde ein biologischer Test, der das suppressive Potenzial von Kompost aufzeigt, im Projekt TerÖko für die Praxisanwendung weiterentwickelt. Dieser Test bietet sich für erste orientierende Untersuchungen im Kompostwerk an.
Mehr verfügbarer Substratkompost
Um das Angebot an qualitativ hochwertigem, gütegesichertem Substratkompost (so genannter Premium-Kompost) zu steigern, sind politische Maßnahmen und Marktanreize notwendig. Dazu gehören höhere Abnahmepreise für Substratkompost, Bürokratieabbau bei Genehmigungsverfahren für Kompostanlagen, Finanzierung von Schulungen und die politische Anerkennung von Grüngut als Wertstoff.
- Dr. Christian Bruns und Dr. Ramia Jannoura, Universität Kassel
- Klaus Bongartz, Anbauberater, Nettetal
- Jonas Buck und Prof. Dr. Birgit Wilhelm, FH Erfurt
- Daniel Möhle, Robert Koch und Barbara Degen, LVG Heidelberg
- Ralf Gottschall, Ingenieurbüro für Sekundärrohstoffe und Abfallwirtschaft, ISA, Neu-Eichenberg
- Andrea Frankenberg und Gwendolyn Manek, Bioland Praxisforschung GmbH, Mainz
Bioland Praxisforschung GmbH
Kaiserstraße 18
55116 Mainz
Andrea Frankenberg
E-Mail: andrea.frankenbergbiolandde
Telefon: 02 28 / 180 990 09
09/2020 – 12/2025
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 25.02.2026

