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Potenzial von Maispopulationen

Im Hinblick auf die Klimakrise und die zunehmend auftretenden Wetterextreme könnten heterogene Maispopulationen speziell im Öko-Landbau Vorteile bieten. In einem Forschungsprojekt wurden Leistungspotenzial, Robustheit und Anpassungsfähigkeit von Maispopulationen sowie effiziente Zuchtmethoden zu deren Verbesserung an ökologisch und konventionell bewirtschafteten Standorten untersucht.
Empfehlungen für die Praxis
- Für den Aufbau von Populationen sollte ertragsstarkes Ausgangsmaterial mit hoher Kombinationsfähigkeit ausgewählt werden, das aus unterschiedlichen genetischen Herkünften stammt.
- Die Forschung und Entwicklung von Maispopulationen steht noch am Anfang. Weitere züchterische Anstrengungen zur Entwicklung leistungsfähigerer Populationen sind dringend notwendig.
Anbau in der Praxis
Maispopulationen verschiedener Öko-Züchterinnen und -züchter sind beim Bundessortenamt als sogenanntes Ökologisch Heterogenes Material notifiziert und bereits am Markt erhältlich. Der Anbau erfolgt ortsüblich wie bei Hybridsorten. Eine Vernetzung von Betrieben, die bereits Erfahrungen mit dem Anbau von Maispopulationen haben und eine eigene Hofsortenentwicklung durchführen, wurde angeregt. Wie der Nachbau und die Hofsortenentwicklung durchgeführt werden soll, ist in einem eigenen Praxismerkblatt beschrieben.
Meine eigene Hofsorte zu entwickeln, eigenes Saatgut zu erzeugen und ganz nah an der Züchtung dran zu sein, das hat mich am meisten gereizt.
(Adolf Hörl, Landwirt aus Bayern)
Informationen zum Projekt
Mais ist ein Fremdbefruchter und bildet auf natürliche Weise eine Population, eine Gruppe von Individuen derselben Art, die sich untereinander fortpflanzen und über mehrere Generationen genetisch stabil sind. Hybridsorten werden dagegen aus Inzuchtlinien aufgebaut und entstehen durch mehrmaliges Selbsten der Maispflanzen und gezielter Kreuzung miteinander. Dadurch kommt es zum ertrags- steigernden Heterosiseffekt. Ein Nachbau ist nicht möglich.
Vorteile von Populationen
- natürlich, heterogen und anpassungsfähig
- nachbaufähig, geeignet zur Hofsortenentwicklung
Nachteile
- kaum Heterosis, geringerer Ertrag
- ungünstige Eigenschaften bleiben unter Umständen verdeckt
Leistungsfähigkeit im konventionellen und ökologischen Anbau
Die Ergebnisse der an insgesamt sieben Standorten über fünf Jahre durchgeführten Prüfungen zeigten klar, dass die untersuchten Populationen deutlich unterhalb der Vergleichshybriden lagen. Im Mittel erzielten die Populationen maximal 80 Prozent des Kornertrags der Vergleichshybridsorten. Nur an einzelnen Standorten und Jahren erreichten sie konkurrenzfähige Erträge. Im ökologischen Anbau zeigten alle Populationen eine höhere Leistungsfähigkeit. Das deutet darauf hin, dass in diesem Anbausystem die genetische Heterogenität besser genutzt werden kann. Deutliche Vorteile der Populationen im ökologischen Anbau konnten allerdings nicht nachgewiesen werden. Zwischen den Populationen konnten Unterschiede im Leistungsverhalten festgestellt werden (im Mittel ca. 84 bis 100 Dezitonnen pro Hektar). Weitere züchterische Anstrengungen sind notwendig, um leistungsfähigere Populationen zu entwickeln
Anpassungsfähigkeit
Die Ergebnisse zeigen, dass die Anpassung und Selektion an einem Standort auch im Ertrag messbar wurde.
Bemerkenswert war, wie schnell sich die genetischen Anpassungsprozesse zeigten. Nach nur drei Jahren unterschiedlicher Selektionsumwelt haben sich die Populationen, die aus einer Ausgangspopulation hervorgingen, ertraglich voneinander entfernt. Zudem wurde deutlich, dass breit aufgebaute Populationen zwar nicht ertragsstärker, aber dafür ertragsstabiler waren.
Neue Ausgangspopulation für Forschung und Praxis verfügbar
Als Kriterien bei der Auswahl der Eltern aus 200 Sorten wurde auf den Kornertrag, die Ertragsleistung bei Nachbau, genetische Verwandtschaft, den Korntyp und die Reife(gruppe) geachtet.
- Dr. Barbara Eder, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Freising
- Kathrin Neubeck, Dr. Carl Vollenweider, Landbauschule Dottenfelderhof e.V. Forschung & Züchtung (FZD), Bad Vilbel
- Friedhilde Trautwein, Kerstin Diekmann, Bundessortenamt, Hannover
- Dr. Bernd Horneburg, Universität Kassel, Witzenhausen
- Werner Vogt-Kaute, Naturland Fachberatung, Hohenkammer
- Ulricht Ebert, Kompetenzzentrum Ökolandbau, Visselhövede
- Herbert Völkle, Getreidezüchtung Peter Kunz, Meissner
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Am Gereuth 4
85354 Freising
Dr. Barbara Eder
E-Mail: Barbara.Ederlfl.bayernde
Telefon:: +49 (0)8161 8640 4318
04/2017 – 06/2022
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 16.12.2022
