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Trauermücken: Vorbeugen statt bekämpfen

Trauermücken (Sciaridae) legen ihre Eier in Gewächshäusern bevorzugt in Kultursubstraten ab. Manche Substrate sind für sie hoch attraktiv, andere werden dagegen kaum oder gar nicht besiedelt. Zur Beurteilung einzelner Substratbestandteile und organischer Dünger wurde in Becherversuchen ermittelt, wie attraktiv ausgewählte Stoffe für Trauermücken sind.
Empfehlungen für die Praxis
Kompostqualität entscheidend
Während viele der gängigen Substratausgangsstoffe wie Torf, Holzfasern, Rindenhumus oder Kokosmark für Trauermücken uninteressant sind, können Komposte eine hohe Anziehungs- kraft auf die Tiere haben. Mitentscheidend dafür scheint die Kompostreife zu sein: Bei nicht vollständig ausgereiften Komposten mit dem Rottegrad III bis IV und einem hohen Anteil Ammonium-N besteht ein erhebliches Risiko für eine starke Besiedlung mit Trauermücken. In sehr gut ausgereiften Komposten (Rottegrad V und überwiegend Nitrat-N) wurden dagegen fast keine Eier abgelegt.
Feste organische Dünger sind ein Risikofaktor
Entscheidend für die Attraktivität eines Substrats scheint die Art der Aufdüngung zu sein. Während feste organische Dünger wie zum Beispiel Hornspäne oder Granulate pflanzlichen Ursprungs die Vermehrung stark fördern, ziehen flüssige organische Dünger Trauermücken nicht an. Eindeutige Unterschiede im Hinblick auf die Attraktivität zwischen verschiedenen festen Düngern waren nicht zu erkennen. Allerdings scheint die Attraktivität mit der Mineralisation einherzugehen. Das bedeutet, dass Düngern mit einer langsamen N-Freisetzung später attraktiv werden als Dünger mit schneller N-Freisetzung.
"Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass eine Kombination unterschiedlicher Maßnahmen der Schlüssel für eine erfolgreiche Trauermückenregulation ist." (Prof. Dr. Stefan Kühne, Projektleiter am JKI)
Informationen zum Projekt
Trauermücken können im Bio-Topflanzenanbau erhebliche Schäden verursachen. Die torfreduzierten, organisch gedüngten Kultursubstrate bieten den Trauermücken gute Lebensbedingungen, sodass es zu einer massenhaften Vermehrung und in der Folge zu erheblichen Ausfällen kommen kann, vor allem durch die Fraßtätigkeit der Larven an den Wurzeln von Keimpflanzen.
Ungeklärt ist in diesem Zusammenhang die genaue Rolle des Substrats. Aus früheren Untersuchungen sowie Praxisbeobachtungen ist bekannt, dass sich Substrate in ihrer Attraktivität für Trauermücken zum Teil stark unterscheiden. Diese Unterschiede wurden systematisch untersucht, um Empfehlungen für risikoarme Substratmischungen abzuleiten.

Prüfung der Attraktivität – Methodik
Die Attraktivität der einzelnen Materialien wurde mit Becherversuchen ermittelt. Das kulturfeuchte Testmaterial wurde zunächst in Bechern für fünf Tage in einen Klimaschrank gestellt, sodass sich Bakterien und Pilze entwickeln konnten. Danach wurden die Becher in große Eimer sortiert und Trauermücken eingesetzt. 24 Stunden nach der Eiablage wurden die Insekten abgefangen. In der Folge wurden die Becher mit einer kleinen Gelbtafel bestückt, mit einem feinen Netz verschlossen und unter standardisierten Bedingungen aufgestellt, bis sich die abgelegten Eier zu adulten Trauermücken entwickelt hatten. Diese wurden mit den Gelbtafeln abgefangen und gezählt. Die Daten wurden anschließend statistisch ausgewertet.
Attraktivität von Substratausgangstoffen
Die Prüfung der Attraktivität verschiedener Substrataus- gangsstoffe (Torf, Kompost, Rindehumus, Holzfaser, Kokosprodukte) zeigte, dass die meisten dieser Materialien nur eine geringe Attraktivität für Trauermücken aufweisen. Die einzige Ausnahme bilden Grüngutkomposte.
Hier waren erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Komposten zu beobachten. Von den gut 50 untersuchten Komposten hatten 26 eine erhöhte Attraktivität. Davon waren drei Produkte hoch attraktiv. Die übrigen 24 Komposte waren unattraktiv. In diese wurden nicht signifikant mehr Eier abgelegt als in das Kontrollsubstrat aus 100 Prozent Kokosmark.
Attraktivität von Düngemitteln
Weitere Attraktivitätsversuche wurden mit einer Reihe unterschiedlicher organischer Dünger durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass alle flüssigen organischen Dünger die Vermehrung der Trauermücken im Substrat nicht förderten. Anders war die Situation bei den festen organischen Düngern: Bereits nach wenigen Tagen waren die meisten Proben für Trauermücken hoch attraktiv. Weitergehende Untersuchungen zeigten zudem, dass für Trauermücken unattraktive Substrate durch Zugabe von festen organischen Düngern binnen Tagen ebenfalls hochattraktiv wurden.
Zum Abschlussbericht des Projekts
Weitere Infromationen:
- Andrea Baron, Dr. Dieter Lohr, Prof. Dr. Birgit Zange; Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Freising
- Dr. Theresa Kabakeris, Prof. Dr. Stefan Kühne; Julius Kühn-Institut für Strategien und Folgenabschätzung, Kleinmachnow
- Dr. Torsten Meiners; Julius Kühn-Institut für Ökologische Chemie, Pflanzenanalytik und Vorratsschutz, Berlin
- Dr. Quentin Schorpp; Julius Kühn-Institut für Pflanzenschutz in Gartenbau und urbanem Grün, Braunschweig
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - Institut für Gartenbau
Am Staudengarten 12
85354 Freising
Prof. Dr. Birgit Zange
E-Mail: birgit.zange@hswt.de
Telefon: 08 161 / 71-33 62
Projektlaufzeit: 03/2022 – 07/2025
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 08.01.2026

